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Sechs US-Präsidenten haben den Irak zerstört

Posted by krisenfrei - 05/07/2014

Chris Ernesto (antikrieg)Man muss kein Akademiker sein, um herauszufinden, dass es dem Irak unter Saddam Hussein besser ging als heute.

Nicht, weil Saddam ein großer Führer war ohne Blut an seinen Händen. Es ist nur so, dass das,was sechs US-Präsidenten dem Irak in den vergangenen 35 Jahren angetan haben, viel schlimmer ist als alles, was Saddam jemals dem irakischen Volk angetan hat.

Unter Saddam hatten die Iraker eine gut gehende Wirtschaft mit einer reichen Mittelklasse, eine gut funktionierende Infrastruktur auf dem Niveau der höchstentwickelten Länder der Welt, freie medizinische Versorgung und freie Bildung bis zum Hochschulabschluss. Heute haben die Iraker eine Arbeitslosenrate von 50%, ein Problem, Wasser und elektrischen Strom zu bekommen und zusammengebombte Krankenhäuser und Schulen.

Zu Saddams Zeiten waren im Irak die Rechte der Frauen in der Verfassung garantiert, Religion spielte so gut wie keine Rolle in der Regierung, Sunniten und Schiiten kamen relativ gut miteinander aus und al-Qaeda gab es nicht. Heute sind die Iraker mit dem Gesetz der Scharia konfrontiert, Sunniten und Schiiten bringen sich gegenseitig um, und al-Qaeda im Irak (jetzt bekannt als ISIS) ist wohl zur zur mächtigsten Nicht-Regierungs-Macht der Welt geworden.

Gut gemacht, Amerika,

Der Grund dafür, dass der Irak sich in dem Durcheinander befindet, das heute dort herrscht, liegt nicht in einer lange bestehenden Feindschaft zwischen sunnitischen und schiitischen Moslems, sondern darin, dass sechs US-Präsidenten in zehn Amtsperionden eine Situation geschaffen haben, die zwangsläufig den Irak von heute zur Folge hatte.

Dem irakischen Volk sollte Beifall gespendet werden, weil es so lange ausgehalten hat, ohne zu implodieren. Die Iraker sind offensichtlich friedlicher und viel tapferer als Amerikaner. Die Vereinigten Staaten von Amerika befänden sich in einem Zustand der Anarchie, wenn ihre größeren Städte bombardiert würden, drückende Sanktionen verhängt würden, die hunderttausende ihrer Kinder töteten, wenn sie von einem fremden Militär okkupiert wären, eine Marionettenregierung von einem anderen Land installiert würde und Republikanern Waffen ausgehändigt würden, damit sie Demokraten erschießen und umgekehrt.

Aber die Amerikaner können sich diese Art von Szenario nicht vorstellen, und sie denken lieber nicht daran, was ihre Steuerdollars, ihre gewählten Vertreter und ihre bewusste Ignoranz einer anderen Zivilisation angetan hat.

Und um alles noch schlimmer zu machen, sind Amerikaner, besonders Demokraten, jetzt im Wesentlichen still, wo ihr Präsident dabei ist, dem Irak dasselbe anzutun, was fünf andere Präsidenten bereits gemacht haben.

Wenn wir chronologisch zurück gehen, dann sehen wir, wie sechs US-Präsidenten den Irak zerstört haben.

Barack Obama

Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich im Krieg mit dem Irak. Niemand will das bestätigen, möglicherweise weil das nicht ein Krieg mit dem Irak ist, sondern ein Krieg im Irak.

Vielleicht haben Menschen Obama vor zwei Wochen wirklich geglaubt, als er sagte: „amerikanische Kampftruppen werden nicht im Irak kämpfen.“ Am Dienstag wurde jedoch angekündigt, dass bewaffnete Drohnen und Apache-Helikopter von Militär der Vereinigten Staaten von Amerika im Irak geflogen werden.

Seit wann fliegen „Berater” Apache-Helikopter und bewaffnete Drohnen?

Ebenfalls am Dienstag berichtete The Hill, dass Obama weitere 200 Soldaten in den Irak schickt, wodurch die Gesamtzahl von Bodensoldaten der Vereinigten Staaten von Amerika im Irak auf 750 steigt. Und am Mittwoch sagte das Außenministerium, dass die Obama-Administration weitere 4.000 US Hellfire-Raketen an die irakische Regierung verkaufen will.

Ab wann werden „progressive” Nachrichtensender wie Democracy Now und CommonDreams über „mission creep“ (schleichende Ausweitung) und Obama-Doppelsprech sprechen? Es kann noch eine Weile dauern, wo sie doch zur Zeit mit Immigration, der NSA und der Hobby Lobby beschäftigt sind. Sicher wichtige Themen, aber wenn dein Land einen weiteren Krieg in einem Land beginnt, das es schon 35 Jahre lang terrorisiert hat, müssen diese Themen auf der Prioritätenliste nach hinten gereiht werden.

Säße ein Republikaner im Oval Office, dann würden die angeblich linken Medien und nationale Antikriegsgruppen garantiert toben und könnten tatsächlich eine Rolle dabei spielen, die Vereinigten Staaten von Amerika davon abzuhalten, zurück in den Irak zu gehen.

Aber das werden sie nicht, weil ihre Finanzierung weitgehend durch Demokraten erfolgt, daher können sie sich´s nicht mit dem selben Nachdruck mit Obama anlegen wie sie es mit Bush gemacht haben.

Sogar Kirsten Powers, die für USA Today schreibt, stellte die Integrität von Mit-Liberalen in der Ausgabe vom Mittwoch in Frage, wo sie schrieb: „Liberale, die versessen waren auf Schlagzeilen über Präsident Bush’s Machtmissbräuche, sind jetzt verdächtig ruhig, oder noch schlimmer, verteidigen dasselbe Verhalten, dass sie bei einem Republikaner abscheulich fanden.“

George W. Bush

Über das, was der jüngere Bush dem Irak angetan hat, braucht nicht viel gesagt zu werden. Auf der Grundlage der Lüge (keine unzureichenden Geheimdienstinformationen, es war eine Lüge), dass Saddam Massenvernichtungswaffen besitzt und eine Bedrohung darstellt für die Vereinigten Staaten von Amerika, und mit dem Trick, den Irak mit den Attacken des 9/11 zu verbinden, peitschte Bush die Amerikaner in einen Blutrausch und brachte sie dazu, die Invasion und Okkupation des Irak zu befürworten.

