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Weltweiter Krieg gegen die 99%

Posted by krisenfrei - 04/03/2014

Weltweiter Krieg gegen die 99%: Wie die internationalen Finanzeliten Regierungen austauschen, um Einsparungsprogramme einzuführen

Ismael Hossein-Zadeh (antikrieg)

 Viele Länder rund um die Welt werden geplagt durch alle Arten von bewaffneten Rebellionen, wirtschaftliche Sanktionen, Bürgerkriege, „demokratische“ Staatsstreiche und/oder Kriege für „Regierungswechsel.“ Dazu gehören die Ukraine, Venezuela, Syrien, Thailand, Iran, Afghanistan, Irak, Ägypten, Jemen, Somalia und Libanon. Sogar in den kapitalistischen Kernländern ist die überwiegende Mehrheit der Bürger brutalen Kriegen der wirtschaftlichen Einsparungen unterworfen.

Sie sind zwar nicht neu, aber soziale Konvulsionen scheinen in den letzten Jahren zahlreicher geworden zu sein. Besonders häufig wurden sie seit den mysteriösen 9/11-Attacken gegen das World Trade Center 2001 und dem finanziellen Kollaps in den Vereinigten Staaten von Amerika 2008, der bald zu ähnlichen finanziellen Implosionen und wirtschaftlichen Krisen in Europa und darüber hinaus führte.

Ungeachtet ihrer vielen Unterschiede haben diese sozialen Turbulenzen zwei Besonderheiten gemeinsam. Die erste ist, dass sie weitgehend von außen herbeigeführt, gefördert und orchestriert sind, und zwar von den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Alliierten – natürlich in Kollaboration mit ihren Klassenverbündeten im Land selbst. Die zweite ist, dass im Gegensatz zu dem lang etablierten historischen Muster der sozialen Revolutionen, wo die verzweifelten und entrechteten Massen gegen die herrschenden Eliten rebellierten, es in den meisten der Auseinandersetzungen in jüngster Zeit die Eliten sind, welche Aufstände und Bürgerkriege gegen die Massen angezettelt haben. Die beiden Besonderheiten sind natürlich integral miteinander verflochten: im Wesentlichen widerspiegeln sie die gemeinsamen Interessen und die Muster der Kollaboration der internationalen Plutokratien gegen die weltweiten 99%.

Der Kampf für die Einführung einer universellen Sparpolitik

Die offizielle Begründung (seitens der Vereinigten Staaten von Amerika und ihrer Alliierten), dass das Ziel der Unterstützung von Regierungsgegnern in Ländern wie Syrien, Ukraine und Venezuela die Verbreitung der Demokratie sei, hat keinerlei Gültigkeit mehr, es kann leicht abgetan werden als verrückter Vorwand, um Neoliberalismus zu exportieren und Sparpolitik zu verbreiten. Reichlich vorhandene und unwiderlegbare Beweise zeigen, dass in Orten, wo die Mehrheit der Bürger Regierungen gewählt hat, die den westlichen Mächten nicht passten, diese Mächte ihre lokalen Verbündeten mobilisierten und alle Arten von Söldnern anheuerten, um die rechtmäßig gewählten Regierungen zu stürzen und dadurch die Stimmenmehrheit über den Haufen zu werfen. 

Derartige unverhohlene Interventionen zur Kippung von Wahlergebnissen, die der Stimmenmehrheit entsprachen, umfassen unter anderem die Orange Revolution in der Ukraine (2004 und 2014), die Rosen-Revolution in Georgien (2003), die Zedernrevolution im Libanon (2005), die Tulpenrevolution in Kirgisistan (2005) und die Grüne Revolution im Iran (2009). Sie schließen auch ein die unerbittliche Agitation gegen die rechtmäßig gewählten Regierungen des vor kurzem verstorbenen Hugo Chavez und jetzt seines Nachfolgers Nicolás Maduro in Venezuela und die Ablehnung (und effektive Anullierung) der rechtmäßig gewählten Hamas-Regierung in Palästina. 

