krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Archive for 24. Mai 2014

EU-Wahl und KenFM

Posted by krisenfrei - 24/05/2014

von Gert Flegelskamp (flegel-g)

Morgen wird in Deutschland die Wahl der EU-Parlamentarier stattfinden. Dazu hat mir ein Leser einen Link auf ein Video von KenFM zugesendet, der, ich denke bei der letzten Bundestagswahl, dazu aufgerufen hat, NICHT wählen zu gehen und dafür auch eine Menge Gründe anführt, die plausibel klingen, es aber aus meiner Sicht nicht sind.

Er beklagt durchaus zu Recht, dass die Parteien nicht uns, sondern den industriellen Komplex vertreten, dass sie Versprechungen machen, die sie dann nicht einhalten und er führt weitere Gründe an. Kern seiner Aussage ist, dass jeder bei sich selbst beginnen müsste, sein eigenes Leben zu ändern, Schritt für Schritt.

Ich muss das Video nicht erklären, denn Sie haben es ja (hoffe ich) gesehen. Nur liegt diesem Video aus meiner Sicht ein grundlegender Denkfehler zugrunde, der sich auch mit einer Vorgehensweise aufgrund seiner Vorschläge nicht beheben lässt. Er bedenkt bei seinen Vorschlägen nicht wirklich, was Staat und was die Staatsgewalt wirklich bedeuten.

Was passiert, wenn ich seinen Vorschlägen folge, also nicht wähle und wenn es gleich mir all jene tun bzw. nicht tun, die sich von der Politik verraten fühlen? Es ist ernüchternd: NICHTS!

Warum ändert sich nichts? Man muss zuerst einmal das Wahlsystem kennen, will man Änderungen erreichen

Wir haben ein Wahlsystem, in dem die Parteien darum werben, dass man ihnen seine Stimmen gibt, denn je nach Bundesland, vor allem aber bei der Bundestagswahl hat man 2 Stimmen, eine Erststimme und eine Zweitstimme. Abhängig davon wie viele Stimmen eine Partei bekommt, ist der Maßstab, wie viele Parlamentssitze eine Partei bekommt, die Zweitstimme, vorausgesetzt, die Partei hat die 5-Prozenthürde überschritten. Schon diese grobe Darstellung stimmt auch nicht vollumfänglich, denn wir haben ja ein gemischtes Wahlsystem, bestehend aus Direktwahl (Erststimme) und Verhältniswahl (Zweitstimme).

Mit der Erststimme wählen wir, wenn wir dort ein Kreuz machen, einen Direktkandidaten aus dem Wahlkreis von der Partei, die diesen Kandidaten aufgestellt hat. Die Zahl aller Wahlkreise ist identisch mit der hälftigen Zahl der zu vergebenden Parlamentssitze. In jedem Wahlkreis bekommt der Kandidat, der die meisten Erststimmen in diesem Wahlkreis vom Wähler bekommen hat, einen sicheren Sitz im Parlament. Da 598 Sitze im Deutschen Bundestag zu vergeben sind, werden also bundesweit 299 Kandidaten über die Erststimme (Direktmandat) ins Parlament gewählt.

Die restlichen 299 Sitze werden mittels Verhältniswahl ermittelt. Nicht nur das, die Verhältniswahl ist auch gleichzeitig der Gradmesser aufgrund eines mathematischen Vorgehens für die Beantwortung der Frage, wie viele Sitze eine Partei insgesamt aufgrund des Wahlergebnisses beanspruchen kann, Es ist eine Listenwahl und funktioniert so: In jedem Wahlkreis werden Kandidaten für die Verhältniswahl nominiert und in einer Liste aufsteigend festgelegt. Das sieht so aus:

  1. Kandidat
  2. Kandidat
  3. Kandidat
  4. Kandidat
  5. Kandidat

Dabei werden, ausgehend vom Wahlergebnis einer Partei in diesem Wahlkreis die Kandidaten in der Reihenfolge ihre Aufstellung nominiert. Wenn also eine Partei für einem Wahlkreis nach der Auszählung Anspruch auf 3 Sitze hat, haben Kandidat 1 bis 3 das Ziel erreicht. Eine Ausnahme gibt es. Zumeist wird der ausgewählte Direktkandidat auch zusätzlich auf Position 1 der Liste gesetzt. Hat er das Direktmandat bekommen, würden also die Kandidaten 2 bis 4 ausgewählt. So entstehen also 299 Wählerlisten je Partei.