Bush´s Krieg kostete mindestens eine halbe Million Iraker das Leben, zwang um die vier Millionen in die Flucht, zerstörte die Infrastruktur des Irak und schuf eine unermessliche Zahl von Feinden der Vereinigten Staaten von Amerika, einschließlich ISIS.

Bill Clinton

Es war die Clinton-Administration, die als erste den Mythos perpetuierte, dass Saddam über Massenvernichtungswaffen verfügte. „Saddam darf es nicht gestattet sein, seine Nachbarn oder die Welt mit Atomwaffen, Giftgas oder biologischen Waffen zu bedrohen,“ erklärte Clinton 1998 zur Rechtfertigung von Raketenangriffen gegen den Irak.

Und sogar nach Clintons Präsidentschaft unterstützte der frühere Vizepräsident Clintons Al Gore George W. Bush beim Thema Massenvernichtungswaffen des Irak, indem er sagte: „Wir wissen, dass er geheime Vorräte von biologischen und chemischen Waffen in seinem ganzen Land gelagert hat.“

Aber die extremste Form des Terrorismus, die Clinton ausübte, war mittels des Gebrauchs von Sanktionen gegen die Zivilbevölkerung des Irak, die 500.000 Kinder töteten. „Mittelalterlich“ und „skrupellos“ waren die Worte, mit denen der langsame, schmerzhafte Tod beschrieben wurde, dem irakische Kinder ausgesetzt wurden durch das Fehlen von Nahrung, Medikamenten und Betäubungsmitteln, deren Import in den Irak die Vereinigten Staaten von Amerika (und das Vereinigte Königreich, das sich voll an dem Verbrechen beteiligte – Anmerkung Klaus Madersbacher) verboten hatten.

Clintons Außenministerin Madeleine Albright zeigte die wahre Fratze amerikanischen Mitgefühls, als sie bezüglich des Todes von einer halben Million irakischer Kinder gefragt wurde – mehr als die Zahl der in Hiroshima und Nagasaki Getöteten – und 1996 in der Sendung 60 Minutes sagte: „Das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis, wir denken der Preis hat sich gelohnt.“

Die humanitäre Katastrophe, die die Sanktionen gegen den Irak zur Folge hatten, wurde häufig erwähnt als ein Faktor, der die Motivation zu den terroristischen Attacken des 9/11 lieferte. Osama bin Laden selbst erwähnte die Sanktionen gegen den Irak als einen Grund für die Attacke gegen die Vereinigten Staaten von Amerika.

George HW Bush

Die meisten erinnern sich wohl an die Geschichte „Saddams Soldaten werfen Babies aus ihren Brutkästen,“ die den Umschwung der öffentlichen Meinung zugunsten des Einmarsches in den Irak 1990 bewirkte.

Aber nicht alle wissen, dass diese Geschichte ein Schwindel war, den sich die amerikanische Werbefirma Hill&Knowlton ausgedacht hatte. Die Lüge erreichte ihren Höhepunkt, als eine junge Frau namens Nayirah vor einem Kongressausschuss auftrat, um die angeblichen Gräueltaten zu beschreiben. Es stellte sich heraus, dass Nayirah die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den Vereinigten Staaten von Amerika war – eines Mannes, der unbedingt wollte, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika in den Irak-Kuwait-Konflikt einmischten. Als die junge Nayirah später nach Beweisen gefragt wurde, gab sie zu, dass ihre Geschichte erfunden war.

Und wenig wurde darüber geredet, wie die Vereinigten Staaten von Amerika in der einen Minute ausdrücklich ihre Zustimmung für Saddams militärisches Vorgehen gegen Kuwait gaben und in der nächsten Minute dem Irak den Krieg erklärten, angeblich um Kuwait zu verteidigen.

Das wurde bestätigt in einer Depesche des Außenministeriums, die von WikiLeaks 2011 veröffentlicht wurde, die die jetzt berühmte Diskussion zwischen der Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika April Glaspie und Saddam selbst ausführlich beschrieb.

Das Ergebnis von Bush´s Krieg gegen den Irak: mindestens 100.000 getötete Iraker und der Beginn der unmenschlichen Kollektivstrafe der oben erwähnten Sanktionen.

Ronald Reagan

Im Jahr 2013 freigegebene Akten der CIA bestätigen, was bereits als wahr erachtet worden war: die Vereinigten Staaten von Amerika halfen Saddam, als er chemische Waffen gegen den Iran einsetzte.

Zum Blutbad beitragend bewaffneten die Vereinigten Staaten von Amerika auch den Iran, wie durch die Iran-Contra-Affäre bewiesen wurde. Letztlich dauerte der Irak-Iran-Krieg, in dem die Vereinigten Staaten von Amerika beide Seiten mit Waffen belieferten, acht Jahre lang und tötete über eine Million Iraker und Iraner.

Jimmy Carter

Aufgrund seiner Reputation als ein Mann des Friedens wollen sich wenige daran erinnern, dass die Carter-Doktrin die Grundlage legte für militärische Interventionen der Vereinigten Staaten von Amerika im Mittleren Osten.

In einer Reaktion auf die Invasion der Sowjetunion in Afghanistan 1979 erklärte Carter in seiner State of the Union-Rede im Januar 1980, dass die Vereinigten Staaten von Amerika militärische Gewalt einsetzen würden, wenn es notwendig sei, ihre nationalen Interessen am Persischen Golf zu verteidigen.

Auf das hin und in der Befürchtung, dass die iranische Revolution auf benachbarte Länder übergreifen könnte, gab die Carter-Administration „den Irakern grünes Licht für den Beginn des Krieges gegen den Iran,“ laut Aufzeichnungen von Alexander Haig.

Es ist auch das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika

Der Irak ist heute in einem großen Ausmaß ein gescheiterter Staat aufgrund von Amerikas Streben nach der absoluten Weltbeherrschung. Den Vereinigten Staaten von Amerika macht es nichts aus, wie viele Menschen leiden und sterben müssen – sie finden immer einen Weg, um zu behaupten: „es hat sich gelohnt, weil ohne uns die Dinge viel schlimmer wären.“

Die Menschen in aller Welt sind großzügig, wenn nicht naiv, wenn sie glauben, dass Amerikas globale Aggression die Schuld der Regierung und nicht der Menschen ist. Amerikaner sind wie der Kerl, der zuschaut, wie ein Rüpel in der Nachbarschaft jeden Tag ein Kind verprügelt, aber nichts sagt, weil der Vater des Rüpels der Chef der Firma ist, in der er arbeitet.