Die wirklich treibenden Kräfte hinter Kriegen um Regimewechsel müssen also anderswo gesucht werden, vor allem in dem Gebot der Expansion und Akkumulation von Kapital auf einer globalen Ebene. Sozialistische, sozialdemokratische, populistische oder nationalistische Führer, die die neoliberale Wirtschaftspolitik nicht annehmen, die vielleicht misstrauisch sind gegenüber der weiten Öffnung ihrer Märkte für ungezügeltes Kapital aus dem Ausland, wurden zum Ziel für die Ablösung durch gehorsame Führer oder Klientenstaaten. Das ist natürlich nicht eine neue Erklärung des wirtschaftlichen Imperialismus, das ist so alt wie die Internationalisierung von Handel und Investitionen.

Relativ neu, und anscheinend die treibende Kraft hinter den Kriegen um Regimewechsel in jüngster Zeit, ist dass die Vereinigten Staaten von Amerika und andere größere kapitalistische Mächte, die letztens umgestiegen sind auf wirtschaftliche Sparpolitik im eigenen Land, auch erwarten, und in der Tat fordern, dass andere Länder sich dem anschließen. Anders gesagt reicht es nicht länger, dass ein Land seine Märkte für Investitionen und Handel mit den Wirtschaftsmächten des Westens öffnet. Gleich wichtig scheint es für diese Mächte zu sein, dass dieses Land auch seine Programme der öffentlichen Wohlfahrt abbaut und neoliberalistische Sparmaßnahmen einführt.

Zum Beispiel gab der libysche Führer Muammar al-Gaddafi nach Jahre langem Widerstand dem imperialistischen Druck 1993 nach und gewährte größeren Erdöl- und anderen transnationalen Konzernen lukrative Investitions- und Handelsabkommen. Unter dem Druck baute er sogar die gesamte Nukleartechnologie seines Landes ab in der Hoffnung, dass sie das zufriedenstellen würde, damit sie ihn „in Ruhe lassen,“ um es so zu sagen. Keines der Zugeständnisse, das er gemacht hatte, erwies sich als ausreichend für die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Alliierten, als sein Regime 2011 gewaltsam gestürzt und er buchstäblich von den aggressiven Banden geschlachtet wurde, die von den Mächten des Westens ausgebildet und bewaffnet worden waren.

Warum? Weil die Vereinigten Staaten von Amerika und deren Alliierte mehr erwarteten; sie wollten, dass er sich an die wirtschaftlichen Richtlinien der „Experten“ des globalen Finanzwesens halte, das heißt der Wirtschafts“berater“ der Vereinigten Staaten von Amerika, des Internationalen Währungsfonds und der Welthandelsorganisation – was kurz gesagt hieß, die ziemlich robusten staatlichen Wohlfahrtsprogramme seines Landes abzuschaffen und seine Wirtschaft nach dem Modell des Neoliberalismus zu restrukturieren. 

Die verbrecherische Behandlung al-Gaddafis kann helfen zu erklären, warum die imperialistischen Mächte auch geplant haben, die populistischen/sozialistischen Regimes des kürzlich verstorbenen Hugo Chavez und seines Nachfolgers in Venezuela, der Brüder Castro in Kuba, von Rafael Correa Delgado in Ecuador, von Bashar al-Assad in Syrien und von Evo Morales in Bolivien zu stürzen. Sie hilft auch zu erklären, warum sie die populären gewählten nationalistischen Regierungen von Mohammad Mossadeq im Iran, von Jacobo Arbenz in Guatemala, von Kusno Sukarno in Indonesien, von Salvador Allende in Chile, der Sandinistas in Nikaragua, von Jean-Bertrand Aristide in Haiti und von Manuel Zelaya in Honduras gestürzt haben. 