Hier gerät ein wenig Sand ins Getriebe des Wahlmechanismus. Nehmen wir an, in einem Wahlkreis erhält eine Partei im Verhältnis gesehen nicht genügend Zweitstimmen, um überhaupt einen Kandidaten aus diesem Wahlkreis für diese Partei zu berücksichtigen, aber ihr Direktkandidat hat die meisten Erststimmen erhalten, dann ist der Fall eingetreten, dass 1 Kandidat mehr Anspruch auf einen Parlamentssitz hat, als im Parlament zur Verfügung stehen. Der Direktkandidat hat aber Anspruch auf einen Sitz und die anderen Wahlkreise wollen nicht darauf verzichten, dass wegen diesem Direktkandidaten in Wahlkreis X einer der dortigen Listenkandidaten zurückstecken muss. Folglich wird diese Partei einen Sitz mehr bekommen, als ihr ursprünglich zusteht, ein Überhangmandat.

Wenn eine Partei die 5-Prozenthürde nicht erreicht hat, aber einer ihrer Direktkandidaten in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen auf sich vereinigen konnte, dann zieht auch dieser Kandidat ins Parlament ein. Wie? Natürlich in Form eines Überhangmandates. Gelingt es sogar 3 Kandidaten dieser Partei, jeweils einen Sitz als Direktkandidat zu bekommen, zieht sie, obwohl sie die 5% nicht erreicht hat, in Fraktionsstärke ins Parlament ein.

Jedes Überhangmandat führt natürlich zur Verstimmung bei den Parteien, die kein solches oder zumindest weniger erhalten haben. Deshalb wurde vor dem BVerfG dagegen geklagt und das BVerfG befand die bisher übliche Regel sei verfassungswidrig. Aber das BVerfG besteht aus Juristen und unterliegt dabei natürlich einem sehr eingeschränkten Hang zur Logik. Logisch wäre gewesen (so denke ich), wenn es geurteilt hätte, die Überhangmandate mit Ausnahme derer, die ein solches Mandat erreicht, aber nicht die 5% geschafft haben, abzuschaffen. das wäre eigentlich einfach gewesen. Vor einer Wahl müssten alle Wahlkreise ihre Vorschläge zur Kandidatur dann beim Landesverband einreichen, der dann eine Landesliste aufstellen würde und über diese Landesliste dann auch nur die Zahl der Kandidaten ins Parlament einziehen, wie sie insgesamt in Anspruch nehmen können. Das würde natürlich bedeuten, dass im Landesparlament zwischen den Delegierten der einzelnen Wahlkreise ein Hauen und Stechen stattfinden würde, weil ein Direktmandat in Wahlkreis X ohne ausreichende Stimmen für einen Kandidaten (nach 2.Stimmen) natürlich dazu führen würde, dass in einem anderen Wahlkreis ein Kandidat nun nicht an den Fleischtopf gelangt. Alternativ hätte man auch das Direktmandat abschaffen können, also ausschließlich nach dem Verhältniswahlrecht wählen können.

Aber solch logischen Erwägungen ist das BVerfG nicht geneigt und hat stattdessen geurteilt, dass Überhangmandate der einen Partei zu Ausgleichsmandaten bei den anderen Parteien führen müssen. So kommt es, dass wir derzeit 33 Abgeordnete im Bundestag sitzen haben, die ihren Sitz nur dieser Regelung zu verdanken haben.

Kommen wir zurück zu der Meinung von KenFM. Folge ich seinem Rat, kann ich mir natürlich auf die Schulter klopfen und sagen, „ich habe keine Schuld, denn ich habe nicht falsch gewählt, weil ich gar nicht gewählt habe.“ Und das ist falsch. Er betont ja ausdrücklich, dass der „industrielle Komplex“ von den gewählten Parteien bedient wird. Wählt er also nicht, so seine Vorstellung, dann gibt es auch keine Parteien, die gegen ihn regieren. Dabei vergisst er, dass

  1. im Wahlgesetz keine Mindestwahlbeteiligung vorgesehen ist
  2. die Sitze nur von den gültig abgegeben Stimmen berechnet werden

Daran scheitert seine Idee, denn auch wenn alle nicht wählen, die sich von der Politik betrogen fühlen, gehen die Anhänger der jeweiligen Parteien und die Leute aus dem industriellen Komplex und vermutlich auch die meisten Beamten in jedem Fall wählen. das bedeutet, gewählt wird trotzdem und das heißt auch, je niedriger die Wahlbeteiligung ist, um so höher wird das Wahlergebnis der etablierten Parteien ausfallen.