Von den sechs US-Präsidenten, die den Irak zertrümmert haben, waren die Hälfte Demokraten und die Hälfte Republikaner. Offensichtlich ist es nicht nur eine Partei, die Kriegspräsidenten wählt. Und Wähler beider Parteien verhalten sich verdächtig ruhig, wenn ihr Präsident lügt, um die Führung eines Kriegs zu rechtfertigen.

Wie kommt es, dass sich nach 35 Jahren die Amerikaner weniger um den Irak kümmern als vor 10 Jahren?

 

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Fortuna Nahles

Posted by krisenfrei - 05/07/2014

von Gert Flegelskamp (flegel-g)

Die Griechen nannten sie Tyche, die Römer Fortuna, die jeweilige Glücksgöttin. Müssen wir unsere Glücksgöttin nun Nahles nennen oder könne wir bei Fortuna bleiben?

Die Presse berichtet ja enthusiastisch über die politische Fortuna und ihr Glückshorn, welches sie über Arbeitnehmer, die Rentner und die Mütter ausschüttet.

Weniger enthusiastisch äußern sich die Arbeitgeberverbände und deren Lobbyisten und lamentieren entsetzt über die vielen Milliarden, die das kostet. Ich habe da von 170 Milliarden bis 2030 gelesen.

Nun ja, rechne ich das auf 1 Jahr herunter, macht das 1,0625 Milliarden pro Jahr aus. Wer bezahlt das? Natürlich nicht die Gesellschaft, sondern die Beitragszahler. Bei der Rente mit 63 finde ich das noch bedingt OK, (eigentlich müssten Arbeitgeber dafür aufkommen, denn sie verschleißen die „Humanmaschinen“ ja auch) bleibt dabei das Geld immerhin noch im Kreise der Versicherten, anders als bei der Mütterrente, denn die wäre ein gesellschaftlicher Auftrag, an dem sich alle Steuerzahler zu beteiligen hätten. Schließlich kommen auch Mütter in den Genuss, die noch nie oder nur kurze Zeit in die Rentenkasse eingezahlt haben. Als Beispiel; eine junge Frau hat bis zu ihrer Eheschließung (sagen wir, sie heiratet mit 23 Jahren) in einem sozialversicherungspflichtigen Job gearbeitet, danach nicht mehr. Dann hat sie die Anwartschaft für eine Rente bereits erreicht und sie bekommt bspw. 3 Kinder, 2 vor 1992 und eines nach 1992. Sagen wir, sie hat mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten, 3 Jahre einen Beruf erlernt und in der Lehrzeit jeweils 0,3 Entgeltpunkte erreicht. Danach hat sie pro Jahr bis zur Eheschließung in ihrem Job ein Durchschnittsgehalt bezogen, dadurch pro Jahr einen Entgeltpunkt bekommen und somit zum Zeitpunkt der Eheschließung einen Rentenanspruch von 4,9 Entgeltpunkte = 160,19 Euro (nach derzeitigem Rentenwert) aufzuweisen. Doch durch die Mütterrente kommt ein weiterer Rentenanspruch von 7 Entgeltpunkten (4 Punkte für die Kinder, die vor 1992 geboren wurden und 3 für das nach 1992 geb. Kind). Ihr Rentenanspruch ist damit auf 11,9 Punkte angestiegen und beträgt somit nach derzeitigem Rentenwert 340,46 Euro.

Nun liest sich das vielleicht ein wenig missgünstig, aber ich missgönne den Müttern diese Ansprüche nicht, nur dürften sie nicht aus den Beitragszahlungen finanziert werden, denn auch Frauen die noch nie oder nur kurze Zeit in die Rentenkassen eingezahlt haben, kommen so zu Rentenansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Außerdem scheinen Frauen, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben, weniger wert zu sein, als die, die ihre Kinder danach bekommen haben.

 

  • Mein Lieblingsbeispiel für unberechtigten Rentenanspruch ist Ursula von der Leyen. Sie hat 7 Kinder, das macht 14 Entgeltpunkte, was einen Rentenanspruch von 400,54 Euro begründet.
  • Susanne von Klatten, die reichste Frau Deutschlands hat 3 Kinder und damit 6 Entgeltpunkte erreicht. Für die Anwartschaft sind aber lediglich 5 Entgeltpunkte erforderlich, also könnte auch sie einen Rentenanspruch auf 171,66 Euro anmelden.
  • Nehmen wir die Apothekerin, die vielleicht einige Zeit in einem Pharmazeutischen Unternehmen gearbeitet hat, bevor sie Apothekerin wurde. Wenn sie Kinder bekommen hat, kann sie Ansprüche an die GRV geltend machen, obwohl sie als Apothekerin in einer ständischen Altersversorgung versichert ist.

 

Solche Beispiele könnte ich beliebig weiterführen. Z. B. haben viele Beamtinnen (vor allem der einfache und mittlere Dienst) vor dem Antritt als Beamte Berufe erlernt und damit die Anwartschaft auf Rente bereits ganz oder teilweise erfüllt. Und weil sich Kinder positiv auf den Familienzuschlag und andere Zuschläge auswirken, haben sie in der Regel auch eine höhere Fertilitätsrate, als die übrigen Frauen. Inwieweit sich dann ein erworbener Rentenanspruch auf die Pension auswirkt, vermag ich nicht genau zu sagen, denn die Gesetze über die Anrechnung von anderen Renten auf die Pension sind unterschiedlich. Es könnte also durchaus sein, dass die Altersversorgung der Beamtinnen (Pension) durch die Mütterrente sinkt, weil die Ansprüche an die GRV auf die Pension angerechnet werden. In diesem Fall hätte der Staat Pensionsansprüche auf die GRV verlagert. Soweit mir bekannt ist, gilt:

Hat ein Beamter zusätzlich Ansprüche auf eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, so werden diese, abhängig von der einzelnen Fallkonstellation, ganz oder teilweise auf die Pension angerechnet, um eine Überversorgung zu verhindern. Auch ein Erwerbseinkommen, das ein Versorgungsempfänger erzielt, wird auf die Versorgung angerechnet, sofern eine bestimmte Höchstgrenze überschritten wird. Die Höchstgrenze liegt meines Wissens nach bei 71.75% seiner anrechenbaren Dienstbezüge. Mögliche Unterschiede ergeben sich aus der Art der Beamtenschaft (Bundes-, Landes- und Kommunalbeamte) und der damit bedingten unterschiedlichen Gesetzgebung.