Die imperialistische Agenda hinter dem Sturz von al-Gaddafi und anderen „unbotmäßigen“ Proponenten staatlicher Wohfahrtsprogramme im Ausland ist im Wesentlichen Teil der selben bösartigen Agenda hinter dem Abbau derartiger Programme im eigenen Land. Während Art, Kontext und Mittel der Zerstörung variieren können, ist die Stoßrichtung der erbarmungslosen Angriffe auf die Lebensbedingungen der Völker in Libyen, Iran, Venezuela oder Kuba im Wesentlichen die selbe wie die hinter den gleichermaßen brutalen Angriffen auf die Lebensbedingungen der armen und arbeitenden Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika, im Vereinigten Königreich, in Frankreich und anderen degenerierten kapitalistischen Ländern. Auf eine subtile Art sind sie alle Teil eines fortschreitenden unilateralen Klassenkampfes in einem globalen Ausmaß. Ob sie ausgetragen werden durch militärische Mittel und Bombardierungen oder durch die anscheinend „gewaltlosen“ Abläufe von gerichtlichen oder gesetzlichen Methoden, macht keinen substanziellen Unterschied, was die Auswirkungen auf Leben und Lebensbedingungen der Menschen betrifft.

Das mächtige plutokratische Establishment in den kapitalistischen Kernländern scheint sich nicht wohl dabei zu fühlen, die New Deal-Wirtschaft, sozialdemokratische Reformen und staatliche Wohlfahrtsprogramme in diesen Ländern abzubauen, während Völker in kleineren, weniger entwickelten Ländern wie al-Gaddafis Libyen, Venezuela oder Kuba über starke staatlich finanzierte soziale Sicherheitsnetze verfügen. Die Intoleranz der Plutokratie gegenüber „reglementierten“ Wirtschaftsformen entspringt einer Furcht, dass starke vom Staat getragene sichere Wirtschaftsprogramme anderswo womöglich als „schlechte“ Beispiele dienen könnten, die von den Bürgern in den kapitalistischen Kernländern eingefordert werden könnten. 

Es wird berichtet, dass der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Harry Truman 1947 in einem ehrlichen Moment die unerklärte Mission der Vereinigten Staaten von Amerika, ihr Wirtschaftssystem zu globalisieren, folgendermaßen ausdrückte: „Die gesamte Welt sollte das amerikanische System annehmen. Das amerikanische System kann in Amerika nur dann überleben, wenn es zu einem Weltsystem wird.“

In einer ähnlichen Weise wird von Lord Cecil Rhodes, der einen großen Teil Afrikas für das britische Weltreich erobert hat, berichtet, dass er in der Glanzzeit des Weltreichs vorgeschlagen hat, dass der einfachste Weg für England, den Frieden zu erreichen, darin bestehe, den Rest der Welt (mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Amerika, Deutschlands und einiger weiterer damaligen Mächte des Westens) umzuformen und zu seinen Kolonien hinzuzufügen. 

Das Mafia-Äquivalent zu den Äußerungen von Truman und Rhodes wäre etwa: „Du tust, wie wir wollen, oder wir brechen dir die Beine.“

Die Einstellung hinter Trumans unverblümter Erklärung, dass der Rest der Welt „das amerikanische System annehmen sollte,“ spielte in der Tat die Rolle einer Art geheiligter Mission, die die Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika geleitet hat, seit diese die britische Herrschaft als die bedeutendere Weltmacht verdrängt haben.  

Es erklärt zum Beispiel den realen und den Hauptgrund hinter den Feindseligkeiten des Kalten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Alliierten auf der einen Seite und der Sowjetunion und deren Verbündeten auf den anderen. Während die „Gefahr des Kommunismus“ die offizielle Begründung für den Beginn und die Eskalation dieser Feindseligkeiten bildete, gibt es überzeugende Beweise, dass Joseph Stalin und seine Nachfolger in der Sowjetunion nicht nur keine Pläne hatten, Krieg gegen die Vereinigten Staaten von Amerika oder deren Alliierte zu führen, sondern dass sie tatsächlich eine behindernde Rolle spielten, um weltweit unabhängige revolutionäre Bewegungen im Zaum zu halten.