Natürlich hat er recht, wenn er den „industriellen Komplex“ kritisiert, übersieht dabei aber, dass wir uns seit der ersten industriellen Revolution diesem Komplex untergeordnet haben. Auch wenn es uns nicht gefällt, wir brauchen die Staatsgewalten und wir brauchen den industriellen Komplex. Es ist leicht gesagt, wir können auf das Auto verzichten und stattdessen aufs Fahrrad oder auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Doch wer baut denn die öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Bus, Zug)? Wer baut die Fahrräder, dazu noch zu Preisen, die man sich leisten kann? Und wer organisiert alles, was wir zwar als selbstverständlich ansehen, um das wir uns aber nicht wirklich kümmern wollen?

Er betont auch, dass wir ja nun das Internet haben. Das ist richtig, aber was ist die Basis davon? Wer organisiert die Suchmaschinen, die Betriebssystem und die Netze? Wer versorgt uns mit Energie?

Sein Vorschlag kommt aus dem Bauch heraus und ignoriert dabei alles, was seiner Theorie entgegensteht. Ohne den industriellen Komplex gibt es nur noch wenige Arbeitsplätze und wer versorgt dann die Menschen mit dem, was sie brauchen. Ohne Autos bricht auch das ganze Transportsystem zusammen, mit dem z. B. Waren in die Geschäfte transportiert werden, kann die Feuerwehr nicht mehr ausrücken, um einen Brand zu löschen und will er Kranke oder Schwerverletzte auf dem Fahrrad ins Krankenhaus schaffen? Bis wir wieder Pferdefuhrwerke einführen könnten, würde wohl nur noch der Handkarren als Ersatz dienen. Ob er auch darüber nachgedacht hat?

Er hat recht, wenn er sagt, dass die Regierungen nicht nur versagen, sondern teilweise bewusst gegen den Großteil der Bevölkerungen arbeiten. Natürlich wäre es sinnvoll, Alternativen zu schaffen. Er hat recht, wenn er sagt, wir haben das Internet. Das könnte man nutzen, um neue Strukturen zu schaffen, um den Willen der Bevölkerung bzw. einer Mehrheit davon abzubilden. Doch das setzt voraus, dass sich die Bevölkerung auch mit politischen Erfordernissen und Gegebenheiten auseinandersetzt und die Möglichkeit hat, die eigene Meinung einzubringen. Das haben einige Leute vor ein paar Jahren sogar schon mal zu realisieren versucht, politische Abstimmungen durch die Bevölkerung via Internet. Das Interesse war gering, ganz sicher auch die Möglichkeit, das System einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Wen es interessiert, der kann es auch heute noch nachlesen. Vielleicht kommt es ja wirklich mal dazu, so ein System zu implementieren. Wir zumindest haben mit unserem damaligen Vorschlag der Partei Die Basis. nur ein sehr begrenztes Echo gefunden. Sicher, darin mag einiges sein, was wir noch falsch gedacht haben, aber das Konzept beruhte ja vor allem darauf, solche Fehler zu verhindern, weil es dann genügend Leute geben würde, denen das auffallen würde. Das Geheimnis eines solchen Systems wäre es vor allem, dass Betriebsblindheit auffällt und korrigiert wird.

 

Posted in Uncategorized | 1 Comment »

Das große Gasfiasko des Westens

Posted by krisenfrei - 24/05/2014

Eric Margolis (antikrieg)

Russlands Anführer Vladimir Putin trägt normalerweise ein perfektes Pokergesicht. Letzte Woche in Shanghai allerdings fiel es dem eiskalten russischen Präsidenten sehr schwer, nicht in ein breites Grinsen auszubrechen.

Warum das? Putin hatte gerade seinen westlichen Rivalen ein Schnippchen geschlagen. Der Versuch der Vereinigten Staaten von Amerika/des Vereinigten Königreichs, Russlands Wirtschaft zu treffen und Putin für Ungehorsam zu bestrafen, war gerade in ihre eigenen rot angelaufenen Visagen hochgegegangen.

Nach 20 Jahren schwieriger Verhandlungen hatten Russland und China soeben einen großen Handel über den Export von 38 Milliarden Kubikmetern Gas im Wert von rund $400 Milliarden von Russland nach China abgeschlossen. Die Vereinbarung beginnt 2018 zu laufen und wird eines der größten Bauprojekte der Erde umfassen, das Russlands abgelegene Erdgasfelder mit Chinas Pipelinesystem verbindet.