Diese Beispiele verdeutlichen dass hier Rentenansprüche an die GRV entstehen, obwohl keine Beiträge geleistet wurden. Aus diesem Grund wäre die Mütterrente eine von der gesamten Gesellschaft aufzubringende Leistung und ist deshalb eine von mehreren Fremdlasten in der GRV, also Lasten, die ausschließlich die Beitragszahler aufbringen müssen, obwohl die Leistungen für die gesamte Gesellschaft zu zahlen sind.

Richtig ist, dass es Zuschüsse vom Staat gibt, über die sich Politiker und Arbeitgeber incl. ihrer Lobbyisten gerne lautstark aufregen. Dass es sich dabei aber um Ausgleichszahlungen solcher Fremdlasten handelt, wird weder von den Medien noch von Politikern, Arbeitgebern und Lobbyisten je thematisiert.

Ich habe es schon oft betont, dass die Rentenzahlung eine Versicherungsleistung ist, bei der der Staat als Versicherungsunternehmen auftritt. Der Terminus „Generationenvertrag“ ist nichts als eine Metapher, die auf dem Mackenroth-Theorem basiert.

Doch werfen wir nun einen Blick auf die „Gaben“ unserer guten Fee Andrea Nahles. Die Rente mit 63 hat ja schon für viel Aufregung gesorgt. Ich habe also mal versucht auszurechnen, welche Kosten dadurch auf die GRV zukommen. Das konnte ich natürlich nur mit Basiswerten machen und habe deshalb als Beispiel den so genannten Eckrentner genommen, dessen Einkommen immer genau dem Durchschnittseinkommen entspricht und damit pro Jahr ein Rentenanspruch von einem Entgeltpunkt generiert. Außerdem habe ich das steigende Renteneintrittsalter unberücksichtigt gelassen und das Lebensalter auf 78 Jahre (derzeitiger ungefährer Durchschnitt der männlichen Bevölkerung) gerechnet.

Weil dem Frührentner (der schon mit 63 Jahren in Rente geht, weil er bereits 45 Jahre gearbeitet hat) durch den früheren Renteneintritt 2 Entgeltpunkte fehlen (hätte er bis 65 gearbeitet, hätte er statt 45 dann 47 Entgeltpunkte erreicht), ist seine Rente entsprechend geringer. Beim derzeitigen Rentenwert (28,61 Euro) würde er eine Rente von 1.266,30 Euro bekommen, während die Rente des Arbeitnehmers, der erst mit 65 in Rente geht (mit 47 Entgeltpunkten), derzeit 1.322,58 Euro betragen würde.

Da beide 78 Jahre alt werden, erlebt der Frührentner 15 Rentenjahre, der andere aber nur 13 Jahre. Nun kann weder ich noch ein Wahrsager voraussagen, welche Rentensteigerungen in dieser Zeit zu erwarten sind, also habe ich einen Wert genommen, der dem Durchschnitt der Rentenanpassungen der letzten 10 Jahre entspricht, das sind 0,91% pro Jahr. Danach würde der Frührentner zum Zeitpunkt seines Ablebens eine monatliche Rente von 1.437.53 Euro erhalten, der andere hätte es auf eine Rente von 1.474,76 gebracht.

Die Rente mit 63 bedeutet also zunächst einmal eine Einbuße der Höhe der monatlichen Rente, dafür aber einen um 2 Jahre längeren Bezug.

Die Rente mit 63 kostet die GRV pro Beispiels-Rentner im Laufe der Jahre bei dem Frührentner 228.269,73 Euro beim Normalrentner 206.570,35 Euro. Das ist ein Unterschied für die GRV auf den gesamten Zeitraum hin gesehen von 21.699,38 Euro, der durch die verfrühte Rente von der GRV für jeden Frührentner entsteht. Das würde bei 20.000 Rentnern (die Zahl wurde genannt, die das in Anspruch nehmen würden/könnten, 433.987.600 Euro im Jahr kosten. Rechne ich das auf 16 Jahre (pro Jahr 20.000) aus, wären das Gesamtkosten bis 2030 von 6.943.801.600 Euro.

Nun kann es ja sein, dass ich mich grundlegend verrechnet habe, oder ich habe in der Schule eine andere Mathematik gelernt, als sie von Politikern, Arbeitgeberverbänden und Lobbyisten verwendet wird. und ob die Mütterrente in diesem Zeitrahmen die noch fehlenden 163 Milliarden ausmacht, bezweifle ich auch.

Nun treibt Politiker ein weiteres Problem um. Lt. Spiegel befürchtet man nun, dass es eine Gesetzeslücke gibt, die es Arbeitnehmern gestattet, schon mit 61 aus dem Beruf auszusteigen. Man achte auf die kleinen Tricks. Man spricht vom Berufsausstieg, nicht vom Renteneintritt. Im Artikel kann man dann lesen, dass befürchtet wird, dass Arbeitnehmer mit 61 aus dem Beruf aussteigen, dann noch gelegentlich kleinere Jobs annehmen und dazwischen evtl. ALG beziehen.

Ich hingegen glaube eher, dass damit das neue Aussteigermodell für Unternehmen geschaffen wird, die ihre Alten auf diesem Wege entsorgen, wie sie es bereits seit Jahren tun. Fakt ist doch, dass ALG-Bezug der letzten beiden Jahre im Falle einer vorzeitigen abschlagfreien Rente mit 63 nicht angerechnet wird und die „gelegentlichen kleinen, aber versicherungspflichtigen Jobs“ höchstens zur weiteren Minderung der Rente beitragen können und somit eher eine Ersparnis für die GRV bedeuten würden. Ganz abgesehen davon, dass die Rentner in spe damit ein großes Risiko eingehen, arbeitslos zu werden.

Im Artikel wird Jens Spahn als „besorgter“ CDU-Rentenexperte dargestellt. Aber Spahn hat in Bezug auf Renten meines Wissens noch nie mit durchdachten und vor allem wirklich existierender Kenntnis im Rentenrecht geglänzt. Auf mein Schreiben an ihn habe ich allerdings nie Antwort bekommen. Persönlich glaube ich ohnehin, dass Spahn eigentlich ein verdeckter Lobbyist der Deutschen Bank ist. Wenn er wirklich ein „Rentenexperte“ ist, weiß er das aber gut zu verbergen.

