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Intrigen um Strauss-Kahn: Warum der IWF-Chef Washington nicht passte

Posted by krisenfrei - 24/07/2014

von Alexandra Dibischewa

STIMME RUSSLANDS Wem nutzte der Skandal um Strauss-Kahn? Es gibt die Theorie, dass er notwendig gewesen sei, um den Politiker von der Teilnahme an der Präsidentschaftswahl in Frankreich fernzuhalten. Nach einer anderen Version soll der Skandal die Folge eines Ringens zwischen den Anhängern der Beibehaltung des Dollars als Weltwährung und dessen Gegnern gewesen sein. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte.

Wie die von der STIMME RUSSLANDS befragten Experten meinen, hätten die neuen finanziellen Möglichkeiten von Strauss-Kahn in der Eigenschaft eines Staatschefs seinen Opponenten gar nicht gepasst. Vor allem nicht den USA. Gerade sie legten mit Hand an zum Skandal im Hotel Sofitel sowie am Ende der politischen Karriere des scheinbaren Wollüstlings.

Von Anfang an betrieb Dominique Strauss-Kahn im Amt des geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine unabhängige Politik. Zu mehreren wichtigen Fragen – besonders zum Thema einer Hilfe für die Länder der Dritten Welt – vertrat er eine sehr konsequente Position und diskutierte oft mit den Politikern. Hauptsächlich mit den amerikanischen. Dem Weißen Haus missfiel die vorsätzlich eigenständige Politik des Hauptverwalters der Finanzen. Und als dann die Gefahr bestand, dass Strauss-Kahn aus dem Sessel des IWF-Chefs in den Präsidentensessel Frankreichs wechseln könnte, da waren die Amerikaner ernsthaft beunruhigt, sagt der Politikwissenschaftler und Direktor des Internationalen Instituts für junge Staaten Alexej Martynow:

„Als Strauss-Kahn seinen Wunsch bekundete, für das Amt des Präsidenten Frankreichs zu kandidieren, da gefiel das den Amerikanern nicht. Es ist so, dass wir uns alle an die erste große Sache von Sarkozy erinnern. Das war der militärische Konflikt in Nordafrika. Wir erinnern uns an seine Position hinsichtlich Libyens, und es ist zu vermuten, dass die Amerikaner schon zu jener Zeit gewisse Aktivitäten in Nordafrika planten, und dass ein solcher Mann wie Strauss-Kahn deutlich nicht in diese Pläne passte.“

Zudem hätte Strauss-Kahn im Amt eines Staatschefs eine Reform des IWF durchführen können, was Washington aus verständlichen Gründen in Unruhe versetzte. Die Amerikaner hatten einen ernsthaften Grund, besorgt zu sein. Nach soziologischen Umfragen des Jahres 2011 lag das Popularitätsrating von Strauss-Kahn um 20 Prozent höher als das seines Hauptopponenten Nicolas Sarkozy. Der IWF-Chef besaß alle Chancen, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Die Perspektive, dass Strauss-Kahn als französischer Staatschef tätig sein würde, habe den USA absolut nicht zugesagt, bemerkt der Politikwissenschaftler und führende Experte der Stiftung Historische Perspektive Pawel Swjatenkow:

„Frankreich ist im Rahmen des westlichen Blocks traditionell ein gewisser Frontmacher. Diese Tradition begründete schon Charles de Gaulle, der aus der militärischen Organisation der Nato ausgetreten war. Frankreich hätte durchaus eine Reform des IWF initiieren können, wenn Strauss-Kahn Präsident geworden wäre. Ich bezweifle, dass er es im Amt des IWF-Chefs hätte tun können, denn da war er lediglich Beamter. Aber in der Eigenschaft eines Präsidenten hätte Strauss-Kahn eine Reform des Weltfinanzsystems initiieren können. Und gerade das war den Amerikanern gar nicht recht.“

Die beste Verteidigung ist bekanntlich ein Angriff. Deshalb reagierte Washington schnell. Das Ergebnis der von den Amerikanern organisierten Kampagne war ein grandioser Skandal und das Ende der politischen Karriere von Strauss-Kahn, die so munter begonnen hatte. Bald tauchte dann auch eine neue Chefin des IWF auf. Genauer gesagt wählte man in dieses Amt eine passende Person, und es ist klar, dass die Auswahl recht beschränkt war. Die ehemalige Finanzministerin Frankreichs Christine Lagarde stellte Washington durchaus zufrieden, und folglich hatten auch die anderen nichts dagegen. Die Position der neuen geschäftsführenden Direktorin könnte man als „stilles Wasser“ charakterisieren, meint der Direktor des Internationalen Instituts für junge Staaten, Alexej Martynow:

„Sie ist bedingt gehorsam. Wir hören nicht ihre Meinung. Wir hören praktisch kaum ihren Namen in den Nachrichten, ausgenommen jener Augenblick, als sie ernannt wurde. Sie ist ganz offenbar eine technische Person, die den Willen ausführt, den man an einem anderen Ort diktiert.“

Mit der Wahl der neuen geschäftsführenden Direktorin des IWF hatte sich die Öffentlichkeit sofort beruhigt. Einen neuen Anlass für Skandale hat es bisher nicht gegeben. Und was Monsieur Strauss-Kahn betrifft, so bemüht er sich die letzten zwei Jahre auf jegliche Art und Weise, den ihm anhaftenden Ruf eines sexuellen Triebtäters loszuwerden. Bisher will ihm das nicht überzeugend gelingen.

 

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