Zusätzlich wird China mindestens $20 Milliarden in die russische Industrie investieren und Importe russischer Produkte forcieren, besonders von militärischen Systemen. China wird Russlands größter Handelspartner werden.

Das war nicht die marktschreierisch angepriesene „Achse nach Asien,“ die Präsident Obama erwartet hatte. Es ist vielmehr die lang gefürchtete Umarmung zwischen dem chinesischen Drachen und dem russischen Bären, die die Strategen des Westens nervös gemacht hat.

Man muss davon ausgehen, dass der neuliche Aufruhr in der Ukraine der letzte Strohhalm war, der China dazu brachte, eine strategische Verbindung mit Russland einzugehen. Bisher hatte die beiden Großmächte ruhig kooperiert, nicht immer ohne Probleme. Dank all dem Wutgeheul und Säbelrasseln der Vereinigten Staaten von Amerika und ihrer Alliierten über Osteuropa und die Südchinesische See entschloss sich China, sein Bündnis mit Moskau zu erweitern und zu vertiefen.

Die Republikaner im Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika, die die Kriegstrommeln geschlagen und von Obama gefordert hatten, hart gegenüber Russland aufzutreten (was immer das auch heißen mag), tragen jetzt ihren Teil Schuld daran, dass sie Moskau in Chinas Arme getrieben haben. Alles perfekt vorhersehbar und perfekt blöd. Ein diplomatisches Fiasko reinsten Wassers.

Russland hat damit seiner Wirtschaft einen starken Antrieb gegeben und lässt die Sanktionen des Westens belanglos erscheinen. Chinesisches Geld wird es Russland, das knapp bei Kasse ist, ermöglichen, seine Erdöl- und Erdgasindustrie zu modernisieren. Die neuen Erdgaspipelines werden einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung für Russlands Notstandsregionen im Osten und in Sibirien mit sich bringen.

Wenn das Gasgeschäft läuft und blüht, wird es als Modell für eine verstärkte chinesisch-russische Kooperation im Militärbereich dienen, betreffend etwa Kampfflugzeuge der fünften Generation, Raketensysteme, Marinekräfte und hochwertige Elektronik. Bis zum heutigen Tag hat Russland gezögert, mehr hochentwickelte militärische Systeme an China weiterzugeben, weil China russische Technologie kopiert und sich dann geweigert hat, entsprechende Lizenzgebühren zu bezahlen.

Für China bietet das Abkommen viele Vorteile. China hatte seit Jahren zuwenig Energie. Peking muss verzweifelt neue Energiequellen finden, um seine wachsende Wirtschaft zu betreiben. Russisches Erdgas bietet eine saubere Alternative zur schmutzigen Kohle, die China für Energiegewinnung und zum Heizen eingesetzt hat. Laut Schätzungen wird die Umstellung auf Erdgas die Luftverschmutzung in den Städten im Norden Chinas um mindestens 25% reduzieren, vielleicht auch viel mehr. Nachdem ich selbst viele Nächte lang in Peking nach Luft geschnappt habe, weiß ich voll zu würdigen, was das bedeutet.

Russland hat lange gezögert, zu eng mit China im Rahmen von Industrieprojekten im Fernen Osten zu kooperieren. Die Russen lieben China – oder „Kitai“ – nicht besonders, weil China Erinnerungen an die mongolisch-tatarischen Invasionen weckt, die große Teile Russlands hunderte Jahre lang verheert haben. Misstrauen und geradezu Abneigung stecken in der Mentalität vieler Russen. Im 19. Jahrhundert machte Russland mit bei der Vergewaltigung Chinas durch die Mächte des Westens.

Demographie spielt eine große Rolle bei den russischen Ängsten gegenüber China. Russlands fernöstliche Regionen mit dem wichtigen Hafen Wladiwostok haben nur etwa 7,4 Millionen Einwohner. Zehnmal so viele Chinesen leben jenseits der Grenze in der nordöstlichen Region, die als „Dongbei“ bekannt ist. Diese wichtige strategische Region und die Mandschurei wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Konfliktzone zwischen Russland, Japan und China, was zum blutigen russisch-japanischen Krieg führte, dem ersten großen modernen Krieg des 20. Jahrhunderts.

