krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Die Herrschaft durch Chaos, Teil I

Posted by krisenfrei - 26/07/2014

von Michael Obergfell (fortunanetz)

Ein wesentlicher Baustein der Weltordnung wie wir sie kennen ist der Petro- oder Rohstoffdollar. Seine Gründung erfuhr dieser in der Zeit um 1971, als die USA die Goldbindung des Dollars aufhoben und insbesondere mit den Golfstaaten und ihrem Hauptverbündeten Saudi-Arabien einen Pakt schlossen, dass Öl in Dollars gehandelt werden soll. Dies bescherte den Ölproduzenten eine damals stabile und weltweit verfügbare Währung für ihr Öl und dem US-Dollar eine flexible Sachwert-Deckung an der Stelle von Gold.

Die iranische Revolution von 1978/79 bedrohte die Vormachtstellung der USA im Nahen Osten gleich in mehrfacher Weise. Der Iran war bis dahin ein wichtiger Verbündeter der USA, der nun ausfiel. Die islamische Revolution, die dieser Staat vertritt, erschien vor allem anfänglich vielen Muslimen das Nahen Ostens als ein attraktives alternatives Modell zur US-amerikanischen Dominanz oder zum Panarabismus. Der Iran drohte nicht nur eine entglittene Großmacht des Nahen Ostens zu werden, sondern auch eine Führungsmacht des Nahen Ostens.

Dem galt es natürlich aus amerikanischer Sicht, Einhalt zu gebieten. Die Antwort auf diese Herausforderung war vielschichtig. Rumsfeld und Konsorten rüsteten Saudi-Arabien und den Irak kräftig auf, um eine militärische Eindämmungspolitik zu ermöglichen. Der irakisch-iranische Krieg (1980 – 1988) sollte mindestens eine Schwächung des Iran und am Besten den Sturz des dortigen Regimes herbei führen. Das alles misslang gründlich.

Der Iran konnte sich des Iraks und der hinter ihm stehenden Macht USA erfolgreich erwehren, wenn auch mit einem hohen Blutzoll.

Schon kurz darauf kam es zum ersten Irak-Krieg. Saddam Hussein hatte es nicht geschafft hatte, jene Region des Iran zu erobern, in der ihre größten Erdölfelder lagen und die zudem hauptsächlich von Arabern bewohnt ist. Nun überfiel er Kuwait, mit dem Argument, historisch gesehen gehörte es zum Irak. Wenn er die Ölfelder des Iran nicht bekommen konnte, dann doch bitte die von Kuwait.

Der Erste Irak-Krieg von 1990/1991 war ein haushoher Sieg der USA über Saddam Hussein und den Irak. Dabei wollte Bush Senior aber die Herrschaft von Saddam Hussein unangetastet lassen, in der Hoffnung, dass er als Stabilitätsanker des Landes weiterhin seinen Dienst tun würde. Dennoch war das Land zerstört, isoliert und die Wirtschaft lag am Boden. Der Irak unter Saddam Hussein hatte ursprünglich eine panarabische Ideologie, die die Iraker und auch eine große Zahl anderer Araber damals als Alternative zur Nationalstaatlichkeit ansahen. Diese Ideologie besagte, dass sich die arabischen Staaten vereinen sollten, um die alten, durch den Kolonialismus der Europäer gezogenen Grenzen zu überwinden. Das war auch eine Alternative zur islamischen Revolution iranischer Prägung, denn die panarabische Bewegung träumte ausnahmslos von einem säkularen Staat! Nach dem Ersten Irak-Krieg war diese Utopie des Staates Irak aber in weite Ferne gerückt und stärkte damit vor allem die Herrschaft jener arabischen Diktatoren und Könige, die im Gefolge des westlichen Imperialismus und Kolonialismus an die Macht gekommen waren.

In den 10 Jahren, die Saddam Hussein noch nach dem Ersten Irak-Krieg an der Macht blieb, wandte sich das Baath-Regime verstärkt dem Islam sunnitischer Prägung zu. Vor allem war eine Verbindung mit Sufi-Orden in dieser Zeit sehr häufig zu erkennen. Es handelte sich also auch um eine Hinwendung zur islamischen Mystik. Das erklärt auch die vielen Bilder die man von dem Diktator noch bis zu seinem Sturz sah, in denen er in einer Moschee betete. Den Unterstützern des Baath-Regimes war es mit dem Islam durchaus ernst gewesen.

Danach kam die Katastrophe des 11. September 2001. Massenvernichtungswaffen gab es im Irak keine. Und weil Saddam ebenso wenig beweisen konnte, dass es diese Waffen NICHT gab, wie sie nicht beweisen können, dass sie KEINEN Hund haben, begann das Große Sterben – bis heute. Wieder traten die USA als Kriegsmacht auf, wieder eroberten sie den Irak, obgleich der Irak nichts getan hatte, was diese Aktion auch nur ansatzweise rechtfertigen könnte. Der Krieg war von vorne bis hinten völkerrechtswidrig und verbrecherisch. Doch aufgrund der enormen Feuerkraft der konventionellen amerikanischen Armee wurde der „Krieg“ gegen die Armee von Saddam Hussein eine Art von traurigen Tontaubenschießen, bei dem sich die Verluste der US-Amerikaner in Grenzen hielten, aber die irakische Armee geradezu zerfetzt wurde. Saddam Hussein wurde auf der Flucht gefangen genommen, vorgeführt und erhängt. Seine letzten Worte, die wie seine Hinrichtung auch im Internet auf einem Handyvideo zu sehen war, waren die der Shahada, das islamische Glaubensbekenntnis.

