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Irak-Krise: Wer ist Schuld? Die ISIS? Maliki? Die US/ISIS?

Posted by krisenfrei - 24/06/2014

von Einar Schlereth

Jetzt habe ich ein Dutzend Artikel zur ISIS-Invasion im Irak gelesen, aber viel schlauer bin ich davon nicht geworden. Die meisten unterschlagen, dass die USA die ISIS ausgebildet haben. Allgemeiner Konsens ist – da er wirklich nicht bestritten werden kann – dass die Invasion der ISIS stattgefunden hat. Trotzdem wird dann von einem Bürgerkrieg gesprochen, genau wie an diesem Begriff bis heute im Fall Syrien  hartnäckig festgehalten wird. Damit soll natürlich jede Verantwortung von uns von vornherein ausgeschlossen werden. ‚Die da unten müssen sich ja immer schlagen, meist aus sektiererischen Gründen‘. Natürlich findet jeder Aggressor immer und überall Leute, die bereit sind, mit ihm zu kollaborieren. Das war z. B. so, als die Deutschen in Frankreich einfielen, aber deswegen spricht man nicht von Bürgerkrieg.

Manche wollen beweisen, dass die USA nichts mit der ISIS zu tun hat. Dies hat ein Martin Chulow mit dem Artikel „Wie eine Verhaftung im Irak das 2 Mrd. Dschihadisten -Netzwerk der ISIS enthüllte“ versucht. 160  PC-Flash-Sticks hätten die Story der ISIS enthüllt, die „von nirgendher kam“. Ein offenbar hoher Boss der ISIS wurde in einem Versteck bei Mosul hochgenommen und auch gleich umgelegt, der im Besitz dieser Sticks war, die äußerst detaillierte Informationen über die ISIS enthielten.  Sämtliche Namen, ihre Noms de guerre, Tel.Nummern, Bankkonten etc., die Iraker UND die Amerikaner seien überrascht gewesen, wie beim Einmarsch der ISIS im Irak. Die ISIS hätte vor dem Einmarsch Gelder in Höhe von 875 Mill. $ gehabt – nun, das ist ja bekannt, da sie eine halbe Mrd. von den USA erhielten und den Rest mit Diebstählen wie Erdöl und Kunstschätze erzielten – und nach dem Bankraub in Mosul ist ihr Guthaben auf mehr als 2. Mrd. $ angeschwollen.
Damit sei bewiesen, so Chulov, dass „hinter ihnen kein staatlicher Sponsor steht, was wir seit langem wussten. Sie brauchten keinen,“ sagte ein CIA-Mann. Und ein Beamter im Irak sagte: „Jetzt wissen wir alles über sie. Und nun müssen wir sie nur noch fangen.“

Und darin dürfte wohl das Hauptproblem liegen. Aber dieser „Beweis“ ist natürlich Blech. USA mitsamt ihren 16 oder 20 Geheimdiensten wussten nichts vom Marsch tausender Truppen von der Türkei durch Syrien bis in den Irak und sie wussten auch nichts von den Geldern der ISIS. Sie wissen nur genau, wenn ein einzelner Dschihadist über die Grenze nach Jemen kommt oder wenn ein Mann in den USA ein paar Dollar an ein Kinderhilfswerk in Somalia schickt. Für wie blöd halten die uns?

Ein weiterer Konsens ist – genausowenig zu bestreiten – dass Obama die Marionette Maliki fallengelassen hat. Darauf geht der ‚Moon of Alabama‘ mit dem Artikel „USA wieder im Kampf für ‚Regime-Wechsel‚ im Irak“ ein. Obama forderte, dass Maliki die Sunnis an der Regierung beiteiligen solle, was dieser ablehnte. Wie ungehörig. Daher haben die USA auch schon gleich Gespräche mit potentiellen Kandidaten für den bald vakant werdenden Posten aufgenommen, z. B. mit Usama Nujafi, Führer der stärksten Sunni-Macht und mit Ahmad Chalabi. Ausgerechnet Chalabi, dieser US-Speichellecker und  Hochverräter, der die meisten Lügen über Saddam Hussein verbreitet hat und sogar in den USA wegen mehrerer Verbrechen angeklagt ist, wird abgestaubt und wieder ins Spiel gebracht. ‚Moon of Alamba‘ stellt fest, dass der ‚Regime-Wechsel‘ wieder mit Stellvertretern geführt wird wie in Syrien und der Ukraine und mit denselben Figuren aus der äußersten rechten religiösen oder politischen Ecke. Abschließend meint er, dass Maliki jetzt nur noch Hilfe aus Russland, China und Iran holen könne.