Rund 1,5 Millionen Chinesen kommen jährlich über die russische Grenze und lassen sich illegal nieder, was zu einer Situation ähnlich der zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko führt. In Moskau werden Befürchtungen laut, dass die 2 Millionen illegalen chinesischen Zuzügler in Russlands Fernem Osten eines Tages zu 20 oder 30 Millionen werden und die russischen Bewohner zahlenmäßig übertreffen.

Als ich 1980 vom chinesischen militärischen Geheimdienst eingeladen war, um in Peking „Meinungen auszutauschen,“ fragte ich unverschämt, wie lange die chinesische Armee brauchen würde, um Wladiwostok einzunehmen. Nach einem langen betretenen Schweigen spuckte ein General aus: „eine Woche.“

Russland hält noch immer riesige Gebiete, die es Mitte des 19. Jahrhunderts von China an sich gerissen hat. Peking und Moskau haben noch viel Arbeit vor sich, um schwebende Konflikte zu lösen und gegenseitigen Respekt und Vertrauen aufzubauen. Derzeit besteht auf beiden Seiten diesbezüglich noch ein großer Mangel.

Heute sind Chinas steigende Energieimporte sehr anfällig gegen Unterbrechungen. Die Vereinigten Staaten von Amerika und neuerdings Indien verfügen über die Möglichkeiten, chinesische Öltanker und Frachttransporte zur See zu blockieren, was in beiden Fällen Chinas größere Industrien zum Erliegen bringen würde.

Die entscheidenden Engpässe wären die inneren und äußeren Inselketten des Südchinesischen und Nordchinesischen Meeres und die enge Straße von Malakka. Indiens neue Flugzeugträger und Unterseeboote werden spezifisch für den Zweck gebaut, Chinas Erdölimporte zu unterbrechen.

Durch Pipelines aus Russland kommendes Erdöl wäre sicher gegen die meisten Angriffe und würde China seine lang gesuchte Sicherheit bei der Energieversorgung bieten.

Dieses neue Abkommen ist in vielfacher Beziehung so gut, dass alte Ängste und Misstrauen sich seiner Logik beugen müssen.

Am wichtigsten ist, dass das chinesisch-russische Energieabkommen das Machtgleichgewicht auf der Erde weiter in Richtung Osten verschieben könnte. Russland und China, die im Tandem arbeiten, könnten die große Macht und den Reichtum der Vereinigten Staaten von Amerika und deren reichen Alliierten aufwiegen. Es ist ein sehr bedeutendes geopolitisches Ereignis.

 

Posted in Uncategorized | 3 Comments »

Die EU steckt in der Sinnkrise

Posted by krisenfrei - 24/05/2014

von Frank Schäffler

37 Prozent der Niederländer haben am letzten Donnerstag an der Wahl zum Europäischen Parlament teilgenommen. Das ist ungefähr so viel wie vor 5 Jahren. Der befürchtete Zuwachs der „Partei für die Freiheit“ von Geert Wilders hat nicht stattgefunden. Dennoch werden die „Protestparteien“ von Syriza in Griechenland bis UKIP in Großbritannien, vom Front National in Frankreich bis zu den „Wahren Finnen“ in Finnland und von der AfD in Deutschland bis zur FPÖ in Österreich wohl erheblich zulegen. Schon die ersten Ergebnisse bei der am Donnerstag ebenfalls stattgefundenen Kommunalwahl in England lassen erahnen, dass die UKIP auch zur stärksten Kraft bei der Europawahl werden wird.

So unterschiedlich alle diese Parteien sein mögen, kommt doch in ihrem vorausgesagten Ergebnis der Unmut über die Europäische Union zum Ausdruck. Zweifelsohne steckt die EU in einer Sinnkrise, denn vielen Bürger in Europa ist der Sinn derselben nicht klar.

Dabei fußt die europäische Einigung seit fast 60 Jahren auf drei großen Ideen. Auf der Idee der Marktwirtschaft, des Friedens und der Vielfalt. Die Römischen Verträge von 1957 mit ihren Grundfreiheiten aus Waren- und Dienstleistungsfreiheit, Kapitalverkehrsfreiheit und Reise- und Niederlassungsfreiheit waren die Basis für den späteren Binnenmarkt. Dieser Freiheitsgewinn für Millionen Menschen war die Grundlage für die marktwirtschaftliche Erneuerung in Europa nach dem 2. Weltkrieg. Er ist bis heute Vorbild vieler zusammenwachsender Regionen auf der ganzen Welt. Dieser wunderbare Fortschritt kommt besonders zum Vorschein, wenn man heute die rückwärtsgewandten Widerstände von Linkspartei bis zur AfD zum Freihandelsabkommen mit den USA betrachtet. Was heute vermeintlich gesundheitsgefährdendes Hühnerfleisch aus Amerika ist, war früher Pasta aus Italien oder Wein aus Frankreich. Und auch die erfolgreiche Westbindung stellen viele „Putin-Versteher“ in Frage. Dabei war die Einbindung Westeuropas nach dem 2. Weltkrieg in die NATO die Grundlage für die Freiheit von uns allen.