„Es wird häufig vergessen,“ führt Sidney Lens aus, „dass er [Stalin] nach dem Krieg ein paar Jahre lang eine außerordentlich gemäßigte Haltung einnahm. … Sein Land hatte 25 Millionen Menschen im Krieg verloren, benötigte verzweifelt Hilfe beim Wiederaufbau und hegte lange Zeit Hoffnungen auf Koexistenz. Alles andere als revolutionär setzte Stalin der Revolution den Dämpfer auf, wo immer er konnte.“ Um den Vereinigten Staaten von Amerika und anderen westlichen Mächten in der Hoffnung auf friedliche Koexistenz gefällig zu sein, empfahl Stalin oft und befahl manchmal den moskautreuen kommunistischen/linken Parteien in Europa und anderswo auf der Welt, von revolutionärer Politik Abstand zu nehmen, die die Chancen auf die erhoffte Koexistenz gefährden konnte. 

Das Ziel bzw. die Mission der Umwandlung anderer Wirtschaften in Kapitalismus im Stil der Vereinigten Staaten von Amerika hilft auch zu erklären, warum die Vereinigten Staaten von Amerika soviele Militäroperationen unternommen und so viele Staatsstreiche und Regimewechsel rund um die Welt betrieben haben. Die Federation of American Scientists (Gesellschaft der amerikanischen Wissenschafter) hat eine Liste der Militäreinsätze der Vereinigten Staaten von Amerika im Ausland erstellt, welche zeigt, dass in der ersten Dekade nach dem Zusammenbruch der Berliner Mauer (1989-99) die Vereinigten Staaten von Amerika in 134 derartige Operationen verwickelt waren, von denen die meisten der amerikanischen Öffentlichkeit gar nicht bekannt sind.

Globale Finanzeliten tauschen „nicht entgegenkommende“ Regimes nicht nur in den weniger entwickelten Ländern, sondern auch in den kapitalistischen Kernländern aus. Das erreichen sie nicht so sehr durch militärische Mittel als vielmehr durch den Einsatz von zwei sehr subtilen, aber mächtigen Mitteln: (a) künstliche geldbetriebene Wahlen, verkauft als „Demokratie in Aktion“; und (b) mächtige Finanzinstitutionen und Denkfabriken wie den Internationalen Währungsfonds (IMF), Zentralbanken und Ratingagenturen wie Moody’s, Standard&Poor’s und Fitch Group. Ein nachteiliger Ratingbericht dieser Agenturen über die Kreditwürdigkeit eines Landes kann Chaos hereinbrechen lassen über die wirtschaftliche, finanzielle und die Position der Währung auf Weltmärkten, und dadurch seine Regierung zu Zusammenbruch und Ausgetauschtwerden verdammen. Auf derartige Weise wurden in der anhaltenden finanziellen Turbulenz der letzten Jahre eine Reihe von Regierungen ausgewechselt in Ländern wie Griechenland und Italien – keine Notwendigkeit für Regimewechsel im traditionellen oder militärischen Stil, der finanzielle Staatsstreich mit „soft-power“ („weicher Macht“), betrieben von IMF und/oder Ratingagenturen, erfüllt den Zweck sogar noch effektiver. 

Klassenkampf in einer globalen Größenordnung 

Wie bemerkt, stellen alle die Komplotte und Kriege für Regimewechsel, sei es durch traditionelle militärische Mittel oder durch die „weiche“ Macht des globalen Finanzmolochs im Wesentlichen eines dar: einen versteckten Klassenkampf auf einer globalen Ebene, einen unerbittlichen weltweiten Wirtschaftskrieg durch das eine Prozent der Finanzoligarchie gegen den Rest der Weltbevölkerung.

Klassenkampf in einer wirtschaftlich abgestuften Gesellschaft ist natürlich nichts neues. Relativ neu in dem Krieg des einen Prozents gegen die 99% ist hingegen dessen beschleunigte Geschwindigkeit, sein umfassendes Ausmaß und sein global orchestrierter Charakter.

