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USA drangsaliert El Salvador, Entwicklungshilfe nur bei Kauf von Monsanto-Saatgut

Posted by krisenfrei - 20/06/2014

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von WiKa (qpress)

Charity-Jungle: Herzlich willkommen im finsteren Wald der Benefiz-Prostitution. Mildtätigkeit ist keine Selbstverständlichkeit und schon gar nicht für profitmaximierte Kleingeister, wie sie im nördlicheren Teil Amerikas zuhauf herumlaufen. Dort kennt man die Vokabel Charity überwiegend nur in Verbindung mit „Shareholder-Value“, was konkret bedeutet, dass sich jede Spende auch anständig rentieren muss. Und die langen Finger der Langfinger reichen locker bis in die US-Ministerien, sodass man Entwicklungshilfe nur dann noch gewährt, wenn die eigenen Konzerne dabei ordentlich absahnen können.

 

Vor einem derartigen Dilemma steht gerade El Salvador. Womöglich muss das Land auf rund 300 Millionen Dollar Hilfe verzichten, weil es nach Auffassung der USA nicht artig genug ist. Jetzt könnte man noch auf die Idee kommen, dass es nichts Ungewöhnliches ist, wenn Bedingungen für die Verteilung von Entwicklungshilfegeldern einzuhalten sind. Auch dagegen gäbe es nichts einzuwenden, zumal der betreffende Topf solitär von den USA aufgelegt wurde. Der nennt sich Millennium Challenge Account (MCA) … [Wikipedia], wurde im Jahr 2004 geschaffen und ist ein Fond der klare Bedingungen vorgibt. Diese Bedingungen sind wie folgt umrissen:

Qualifikation

Anspruchsberechtigt für den MCA sind low income countries mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von weniger als 1465 US-Dollar. Ab 2006 werden auch lower middle income countries mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1465 US-Dollar und 3035 US-Dollar gefördert.

Für die Auswahl der anspruchsberechtigten Länder werden 16 öffentlich zugängliche Indikatoren verwendet, die in drei Kategorien unterteilt wurden:

1. Ruling Justly 1. Control of Corruption 2. Rule of Law 3. Voice and Accountability 4. Government Effectiveness 5. Civil Liberties 6. Political Rights

2. Investing in People 7. Immunization Rate 8. Primary Education Completion Rate 9. Public Primary Education Spending/GDP 10. Public Expenditure on Health/GDP

3. Economic Freedom 11. Country Credit Rating 12. Inflation 13. Regulatory Quality 14. Budget Deficit/GDP 15. Trade Policy 16. Days to start a Business

Um sich für MCA-Mittel zu qualifizieren muss ein Kandidatenland bei mindestens der Hälfte der Indikatoren in jeder Kategorie über dem Median liegen. Der Median für Korruption ist dabei besonders wichtig. Liegt ein Land bei diesem Indikator unter dem Median wird es dadurch automatisch für MCA-Mittel disqualifiziert. Auf diese Weise sollen nur Länder gefördert werden, die ihre Bereitschaft zu Reformen, einer guten Wirtschaftspolitik und Good Governance gezeigt haben.

Nun aber dürfen die Bauern in El Salvador Lotto spielen und überlegen, wo in diesen klaren Bedingungen die genmanipulierte Saat von Monsanto verborgen ist. Und weil die Bauern offenbar zu blöd sind den Pferdefuß darin zu finden, gehen sie dort jetzt einfach auf die Palme und randalieren vor der US-Botschaft. Der Adler im Wappen der USA hat angesichts des Affentheaters schon Ablösung bekommen, dort geht es inzwischen viel realistischer zu, siehe Titelbild. Die Botschafterin der USA soll dort maßgenommen werden, weil sie entsprechenden Druck auf auf die Regierung ausübte, dass die ihre Bauern ordentlich zum Kauf von dem Gen-Dreck zwingen soll … eben genau über den erwähnten Geldhahn. Wem das alles jetzt ziemlich spanisch vorkommt und das auch noch versteht, der kann es hier genauer nachlesen: Agricultores rechazan presiones de embajada de EE.UU por compra de semilla mejorada[verdaddigital], und die entstandene Aufregung dann vermutlich noch besser nachvollziehen.

