krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Zurück nach Bagdad!

Posted by krisenfrei - 21/06/2014

Eric S. Margolis (antikrieg)

Man würde meinen, dass die Neokonservativen, die den Krieg gegen den Irak angezettelt haben – die schlimmste Katastrophe für die Vereinigten Staaten seit Vietnam – nie mehr aus der Versenkung auftauchen würden.

Mitnichten. Mit umwerfender Chuzpe behauptete gerade der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney, der wirkliche Machthaber in der Bush-Administration, dass Präsident Barack Obama für den wachsenden Sauhaufen in Bagdad verantwortlich ist.

Obama ist ein Schlappschwanz, der Amerikas Feinden gestattet, sich ungezügelt im Mittleren Osten und in Osteuropa auszubreiten, knurrte Cheney. Er will, dass Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika wieder den Irak besetzen und vielleicht auch Syrien. Cheneys Toben fand Beifall von einem weiteren senilen Greis hinter den Bergen, dem republikanischen Parteiführer Senator John McCain.

Aus dem Washingtoner Gebälk kroch ein Schwarm von Neokonservativen. Sie begleiteten Cheney bei seiner Kritik an Obama wegen dessen Irakpolitik und forderten weitere Kriege gegen die muslimische Welt.

Es ist ein Jammer, dass die Amerikaner diese Kriegstreiber nicht bei ihrem richtigen Namen nennen. In Britannien wären sie bekannt als Imperialisten und Weltreich-Loyalisten. Die republikanische Partei ist effektiv zur amerikanischen imperialistischen Partei geworden, verbündet mit den glühend proisraelischen Neokonservativen.

Beide Parteien wollen das amerikanische globale Imperium verstärkt und ausgeweitet sehen. So verfasste Dick Cheney in einem Kommentar, der von der Hauspostille der harten Rechten Wall Street Journal ausposaunt wurde, eine rabiate Hetzrede gegen Obama, die Mussolini erröten lassen hätte.

Präsident Obama steht jetzt vor einer schweren Entscheidung. Während Bagdads Armee vor den Angriffen der Sunniten wankt, setzt er eingeschränkte Luftkräfte und 300 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika ein, um dem Vormarsch der Jihadisten/Ba’athisten zu begegnen. Außer dass sie viele Zivilisten töten, werden Luftangriffe Saudiarabien und einen großen Teil der sunnitischen Welt empören. Obama weiß, dass Amerika nicht dastehen darf als der Champion der irakischen Schiiten gegen die sunnitische Minderheit.

Die Saudis warnen Obama offen davor, im Irak einzugreifen. Inzwischen beginnt der Iran damit, Bodentruppen in den Irak zu entsenden, was Saudiarabien und Israel zur Raserei treibt. Kooperation zwischen Washington und Teheran in der Sache Irak hätte wahrscheinlich einen positiven Effekt auf die nuklearen Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Iran.

Obama geht auf Nummer sicher, indem er symbolisch 300 Sondereinsatzsoldaten der Vereinigten Staaten von Amerika als „Berater” nach Bagdad schickt, als ob der Irak, der sich seit 1980 im Krieg befindet, mehr Ausbildung oder Ratschläge benötigt. Luft- und/oder Drohnenangriffe sind jede Minute zu erwarten.

Was Obama in Wirklichkeit macht, ist „weiße” Offiziere schicken, um das Rückgrat der schwankenden eingeborenen Soldaten zu stärken.

Interessanterweise befindet sich Obama in der selben Art des imperialen Dilemmas, in dem Britanniens Premierminister Gladstone im Jahr 1885 steckte. In diesem Jahr ging Britanniens General Charles „Chinese“ Gordon nach Khartum im Sudan, um den Kampf gegen islamische Jihadisten zu führen, damals bekannt unter dem Namen Derwische. Deren Führer Mohammed Ahmed, bekannt als der Mahdi, wurde zum überragenden viktorianischen Schurken, etwa vergleichbar mit Osama bin Laden in unserer Zeit.

Gordon versuchte Gladstone zu beschämen, damit dieser eine britische Armee den Nil hinauf schickte, um Khartum zu befreien. Wie Obama wollte Gladstone imperiale Abenteuer vermeiden, wurde aber letztendlich durch hurrapatriotisches öffentliches Geschrei gezwungen, eine Armee in den Sudan zu schicken, allerdings nicht ehe Gordon getötet und zum viktorianisch-christlichen Märtyrer geworden war. Der Fall Khartums an die Derwische war der 9/11 des viktorianischen Zeitalters.

Um was es hier in Wirklichkeit geht ist Erdöl. Rund 8.000 Jihadisten und wieder erwachende Kämpfer der Ba’ath Partei sind keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika, wie Obama behauptet. Sie sind aber eine schlimme Bedrohung für Big Oil.

Saddam Hussein hat das Erdöl des Irak verstaatlicht und dessen ausländische Eigentümer hinausgeworfen. Sobald er verräumt worden war, kamen die Erdölfirmen der Vereinigten Staaten von Amerika und andere zurück, um das schwarze Gold des Irak heraufzupumpen. Wie Dick Cheney sagte, wurde der Irak um „Israels und des Erdöls“ willen überfallen.

Mittlerweile zerrt das Weiße Haus schnell den Teppich weg unter den Füßen des erbärmlichen Nouri al-Maliki und warnt, er solle sich verziehen – oder sonst. Schiitische Generäle planen bereits, wie Malikis Büro umgestaltet werden soll. Frisch vom Aussuchen einer neuen Regierung in Kiew gekommen sind die Vereinigten Staaten von Amerika jetzt voll mit Königmachen im Irak beschäftigt.

Denken wir an Henry Kissingers markante Bemerkung: “Es ist gefährlicher Amerikas Verbündeter zu sein als sein Feind.“

Maliki wird der nächste ausgediente Hampelmann sein, den Onkel Sam zur Seite wischt. Der CIA „Trumpf,“ der die Macht in Kabul übernimmt, ist mit der selben Drohung konfrontiert. Sowohl die irakische als auch die afghanische Armee werden bezahlt, um Uniformen zu tragen, nicht um tatsächlich zu kämpfen.

Noch immer ist nur wenigen Amerikanern bekannt, dass der Krieg gegen den Irak über eine Billion Dollar kostet – finanziert mit Krediten von China und Japan – die unsere Enkelkinder bezahlen werden.

Diese Neokonservativen, die nach Krieg heulen, haben bis jetzt noch nicht angeboten, persönliche Beiträge zu einer größeren Kriegsanstrengung zu leisten.

Wenige werden sich erinnern, dass Vietnam mit einer kleinen Anzahl von „Beratern“ der Vereinigten Staaten von Amerika angefangen hat.

 

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