Während neoliberale Einsparungsattacken gegen die Lebensbedingungen der Öffentlichkeit in den kapitalistischen Kernländern (formell) mit der angebotsorientierten Volkswirtschaftslehre von Präsident Ronald Reagan und Premierministerin Margaret Thatcher vor über drei Jahrzehnten begannen, wurde die Brutalität solcher Attacken um ein vielfaches schlimmer in Zusammenhang mit der derzeitigen Finanz-/Wirtschaftskrise, die mit dem Finanzcrash 2008 in den Vereinigten Staaten von Amerika begann.

Indem sie den Crash ausnutzten (als wirtschaftliche Schocktherapie, wie Naomi Klein sagte), haben die Finanzoligarchie und ihre Mittäter in den Regierungen der kapitalistischen Kernländer einen systematischen wirtschaftlichen Staatsstreich gegen die Menschen durchgeführt, dessen Verwüstungen das Folgende umfassen:

  • Transfer von zig Billionen Dollars von der Öffentlichkeit zur Finanzoligarchie durch erbarmungslose Einsparungsmaßnahmen;
  • Extensive Privatisierung öffentlicher Anlagen und Dienstleistungen, darunter unersetzliche historische Denkmäler, unschätzbare kulturelle Sehenswürdigkeiten, und lebenswichtige soziale Dienste wie Gesundheitswesen, Bildung und Wasserversorgung;
  • Ersatz von öffentlichen Sozialprogrammen durch firmen-/bankenorientierte Sozialpolitik
  • Bereitstellung des Löwenanteils von Regierungsmitteln (und der Kreditschaffung im allgemeinen) für spekulative Investitionen anstelle von realen Investitionen;
  • Systematische Unterminierung der Sicherheit der Pensionen für Millionen von Arbeitern (Büroangestellte wie gewerbliche Arbeiter) und öffentlich Bediensteten;
  • Immer unverhohlenere Kontrolle von Wirtschafts- und/oder Finanzpolitik durch die Vertreter der Finanzoligarchie.

Zusammen genommen haben diese Strategien die bereits schiefe Einkommens-/Besitzverteilung in diesen Ländern signifikant verschlechtert. Die massiven Einschnitte bei den Sozialausgaben haben zu einem enormen Transfer ökonomischer Ressourcen von unten nach oben geführt. In der Tat hat dieser Transfer die 2008 erlittenen Verluste der Finanzspekulanten mehr als gutgemacht. In den Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel besitzt das reichste eine Prozent 40% des Reichtums des gesamten Landes, während den untersten 80% nur sieben Prozent gehören. Gleichermaßen streift das reichste eine Prozent 24% des gesamten Einkommens des Landes ein, im Vergleich zu nur neun Prozent vor vier Jahrzehnten.

Das zeigt, wie schon früher ausgeführt, dass, obwohl neoliberale Attacken auf die 99% in den kapitalistischen Kernländern nicht so gewalttätig zu sein scheinen wie diejenigen, die zum Beispiel in Venezuela, Syrien oder in der Ukraine wüten, die finanziellen Auswirkungen solcher Attacken auf die Lebensbedingungen der 99% um nichts weniger verheerend sind.

Die Plutokraten der Welt sind vereinigt

Die Politik des Regimewechsels wird normalerweise als Gemeinschaftsaktion von grenzüberschreitenden Plutokratien entworfen und ausgeführt, das heißt von den Finanzoligarchien der imperialistischen Länder gemeinsam mit ihren einheimischen Partnern in den weniger entwickelten Ländern.