Aber das Füllhorn der Glücksgöttin Nahles beschert uns, genauer den Arbeitnehmern, noch eine weitere Wohltat: „Den Mindestlohn“.

Dazu habe ich in der FAZ einen Kommentar von Holger Steltzner gelesen, ein praktisches Beispiel der Lobbyarbeit der FAZ für die Unternehmer.

Aber was ist der Mindestlohn wirklich? Ich möchte den Ausführungen von Egon W. Kreutzer zu diesem Thema noch etwas hinzufügen, das scheinbar nie wirkliche Beachtung findet.

Da sind zunächst die nicht ganz richtig zugeordneten Termini „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“. Was ist ein Arbeitnehmer? Im Grunde nur ein Mensch, egal ob weiblich oder männlich, dessen Vermögen im Prinzip nur aus seiner Arbeitskraft besteht, die er verkauft (also gibt) und dafür als Kaufpreis Lohn erhält, Stundenlohn pro geleisteter Arbeitsstunde oder Gehalt als pauschale Monatsabgeltung (ein Nehmen der Arbeitsleistung). Der Stundenlöhner (eine Ableitung vom früheren Tagelöhner) bekommt jede Fehlstunde auch weniger ausgezahlt, von wenigen Ausnahmen (nachgewiesene Krankheit, Urlaub etc.) abgesehen. Der Gehaltsempfänger kann schon einmal Fehlstunden oder Fehltage haben, ohne dafür Abzüge von seinem Gehalt befürchten zu müssen. Dafür bekommt er u. U. auch Mehrarbeit nicht bezahlt, was aber auch dem Stundenlöhner passieren kann, wenn er z. B. Akkord arbeitet oder zeitlich begrenzte Arbeiten nicht in der vorgesehenen Zeit abwickelt (Fensterputzer, Putzkolonnen usw.). Der Unterschied zur Akkordarbeit ist der, dass der Akkordarbeiter durch eine vorzeitige Fertigstellung eines Arbeitsvorganges sein Einkommen sogar ein wenig steigern kann, weil der Akkord eine Arbeitszeitvorgabe ist (sozusagen zu virtueller Mehrarbeit führen kann), was bei Putzkolonnen und Fensterputzern nicht der Fall ist.

Es spielt keine Rolle, ob Stundenlohn oder Gehalt. Eines haben sie in jedem Fall gemeinsam. Die Technik ersetzt teilweise ihre Arbeit. Nicht nur die. Auch das Prinzip der Supermärkte und Discounter senkt die Nachfrage nach Verkäufern bzw. Verkäuferinnen ganz erheblich und die heute übliche Online-Vermarktung tut dazu ein weiteres.

Wir leben im Kapitalismus, einem Kapitalismus mit liberaler Prägung. Nach Meinung der Theoretiker des Liberalismus führt der Liberalismus automatisch zum Glück für alle, weil der Markt entscheidet. Adam Smith, der Erfinder dieser Idee, nannte es eine „unsichtbare Hand“. Irgendwie verdrängen alle Liberalen, dass ein Markt, gleichgültig welcher Art, immer durch Menschen entsteht und Menschen haben aus der Natur nur wenig gelernt, wohl aber das Prinzip: „Fressen oder gefressen werden“. Das bedeutet, ein Markt ist kein homogenes Konstrukt, sondern eine Form der Macht, in welcher der Stärkere den Schwächeren niederknüppelt. Nur dass Stärke in diesem Fall keine physische Stärke ist, sondern die Stellung im Machtgefüge, mitunter auch das Ergebnis einer besseren Technik oder Taktik. Dabei fällt das liberale Prinzip von Angebot und Nachfrage völlig unter den Tisch. Damit auch die Vorstellungen des Liberalismus, dass dieser die Bildung von Monopolen und Oligopolen verhindern würde. Das ist nicht der Fall, ganz im Gegenteil, es gab noch nie derart viele Monopole und Oligopole wie heute und daran hat die liberale Grundidee erheblichen Anteil. Von den entstandenen Kartellen ganz zu schweigen.

Wenn Leute von Faschismus reden, haben sie in der Regel die Zeit von 1933 bis 1945 vor Augen. ich sehe das anders. Faschismus ist aus meiner Sicht immer dann gegeben, wenn sich Kapital und Politik verbrüdern und das war im Feudalismus so (damals war der Adel der Besitzende, und die Bevölkerung die Arbeitstiere, die diesen Besitz mehren mussten, ohne adäquat beteiligt zu werden).

Daran hat sich durch die Demokratie nichts geändert. Ganz im Gegenteil. Dank SPD und Grünen wurden in der Zeit von 1998 bis 2005 mit der Agenda 2010 Gesetze geschaffen, die den Kapitalfluss von unten nach oben erheblich beschleunigt haben. Im Zusammenhang sind da besonders die Gesetze über Zeitarbeit, die Gesetze in Sachen Niedriglohn und die Zwangsarbeit in Form von 1-Euro Jobs zu nennen, Zwangsarbeit deshalb, weil hier Arbeiten vor allem in Kommunen für einen Euro pro Stunde abgewickelt wurden, die früher von kommunalen Arbeitern geleistet wurden. Zusätzlich dazu wurden und werden den „Arbeitgebern“ regelrechte Prämien ausgezahlt, solche Arbeiten zu generieren. Der Steuerzahler bezahlt damit die Schönrechnung der Arbeitslosenstatistik, eigentlich eine schlimmere Fälschung der Statistik, als sie zuvor bereits von Jagoda betrieben wurde.

Betrachtet man die Vergabe bzw. die Annahme von Arbeitsleistung als Markt, und das wird allgemein so gehandhabt, dann wurde mit der Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen das gemacht, was Liberale angeblich so verpönen, es wurde aktiv seitens der Politik in den Markt eingegriffen, zu Lasten der Arbeitnehmer. Und die Liberalen haben gejubelt.

Das Gegenteil hätte passieren müssen. Arbeitszeiten hätten wegen der technischen Ersatzleistung menschlicher Arbeit rapide gesenkt werden müssen, denn angeblich soll die Technik ja dem „Menschen dienen“ und ihn nicht in die Armut und Überflüssigkeit treiben. Und keine der heutigen Techniken wäre entstanden, ohne die „fleißigen Bienen“ an den Werkbänken und in den Verwaltungen und den Geschäften. Nur an den Erfolgen hat man sie nicht beteiligt und heute lastet man das gerne den Gewerkschaften an, die ja dafür hätten kämpfen müssen.

