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Wer hat Flug MH17 vom Himmel geholt?

Posted by krisenfrei - 24/07/2014


von Gerd Wolf (compact)

Als am 17. Juli 2014 der Malaysia-Airlines-Flug 17, eine Boeing 777, über der Ost-Ukraine abstürzte, war man sich im Westen schnell einig, wo die Schuldigen zu suchen seien. Auf der Webseite des deutschen Nachrichtensenders n-tv wurde an diesem Tag folgendes berichtet: «Aktuell wird spekuliert, ob prorussische Separatisten eigentlich eine Militärmaschine treffen wollten. (…) Am späten Nachmittag informierten die prorussischen Rebellen auf Twitter und Facebook, sie hätten ein Flugzeug abgeschossen, eine Militärmaschine vom Typ Antonow(…); die angebliche AN-26 sei nahe der Ortschaft Snischne abgeschossen worden. Diese wiederum liegt genau in jener Gegend, in der wenig später die Trümmer der malaysischen Passagiermaschine gefunden wurden,» hieß es in einem inzwischen veränderten Online-Artikel bei n-tv.

Beiträge in sozialen Netzwerken, in denen angeblich von einem Abschuss einer Antonow-Maschine die Rede war, habe man später gelöscht, berichtet die Frankfurter Allgemeine auf ihrer Website. Von Separatisten sei aber betont worden, dass die Einträge im Netz nicht von ihnen eingestellt wurden, sondern von einem Sympathisanten, der vom Absturz einer ukrainischen Militärmaschine ausgegangen war.

Man war sich außerdem schnell einig, dass ein Abschuss der hoch fliegenden Boeing nur mit dem Flugabwehrraketensystem Buk erfolgt sein könne. Diese Buk-Raketen sind jedoch komplexe Waffensysteme, die nur von Spezialisten richtig bedient werden können, geht etwa aus einer Analyse der Neuen Zürcher Zeitung hervor. Deshalb dauerte es nicht lange bis der Kreis der Verdächtigen auf Russland ausgeweitet wurde, der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk behauptete am 21. Juli in Kiew: «In der gegenwärtigen Etappe zweifeln wir nicht daran, dass der Jet mit einer Rakete des Systems Buk M1 abgeschossen worden ist». Ihm sei «absolut klar», dass die Rakete von «Spezialisten» abgefeuert wurde, die «auf russischem Territorium» geschult wurden. Die Quelle für seine Behauptungen nannte Jazenjuk nicht. Auch US-Präsident Barack Obama äußerte sich auf ähnliche Art und Weise. Alleine diese voreiligen und unbewiesenen Schuldzuweisungen sollten jedem kritisch denkenden Menschen fragwürdig erscheinen!

In der Tat gibt es noch einige offene Fragen, durch die nicht die Separatisten, sondern viel mehr die ukrainische Regierung belastet wird. Obwohl die Separatisten gar keine Flugzeuge besitzen und die ukrainische Armee deshalb in diesem Konflikt eigentlich gar keine Flugabwehrsysteme benötigt, wurden nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vom 18. Juli insgesamt 27 Buk-Systeme im Raum des umkämpften Donezk in Stellung gebracht. Desweiteren hat der russische Generalstab, vier Tage nach dem Flugzeugabsturz, seine Radardaten veröffentlicht, denen zufolge ein ukrainischer Kampfjet kurz vor der Katastrophe unweit von der malaysischen Verkehrsmaschine geortet worden sein soll. Die entsprechenden Unterlagen präsentierte der Leiter der Operativen Hauptverwaltung des russischen Generalstabs Andrei Kartapolow am 21. Juli auf einer Pressekonferenz in Moskau.