Zusätzlich zur ständigen strategischen Planung hinter den Kulissen treffen sich die Repräsentanten des transnationalen Kapitals und ihre Handlanger in den kapitalistischen Regierungen zu internationalen Konferenzen, um ihre grenzüberschreitenden Geschäfts- und Finanzstrategien zu synchronisieren – wobei ein bedeutender Schwerpunkt in den letzten Jahren die Einführung globaler Einsparungsstrategien und die weltweite Verankerung neoliberaler Politik waren. Darunter sind das World Economic Forum in Davos, Schweiz, die jährlichen Konferenzen von Weltbank und IMF, die periodischen G20 -Treffen, das Aspen Institutes Ideas Festival, das jährliche geopolitische Forum der Bilderberg-Gruppe und das Herb Allen’s Sun Valley Gathering der Medienmogule – um nur eine Handvoll der vielen derartigen internationalen politischen Zusammenkünfte zu nennen. 

Durch seine globalen Strategien und Operationen hat sich das transnationale Kapital aus seinen nationalen Beschränkungen und Verpflichtungen im eigenen Land befreit und erfolgreich die Wechselbeziehung von Klassenkräften und weltweiten sozialen Allianzen verlagert. Die heutigen Eliten des transnationalen Kapitalismus „werden zu einer transglobalen Gemeinschaft von Fachgenossen, die untereinander mehr gegenseitige Gemeinsamkeiten aufweisen als mit ihren Landsleuten zuhause im eigenen Land,“ schreibt Chrystia Freeland, Global Editor von Reuters, die mit den Eliten in viele Teile der Welt reist. „Ob sie ihre Hauptwohnsitze in New York oder Hongkong, Moskau oder Mumbay haben, die Superreichen von heute sind zunehmend eine Nation für sich,“ fügt sie hinzu.

Auswirkungen auf die Globalisierung von unten

Welche Schlüsse können die 99% daraus ziehen? Was können die arbeitenden Menschen und andere Menschen an der Basis machen, um ihre Arbeitsplätze zu schützen, ihre Quellen des Lebensunterhalts, ihre Gemeinschaften und ihre Umwelt? Was können Gemeinschaften der einfachen Menschen unternehmen, um die Strategien des globalen 1% zu unterminieren, die lebenserhaltende, fortschrittliche soziale und wirtschaftliche Reformen blockieren?

In der selben Weise, in der die Eliten der internationalen Kapitalistenklasse in ihrem Kampf gegen die arbeitenden Menschen nicht an Territorialität oder nationale Grenzen gebunden sind, muss die Arbeiterklasse ihre Antwort international koordinieren.

Ein logischer erster Schritt zur Abschreckung der Strategie des transnationalen Kapitals, das die Arbeiterschaft und deren Gemeinschaften durch Drohungen wie mit Vernichtung oder Export von Arbeitsplätzen durch die Verlagerung ihrer Betriebe anderswohin erpresst, wäre, die Verlockungen zu entfernen, die die Verlagerung von Fabriken, Kapitalflucht oder Outsourcing bewirken. Die Arbeitskosten für die Produktion vergleichbar auf einen internationalen Standard zu bringen wäre entscheidend für diesen Zweck. Das hätte zur Folge, dass die notwendigen Schritte in Richtung der internationalen Einrichtung von Einkommen und Sozialleistungen unternommen werden, das heißt die Parität der Arbeitskosten innerhalb der selben Firma und des selben Bereichs anhand (a) der Lebenshaltungskosten und (b) der Produktivität in jedem Land bemessen wird.

Eine Strategie dieser Art würde die derzeitige Abwärtsspirale des Wettbewerbs unter den Arbeitern in verschiedenen Ländern ersetzen durch koordiniertes Verhandeln und gemeinsame Strategien für gegenseitige Interessen und Problemlösung auf einer globalen Ebene. Das mag vielleicht radikal klingen, aber es ist um nichts radikaler als das, was das transnationale eine Prozent macht: seine anti-99%-Strategien in einem globalen Ausmaß zu koordinieren. Wenn auf einer früheren Stufe der kapitalistischen Entwicklung das „Arbeiter aller Länder vereinigt euch!“ als ausgefallener Traum des führenden Arbeiterchampions Karl Marx erschien, haben die Internationalisierung des Kapitals, der Überfluss an materiellen Ressourcen und technologische Entwicklungen, die die grenzüberschreitende Organisation und Koordination von Aktionen der 99% sehr erleichtert haben, diesen Traum jetzt zu einer dringenden Notwendigkeit gemacht.  