Aber sehen wir mal davon ab, dass die Gewerkschaften auch nicht mehr sind, was sie mal waren und längst auch von dieser Seite eine Verbrüderung mit der Wirtschaft stattfand, macht das Lohndumping es weiten Teilen der Arbeiter und Angestellten auch unmöglich, auch noch neben den ohnehin hohen Abgabelasten durch Steuern und Sozialversicherungen zusätzliche Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen.

Es ist das politisch gewollte und forcierte Missverhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, das den Arbeitgebern dann auch Argumente wie fehlende Bildung quasi in den Mund legt. Aber hier möchte ich an die Zeit nach 1949 erinnern. Die Bildung hatte in den Kriegsjahren schwer gelitten, die Unternehmen waren zum großen Teil zerstört und dennoch haben Ungelernte erheblich dazu beigetragen, dass die BRD zum Wirtschaftswunderland wurde. Es war die Arbeiterschaft, die den Reichtum geschaffen hat, von dem heute vor allem Erben profitieren, Erben, die zu einem nicht unerheblichen Teil jegliche Bindung zu den Unternehmen verloren haben, die ihren Reichtum erst geschaffen hat. Hinzu kam der Shareholder Value. Aktienbesitzer achten auf den Wert ihrer Aktien, nicht auf den Zustand der Unternehmen. Sie wollen Renditen ohne Eigenleistung, mehr nicht.

Würde man die Arbeitszeit um mindestens 8 Stunden pro Woche kürzen, würde die Arbeitslosigkeit drastisch sinken, weil Angebot und Nachfrage von Arbeitsleistung wieder in einem ausgewogenen Verhältnis stehen würde. Sozialbeiträge könnten sinken, weil die Zahl der Beitragszahler drastisch steigen würde. Und man würde feststellen, dass ein großer Teil der Arbeiten, egal in welcher Branche, auch ohne Abi und Studium, sogar oft ohne Lehre abgewickelt werden kann. Denn die meisten Arbeitsabläufe sind in der Regel stupide, weil es immer gleiche Arbeitsvorgänge sind, die fast jeder nach einer gewissen Einarbeitungszeit ganz ohne BWL-Studium lernen kann.

Der Vorwurf mangelnder Bildung ist vor allem das Ergebnis gesellschaftlicher Fehlentwicklung, denn vor allem Ausgrenzung in einem bereits frühen Stadium fördert die Entwicklung von Aggressivität und fehlendem Lerneifer, weil sich jede Form der Ausgrenzung zum mangelnden Selbstwertgefühl entwickelt, dass dann mit aggressivem Verhalten überspielt werden soll.

Wenn ich nun so darüber nachdenke, kommt mir das Füllhorn von Andrea Nahles doch mehr wir ein Nachttopf vor.

 

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DGB unterstützt Steinmeiers Kriegspolitik

Posted by krisenfrei - 05/07/2014

Von Ulrich Rippert (wsws)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stellt sich uneingeschränkt hinter die Außenpolitik der Großen Koalition und deren Rückkehr zu Großmachtpolitik und Militarismus. Das zeigt ein Artikel, den der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann auf einer Internet-Plattform des Außenministeriums veröffentlicht hat.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte die Website „Review 2014 – Außenpolitik Weiter Denken“ im Mai eröffnet, um für die außenpolitische Neuorientierung zu werben, die er zu Beginn des Jahres angekündigt hatte.

Steinmeier hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz gemeinsam mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Bundespräsident Joachim Gauck verkündet, die bisherige Politik der militärischen Zurückhaltung sei zu Ende. Deutschland werde künftig in den Krisengebieten der Welt wieder eigenständiger und selbstbewusster „auch militärisch“ eingreifen.

Bei der Eröffnungsveranstaltung für die neue Website wiederholte er, Deutschland sei „zu groß und zu wichtig“, um sich länger darauf zu beschränken, die „Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren“.

Bisher haben vor allem ausländische „Experten“, die vom Außenministerium dazu eingeladen und dafür bezahlt werden, auf der neuen Website für eine „größere außenpolitische Verantwortung Deutschlands“ geworben. Das gipfelte im Beitrag eines Professor aus Singapur, der seinen Artikel unter das Motto stellte: „Deutschlands Bestimmung: Europa führen, um die Welt zu führen.“

Nun hat sich auch der DGB offiziell hinter diese Kampagne gestellt. Ganz im Sinne von Steinmeier, mit dem er seit Jahrzehnten in SPD-Führungsgremien sitzt, schreibt Hoffmann: „In vielen Teilen der Welt auftretende akute Krisen konfrontieren die deutsche Außenpolitik immer wieder mit der Notwendigkeit des kurzfristigen Eingreifens. Wir brauchen deswegen eine vorausschauende Außenpolitik, die Krisenpotenziale rechtzeitig erkennt und präventiv eingreift.“

„Vorausschauende Außenpolitik“ und „präventives Eingreifen“ sind Code-Wörter für die aggressive Wahrnehmung imperialistischer Interessen, wie die Bundesregierung dies gegenwärtig in der Ukraine tut, wo sie mit Oligarchen und Faschisten zusammenarbeitet, um das Land in den Einflussbereich der Europäischen Union und der Nato zu ziehen.

Hoffmann braucht nicht explizit zu erwähnen, dass er auch Militäreinsätze zur Verfolgung imperialistischer Ziele unterstützt. Das ergibt sich aus dem Kontext der öffentlichen Diskussion. Es reicht aus, dass er sich jeder kritischen Bemerkung zur intensiven Kampagne für militärische Aufrüstung und Militäreinsätze enthält.

Stattdessen lobt der Gewerkschaftsbürokrat die Effektivität des Beamtenapparats im Außenamt, der „mit den politischen Stiftungen, den deutschen Botschaften, aber auch den Organisationen der Zivilgesellschaft“ über „zahlreiche und gute Informationsquellen“ verfüge.

Es versteht sich von selbst, dass Hoffmann zu den „Organisationen der Zivilgesellschaft“, die dem Auswärtigen Amt zuarbeiten, auch die Gewerkschaften zählt, die mit ihren europäischen und internationalen Dachverbänden und den Betriebsräten transnationaler Unternehmen über ein exzellentes Netzwerk internationaler Beziehungen verfügen.