Anschließend versank das Land endgültig bis heute im Chaos. Der sunnitische und schiitische Widerstand im Land gegen die USA war enorm. Um aus diesem Chaos heraus zu kommen, baute US-Präsident Obama die Militärpräsenz im Irak schrittweise ab. Die Regierung Maliki war vor allem schiitisch geprägt und repräsentierte nach eine schwache ´schiitische Mehrheit im Land, während der sunnitische Bevölkerungsteil des Irak zwar ehemals an der Macht war, aber die Minderheit im Land stellt.

Nun ist auch das Modell einer schiitisch geführten „Mehrheitsregierung“ im Irak ebenfalls gescheitert. Der Irak kommt weder mit einer sunnitischen Minderheitsregierung noch mit einer schiitischen Mehrheitsregierung zur Ruhe. Das ist das wesentliche Ergebnis der amerikanischen „Politik“ im Nahen Osten. Mehr noch: verwundert liest man, dass die Al-Qaida, die ja ursprünglich als Übeltäter des 11. September 2001 ausgemacht wurde, mit militärischen Mitteln ebenfalls nicht bekämpft werden konnte. Vielmehr gibt es heute statt einer Al-Qaida viele davon. Die noch von Osama bin Laden mit Hilfe der CIA und amerikanischen Geldern kreierte Al-Qaida gibt es heute als „globale Al-Qaida“ als „Al-Qaida in Syrien“ und als „Al-Qaida im Irak“. Alle diese Leute berufen sich auf Osama bin Laden, den Barack Obama ja´so erfolgreich hat liquidieren lassen…

Der neueste Ableger der „Al-Qaida“ ist nun die sogenannte „ISIS“. Der Name dieser Organisation bezieht sich darauf, dass sie einen Staat gründen will, der das Staatsgebiet des Irak, Syriens, des Libanon, Jordaniens und womöglich auch Israels umfassen soll. Derzeit ist aber diese Organisation im Westen als bekannt. Doch der Anspruch dieses Al-Qaida Ablegers geht viel weiter als nur bis zur„Levante“: Die derzeit in Syrien und im Irak aktive Al-Qaida Organisation hat ein „Kalifat“ gegründet. Damit begründet diese Gruppe den Anspruch, direkte Nachfolger des Propheten Mohammed zu sein. Der „Kalif“ wurde in der islamischen Geschichte immer auch als „Beherrscher der Gläubigen“ angesprochen und ist damit das geistliche und weltliche Oberhaupt ALLER Muslime. ISIS hat nicht nur einen Anspruch darauf, in Syrien und im Irak, sondern über alle Muslime zu herrschen. Das ist nicht mehr und nicht weniger als die Idee, das islamische Großreich der Kalifen wieder erstehen zu lassen und in dieser Größe zusammen mit über einer Milliarde Muslime im Rücken auch der Supermacht USA Paroli bieten zu können.

Das sind derzeit natürlich ebenso phantastische Großmacht-Träume wie sie auch die kommunistische Internationale schon einmal hatte oder auch Adolf Hitler, der den Krieg nur hätte gewinnen können, indem er auf mir bis heute unerfindliche Weise einen Statthalter für die USA hätte einsetzen können…. Dennoch ist die Bewegung die sich da zusammen braut, sehr gefährlich. Es gibt schon Anzeichen dafür, dass ISIS den Marsch auf Mekka plant. Das würde natürlich auch zu dem Anspruch passen, der sich in der Idee eines neuen Kalifats manifestiert. Zwar ist es unwahrscheinlich dass ISIS die Verwirklichung einer weltweiten Vision gelingt, aber ein Marsch auf Mekka und der Sturz des saudischen Königshauses liegt im Bereich des Möglichen.

Was nämlich nach außen hin als ISIS und als Nachfolge-Organisation der Al-Qaida erscheint ist in Wahrheit ein Zusammengehen radikaler salafistischer Gruppen mit den früheren Gefolgsleuten von Saddam Hussein. Das bizarre an dem ganzen Vorgang ist zudem, dass ISIS ursprünglich wegen ihres Salafismus von Saudi-Arabien gesponsert wird. Dieser Ableger der Al-Qaida ist vor allem mit Geldern aus Saudi-Arabien groß geworden. Saudi-Arabien ist der Hort des Salafismus schlechthin und gilt weltweit als Sponsor dieser religiösen Richtung des Islam. Saudi-Arabien spielt überhaupt in allen Belangen des Nahen Ostens eine unrühmliche und in den Leitmedien des Westens viel zu wenig „gewürdigte“ Rolle, denn dieses Land gilt als „unser“ engster Verbündeter schlechthin und als der Hauptgarant für den „Petrodollar“.