Dies deckt sich mehr oder weniger mit den Äußerungen eines Fluglotsen, der auf Twitter veröffentlicht haben soll: «Die Militärflugzeuge flogen neben der Boeing 777 drei Minuten vor deren Verschwindung, nur drei Minuten» und «Als das Flugzeug von den Radaren verschwand, berichteten uns die Kiewer Behörden, dass es verunglückt war. Wie konnten sie es so schnell erfahren?», berichtet der russische Auslandsrundfunk, allerdings ohne den Namen des Mannes oder seines Twitter-Profils zu erwähnen.  Russland hat noch weitere offene Fragen an die ukrainische Regierung, z.B. warum dem Flugzeug erlaubt wurde, von der regulären Route nördlich in Richtung der «Antiterror-Operations-Zone» abzuweichen und warum die ukrainische Flugsicherung das Flugzeug angewiesen hat, niedriger zu fliegen als ursprünglich geplant bzw. beantragt war.

Der russische UNO-Botschafter Vitali Tschurkin hat der Ukraine außerdem das Verbreiten von Fälschungen im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz vorgeworfen. «Der bekannt gewordene Mitschnitt von Funkgesprächen zwischen Volkswehr-Kommandeuren wurde, wie es sich herausstellte, aus mehreren Gesprächen zusammengebastelt, von denen einige vor dem Vorfall am 17. Juli stattgefunden hatten», sagte Tschurkin am Montagabend im UNO-Sicherheitsrat nach der Abstimmung über die Resolution zum Flugzeugunglück. Das vom ukrainischen Innenminister veröffentlichte Video, auf dem angeblich der Abtransport eines Buk-Systems von der Ukraine nach Russland zu sehen sein soll, «wurde in Wirklichkeit auf dem von Kiew kontrollierten Territorium aufgezeichnet». «Und wenn mit dem Raketenkomplex geschossen wurde, so sind nicht die Volkswehr-Milizen daran schuld», betonte der Diplomat.

USA halten Satellitenbilder unter Verschluss

Robert Parry – der seit seiner Enthüllungen im Iran-Contra-Skandal einen erstklassigen Ruf als investigativer Reporter genießt – berichtete in Berufung auf eine Geheimdienst-Quelle: «Meine Quelle, die mir in der Vergangenheit bereits zutreffende Informationen in ähnlichen Fällen geliefert hat, sagte mir: Die US-Geheimdienste verfügen über detaillierte Satellitenbilder von der verdächtigen Raketenabschuss-Batterie, von welcher die verhängnisvolle Rakete abgefeuert wurde. Doch die Batterie scheint unter der Kontrolle von Soldaten der ukrainischen Regierungs-Armee gewesen zu sein. Ihre Bekleidung sieht aus, als wären es ukrainische Uniformen. Die Quelle sagte, dass die CIA-Analysten noch nicht ausschließen wollten, dass es sich um Rebellen aus der Ostukraine handelt, die ähnliche Uniformen tragen. Doch die ursprüngliche Einschätzung war, dass es sich um ukrainische Soldaten handelt. Es gab auch die Vermutung, dass die die betreffenden Soldaten undiszipliniert und möglicherweise betrunken waren. Die Satellitenbilder zeigten am Boden verstreute Bierflaschen auf dem Gebiet, sagte die Quelle.»

Russland hatte bereits am Montag die Veröffentlichung der Satellitenbilder gefordert und bestätigt, dass sich US-Spionagesatelliten über der Region befinden. Parry stellt sich die Frage, warum die Spionagesatelliten der Amerikaner nicht längst vorher Alarm geschlagen haben, wenn sie den Aufmarsch von Boden-Luft-Raketen durch die Rebellen beobachtet haben. Parry zeigt sich verwundert, dass die US-Regierung trotz der Satellitenaufklärung nicht in der Lage war, ihre Behauptung zu belegen, die Russen hätten die Raketen in die Ukraine gebracht. Statt eines Beweisfotos habe die US-Regierung nur davon gesprochen, dass sie «vermuten», dass die Russen ein Buk-System aus der Ukraine geschafft hätten und dass die Amerikaner «beginnen, Indizien zu erhalten», dass die Russen das Gerät eine Woche zuvor in das Gebiet transportiert hätten.