Dies alles war ein offener Prozess, der Vielfalt und Eigenarten nicht kaputt trampelte. Erst mit dem Maastricht-Vertrag und noch stärker mit dem Lissabon-Vertrag kam die Europäische Union auf die schiefe Bahn des Zentralismus und der Planwirtschaft. Und diese schiefe Bahn ist der Grund für den wachsenden Unmut, den man Ernst nehmen muss. Europa braucht wieder eine neue Vision, die an die Gründerväter anknüpft und deren Stärken betont. Dies ist eigentlich ganz einfach. Das europäische Recht soll die vier Grundfreiheiten sichern. Verlässliches Recht ist die Basis für Marktwirtschaft und Demokratie. Nur wenn Verträge rechtssicher geschlossen werden können, wenn Eigentum geschützt und der staatlichen Willkür entzogen ist, können sich Bürger in Wirtschaft und Gesellschaft frei entwickeln. Das ist ein dezentraler Prozess von Vielen. Dieser darf nicht zentralstaatlich gesteuert und geplant werden. Gerade dies geht in der EU aktuell schief. Es ist eine Überforderung des Wissens. Niemand kann das Wachstum für Europa planen und steuern, niemand kann die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien von Brüssel aus reduzieren. Und niemand kann unmoralisches Handeln von Banken durch noch mehr Kontrolle verhindern.

Was für den Einzelnen richtig ist, muss für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nicht falsch sein. Weniger Planung und Zentralismus ist auch dort notwendig. Die EU ist ein Club, in den man eintreten und wieder austreten kann und können muss. Das Schengen-Abkommen zum Abbau von Grenzkontrollen ist ein gutes Beispiel dafür. Einige machen mit, andere nicht.

Für die Gemeinschaftswährung heißt dies, dass der Euro entglorifiziert werden muss. Er ist und wird nicht zum Krönungsprojekt der EU. Je eher dies erkannt wird desto besser. Sehen wir ihn realistisch: Er ist nicht mehr und nicht weniger als das gesetzliche Zahlungsmittel. Entwickeln wir ihn zu einer atmenden Währung weiter, in dessen Währungsraum man eintreten und wieder austreten kann, je nachdem, ob man die Kriterien erfüllen kann bzw. will oder nicht. Um es mit dem bekennenden Europäer und einem der Väter der Sozialen Marktwirtschaft Wilhelm Röpke zu sagen: „Die Einheit in der Vielheit macht das Wesen Europas aus.“

Freundliche Grüße
Frank Schäffler

****************************************************

„Er ist nicht mehr und nicht weniger als das gesetzliche Zahlungsmittel.“

Etwas präziser bitte, Herr Schäffler. Der Euro, wie alle Währungen, ist ein „Zwangs“-Zahlungsmittel, das den Bürgern aufgezwungen wird. Nur so haben die Zentralbanken die Macht über das Geld. Will man das Geldsystem ändern, müsste der erste Schritt sein, die Zentralbanken abzuschaffen und ein vom Staat kontrolliertes Geld, sowie ein bedingungslosen „freies Marktgeld“ einführen. Staatliches Zwangsgeld führt in vielen Fällen zu Währungsreformen oder häufig auch zu Staatsbankrotten.

Mit dem Euro sind wir auf dem besten Weg dahin. Insofern wird den EU-Staaten in den nächsten Jahren das Schlimmste noch bevorstehen. Mit dem Euro und der Geldvernichtungsmaschine EU wird sich der Zerfall des Wohlstands und die Armut in Europa fortsetzen. Nach der EU-Wahl werden die wahren Fakten auf den Tisch kommen – und die werden mehr als grausam sein. Wer dann noch sein Geld bei der Bank hat, ist entweder dumm oder handelt fahrlässig, was die Ersparnisse anbetrifft. 

 

Posted in Uncategorized | 2 Comments »