krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Die Alten

Posted by krisenfrei - 23/04/2014

von Gert Flegelskamp (flegel-g)

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere, wir hatten eine Bankenkrise. Auslöser dieser Krise waren die irrwitzigen, aber nichtsdestotrotz vom Staat unterstützten Spekulationsgeschäfte, deren Grundlagen eigentlich die Konstrukteure und alle, die diese Konstrukte unterstützt haben, hinter Gitter hätten bringen müssen. Zusätzlich hätten sehr viele Banken in der Folge pleitegehen müssen. Doch das ging nicht, weil die meisten Banken „systemrelevant“ waren, also ihre Pleite durch ihre Vernetzung mit anderen Großbanken und mit dem Geldsystem ganzer Staaten einen Strudel an Folgeschäden verursacht hätte, dass man sie mit Milliarden von Steuergeldern und noch höheren Garantiezusagen durch die jeweiligen Staaten „retten“ musste.

Auf die relativ einfache Idee einer grundsätzlichen Regulierung durch den Staat konnte und kann man nicht kommen, weil das das neoliberale Credo der „freien Märkte“ ad absurdum führt. Schließlich regelt die unsichtbare Hand des Adam Smith alles Marktgeschehen nur dann im Sinne aller, wenn jegliche Regulierung der Märkte durch den Staat unterbleibt. Allerdings waren die Hände bei den Banken nicht wirklich unsichtbar und offenbarten das Fehlen jeglicher Ansätze von Vernunft und Moral, etwas, dass immer dann passiert, wenn die Gier die Oberhand gewinnt. Dass das Grundkonzept des gesamten Geldsystems im Kapitalismus die Gier ist, diese Einsicht ist schwer zu vermitteln, weil selbst bis in die kleinsten Hütten der Anspruch auf Zinsen und Gewinne für jegliche Form der Geldanlage als ein Grundrecht angesehen wird. Der Focus zeigt sich dann auch entsprechend empört, weil sich in der EU abzeichnet, dass man die „Sparer“ bei Bankenrettung zur Kasse bitten will und Focus die angesagte Untergrenze von 100.000 Euro als gefährdet ansieht.

Mir fallen dazu 3 Fragen ein:

  1. ist, wer 100.000 Euro auf dem Sparbuch hat, eigentlich noch ein „Sparer“?
  2. ist nicht jeder, der Geld auf irgendeine Art der Bank zur Verfügung stellt, um dafür Zinsen zu bekommen, also leistungsloses Einkommen zu generieren, ein Anleger, egal, ob er das mittels Sparbuch oder auf andere Weise macht?
  3. Ist nicht jede Form einer Anlage risikobelastet, weil jede Form einer Anlage schiefgehen kann?

Warum ich das anführe, hat einen einfachen Grund. Europa schreit auf, wenn man an das „Ersparte“ will. Es sind die gleichen Leute, die sich hier echauffieren, die ansonsten über die „gierigen Alten“ herziehen. Ein Beispiel der besonderen Art liefert die WELT. Sie spricht von Steuerverschwendung, während die „Straßen zerbröseln“ und natürlich sind die Alten schuld. Dabei ist das Spiel doch ganz einfach. Würde man die Straßen und Brücken aus den Steuerüberschüssen sanieren, wären die Chancen auf eine generelle Maut mit anschließender Privatisierung der Straßen dahin. Und dann wäre die WTO ziemlich sauer, denn die Privatisierung der Verkehrswege ist ein vordringliches Anliegen von GATS. Doch darüber schreibt die WELT natürlich nichts, weil dann the Big Brother böse werden könnte.

Die WELT schreibt auch nichts darüber, dass die Mütterrente sogar höhst richterlich eine Fremdleistung ist, die eigentlich zur Gänze aus Steuermitteln gezahlt werden müsste, aber von der Politik ausschließlich den Beitragszahlern der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) aufgehalst wurde, obwohl auch Leute davon profitieren, die nie Beiträge in die GRV entrichtet haben, z. B. Politikerinnen, Beamtinnen, Rechtsanwältinnen oder deren Ehefrauen usw.

Die Renten, auch das berichtet die WELT nicht, wurden seit Schröder ohnehin schon erheblich minimiert und die Mütterrente wie auch die Rente mit 83 wird zusätzlich für niedrigere Rentenanpassungen sorgen und damit die Renten weiter reduzieren, weil die Mehrausgaben sich mindernd auf die Rentenanpassung auswirken.

