krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Anpassung

Posted by krisenfrei - 02/06/2014

von Gert Flegelskamp (flegel-g)

Die EU-Wahl hat mich einmal mehr in Grübeln gebracht. Wie kommt es, das trotz aller offensichtlichen Fehlleistungen in der Politik immer die gleichen Parteien die meisten Stimmen erhalten? Sicher, jeder Nichtwähler erhöht die prozentuale Steigerung, doch das gilt für alle Parteien.

Wir sind es gewohnt, ein Bild gezeigt zu bekommen, das so aussieht:

Das ist eine verfälschte Darstellung, weil die Stimmauszählung für die Parteien nur aus den Stimmen besteht, die als gültig abgegebene Stimmen gewertet wurden. Nichtwähler haben demnach keine Stimme. Zumindest nicht offiziell. Aber wie die nachfolgende Grafik beweist, verteilen sie indirekt durch ihre Wahlverweigerung ihre Stimmen auf alle gewählten Parteien. Nun kann diese Wahlverweigerung ja ein Akt der Faulheit sein, wo doch gerade die privaten Sender die X-te Wiederholung dieser „aufregenden“ Sendung von den Geißens oder sonstigen Spaß am Verdummen zeigen.

Andere hingegen sehen ihre Wahlverweigerung als Protest an, wählen aber indirekt die, gegen die sie protestieren wollen. Man darf ihnen auch nicht mit meiner Argumentation kommen. „Das sehe ich anders“ ist dann die lapidare Antwort. Das ist, äquivalent zur Farbblindheit, eine Wahlblindheit. Ich bin überzeugt, würde man allen etablierten Parteien bei Wahlen konsequent die rote Karte zeigen, indem man wählt, aber anders, hätten wir eine andere Politik. Denn diese Grafik zeigt, wie viele Stimmen die Parteien (in Prozent) im Verhältnis von den Wahlberechtigten wirklich bekommen haben.

Natürlich wären die hier angezeigten Ergebnisse minimal anders, wenn ich all die anderen Kleinparteien auch eingefügt hätte. aber das wären nur marginale Unterschiede.

Nun gehe ich davon aus, dass eigentlich jeder Wähler weiß, dass die Wahlbeteiligung Auswirkungen auf das Wahlergebnis hat. Ob das auch den Nichtwählern wirklich bewusst ist, frage ich mich allerdings nach jeder Wahl erneut. Vielleicht hilft ja mal die graphische Aufarbeitung, um Wähler und Nichtwähler gleichermaßen zu erschrecken.

Nun werde ich öfter angeschrieben, dass man ja keine dieser Parteien wählen könnte und die Kleinparteien ohnehin keine Chance hätten. Andere meinen, dass sie das kleinere Übel gewählt hätten und meinen damit dann entweder die SPD statt CDU/CSU oder umgekehrt. Diesen Leuten sei gesagt, dass es das kleinere Übel nicht gibt. Ist es in der Opposition, ist es gegen alles und baut Luftschlösser, was es machen würde, wenn es regieren würde. Regiert es dann (wenn auch bloß mit), ist es wieder das gleiche Übel, dass es auch in der letzten Regierungsbeteiligung bzw. Regierung war.

Momentan ist mein Eindruck, dass die Linke das kleinste Übel ist und würde man sie mehrheitlich wählen, könnte sie sich natürlich auch zum großen Übel wandeln, doch das wissen wir bisher nicht, weil wir es noch nicht ausprobiert haben. Aber es würde den 3 Groß-Parteien und der FDP ebenso wie den Grünen (und das sind die Parteien, die seit 1949 (fast) ausschließlich die Regierungen gebildet haben) einen gehörigen Schock verpassen und deren Arroganz empfindlich zusetzen, einen Schock, den sie dringend nötig haben.

Doch das sind natürlich nur meine Überlegungen, die mich aber darüber sinnieren lassen, was eigentlich in den Köpfen der Wähler dieser Parteien vorgeht, die trotz bekannter Skandale, trotz aller gegen den Wähler getroffenen Entscheidungen, diese Parteien immer wieder in Amt und Würden heben (das mit der Würde ist nur eine Redensart).

Ich habe mal einen alten Beitrag von mir wieder hervorgekramt, den ich damals Denken lernen überschrieben habe. Nun empfiehlt ja auch die Politik, ein Leben lang zu lernen, aber so richtig glaube ich nicht, dass die Politiker das auch wollen, ausgenommen natürlich, man lernt systemkonform.

Ich führe diesen Beitrag deshalb an, weil ich darin auch darüber geschrieben habe, dass wir bereits bei Kindern beginnen, sie statt aufs Denken auf Anpassung hin zu trainieren. Und das scheint weitaus wirkungsvoller zu gelingen, als sie zum eigenständigen Denken anzuregen. An sich sogar verständlich, denn eigenständiges Denken des Nachwuchses würde das Mit- oder Nebeneinander erheblich komplizierter machen. Es ist eben viel einfacher, ein Kind durch ein Verbot von einer Handlung abzubringen, als es durch Überzeugungsarbeit dazu zu bringen, diese Handlung von sich aus zu unterlassen, denn Kinder sind viel klüger, als wir oft meinen und sie könnten uns bei einer solchen Vorgehensweise mitunter erheblich in Erklärungsnot bringen.

