krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Großes Schmollen in Paris

Posted by krisenfrei - 07/06/2014

Eric Margolis (antikrieg)

Die Präsidenten Barack Obama und Vladimir Putin waren wie Schiffe, die einander nächtens passieren, während sie sich beim G7-Gipfel in Paris aufhielten.

Laut Berichten weigerte sich der amerikanische Präsident, mit Putin zu dinieren, der von Frankreichs Präsident Francois Hollande im Rahmen der D-Day-Gedenkfeiern bewirtet wurde.

So musste also Hollande, der zur Zeit auf Diät ist, nachdem er von seinem Vorgänger Nicholas Sarkozy als „kleiner fetter Mann” bezeichnet worden war, zwei Rücken-an-Rücken-Diners geben, das erste für Obama, und das zweite, auf französisch delikat als „Souper“ oder kleineres Abendessen bezeichnet, für Vlad Putin, der ohnehin kein starker Esser oder Trinker ist.

Wie auffallend kindisch und dumm das alles doch war. Obama und Amerikas europäische Alliierte zeigen Putin die kalte Schulter wegen der Wiedereingliederung der Krim nach Russland, wozu sie 300 Jahre lang gehört hatte, und wegen Unruhestiftens in der östlichen Ukraine. Gleichzeitig sind militärische Kräfte der Vereinigten Staaten von Amerika aktiv oder stationiert in Afghanistan, Pakistan, Dschibuti, auf den Philippinen, im Jemen, in Somalia, Uganda, in der Zentralafrikanischen Republik, in Kolumbien, Kenia, Europa, Südkorea, Japan – in der Tat rund um den Erdball.

In Paris trafen sich die führenden europäischen NATO-Mitglieder einzeln mit Präsident Putin, während Washington sein großes Schmollen fortsetzte. Die Wirtschaft der Europäischen Union ist zu verflochten mit Russland, als dass sie sich ein politisches Theater leisten könnte.

Kanada, das von einer weit rechts stehenden evangalikalen Regierung beherrscht wird, spielte für seine große ukrainische Volksgruppe, indem es gegen Russland schimpfte und keppelte. Die Ukraine muss frei sein, donnerte Ottawa – während es gleichzeitig für Kanadas urbane jüdische Wähler spielte, indem es zeterte, dass die Palästinenser kein Recht auf ihren eigenen unabhängigen Staat haben.

Was dieses Schulhofgezänk in Paris noch ungehobelter macht ist die Tatsache, dass D-Day, vom Westen gefeiert als die entscheidende Schlacht, die das nationalsozialistische Deutschland besiegte, nie eine Chance gehabt hätte ohne Stalins sowjetische Rote Armee.

Rund 75% der einst mächtigen deutschen Wehrmacht und Luftwaffe wurden von der Sowjetunion an der Ostfront zerstört: 607 deutsche und Divisionen der Achsenmächte, 48.000 deutsche Panzer, 77.000 deutsche Kampfflugzeuge.

Die gebeutelten deutschen Kräfte, die den Amerikanern, Briten und Kanadiern in der Normandie gegenüber standen, waren auf 40% ihrer effektiven Stärke reduziert. Sie waren lahmgelegt durch Treibstoffmangel und hatten keine Luftunterstützung, die sie gegen die 24-stündige Flächenbombardierung und Beschuss durch die Alliierten schützen konnte. Es war erstaunlich, dass die ramponierten Deutschen überhaupt noch bzw. so hart kämpfen konnten. Wären die alliierten Landetruppen auf die Deutschen von 1940 gestoßen, wären sie zurück in den Kanal getrieben worden.

Daher gebührt noch immer großer Dank den russischen Sowjets, die wie brutal und mörderisch auch immer wirklich den Krieg in Europa gewonnen haben und anschließend 450.000 japanische Soldaten vernichteten. Mindestens 12 Millionen sowjetische Soldaten kamen ums Leben und haben dadurch Leben von Soldaten der Alliierten erspart.

Intelligente Erwachsene sprechen mit ihren Rivalen und Feinden. Wenn zum Beispiel die Vereinigten Staaten von Amerika und Britannien 1944 Friedensgesprächen mit den deutschen Generälen zugestimmt oder zumindest ihren Putsch gegen Hitler unterstützt hätten, hätte der Krieg leicht ein Jahr früher beendet werden können.