Weil aber die junge Generation recht wenig davon weiß, wie die heute Alten gelebt haben, will ich das mal ein wenig schildern. Beginnen wir mit den 80-Jährigen. Sie wurden 1934 geboren, waren bei Beginn des Krieges also 5 Jahre alt. Ihre Väter wurden eingezogen und durften an vielen Stellen in Europa Krieg spielen. während die Mütter ihre Kinder versorgen und betreuen durften. Sie waren 11 Jahre alt, als der Krieg endete. Lebensmittel gab es nur auf Karte, aber die meiste Zeit konnten die Geschäfte nicht einmal die Ansprüche aus den Lebensmittelkarten befrieden, obwohl schon diese Rationen nicht annähernd ausreichten, die Familien zu ernähren. Was heißt Familien? Viele Ehemänner, also Väter der 34 geborenen Kinder, würden ihre Kinder nie mehr zu Gesicht bekommen, denn sie waren tot, gefallen, wie man es lieber benannte. denn hingemetzelt in einem sinnlosen Krieg hörte sich nicht so gut an. Ein weiterer Teil war in Kriegsgefangenschaft geraten, die viele auch nicht überlebten und wenn doch, meist erst lange Zeit später wieder nachhause kamen und meist in jämmerlichem Zustand.

Die Kinder dieser Zeit kannten keine Schokolade, keine exotischen Früchte, keine Bonbons und Säuglinge konnten sich glücklich schätzen, wenn die Mütter sie stillen konnten, denn Milch war ebenso Mangelware. Butter, Wurst, Brot, Eier, Käse, kurz alles, was heute eine Selbstverständlichkeit ist, war für diese Kinder eine Besonderheit, die man nur ganz selten genießen konnte, meist nur zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Wenn sie Glück hatten, hatten sie im Winter ihre Kohleration bekommen und ihre Mütter, oder falls als Familie komplett, ihre Eltern Kohlen bekommen hatten. Ein eigenes Zimmer? So etwas wäre diesen Kindern nicht in den Sinn gekommen. Gebadet wurde einmal die Woche in einer Zinkwanne, wenn man Glück hatte und das warme Wasser auf dem Herd auch heiß gemacht werden konnte, denn ein Badezimmer, das hatten nur die Reichen

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Aber eines kannten diese Kinder und das genau, „HUNGER“, zumindest in den städtischen Regionen. Fast alle Kinder in den Städten waren unterernährt, Kleidung und Schuhe waren ein einziges Flickwerk und wenn es mal irgendwo eine Brotration gab und das sogar ohne Lebensmittelmarken, dann standen sie viele Stunden an und das mitunter umsonst, weil das Brot ausverkauft war, bevor sie dran waren.

Spielzeug? Das hatten sie nicht und brauchten sie nicht. Sie spielten auf der Straße (wenn nicht gerade Fliegeralarm war) und mussten lediglich auf Pferdefuhrwerke achten. Es gab sie zwar ganz vereinzelt, die Autos mit Holzkohlevergaser, aber die stellten für die spielenden Kinder keine Gefahr dar. Nur die Hauptstraßen waren für ihr Spiel tabu, denn dort fuhren Straßenbahnen und natürlich auch die meisten Pferdefuhrwerke.

Wenn Schule war (die fiel oft aus, weil die Schulräume für die Flüchtlingsströme aus dem Osten als vorläufige Unterkünfte dienten), dann holte sie kein Schulbus ab. Sie gingen zu Fuß und ein Schulweg von mehreren Kilometern war für die meisten Kinder eine Selbstverständlichkeit.

Dann kam sie, die Währungsreform am 20. Juni 1948. Von einem Tag zu anderen waren die Auslagen der Lebensmittelläden wieder gefüllt und jeder bekam ein Handgeld von 40,- DM. Doch ganz so einfach ging diese Währungsreform nicht vonstatten, wie aus dem verlinkten Wikipedia-Beitrag zu ersehen ist. Natürlich waren bei der Umstellung alle Deutschen der westlichen Zonen gleich, aber, wie das fast immer ist, manche eben doch gleicher. Die, die Geld hatten horten können, z. B. die vielen Schwarzmarkthändler, standen sich wesentlich besser, als der Rest. Aber das ist hier nicht das Thema

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Unsere 1934 Geborenen waren nun 14 Jahre alt. Nur ein Bruchteil von ihnen war zuvor in der Lage gewesen, weiterführende Schulen zu besuchen, denn dafür wurde Schulgeld erhoben, dass sich normale Bürger aus der Masse der Arbeiter nicht leisten konnten. Das sollte auch noch geraume Zeit nach der Währungsreform so bleiben. Für die meisten der 1934 Geborenen war nun die Zeit gekommen, die Schule zu verlassen und eine Lehre zu beginnen. Nun ja, für etliche begann diese Zeit erst 1949, wenn ihr Geburtsdatum in den Monaten nach April gewesen war.