Man sollte nicht vergessen, dass die Vereinigten Staaten – deren Geheimdienst CIA bekanntermaßen mit der neuen ukrainischen Regierung zusammenarbeitet – schon in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie keine Skrupel davor hätten, ein Flugzeug anzugreifen und dann ihre politischen Gegner für diesen Anschlag verantwortlich zu machen: «Operation Northwoods war ein US-amerikanischer Geheimplan, der 1962 vom Generalstab des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten verfasst und am 13. März 1962 Präsident John F. Kennedy vorgelegt wurde. Neben Operation Mongoose sah dieser Plan vor, die verdeckte Kriegsführung der USA gegenüber Kuba weiter auszubauen. Durch inszenierte Terroranschläge unter falscher Flagge gegen den zivilen Luft- und Schifffahrtsverkehr innerhalb der USA, für die man im Nachhinein Fidel Castro verantwortlich machen wollte, sollte ein Vorwand zur Invasion Kubas geschaffen werden. Im Gegensatz zu Mongoose wurde Northwoods jedoch nicht umgesetzt, weil Kennedy seine Zustimmung verweigerte. Die Planungen wurden bereits unter Präsident Eisenhower vorgenommen. Unterzeichnet war das Dokument von allen Mitgliedern der Vereinigten Stabschefs, Lyman L. Lemnitzer, dem Vorsitzenden und späteren Oberkommandeur der NATO in Europa, sowie von Brigadier General William H. Craig. Nach über dreißigjähriger Geheimhaltung kam der Geheimplan 1997/98 durch den „Freedom of Information Act“ an die Öffentlichkeit», so die Darstellung im Online-Lexikon Wikipedia.

Machtwechsel und Krieg in der Ukraine – unterstützt vom Ausland

Nicht nur dass die EU und die USA Finanzhilfen in Milliardenhöhe für die neuen Machthaber in der Ukraine beschlossen haben, auch schon vor dem Machtwechsel wurden oppositionelle Gruppen von verschiedenen Stellen im Ausland unterstützt – zum Beispiel erhielt die Partei Vitali Klitschkos logistische Unterstützung von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung, schrieb der Spiegel am 8. Dezember 2013. Victoria Nuland – Assistenzsekretärin des Amtes für Europäische und Eurasische Angelegenheiten – gab bekannt, dass seit 1991 von den USA 5 Milliarden Dollar in eine «demokratische Ukraine» investiert wurden, so die Politikerin in einer Rede, die das US-Außenministerium am 13. Dezember 2013 veröffentlichte. «Dieses Geld wurde für die Unterstützung des Strebens des ukrainischen Volkes nach einer stärkeren, demokratischen Regierung verausgabt, die seine Interessen vertritt», sagte sie gegenüber dem amerikanischen TV-Sender CNN.

Dass die USA Phrasen wie «Demokratisierung» häufig als Vorwand zur Erreichung von eigennützige Zielen benutzen, sollte inzwischen ja allgemein bekannt sein. Über Stiftungen des US-Milliardärs George Soros flossen ebenso über 100 Millionen Dollar in die Ukraine, wovon nach Angaben der Onlinezeitung WND vom 4. März 2013 auch die rechtsradikale Gruppierung Spilna Sprava im Jahr 2009 eine 3.000 Dollar Spende erhielt. Unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise berichtete Bild am 4. Mai, dass die neuen Machthaber von Dutzenden Spezialisten des US-Geheimdienstes CIA und der US-Bundespolizei FBI beraten werden. Außerdem schrieb Bild am Sonntag im Mai unter Berufung auf Informationen des Bundesnachrichtendienstes (BND), dass aufseiten der ukrainischen Armee und Polizei, 400 Kämpfer der privaten US-Sicherheitsfirma Academi eingesetzt seien. Academi dementiert dies offiziell. Wie die US-Botschaft in der Ukraine meldete, unterstützt die USA die ukrainische Armee nun mit Material im Wert von über 23 Millionen US-Dollar. Hierzu zählen Erste-Hilfe-Pakete, Nachtsichtgeräte, Kommunikationsmittel und andere Hilfsmittel für die Militärs, sowie ca. 2.000 Schutzwesten.

 

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