Hoffmann preist die Europäische Union und die Maastrichter Verträge, die der Bundesregierung als Instrument für beispiellose Angriffe auf die sozialen Errungenschaften der Arbeiter in Griechenland und ganz Europa dienen. „Wir brauchen eine Außenpolitik, die sich auf den Multilateralismus konzentriert und sich für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU stark macht, wie sie seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht 1993 besteht“, schreibt er.

Seine Unterstützung einer imperialistischen Außenpolitik und der EU bettet Hoffmann in viel Rhetorik über soziale Gerechtigkeit, Einhaltung internationaler Arbeitsstandards, Abbau von sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit und Stärkung der Sozialpartnerschaft ein. „Der soziale Dialog zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern trägt entscheidend zum Abbau sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit bei und muss daher weltweit ausgebaut werden“, schreibt er und betont, dass freie Gewerkschaften dafür unverzichtbar seien.

Den Begriff „freie Gewerkschaften“ wählt er bewusst. Er steht seit der Zeit des Kalten Kriegs für antikommunistische „Gewerkschaften“, die eng mit der CIA und anderen imperialistischen Geheimdiensten zusammenarbeiten und diktatorische Regime unterstützen.

Den universellen Zugang zu grundlegender sozialer Sicherung und Gewerkschaftsfreiheit erklärt Hoffmann zum „Menschenrecht“. Auch dieser Begriff muss im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Kriegspropaganda verstanden worden.

Fast alle imperialistischen Kriege der vergangenen Jahre – in Libyen, in Syrien, in Mali – wurden im Namen von „Menschenrechten“ geführt. Die UNO hat dafür sogar eine eigene Doktrin entwickelt, die „Responsibility to Protect“. Auch Steinmeier fordert, dass Deutschland die Einhaltung der Menschenrechte nicht länger anderen überlassen dürfe, sondern bereit sein müsse, überall auf der Welt – auch militärisch – einen Beitrag zur Verteidigung der Menschenrechte zu leisten.

Der neue DGB-Chef, ein fast 60-jähriger, erfahrener Gewerkschafts-Apparatschik, ergänzt die humanitäre Kriegspropaganda der SPD, der Grünen und der Linken mit sozialen Phrasen und bietet den DGB dem Außenministerium und der Bundeswehr als Partner an. Er setzt damit nahtlos die Politik seines Vorgängers Michael Sommer fort.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz hatten Sommer und der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im Februar 2013 übereinstimmend erklärt, das Verhältnis zwischen den Gewerkschaften und der Armee sei im Unterschied zur Vergangenheit nicht mehr belastet, sondern von gegenseitiger Anerkennung geprägt.

De Maizière sagte damals: „Wir wollen prüfen, in welchem gemeinsamen Geist wir die Zusammenarbeit in die Zukunft tragen können.“ Nicht nur die Gewerkschaften, auch die Bundeswehr sei Teil der Friedensbewegung.

Bereits im März 2011 hatte Sommer eine Rede an der Hamburger Bundeswehr-Universität zum Thema „Die Gewerkschaften und ihr Verhältnis zur Bundeswehr“ gehalten. Er hatte erklärt, die Auslandseinsätze der Bundeswehr hätten „sehr zur Entspannung des Verhältnisses zwischen Gewerkschaften und Bundeswehr“ beigetragen. Auch die Gewerkschaften seien an internationaler Stabilität und Fragen wie der Sicherung der deutschen Rohstoffversorgung interessiert.

Der Schulterschluss zwischen DGB und Bundeswehr stieß bei einigen Gewerkschaftsmitgliedern auf Kritik und Protest. Daraufhin kündete der DGB-Vorstand einen „Friedens- und Sicherheitspolitischen Workshop“ an, der im Oktober letzten Jahres stattfand. Er hatte die Aufgabe, den gewerkschaftlichen Kriegsgegnern den Kopf zu waschen.

Als Hauptreferenten hatte der DGB ausgerechnet den Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler eingeladen. Münkler lehrt politische Theorie am Institut für Sozialwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität, ist Berater der Bundesregierung und spielt eine Schlüsselrolle in der gegenwärtigen politischen Kampagne zur Rückkehr einer aggressiven deutschen Außenpolitik. Moderator dieses DGB-Kriegsworkshops war der WDR-Journalist Paul-Elmar Jöris, ein Preisträger der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und ein Beirat der Inneren Führung der Bundeswehr.

Der Artikel des neuen DGB-Chefs auf der Propaganda-Seite des Außenministeriums setzt diesen Kurs fort. Die Gewerkschaftsbürokratie reagiert auf die wachsende soziale Krise und die weltweite politische Instabilität, indem sie enger an die Bundesregierung heranrückt und sich in den Staatsapparat integriert. Sie nutzt ihren bürokratischen Apparat und ihren noch verbleibenden Einfluss in den Betrieben, um gegen die anhaltende Antikriegsstimmung der Arbeiterklasse vorzugehen.

Schon bisher nutzten die Gewerkschaften ihren Einfluss, um Sozialstandards und Arbeitsplätze abzubauen, Arbeiter gegeneinander auszuspielen und zu erpressen und, wie bei Opel in Bochum, jeden ernsthaften Widerstand gegen Werkschließungen zu unterdrücken. Jetzt gehen sie noch einen Schritt weiter und bieten sich an, Kriegsgegner in den Betrieben einzuschüchtern und mundtot zu machen.

 

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Schulden dienen zur Unterdrückung von Ländern

Posted by krisenfrei - 05/07/2014

Mahnwache für Frieden – Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger – Karlsruhe 23.06.2014

Schulden dienen zur Unterdrückung von Ländern. Wenn jemand sich weigert, sein Land zu verschulden, dann kommt Krieg.
http://www.wissensmanufaktur.net/mont…
http://www.archeviva.com/

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, Ökonom und Philosoph, hat in Deutschland, Ghana, Frankreich, Indien, Italien, Argentinien, den USA und dem Iran studiert, geforscht, gelehrt und als Industriemanager gearbeitet, am längsten für die Schering AG.

Er ist Mitinitiator einer gemeinnützigen Initiative zur Neuordnung unserer Finanzordnung (http://www.lust-auf-neues-geld.de) und wissenschaftlicher Beirat der Wissensmanufaktur (http://www.wissensmanufaktur.net).

Auf der Mahnwache für Frieden in Karlsruhe vermittelt er in seiner ruhigen und kompetenten Art leicht verständlich die Zusammenhänge zwischen Geld und Macht.