Aber eine Lehre? Das war schon eher ein Luxus, denn gerade in den Industriegebieten waren viele Firmen ausgebombt oder nicht in der Lage, wieder den Betrieb aufzunehmen, weil die erforderliche Infrastruktur zerstört war. Außerdem fehlte das Geld und so begann ein großer Teil das Arbeitsleben als Lehrling, oft auch als Hilfsarbeiter im Bauwesen, Hoch- und vor allem Tiefbau. Mädchen fanden Arbeit in Nähereien und im wieder aufblühenden Handel. Nach der ersten Wahl 1949 kam dann noch die Möglichkeit hinzu, einen Job als Beamter oder im öffentlichen Dienst zu bekommen. Aber dafür wurden hohe Anforderungen gestellt.

Die Arbeitszeit betrug 48 Stunden in der Woche. Gearbeitet wurde an 6 Tagen, also einschließlich Samstags. Und es war harte und oft auch gefährliche Arbeit. Im Tiefbau wurden die Gräben nicht mit Baggern, sondern mit Hacke und Schaufel ausgehoben. Das galt auch beim Hausbau für die Keller, bis schließlich die ersten Bagger diese Arbeiten erleichterten. Die Steine beim Hausbau wurden über Leitern hochgetragen. Beton wurde vor Ort in kleinen Betonmischern angemischt und die Stahlmatten vor Ort zugeschnitten.

Unsere 1934 Geborenen hatten, mit ein wenig Glück, ein Fahrrad, mit dem sie zur Arbeit fahren konnten. Als sie 18 Jahre alt waren, konnten sie sich vielleicht ein Motorrad kaufen, wenn sie einen Führerschein erworben hatten und Gelegenheit hatten, ein gebrauchtes Motorrad zu erwerben, das den Krieg überstanden hatte. Das besserte sich allerdings schnell, weil inzwischen die Motorradproduktion in Deutschland wieder Schwung bekommen hatte, Puch, Horex, BMW, NSU, Dürkop, Ardi usw. Hinzu kamen englische Motorräder. Autos waren was für den gehobenen Mittelstand. Das änderte sich erst, als so gegen 1956/1957 Kleinwagen auf den Markt kamen, Lloyd (spöttisch Plastikbomber genannt), Puch, NSU, BMW-Isetta, DKW, Gutbrod Superior, Citroën 2CV und natürlich der VW-Käfer, das wohl erfolgreichste Modell aller PKWs

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Es war die Zeit der beginnenden Motorisierung. Doch sollte es noch einige Zeit dauern, bis die Verbreitung von Kraftfahrzeugen zum generellen Anliegen wurde, aber der Anfang war gemacht und das war wohl auch einer der stärksten Motoren des so genannten Wirtschaftswunders, begleitet von Inflation, weil hohe Lohnsteigerungen auch hohe Preissteigerungen zur Folge hatten.

Das hatte auch negative Konsequenzen, denn die ohnehin schon gebeutelte Rentenversicherung, noch kapitalgedeckt, war nicht auf diese Inflationsraten eingerichtet. Löhne stiegen, die Renten nicht und so blieben die Rentner auf der Strecke. Das führte 1957 zur großen Rentenreform mit der Umstellung von der Kapitaldeckung auf das Umlagenprinzip. Für die damaligen Rentner ein Segen, weil nun ihre Renten eine Anpassung an die Inflationsraten bekamen. Der Begriff „Generationenvertrag“ wurde zwar von Schreiber und Höpfner (die so genannten Väter der durch Umlagen finanzierten Rente) mal verwendet, aber Adenauer verkaufte das System als dynamisierte Rente, eigentlich ein durchaus berechtigter Begriff. Gefragt wurde allerdings niemand aus der arbeitenden Bevölkerung und wohl der größte Teil hätte das Prinzip ohnehin nicht verstanden, ein Zustand, der bis heute so geblieben ist.