Nun ja, Putin hat seine Hilfe schon freiwillig angeboten, wie die AFP am 21. Juni meldete. Das tut er sicher nicht, weil der Maliki so sympathisch ist, sondern zwei Gründe sprechen dafür, zum einen, dass der Kampf gegen die ISIS diese natürlich schwächen und dadurch nicht nur Maliki sondern vor allem auch Syrien entlasten könnte. Und ein weiterer gewichtiger Grund könnte sein, dass er dem Iran einen Gefallen tut, der sich unter der Kanaille Rouhani auf geradezu widerliche Weise an die USA anzuschmieren versucht. Dadurch würden wichtige Handelsabkommen, die Russland vor kurzem mit dem Iran geschlossen hat, in Gefahr gebracht werden. Einen dritten Grund nannte Putin selbst, dass nämlich „die Aktivitäten der Extremisten, die militärische Operationen in Syrien durchführen, jetzt einen grenzüberschreitenden Charakter angenommen haben und die Sicherheit der ganzen Region gefährden“.

Der interessanteste Artikel  stammt von Mike Whitney: „The ISIS Fiasco: It’s really an Attack on Iran“ (Das ISIS-Fiasko: Es ist eigentlich ein Angriff auf den Iran). Er schreibt: „Irgendetwas stimmt da nicht in der Berichterstattung über die Krise im Irak. Vielleicht liegt es daran, dass die Mainstreammedien alle dasselbe wiederholen, wieder und wieder ohne die geringsten Änderungen.“ Er nennt einen Bericht von Richard Haass, der davon sprach, dass Malikis Militär „dahinschmolz“. Derselbe Begriff wurde von Politico, NBC News, News Sentinel, Global Post, National Interest, ABC News etc übernommen.

Die ganze Story, dass 1500 Dschihadisten eine 30 000 Mann Armee des Irak dazu brachten, in die Hose zu scheißen, „diese Story besteht nicht den Geruchstest“ sagt er. Und damit hat er auf jeden Fall Recht.

Gleichzeitig stellt er fest, dass nun an allem allein der Maliki Schuld haben soll. „Der Grund, dass der Irak so ein Sauhaufen ist, hat nichts zu tun mit der Invasion [der USA], den Todesschwadronen, Abu Ghraib, der Salvador Option, der dezimierten Infrastruktur, der verseuchten Umwelt oder dem boshaften sektiererischen Krieg, der von den USA entfacht wurde mit ihrem idiotischen Anti- Aufstandsprogramm. Oh nein…. An allem ist Maliki Schuld. Klingt bekannt? Putin in der vorigen Woche. Maliki in dieser Woche.“

Whitney hat eine glaubhaftere, aber wie er sagt, noch nicht richtig beweisbare Ursache für das ‚Wegschmelzen‘ gefunden, und zwar auf dem Blog ‚Syria Perspectives‘. Dort steht, dass der Widerstand gegen USA und Maliki im Irak ja nach wie vor vorhanden ist, aber zu schwach, um Maliki stürzen zu können. Eine wichtige Figur sei die rechte Hand von Saddam Hussein Izzaat Ibraaheem Al-Douri, die nun einen merkwürdigen Verbündeten in der ISIS gefunden hat. Die Einnahme von Mosul wurde möglich, weil hohe Befehlshaber, ehemalige Ba’athisten-Offiziere ihre Posten verließen und die 52 000 Mann Armee alleine ließen. Dies führte zu der heillosen Flucht. Ähnliches hat im übrigen auch schon Chossudovsky geschrieben.

