krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Seit jeher Ziel des Imperiums: Reichtum und Macht

Posted by krisenfrei - 02/07/2014

Lawrence Wilkerson  (antikrieg)

In seinem ausgezeichneten Buch King Leopold´s Ghost (König Leopolds Geist) verzeichnet Adam Hochschild ein Kapitel-langes Klagelied gegen Ende des Buches, obwohl er auf den vorhergehenden Seiten in einer beispiellosen Art die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Rahmen von Leopolds Unternehmen im Kongo verzeichnet hat, na und? Solche Verbrechen waren praktisch ein Begleitumstand des kolonialen Imperiums. Britannien, Frankreich, Deutschland, die Vereinigten Staaten – alle die so genannten zivilisierten Kolonialmächte – machten sich solcher Verbrechen schuldig. Ob Mord und Plünderung in Indien, Gemetzel in Algerien, Verwüstung in Kamerun oder Folter und Massaker auf den Philippinen, wenige Mächte des Westens können zu Recht Unschuld geltend machen. Und, vielleicht am meisten Besorgnis erregend, ihre nationalen Mythen maskieren oder verdrehen sogar die meisten der Verbrechen, und was die Mythen nicht verschwinden lässt oder verändert, das bewirken unzureichende Bildung und Gedächtnislücken.

Sicherlich haben wir an diesem Eintritt ins 21. Jahrhundert einige Fortschritte gemacht. Unsere ständige Rhetorik – besonders aus Washington – versichert, dass wir das haben. Internationale Strafgerichtsbarkeit und Menschenrechte werden lustvoll betrieben, oder nicht?

Nicht wenn es nach dem Beispiel des Richard Bruce Cheney geht. Wie schon von Beginn der gesellschaftlichen Organisierung der Menschheit an, glaubt Dick Cheney, sind Reichtum und Macht – in erster Linie Reichtum und Macht seiner Kumpane – nach wie vor die relevanten strategischen Ziele des Imperiums. König Leopold von Belgien ist nicht tot, er ist einfach in einer moderneren Form wieder auferstanden. Foltern von Menschen hängt ab von den angeblichen Bedürfnissen eines Landes, Töten von Menschen von der politischen Zweckmäßigkeit, Kriegführen von finanziellem und wirtschaftlichem Zugewinn, und die Menschen zu belügen ist eine hoch anständige Taktik bei der Verfolgung dieser Ziele. Leopold würde Dick Cheney lieben.

Cheney entwickelt Leopold sogar weiter: selbst nie in einer gefährlichen Auseinandersetzung (zum Beispiel fünf Einberufungs-Zurückstellungen), ein Meister von bürokratischer Manipulation und Intrige, verliebt in Geheimniskrämerei, bereit, jedes Verbrechen unter der Sonne zu begehen, solange es zu Profit führt, zutiefst jeden Moment des Bösen genießend, das er zuwege bringen kann, und ein Meister, das alles mit geschickter, politisch abgestimmter Öffentlichkeitsarbeit zu maskieren, gerichtet an Leute, die zu dumm sind, um ihn in Frage zu stellen – und das alles, während er dem absolut keine Aufmerksamkeit widmet, was er begangen hat, was seine Vergangenheit klar beweist, und dadurch alle anständigen Menschen in seiner Umgebung gründlich frustriert. Leopold bis aufs „i-Tüpfelchen.”

Dieser moderne Mann Cheney braucht allerdings kein Königreich, keine überladenen Paläste, keine Kolonie im persönlichen Besitz wie den Kongo – Cheneys Spielfeld ist die Welt. Es ist die gesamte Menschheit, die Cheney foltern, versklaven, umbringen oder ausplündern würde, falls erforderlich. Und Cheney ist der oberste Gebieter, der entscheidet, ob es nötig ist. Sehen Sie sich sein Gesicht an, wie er dem amerikanischen Volk und der Welt 2002 sagt, dass „einfach gesagt, kein Zweifel daran besteht, dass Saddam Hussein jetzt Massenvernichtungswaffen besitzt. Es besteht kein Zweifel daran, dass er sie anhäuft, um sie gegen unsere Freunde, gegen unsere Alliierten und gegen uns einzusetzen.“

Jetzt lassen Sie ein Dutzend Jahre vergehen und halten Sie sich das gleiche Gesicht vor Augen, irgendwie kümmerlicher und – wenn möglich – gemeiner, wenn es auf den Titelseiten seines Journals sagt, während der Irak implodiert: „Selten hat sich ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika so sehr getäuscht auf Kosten von so vielen.“ Natürlich spricht er von Präsident Obama, nicht Präsident George W. Bush. Leopold, der wenn es nach dem amerikanischen Dichter Vachel Lindsay geht, „in der Hölle brennt …,“ muss sich nach Dicks Ankunft sehnen, weil niemand – außer vielleicht Leopold selbst – solch eine Behauptung angesichts dermaßen schlagender Gegenbeweise aufstellen würde.

In dem selben Kapitel seines oben angeführten Buchs schreibt Hochschild: „Der Kongo bietet ein frappierendes Beispiel der Politik des Vergessens.“ Er hat recht. Aber da ist mehr als Vergessen. Es ist ein erbärmlicher Mangel an politischem Mut, Menschen zur Verantwortung zu ziehen.

Im Fall König Leopolds wollen Belgien und die weitere Welt weiter gehen und nicht zurück schauen. Menschen verantwortlich zu machen würde bedeuten, sich selbst verantwortlich zu machen. Dass Zentralafrika heute noch immer eine Tragödie von Ausbeutung, wirtschaftlichen Rivalitäten und lokaler Unfähigkeit ist, die zum Teil auf den Kolonialismus zurückzuführen ist, ist ziemlich egal. Erbarmungslos bewegt sich die Welt, um die Sehnsüchte ihrer Oligarchien nach Reichtum und Macht zu befriedigen. Geeignete Rhetorik wird entwickelt und verbreitet, um die Massen ruhig zu halten. Die Leopolds und Cheneys der Welt werden im privaten Umfeld gelobt für ihre nüchterne Realpolitik, während sie in der Öffentlichkeit angemessen getadelt werden. Präsidenten und Premierminister verkünden, dass es dem Land nicht gut tun würde, Leute für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen, und außerdem machten sie sich mehr Sorgen um die Zukunft als um die Vergangenheit.

Was der Grund dafür ist, dass die meisten Menschen in Amerika heute im Augenblick leben, und nur im Augenblick. Wenn sie daraufkämen und sich um die Vergangenheit kümmerten, wenn sie diese Erkenntnis und Umsicht benützten, um die Zukunft besser zu gestalten, dann könnten sie nicht so gut im Augenblick leben. In dieser Beziehung haben Leopold und Cheney recht: Reichtum und Macht sind alles, was zählt.

 

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