Die Finanzierung der Rente durch Umlage ist das beste Prinzip überhaupt, weil es das von Mackenroth aufgestellte und absolut richtige Theorem berücksichtigt, dass es kein Ansparen auf die Zukunft gibt, sondern alle Kosten immer dann, wenn sie anfallen, von der arbeitenden Gesellschaft zu erbringen sind. Aber ich will hier nicht versuchen, das zu erläutern, denn das haben andere im Netz ausgiebig getan, u.a. Egon W. Kreutzer mit seinen Büchern über Wolfs wahnsinnige Wirtschaftslehre. Darüber finden sich auch auf YouTube zahlreiche Beiträge.

Kommen wir wieder zu unseren 1934 Geborenen. Sie haben die Rentenreform größtenteils nicht verstanden und auch ohne Proteste hingenommen. Hätten sie sie verstanden, dann hätten sie sich aufregen müssen und nicht nur sie, sondern alle anderen in dieser gesetzlichen Rentenversicherung auch. Nicht, weil die Umstellung falsch war, sondern weil sie nur auf die angewendet wurde, die in einer abhängigen Beschäftigung mit Rentenversicherungspflicht tätig waren. Unternehmer. Selbständige, Beamte, Politiker usw. waren ausgenommen und weil das Wirtschaftswunder stetig schwächer wurde und dazu noch in den 70er Jahren die Pille erfunden wurde, kam es zu Problemen. Adenauers flapsige Antwort: „Kinder kriegen die Leute immer“ verlor ihre Gültigkeit. Dazu die stetig steigende Arbeitslosigkeit, die aber so weit wie möglich vertuscht wurde, denn noch herrschte der kalte Krieg und die BRD war das Aushängeschild des Westens, um dem verhassten Osten zu zeigen, dass der Kapitalismus das einzig Wahre sei.

Dann kam die Wiedervereinigung und mit ihr der Zusammenbruch des Ostens. Wiedervereinigung wurde es allerdings nur von der Bevölkerung und von den Politikern bei Reden zur Selbstbeweihräucherung genannt. Justiziell waren die Länder der DDR der BRD beigetreten. Das hatte natürlich auch Gründe. Die Russen haben ihre Besatzungsrechte ohne Wenn und Aber aufgegeben. Die US-Amerikaner, die Briten und die Franzosen taten das nicht. Sie haben, bevor auch sie die Souveränität Gesamtdeutschlands verkündeten, mit der Bundesregierung Geheimverträge abgeschlossen, die ihnen weitgehende Rechte des Besatzungsstatus erhielten. Dazu gehören auch die Duldung der militärischen Stützpunkte dieser Besatzungsmächte auf deutschem Boden, etwas, was die Russen nicht verlangt haben. Damit diese Geheimverträge auch für die Länder der DDR Gültigkeit bekamen, wurde die Wiedervereinigung justiziell als Beitritt der Länder der DDR zur BRD festgeschrieben und sie damit auch unter die Knute der westlichen Alliierten gebracht, weil nun für sie auch die Geheimverträge gültig waren, ohne dass es einer gesonderten Zustimmung bedurft hätte.