HINWEIS: Auf der nächsten Mahnwache für Frieden in Karlsruhe (07.07.2014, 19:15 Uhr, Platz der Grundrechte) spricht Rico Albrecht: http://www.wissensmanufaktur.net/vera…

 

 

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Eine bäuerliche Idylle

Posted by krisenfrei - 05/07/2014

von Heinz Sauren (freigeist)

Saftige Wiesen, sanft im Wind wiegendes Korn und das tägliche Brot. Romantische Assoziationen zu einem Berufsstand, dessen Arbeitsalltag oft nur wenig, mit der verklärenden Sicht auf ihn, zu tun hat.

Bauern sind die größten Grundbesitzer, die größten nationalen Nahrungsmittelproduzenten und haben mit dem Landwirtschaftsministerium, eine eigene Interessenvertretung innerhalb der Bundesregierung. Ein traditionsbewusster Berufsstand, mit Hang zu Superlativen und viel Einfluss.

Dennoch befindet sich der deutsche Bauer in einer tiefen Identitäts- und Existenzkrise. Mit seiner Identität hadert er schon, bei der Suche nach sich selbst. Einst selbstbewusst als Bauer gerufen und beschimpft, empfahl er sich als Landwirt der Wirtschaft, adelte sich dann als Agrarökonom um schlussendlich zum Energiewirt zu mutieren. Quantensprünge eines agrarhistorischen Bewusstseins.

Wer so zielstrebig, bei dem Versuch sich zu finden, seine Richtung verliert muss ein Getriebener sein. Getrieben von der Angst, das die immer magerer werdenden Gewinnmargen, irgendwann die Unwirtschaftlichkeit bedeuten. Jeder Bauer kennt einen Nachbarn, der dem großen Höfe sterben zum Opfer gefallen ist. Die Hektar die ein Bauer, im Vergleich von heute zu den 1950er Jahren, zur Erhaltung seiner wirtschaftlichen Existenz benötigte, hat sich verzehnfacht. Es ist wie überall in der freien Wirtschaft. Die Kleinen werden von den Großen gefressen und die Großen von den Banken, den Kapitalgebern dieser Expansion. Wirtschaftliches Wachstum als einziger Schutz nicht gefressen zu werden, denn es gilt der Grundsatz,  je größer ein Betrieb desto höher der Gewinn aus Rationalisierung und Agrar-Subvention.

Nicht am Euter einer Kuh, sondern am Firmenrechner beginnt der Arbeitsalltag, eines modernen Landwirtschaftsbetriebes. Erst die Überwachung der automatischen Melkautomaten am Bildschirm, nebst interaktiver Zitzensaugstärkenregulierung, dann schnell die GPS gestützte Ernteflächenberechnung, mit automatischer Synchronisierung des Traktorfahrprogramms und nicht vergessen den Tagespreis der zu erwartenden Ernte, an der Onlinebörse zu checken und anhand der Charts den Erntezeitpunkt zu bestimmen. Bauern als Agarsystemmanager.

Doch selbst perfektes Timing, höchste Effizienz, konsequente Rationalisierung und wachstumsoptimierte Saaten reichen nicht aus, wenn die Natur nicht mitspielt. Im Sinne der Trader und Börsen, tut sie das nie. So kommt der Bauer mit dem Versuch der Natur auf die Sprünge zu helfen, zu seinem folgenschwersten Superlativ. Bauern sind die größten Abnehmer der Pharmaindustrie. Nicht nur extrem gesundheitsschädliche Fungizide, Pestizide und chemische Dünger, sondern auch künstliche Hormone und Unmengen von Antibiotika finden sich in den Giftküchen der landwirtschaftlichen Betriebe und dort bleiben sie nicht. Stoffe, mit denen innerhalb der Chemieindustrie, nur unter Sicherheitsauflagen und mit Schutzanzügen hantiert wird, werden offen gelagert, gemischt und über die Böden entsorgt.  Ausgebracht auf die Felder sind die Böden auf Jahre biologisch tot und Flüsse werden zu Düngerströmen, die die Küsten verseuchen. Den Tieren verabreicht, wird das Fleisch zur Zwangsmedikation der Verbraucher. Der Bauer, ein Chemielaborant ohne Ausbildung, oder Giftmischer ohne Gewissen?

Was zählt, ist der Gewinn und der sinkt fortwährend, da der Kapitalkostenanteil beständig steigt. Da hilft es auch nicht, das sich der Rohertrag pro Pflanze, Tier oder Hektar sich in den letzten Jahrzehnten, nahezu verdreifacht hat. Die aktuelle Lösung für den Bauern heißt, Energie. Das Ergebnis sind Monokulturen mit speziell gezüchteten und ungenießbaren Kartoffeln oder Mais, welche nachhaltig die Ökosysteme schädigen, die Notwendigkeit von Nahrungs- und Futtermittelimporten erhöhen und durch die Investitionen in Biogasanlagen, den Kapitalkostenanteil weiter erhöhen. Der Bauer als grüner Energieversorger, oder als rücksichtsloser Umweltterrorrist?

Der Nutzen einer Volkswirtschaft an der Agrarindustrie ist hoch, doch wiegt er den Schaden durch die moderne Landwirtschaft auf? Wenn der Preisdruck auf den Erzeugermärkten so anhält, der Kapitalkostenanteil in Agrarprodukten weiter ansteigt und die Landwirtschaft weiterhin ausschließlich wirtschaftlichen Forderungen zu folgen hat, kann es bald keine Bauern mehr geben. Es wird günstiger sein, alle Felder brach liegen zu lassen und die Nahrungsmittel zu importieren. Der Bauern als Artefakt einer vergangenen Kultur?

Die Landwirtschaft kann auf Dauer nur überleben, wenn sie ihre Produktion wieder in Einklang mit den natürlichen Zyklen des Wachstums, der Böden und des Wetters bringt, auch wenn das weniger ertragreich ist. Es steht in der Verantwortung der Bauern, natürliche Lebensmittel zu produzieren, sowie das Ökosystem zu erhalten und zu schützen. Es steht in der Verantwortung der Verbraucher, durch Konsumeinschränkung und Lenkung auf einheimische Produkte, dies den Bauern zu ermöglichen und es steht in der Verantwortung der Politik, heimische Agrarproduktionen vor internationalen  Wirtschaftseinflüssen zu schützen.

Dann werden wir vielleicht auch wieder sanft im Wind wiegendes Korn sehen. Unser Brot.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

 

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