Saudi-Arabien stellte die meisten Attentäter des 11. September. Osama bin Laden kommt aus Saudi-Arabien. Al-Qaida wurde von Saudi-Arabien mit finanziert und nun wurde auch ISIS von ihnen finanziert. Und nun stellt sich heraus, dass ausgerechnet diese Gruppe nach Mekka will um den heiligsten Ort des Islam vom saudischen Königshaus zu „befreien“.

Die Chaos-Politik der USA, die wir seit der iranischen Revolution von 1979 im Nahen Osten am Werke sehen, hätte damit einen wahrhaft krönenden Abschluss gefunden.Ihre Zöglinge säßen dann in Mekka um die Kaaba zu zerstören! Wie man sieht, praktizieren die ISIS-Leute eine wahrhaft seltsame Form des Islam. Das wäre ungefähr so, als würden „Katholiken“ sich aufmachen, den Vatikan in die Luft zu sprengen oder in Jerusalem praktisch alle christlichen Heiligtümer dem Erdboden gleich zu machen. Auch diesen Leuten würden wir sofort abnehmen, dass das Christen sind… (Vorsicht Ironie!)

Über eine längere Zeitlinie hinweg hat der Westen der arabischen und islamischen Welt übel mitgespielt und ein Ende dieser dummen und menschenverachtenden Politik ist nicht abzusehen. Zuerst hat Europa und allen voran Großbritannien und Frankreich die arabische Welt kolonisiert und sie anschließend in ein Korsett von Nationalstaaten gezwängt, anschließend eine panarabische Bewegung und die Expansion einer islamischen Revolution erfolgreich verhindert. Dabei aber wurde eine ganze Region bewusst ins Elend gestürzt. Syrien, der Irak und der Libanon brennen schon jetzt. Überall gibt es militärische Konflikte. Weiter Länder könnten folgen….

Ein Szenario sieht derzeit die „Stimme Russlands“. Es scheint so zu sein, dass sich die USA nach dem von ihnen angerichteten Chaos in der Region nicht mehr in größerem Maß im Irak gegen ISIS engagieren wollen. Den Scherbenhaufen haben sie angerichtet, andere sollen ihn nun bitteschön aufkehren! Amerika lässt dem Iran den „Vortritt“, weil der Iran ja die Schutzmacht der Schiiten im Irak ist. Mit anderen Worten ausgedrückt: Sie hoffen nun, dass die früheren Gefolgsleute von Saddam Hussein und die Nachfolger von Osama bin Laden ihnen den Gefallen tun und in einen Konflikt mit dem Iran stürmen. Das wäre dann das von den USA gewünschte Szenario einer Ausweitung des Konfliktes über Syrien und Irak hinaus in den Iran. Die ganze Region soll brennen! Eine solche Politik beschreibt in Wahrheit die Herrschaft des Behemoth. Behemoth herrscht mit dem Mittel des Chaos. Er hat Macht, indem er den Menschen Rechtlosigkeit und Unsicherheit beschert. Dies ist die Politik der USA nicht nur heute, sondern schon seit langer Zeit im Nahen Osten.

Doch es steht zu befürchten, dass Chaos eben am Ende unbeherrschbar sein wird. Der Iran wird den USA den Gefallen nicht tun. Womöglich wird der Iran ISIS gar nicht frontal angreifen, sondern sie darin befördern, Richtung Mekka zu marschieren. Das wäre sozusagen die Antwort des von US-Truppen seit Jahrzehnten umzingelten Irans auf das Chaos und den Druck, den die USA als „Ordnungsmacht“ im Nahen Osten anrichten. Dann wird das Chaos zum Hauptverbündeten der USA getragen und nicht in den Iran. Eine Ausweitung des Konfliktes in diese Richtung würde aber das Pulverfass Naher Osten wohl endgültig zur Explosion bringen – mit weltweit unabsehbaren Folgen.

Dass aber die Herrschaft durch Chaos nicht nur im Nahen Osten das eigentliche Konzept der fallenden Supermacht USA ist, das soll Thema des zweiten Teils sein.

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Danke für Ihre aufschlußreiche Analyse, Herr Obergfell. Auf den zweiten Teil, dem Konzept der fallenden Supermacht USA, bin ich schon ganz gespannt.

M.E. könnte der Fall der größenwahnsinnigen Supermacht USA relativ schnell vonstatten gehen, wenn nicht so viele Vollidioten in Berlin, Brüssel, London … das Sagen hätten. Es ist kein Geheimnis, dass die EU der verlängerte Arm der USA ist, die nur darauf bedacht sind, Europa mit ins Chaos zu reißen. Washington handelt nur im eigenen Interesse. Wenn die Ziele erreicht sind, hinterlassen sie Chaos und Elend, wie viele Beispiele zeigen. Wo die US-Administration gewütet hat, hinterließ sie Schutt und Asche. Europa wird mit großer Wahrscheinlichkeit das gleiche Schicksal erleiden wie viele Länder zuvor.

 

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