Im übrigen hat Washington wohl mit der ISIS einen Deal ausgehandelt, dass sie den Sunni-Gürtel im Irak erhält und Baghdad und der Süden an die Shiiten fällt. Damit wäre der lange gehegte Plan von USRAEL/NATO perfekt: Zerschlagung unabhängiger Staaten und ihre Zerstückelung.

Allerdings gibt Whitney zu bedenken, dass Maliki wohl nicht ohne weiteres aufgeben wird und auch nicht der Iran, nachdem er endlich eine starke Stellung im Irak erworben hatte. Zwar sind die Iraner mit Maliki auch nicht glücklich, aber das geostrategische Interesse wird wohl überwiegen. Zudem haben tausende junge Shiiten sich gemeldet, um gegen die Sunniten ins Feld zu ziehen. Und Putin hat, wie gesagt, seine Hilfe angeboten. Auch wenn manche Leute wie Patrick Cockburn schon sicher sind, dass „Malikis Tage gezählt sind“ (Maliki’s Days are numbered as Iran and US lose Faith), weil Maliki sich allzu viele Feinde geschaffen hat und selbst der geistige Führer Irans, der Groß-Ayatollah Ali al-Sistani eine neue und „effektive“ Regierung forderte, ist das noch lange nicht ausgemacht. Es wird davon abhängen, ob Maliki jetzt die richtigen Fäden ziehen wird.

Es kann also durchaus sein, dass das Vorhaben der USA nicht nach Plan verläuft und Putin Recht behält, dass die gesamte Region ins Chaos geworfen wird.

Einen noch detaillierteren Artikel hat Whitney heute bei Counterpunch veröffentlicht, der von Global Research übernommen wurde: „What did the White House know? Did Obama know that ISIS planned to invade Iraq?“ Hier ist Whitney nicht mehr so sicher, ob die CIA nicht doch einen Finger im Spiel hat.

 

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Eine Antwort to “Irak-Krise: Wer ist Schuld? Die ISIS? Maliki? Die US/ISIS?”

  1. Murksel said

    Zitat:
    Einen noch detaillierteren Artikel hat Whitney heute bei Counterpunch veröffentlicht, der von Global Research übernommen wurde: „What did the White House know? Did Obama know that ISIS planned to invade Iraq?“ Hier ist Whitney nicht mehr so sicher, ob die CIA nicht doch einen Finger im Spiel hat.

    —————-

    Habe vor kurzem gelesen, (weiß nicht mehr wo) dass die ISIS-Terroristen in Jordanien von USA und Israel ausgebildet worden sein sollen.

    Und mein Bauchgefühl sagt mir, dass es im Zeitalter der Satellitenüberwachung/NSA usw. unmöglich ist, dass die Angloamerikaner/CIA nicht rechtzeitig und umfassend von dem Feldzug der ISIS gewusst haben sollen.
    Es ist wie beim spurlosen Verschwinden des MH-Flugzeugs.
    Und ich bin sicher, wenn die Angloamerikaner — im Zeitalter der Satellitenaufklärung — angeblich von Nichts wissen, dass es sich dann um ihre, oder zumindest von ihnen initiierte,
    Aktionen handelt.

    Zitat:
    Es kann also durchaus sein, dass das Vorhaben der USA nicht nach Plan verläuft und Putin Recht behält, dass die gesamte Region ins Chaos geworfen wird.

    Meiner Meinung nach sind die Angloamerikaner eher daran interessiert die Region ins Chaos zu stürzen und im Chaos zu belassen.

    Schwächt dieses Chaos, quasi vor ihrer Haustür, doch Syrien, den Iran und Russland.

    Und wenn es nicht so läuft wie die Angloamerikaner es wollen, dann werden die störenden Personen vom CIA eben einfach „ausgeschaltet“ und die gewünschten Personen dann installiert.

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