Natürlich mögen die Geldgeber, in diesem Fall die USA, auf derlei eigensinnige Befindlichkeiten der Südamerikaner gar keine Rücksicht nehmen und bestehen dennoch auf dieser kleinen Programmänderung. Die Bauern in Südamerika haben blöderweise schon mehrjährige Erfahrung mit den „Segnungen” von Monsanto und die Schnauze diesbezüglich gestrichen voll. Man hat vor Ort genügend selbstgezüchtetes und gutes Saatgut, welches man nicht durch zu importierendes, transgenes Saatgut aus den USA ersetzen möchte. Die El Salvadorianer fühlen sich da richtig drangsaliert, beklagen die Einschränkungen ihrer Freiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung, aber Uncle Sam mag diese schrillen Töne einfach nicht hören.

Will sagen, die ablehnende Haltung gegenüber Monsanto in Südamerika wird mehr und mehr zum Programm und wohl auch zu einem Problem für die USA. Vielleicht ist ja gerade dieser Umstand der Stein des Anstoßes, dass man über den öffentlichen Geldsack der US-Entwicklungshilfe nunmehr mit monetärer Gewalt alles wieder in eine für US-Konzerne auskömmliche Bahn katapultieren will? Fair sieht anders aus! Aber warum fair sein, wenn man den Geldhahn bedienen kann und am längeren Hebel sitzt.

Wir wissen natürlich um die allgegenwärtige Hilfsbereitschaft der Ver(unr)einigten Staaten von Amerika und auch um deren bisherigen, völlig selbstlosen Einsatz überall in Südamerika. Da muss man schon verstehen, dass die USA endlich auch einmal ihre eigenen Befindlichkeiten berücksichtigt wissen wollen. Das sollte das mindeste sein was man von diesen armen Schluckern erwarten kann, aber nein, die bleiben wie eh und je völlig undankbar für all die tollen Ausrottungshilfen die Uncle Sam für gutes Geld auf Lager hat.

Einer der beliebteren US-Tricks, gemäß der oben zitierten Bedingungen, ist die Forderung nach internationaler Ausschreibung der Saatgutlieferungen. Da geht es halt um Handel und Wandel, absolute Weltoffenheit „Trade and Gouvernance” und all so ehrbaren Kleinscheiß. Sind alles elegante Vorstufen von TTIP, TISA und CETA. Dann geht Monsanto gerne schon mal her und verschenkt das Saatgut in der ersten Runde, kann sonst keiner. Nicht einmal die lokalen Bauern und Genossenschaften können da dann mithalten. Und wir wissen ja wie es mit Ausschreibungen nun mal so ist, der Günstigste muss schon genommen werden, alles andere wäre ja Geldverschwendung und gegen die Hilfsbedingungen.

monsanto_uns_ist_alles_banane_genfood_mafiaNur das benötigte Gift und der Spezialdünger für diese edlen Monsanto-D Pflanzen ist dann eben nicht ganz so billig und es lässt sich auch kein weiteres Saatgut aus den transgenen Pflanzen gewinnen. Die letzteren Details sind natürlich nicht Gegenstand irgendwelcher Ausschreibungen, es ergibt sich wie rein zufällig. Das Gesamtmodell bürgt langfristig für besonders guten Umsatz und natürlich macht man gerade im landwirtschaftlichen Bereich immer gerne langfristige Verträge, das geht nur bei den damit verbundenen Preisen nicht, weil die sich ja nach Marktlage richten müssen.

Aber wenn die Bauern erst einmal an diesem Fliegenfänger kleben, dann ist ja alles in Ordnung und die Umsätze sind garantiert. Wenn sich in der Folge einige Bauern durch Selbstmord versuchen ihren vertraglichen Verpflichtungen zu entziehen, wie es weltweit immer häufiger praktiziert wird, muss dies die Konzerne nicht sorgen, auch die Bauern wachsen nach. Letzteres schmälert die Gewinne der Konzerne nicht, ist deshalb in jeder Hinsicht unschädlich und für die schlechte Moral der Bauern fühlen sich die Konzerne keineswegs verantwortlich. Und wir hier in Europa dürfen uns langfristig auf ähnlich tolle Zustände einstellen. Damit der Pöbel hierzulande nicht unruhig wird, verhandeln unsere Vertreter derzeit aber lieber TTIP, TISA und CETA im Geheimen. Als richtig denkende Menschen haben wir dafür absolutes Verständnis und kümmern uns zunächst mal um richtig wichtige Dinge … die nächsten Fußballspiele bei der Fußball Weltmeisterschaft.

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Eine Antwort to “USA drangsaliert El Salvador, Entwicklungshilfe nur bei Kauf von Monsanto-Saatgut”

  1. diridum said

    Gewaltlos in die Zukunft mit dem Mut zur Wahrheit .
    Zünftiges Lied für Montagsdemo.

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