Ich habe auch an zwei kleinen Beispielen gezeigt, wie Entscheidungsfindung funktionieren könnte, wenn sie immer überlegt und vor allem weniger egoistisch gestaltet würde. Egoismen sind, so glaube ich, allen Menschen angeboren. Sie sind Teil des Selbsterhaltungstriebs. Aber bei ein wenig Weitsicht sollte man schon mal die eigenen Ansprüche hinter die der Allgemeinheit zurückstellen.

Ein Beispiel. Wir alle wissen, dass Maschinen und Computer inzwischen sehr viele Arbeitsplätze vernichtet haben. Die Folgen sehen wir anhand der Arbeitslosenzahlen. Wirklich? Insgeheim wissen wir doch alle, dass diese Arbeitslosenzahlen getürkt sind, indem die Wirtschaft mit Dumpinglöhnen, Zeitarbeit und weiteren Maßnahmen ihre Profite zugunsten der Aktionäre steigert und die Arbeitnehmer, die diese Profite erst erwirtschaften, in Situationen drängt, dass sie von ihrem Lohn nicht mehr wirklich leben können. Trotzdem gibt es sie immer noch, die Leute, die auf die Arbeitslosen schimpfen, sie als Schmarotzer darstellen oder den unsäglich dummen Spruch loslassen: „Wer arbeiten will, findet auch einen Job.“ Natürlich, wenn man umsonst oder zumindest fast umsonst arbeitet, findet man einen Job und verdrängt damit u. U. einen anderen aus diesem Job, weil man billiger arbeitet. Würde man denken, müsste man erkennen, dass genau das das gewollte Prinzip ist. Hier funktioniert das liberale Prinzip des Marktes prächtig. Hohe Arbeitslosigkeit bringt Druck auf das Lohngefüge und wenn es einem Konzernchef gelingt, noch mehr Arbeitsplätze abzubauen, wird sein Bonus größer, man kürt ihn vielleicht zum „Manager des Jahres“, der Aktienkurs steigt und wenn dann wenig später das Unternehmen einbricht, sitzen Tausende auf der Straße. Ein praktisches Beispiel war die Metallgesellschaft mit Sitz in Frankfurt, als dort Schimmelbusch Vorstandsvorsitzender wurde. Er war ein Zocker, was ihm den Titel „Manager des Jahres“ bescherte, dieser „Manager“ sich aber, um einem Prozess gegen ihn auszuweichen ,wenig später ins Ausland absetzen musste, während die Metallgesellschaft und alle Tochterfirmen den Bach hinunter gingen oder zumindest erhebliche Einbußen erlitten

.

Dabei wäre Arbeitslosigkeit leicht zu verhindern, indem man die wöchentliche Arbeitszeit um 8 Std. reduziert. Doch da schreien Industrie und Politik laut auf, die meisten Arbeitslosen seien „unqualifiziert“. Unqualifiziert zu sein, ist offenbar ein Privileg, das Wirtschaftsbossen und Politikern vorbehalten bleiben muss. Unter den heutigen Arbeitslosen gibt es genug Leute mit Abitur oder abgeschlossenem Studium, mit erlernten Berufen, die aber durch die Technik verdrängt wurden und vor allem Leute, die gerne arbeiten würden, wenn man sie nur ließe. Und meine Erfahrung ist, dass man einen Job nur lernt, wenn man ihn ausübt. Ein Studierte kann in der Praxis versagen und ein Ungelernter kann aufblühen und sich zum Spezialisten entwickeln. Doch darüber entscheidet nicht nur der Job, sondern auch das Betriebsklima. Früher nannte man das mal Unternehmenskultur, doch heute erfüllen nur noch wenige Unternehmen den Anspruch einer funktionierenden Unternehmenskultur.

Ich glaube, wir sind eine reine Anpassungskultur geworden. Meine beiden primären Fragen

  • Wem nutzt es
  • wem schadet es

sind offenbar zu extrem gestellt. Wenn man hinter „wem nutzt es“ ein Kreuzchen macht, wird die zweite Frage einfach ignoriert, denn das wurde einem von klein auf beigebracht. Das wirkt sich auch weiter aus. Eine zu große Masse vermeidet es, Dinge zu hinterfragen. Sie verhalten sich systemkonform, lesen die Presse, die ihre Einstellung bestätigt, wählen die Parteien, von denen sie glauben, dass sie ihren Status schützen. Von Kritik wollen sie nichts hören, nichts sehen und nicht sprechen.

Diese Leute sind das wahre Problem auf dieser Welt. Sie wollen den eigenen Vorteil und glauben, das Rezept sei es, angepasst zu sein und zu bleiben. Dass sie ebenfalls ganz allmählich ins Rutschen geraten, verdrängen sie solange, bis es zu spät ist. Ihre Überzeugungen taugen nicht, weil sie sie nicht hinterfragen. Irgendwann sind sie soweit, dass sie die Frage nach dem eigenen Nutzen auch nicht mehr stellen. Sie haben sich ganz auf glauben eingestellt. Sie glauben was ihnen die Presse berichtet. Sie glauben, was die Politik ihnen vorbetet. Sie haben sich im Laufe der Zeit zu Gläubigen entwickelt. Die Kirchen praktizieren das seit tausenden von Jahren sehr erfolgreich. Die Kirche spricht dabei von „ihren Schäfchen“, was auch auf Unkenntnis der Fauna hinweist. Glaube ich zumindest, weil diese Schäfchen als ausgewachsene Rindviecher ansehe. Verzeiht, liebe echte Rindviecher. denn eigentlich halte ich euch für klüger.

 

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Eine Antwort to “Anpassung”

  1. Hat dies auf deutsch769 rebloggt und kommentierte:
    Sehr gut!

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