Unsere 1934 Geborenen mussten nun büßen, dass ein recht großer Teil keine Ausbildung hatte oder in Berufen ausgebildet worden waren, die bei zunehmender Technisierung und Automatisation ihre Daseinsberechtigung verloren hatten. Natürlich galt das auch für nachfolgende Generationen der Kriegszeit. Und die findige Politik erinnerte sich an den von Professor Schreiber benutzten Begriff des Generationenvertrages. Den brachte sie nun groß heraus und machte die Alten zu Schuldigen, die die Jugend ausplündern. Aber tatsächlich begann die Politik, die Alten auszuplündern, mit immer neuen Reformen, die immer mit Absenkungen des Rentenniveaus verbunden waren. Und es wurden Faktoren eingebaut wie die so genannte Riestertreppe, die Rentenkürzung bis zu 4% bedeutet, mit der die „Segnungen“ der Steuerminderungen bei Abschluss einer Riesterrente bezahlt werden. Wie der Nachhaltigkeitsfaktor, der sich rentenmindernd auswirkt, wenn das Ausgabenvolumen der Rentenversicherung im Verhältnis zum Einnahmevolumen der Arbeit steigt. Und kaum jemand begreift, dass die Mütterrente, die uns als Segnung der Politik für die Mütter im Rentenalter verkauft werden, durch ihre reine Beitragsfinanzierung eine Steigerung der Rentenausgaben bewirkt, was durch den Nachhaltigkeitsfaktor bei künftigen Rentenanpassungen zu einer generellen Minderung der Anpassung der Renten führt, auf Dauer. Und die Jugend begreift nicht, dass jede dieser jetzt vorgenommenen Kürzungen bestehen bleibt und sie genauso trifft, wenn sie erst mal alt sind und Rente beziehen. Hinzu kommt, dass die für die nächsten 30 Jahre steigende Besteuerung der Renten sie zusätzlich trifft, weil sie dann ihre Renten zu 100% versteuern müssen, dank Urteil des BVerfG, dass dieses auf die Klage eines Richters hin verkündete. Dass der Richter nie Rentenbeiträge entrichtet hatte, als er sich beklagte, dass die Renten nicht steuerlich voll belangt wurden und dass die Pensionen von Beamten von Hause aus höher als die gesetzliche Rente sind, spielte für das BVerfG keine Rolle, so, wie auch etliche andere Zugriffe der Politik auf die Rente keine Rolle spielten, weil aus Sicht der Richter die GRV eine Sozialversicherung wäre, die dem Staat weitreichende Möglichkeiten des Eingriffs zusicherten. Das eine Sozialgemeinschaft immer ein geschlossener Kreis ist, der nur die in diesen Kreis eingebundenen Menschen betreffen darf, scheint Verfassungsrichter nur zu interessieren, wenn es um Beamte geht.

Nun ja, unsere 1934 Geborenen sind heute 80 Jahre alt. Sie waren es (mit weiteren Vorkriegsgenerationen und Kriegsgenerationen), die dieses Land aus den Trümmern wieder aufgebaut haben. Viele von ihnen haben Kinder geboren, aber für Kinder, die vor 1954 geboren wurden, gab es kein Kindergeld und nach 1954 erst ab dem 3. Kind. Erst ab 1961 gab es bereits für das zweite Kind Kindergeld und bereits für das erste Kind bekam man erst 1975 Kindergeld. Das bedeutet, dass dieser Jahrgang seine Kinder größtenteils ohne staatliche Zuschüsse geboren und großgezogen hat. Sie hatten keine Handys, keine PCs und damit auch kein Internet, um sich zu informieren. Informieren konnten sie sich lediglich über die Presse und wie die informiert, sollte inzwischen klar geworden sein. Urlaubsreisen konnten sie sich erst nach vielen Jahren leisten, wenn überhaupt. Die Wenigsten von ihnen hatten die Möglichkeit gehabt, Hochschulen und Unis zu besuchen, weil die dafür erforderlichen Kosten nicht erbracht werden konnten. Aber sie versuchten alles, das ihren Kindern zumindest zu ermöglichen. Erst Mitte der 60er Jahre ergaben sich die Möglichkeiten, einen Urlaub mal 2 Wochen in Italien, Jugoslawien oder Spanien zu verbringen.

Sie haben all das geschaffen, was die Jugend heute als Selbstverständlichkeit ansieht. Ihre Kindheit war erfüllt von Angst, Hunger und Schrecken und anders, als man uns heute weismacht, hatten die meisten keine Ahnung, was alles so hinter den Kulissen ablief, weil die meisten nicht aus ihrem Wohnort herauskamen und die Propaganda-Medien ihnen eine relativ heile Welt und ständige Kriegserfolge vorgaukelten. Und wie später in der DDR hielten alle den Mund, weil die Parteibonzen und die Denunzianten Hochkonjunktur hatten.