Was mich zu Sergeant Bowe Bergdahl bringt, dem Kriegsgefangenen der Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan, der von den Taliban freigelassen wurde. Als ein ehemaliger Armeesoldat der Vereinigten Staaten von Amerika sage ich, dass Präsident Obama richtig gehandelt hat, als er Bergdahl gegen fünf höherrangige Kriegsgefangene Taliban austauschte, die im Gulag Guantánamo der Vereinigten Staaten von Amerika unter Verletzung des Internationalen Rechts und der Genfer Konvention eingesperrt waren.

Präsident Obama ist jetzt die Zielscheibe wütender Denunziationen seitens den Krieg befürwortender Republikaner und Demokraten, von deren Kindern nur wenige je im Militär gedient haben. „Wir werden niemals mit Terroristen verhandeln“ ging ihr stumpfsinniges Mantra.

In lächerlicher Weise behaupten sie, dass die fünf in die Obhut Qatars entlassenen Talibanführer irgendwie eine Bedrohung für die mächtigen Vereinigten Staaten von Amerika sind.

Was in Wirklichkeit passierte war, dass Präsident Obama endlich den närrischen 12 Jahre dauernden Krieg gegen Afghanistan herunterfuhr, begonnen von Präsident George W. Bush, der ein Ziel für Amerikas Wut nach den demütigenden Attacken des 9/11 brauchte, die das Weiße Haus auf Wache schlafend überraschten.

Afghanistan gesellt sich zum Irak als zweiter verlorener Krieg Amerikas: 22.000 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika tot, verwundet und emotional geschädigt, hunderttausende Tote in Afghanistan und eine Billion Dollars, die den Bach hinunter gegangen sind. Beide Kriege wurden geführt mit von China und Japan geborgtem Geld und haben den Vereinigten Staaten von Amerika gigantische Auslandsschulden hinterlassen.

Im Gegensatz zu all der Kriegspropaganda, die wir gehört haben, wurden die Taliban gegründet als antikommunistische religiöse Bewegung, die sich zum Ziel setzte, die massenhafte Vergewaltigung afghanischer Frauen, die Gesetzlosigkeit und die ins Uferlose wachsende Drogenproduktion zu beenden. Ich weiß das, weil ich dort war. Die Taliban hatten nichts zu tun mit 9/11, nichts zu tun mit „Terrorismus.“ Sie wurden gegründet vom pakistanischen Geheimdienst und Innenministerium.

Die Taliban boten an, den ungelegenen Gast Osama bin Laden an ein anderes muslimisches Land zu überstellen, sobald die Vereinigten Staaten von Amerika einen entsprechenden Auslieferungsantrag stellten. Das tat Washington nicht, da es Krieg wollte. Die Männer, die New York und Washington attackierten, waren hauptsächlich Saudis. Der Anschlag wurde in Hamburg und Madrid ausgeheckt. Wir wissen immer noch nicht wirklich, wie sehr bin Laden involviert war.

Wir haben die verderbliche Gewohnheit entwickelt, jeden, der versuchte, sich unserer Beherrschung der Welt entgegenzustellen, als einen “Terroristen” zu bezeichnen. Das hat uns in ein Propagandaeck getrieben: indem wir unsere Gegner dermaßen dämonisieren, begeben wir uns selbst der Möglichkeit, mit ihnen zu verhandeln. Das Geheul „wir werden nie mit Terroristen verhandeln“ seitens einiger geistig minderbemittelter Abgeordneten des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika und ihrer verbündeten Medien ist ein trauriges Beispiel für ein solches unlogisches Verhalten.

Die wahrhaft Schuldigen an dem Blutbad und verlorenen Krieg in Afghanistan sind der ehemalige Präsident George W. Bush, der Kongress und die Medien, die allesamt Amerika in einen unnötigen Krieg trieben in einem Teil der Welt, der den Politikmachern der Vereinigten Staaten von Amerika unbekannt ist. Wenige sagten voraus, dass die stärkste Macht der Welt sich an den Bergen Afghanistans die Zähne ausbeißen würde.

Im Oktober 2001 schrieb ich in der Los Angeles Times, dass die Vereinigten Staaten von Amerika niemals einen Krieg gegen die afghanischen Paschtunenkrieger gewinnen würden, und dass die Vereinigten Staaten von Amerika mit den Taliban verhandeln sollten. Das ist der falsche Krieg gegen die falschen Leute, warnte ich, in einem kleinen Land, das zu Recht bekannt ist als der „Friedhof der Weltreiche.“

 

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