So wie Kapital und Arbeit die Ecksteine der kapitalistischen Produktion sind, so entwickeln sich ihre entsprechenden Organisationen und Einrichtungen mehr oder weniger schnell über Zeit und Raum. Als die Produktion lokal war, waren es auch die Arbeitskräfte: Zimmerleute, Schuster, Maurer und andere Handwerker waren in erster Linie in ihren lokalen Gemeinwesen organisiert. Als jedoch die Produktion landesweit wurde, wurden es auch die Gewerkschaften.

Jetzt, wo die kapitalistische Produktion global geworden ist, müssen auch die Organisationen der Arbeiter international werden, um ihre und die Rechte ihrer Gemeinwesen gegen die profitgetriebenen Launen des freien und ungebundenen transnationalen Kapitals abzusichern.

Viele werden sagen, dass dies keine günstigen Zeiten sind, über radikale Alternativen zum Kapitalismus zu sprechen. Der gegenwärtige Zustand der sozialpolitischen Landschaft unserer Gesellschaften scheint derartige pessimistische Gefühle zu unterstützen. Die hohen Zahlen der Arbeitslosen in den meisten Ländern der Welt und die resultierende internationale Rivalität der Arbeiter in Verbindung mit der Einsparungsoffensive des Neoliberalismus auf globaler Ebene haben die Arbeiterklasse und andere Menschen an der Basis in die Defensive getrieben.

Die ständige Abdrift der europäischen sozialistischen, sozialdemokratischen und Arbeiterparteien/Regierungen in Richtung einer Wirtschaft im Stil der Vereinigten Staaten von Amerika und die Erosion ihrer traditinellen Tradition, Kraft und Prestiges haben zur Verwirrung der dortigen Arbeiter geführt. Der Zusammenbruch der Sowjetunion, wie sehr auch immer einige Sozialisten sich von diesem System distanziert haben, verfolgt den Geist des Sozialismus und wird das wahrscheinlich noch einige Zeit lang machen. Diese Entwicklungen haben verständlicherweise zu weltweiter Verwirrung und Desorientierung der Arbeiter und Menschen an der Basis geführt.

Das alles heißt aber nicht, dass es keinen Ausweg gibt aus dem derzeitigen Zustand. Der Kapitalismus ist nicht nur „destruktiv,“ er ist auch „regenerativ,“ wie Karl Marx sagte. Während er Weltmärkte vereinnahmt, die Herrschaft des Kapitals allgemein durchsetzt und die Lebensbedingungen für viele zerstört, sät er gleichzeitig die Samen für seine eigene Transformation. Auf der einen Seite schafft er allgemeine Probleme und gemeinsame Sorgen für die Mehrheit der Weltbevölkerung, auf der anderen schafft er die materiellen Bedingungen und die Technologie, die die Kommunikation und Zusammenarbeit in dieser Mehrheit der Weltbürger für gemeinsame Aktionen und alternative Lösungen ermöglichen. 

Wann die Mehrheit der Weltbevölkerung – die globalen 99% – erkennen und beschließen werden, sich die bestehende Technologie und die materielle Resourcen tatsächlich anzueignen und für eine bessere Organisation und Führung der Weltwirtschaft zu nützen, kann niemand sagen. Aber das Potenzial und die langfristige Bewegungsbahn der globalen sozioökonomischen Entwicklungen weisen in diese Richtung.

Die Entfernung zwischen jetzt und dann, zwischen unseren unmittelbaren Frustrationen und der überlegenen, aber schwer fassbaren Zivilisation, nach der wir uns sehnen, kann nur überbrückt werden, wenn wir die notwendigen Schritte in Richtung dieses Ziels setzen.

 

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