Heute schreit die Presse, wenn bei der Bankenpleite Sparer bedroht werden. Aber der Staat hat sich mit der Übernahme des gesetzlichen Rentensystems selbst zu einer Versicherung gemacht und Beiträge kassiert. Er hat das Umlagesystem eingeführt und nicht die gesamte Bevölkerung darin eingebunden. Ein schwerer Fehler, denn dann gäbe es keine Probleme. Doch das war nicht alles. Er hat dieses Rentensystem in Zeiten der Vollbeschäftigung geplündert und überschüssige Beitragseinnahmen zweckentfremdet verwendet. Er hat dem Rentensystem im Laufe der Jahre immer weitere Fremdlasten aufgebürdet, Kriegsfolgelasten (Kriegerwitwen-, Kriegswaisen-, Kriegsversehrtenrenten), Anrechnungszeiten, z. B. für Ausbildung, wegen Arbeitslosigkeit oder wegen Krankheit, Kindererziehungsleistungszeiten (KLG), Kindererziehungszeiten, Rentenberechnung nach Mindesteinkommen, Absicherung des Arbeitsmarktrisikos durch Rentenzahlung, Bestandsschutz für Renten in den neuen Bundesländern, Renten für Aussiedler, Ausgleich von NS-Unrecht, Ausgleich von SED-Unrecht.

Das alles sind wichtige Zahlungen, aber auch gesellschaftliche Anliegen und müssten aus Steuermitteln finanziert werden. Warum man nur die GRV-Versicherten damit belastet, hat zwei Gründe. Man tut so, als seien soziale Verpflichtungen des Staates damit erfüllt, spart aber gleichzeitig Steuerausgaben und reduziert damit die Rentenzahlungen. Und mit dem Terminus „Generationenvertrag“ gaukelt man den Menschen vor, dass die Finanzierung ausschließlich aus Beiträgen der GRV-Versicherten zu entrichten sei und der Staat großzügig Zuschüsse entrichtet. Das aber wäre nur dann richtig, wenn alle Fremdlasten aus Steuermitteln beglichen würden und wenn das Rentensystem für alle Bürger gültig wäre. Es war der Staat, der dieses System eingeführt hat. Es war der Staat, der es auf abhängig Beschäftigte beschränkt hat. Es war der Staat, der Beitragseinnahmen von Beginn an zweckentfremdet verwendet hat (Kriegsfolgelasten). Und die Rente ist kein Generationenvertrag, sondern eine Versicherung und der Staat ist verantwortlich, die zugesicherten Leistungen auf Basis der gezahlten Beiträge zu erbringen (Artikel 14 GG). Der Staat hat die Aufgaben übernommen, also muss auch der Staat dafür sorgen, dass die Leistungen erbracht werden.

Aber der Staat hat das Rentensystem permanent missbraucht, so, als hätte er ständig neue Löcher in einen Wassereimer gebohrt und sich dann wundert, dass Wasser ausfließt, bevor es dort ankommt, wo es ausgeschüttet werden soll. Aber solange die Presse wie z. B. die WELT hilft, gegen die Alten zu hetzen, solange wird die Jugend nicht begreifen, dass man sie am Ring durch die Nase zur Schlachtbank führt.

Zum Schluss möchte ich noch die Vorteile des Umlagesystems darlegen, vorausgesetzt, dass es nicht missbraucht wird. Was macht jede Versicherung? Sie kassiert Beiträge und sichert dem Versicherten dafür Leistungen zu. Die Beiträge legt sie (nach Abzug der Provisionen und Kosten) an, um Gewinne zu erwirtschaften, mit denen sie die Leistungen auch erbringen kann.

Das ist bei der GRV nicht anders, ausgenommen der Einbehalt von Provisionen und Dividenden, dafür aber mit sehr geringen Verwaltungskosten. Aber statt die Beitragseinnahmen in irgendwelchen Unternehmen irgendwo auf der Welt anzulegen bzw. zu investieren, investiert der Staat die Beitragseinnahmen in die Rentenzahlungen der derzeitigen Rentner. Er zahlt die Renten aus den Beitragszahlungen des jeweiligen Monats. Und das, was Versicherungsleute und Wirtschaftsweise und auch viele Bürger als den Quasi-Untergang des Abendlandes ansehen, ist eigentlich eine unglaublich clevere Idee. Versicherungsleute und Wirtschaftsweise finden sie nur deshalb schlecht, weil sie nicht davon profitieren und sie nur ein Staat verwirklichen kann.

Was ist so clever? Nun, der Staat schlägt mit diesem Rentensystem zwei Fliegen mit einer Klappe und macht einmal mehr das, was er sonst auch macht. Er zahlt Schulden mit neuen Schulden. Die Ausgabe der Beitragszahlungen als Rente ist eine Form der Neuverschuldung (an die Beitragszahler) und die Zahlung der Renten daraus die Begleichung der Altschulden. Anders, als bei seiner sonstigen Form, Schulden zu begleichen, indem er neue Schulden macht, bringt ihm die Begleichung der Altschulden hier aber Profit. Die Rentner benutzen nämlich diese zurückgezahlten Schulden, die sie als monatliche Rente verstehen, nicht wie die Anleger in Staatsanleihen als Vermögenszuwachs, sondern benötigen das Geld für ihren Lebensunterhalt. Das bedeutet, sie geben es aus, zumeist alles. Sie kaufen davon Lebensmittel, zahlen davon laufende Kosten wie Strom und Miete, unterhalten davon ihr evtl. noch vorhandenes Kraftfahrzeug, kurzum, die gesamte Einnahme fließt zurück in die Wirtschaft. Da fast alles, wofür der Rentner Geld ausgibt, mit Mehrwertsteuer von 7% bzw. 19% belastet ist und zusätzlich fast alle Lebensmittel mit zusätzlichen Steuern belastet sind (indirekte Steuern), erwirtschaftet der Staat mit der Investition der Beitragszahlungen in die Renten unmittelbar ganz erhebliche Gewinne. Diese Gewinne sind erheblich höher, als die Gewinne, die eine private Versicherung aus den ihnen überlassenen Beiträge erwirtschaften könnte.

Dass die Rentner zusätzlich mit ihren Ausgaben, monatlich ca. 20 Milliarden Euro, ein für die Binnenwirtschaft unentbehrlicher Wirtschaftsfaktor sind, kommt noch hinzu. Der einzige Nachteil bei diesem Rentensystem ist, dass die private Versicherungswirtschaft nichts daran verdient. Das wiederum gefällt der WTO nicht, die auf ihrer Privatisierungs-Liste GATS alles das aufführt, woran Private nichts verdienen. Schließlich leben wir im Kapitalismus und der funktioniert nur wirklich, wenn man eine ausreichend große Masse auszubeuten vermag. Aber das darf man der Masse nicht sagen, also werden geheime Verträge mit der WTO in Brüssel abgeschlossen und dann nach Wegen gesucht, wie man sie verwirklichen kann, ohne dass das dumme Volk merkt, dass man es rasiert.

Dabei ist es so einfach. Man erzählt ihm was von ungeheuren Kosten, die durch das Rentensystem entstehen und die Masse glaubt es, denn es steht ja auch in der Presse und das Fernsehen berichtet darüber. Und weil es nur eine Handvoll Menschen ist, die sich Gedanken dazu macht und diese Handvoll so gut wie nie die Gelegenheit bekommt, mal das Rentensystem zusammenhängend zu erläutern, den Menschen zu zeigen, dass die erwähnten Fremdlasten höher sind, als die angeblichen Zuschüsse des Staates, die in Wirklichkeit nicht einmal ausreichen, die Fremdlasten auszugleichen, können Politiker ein sinnvolles und sehr wirksames Verteilungssystem zerstören, um den Privaten Profite in Form privater Rentenversicherungen wie Riester oder Rürup zuzuschustern, private Versicherungen, die den Namen Versicherung zu Unrecht tragen, weil sie Umverteilungssysteme von unten nach oben sind. Altersarmut ist keine Konsequenz, sondern das Ziel der Finanzhaie, gemeinhin als Banken- und Versicherungswirtschaft bezeichnet. Das ist der american way of life, aber das hat die Masse der US-Bürger bisher noch nicht verstanden und die Europäer, zu denen man dieses System nach dem 2. Weltkrieg exportiert hat, scheinen es auch nicht verstehen zu wollen, weil ihnen Versprechungen wirklicher erscheinen, als die erlebbare Realität.

Ich habe hier nur einen Jahrgang herausgegriffen, aber die Geschichte hat Gültigkeit für alle, die heute in Rente sind, mit nur geringen Abweichungen. Und ich konnte und wollte nicht darauf hinweisen, welche Schrecken und Entsetzen diese Kriegskinder durchmachen und überwinden mussten, wollten sie nicht lebenslang traumatisiert bleiben.

 

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Eine Antwort to “Die Alten”

  1. Wunderbarer Beitrag !
    1943 gebohren in einer geklauten Heimat (Oberschlesien) kann ich diese Zeilen nur unterstützen.
    Ich bin froh, nur einen Weltkrieg miterlebt zu haben, aber es gab auch Menschen, die zwei davon überlebten.

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