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Schuldenkrise: Die Plünderer müssen Farbe bekennen

Posted by krisenfrei - 08/01/2014

von Henning Lindhoff (ef-magazin

Aussitzen war gestern

Zypern war gestern. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Plünderer noch mit Pfändungen bürgerlicher Vermögen oberhalb von 100.000 Euro begnügen wollten. Mit weitaus größeren Kanonen rät der Internationale Währungsfonds (IWF) dieser Tage auf die immer kleiner werdenden Spatzen zu schießen.

In seiner aktuellen Analyse mit dem Titel „Financial and Sovereign Debt Crises: Some Lessons Learned and Those Forgotten“ kommt der ehemalige IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff zu dem Schluss, dass eine Lösung der europäischen Schuldenkrise keinesfalls auf dem Sparkurs gelingen könne. Ein Wachstum aus der Krise sei reine Illusion. Derzeit leugne und verdränge die Politik zwar noch, dass zukünftig nur brutale finanzielle Repression das System retten könne. Doch härtere Zeiten würden alsbald anbrechen.

Hellsichtiger Rogoff! Nur die totale Repression kann Planwirtschaft und Geldmonopol instand halten. War jemals etwas anderes zu erwarten? Hat die Geschichte der Zentralstaaten jemals Gegenteiliges offenbart?

Die Totalitäten werden eines sonnigen Tages vor das Volk treten und dann auch die letzten süßlichen Traumfragmente des demokratischen Schön-Wetter-Kollektivs schleifen müssen. Dann werden die Plünderer zugeben müssen, dass das ganze Desaster nicht mit einigen homöopathischen Maßnahmen beendet werden kann.

Kenneth Rogoff und seine Co-Autorin Carmen Reinhart schreiben: „Die Größe des allgemeinen Schulden-Problems kann kaum überzeichnet werden. Die aktuellen Staatsschulden in den entwickelten Wirtschaften nähern sich einem in 200 Jahren nicht dagewesenen Rekord-Niveau.“

Die Autoren zeigen in ihrer Studie auf, dass bislang noch jede Schuldenkrise nur durch radikale Schritte gelöst werden konnte: Krieg. Oder Enteignung. Oder gar beides gemeinsam.

Die Kreditblasen der Tagträumer werden platzen. Je später, desto schmerzhafter. Rogoff und Reinhart: „Die Politik der Leugnung des Problems hat in einigen Fällen dazu geführt, dass sich die finalen Kosten des Schuldenabbaus verschlimmern werden.“

Der verbleibende Werkzeugkasten der Plünderer beinhaltet nicht mehr viel: „Schuldenverzicht der Gläubiger, höhere Inflation, Kapitalkontrollen und andere Formen der finanziellen Repression“.

Rogoff und Reinhart warnen zu Recht in Großbuchstaben: „Debt is usually MUCH bigger than what meets the eye.” Schulden sind in der Regel VIEL höher als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Der IWF vermerkt auf der zweiten Seite des Papiers zwar, Rogoff und Reinhart vollführten lediglich theoretische Gedankenspiele, die nicht die Meinung des IWF wiedergäben. Doch dass diese düsteren Gedankenspiele schon in naher Zukunft grausame praktische Realität werden könnten, zeigt unter anderem die Tatsache, dass in der Studie „Back to Mesopotamia“ der Boston Consulting Group ebenfalls drakonische Enteignungspläne geschmiedet werden. Die Einschläge häufen sich.

Zypern war gestern. Merkelsches Aussitzen ebenfalls. Die harten Zeiten kommen erst noch. Die plündernden Gauner müssen Farbe bekennen.

Und dann wird höchstwahrscheinlich auch die Vorhersage des britischen Europaabgeordneten Godfrey Bloom (ehemals UKIP) eintreten, die er vor wenigen Wochen den Kollegen entgegenwarf: „Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Bürger dieses Parlament stürmen werden und Sie hängen werden. Und die Bürger werden damit Recht haben.“

Downloads

Financial and Sovereign Debt Crises: Some Lessons Learned and Those Forgotten

Back to Mesopotamia

 

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Eine Antwort to “Schuldenkrise: Die Plünderer müssen Farbe bekennen”

  1. hdh said

    SgH. Lindhoff,

    wer sind denn nun realiter die Plünderer des Systems?

    Warum haben Rogoff und Carmen den Bankenbereich, die Unternehmen, die priv. HH. auf ihre Verschuldung hin nicht untersucht, obwohl doch deren Zahlen ebenfalls bekannt sind? Haben Sie, Herr Lindhoff, eine Erklärung parat?

    NZZ: Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat Firmen dazu gebracht, sich in einem Ausmass am Kapitalmarkt zu verschulden, dass sie nun einen Berg an Verbindlichkeiten angehäuft haben: In den nächsten zehn Jahren müssen sie 8,33 Bio. $ zurückzahlen, wie Zahlen von Dealogic zeigen. (http://www.nzz.ch/finanzen/anleihen/833-billionen-dollar-schulden-1.18197550) Interessiert Sie nicht, warum?

    Der Derivate Bereich hat ein gemeldetes Volumen von 450 Billionen (Trillion) USD; BIZ hat den tatsächlichen Wert auf rd. 750 Billionen USD taxiert. Was stellt dieses Volumen dar, Schulden oder Vermögen? Es gibt aber eine noch interessantere Frage. Auf welcher Basis ist dieses Volumen von 750 Billionen USD entstanden? Der einzige Realwert kann nur die Leistung der Weltwirtschaft sein. Diese beträgt rd. 70 Billionen USD. Wieso gefällt Ihnen dieses Volumen so gut oder wollen Sie gar nicht dieses Thema, gar nicht, aus ideologischen Gründen, nicht anfassen?

    Wer, Herr Lindhoff, wurde zwischen 2007 – 2013 gerettet, die Staaten oder die Sektoren Unternehmen, Banken, priv. HH.? Wer, Herr Lindhoff, musste gerettet werden? Die EZB hat rd. 5 Billionen € locker gemacht um die Finanzindustrie zu sanieren. Was motiviert Sie diese Fakten, entgegen besseren Wissens, zu unterschlagen?

    Daran schließt sich die Frage an, wieso 80 % Staatskreditaufnahme so sau gefährlich sind, aber die mehrfache Summe, hier 457 %, der Kreditaufnahme der Sektoren Unternehmen, Banken, priv. HH. völlig ungefährlich sind. So wollen Sie doch verstanden werden!
    Bsp: Spanien
    Gesamtverschuldung: 457 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, darunter: Unternehmen: 192 Prozent, Banken: 111 Prozent, private Haushalte: 87 Prozent, Staat: 67 Prozent; Stand vor 2007: 40 % (Quelle: Eurostat)

    Wie Irland war auch Spanien vor der Krise ein besonders sparsamer Staat. Noch heute ist das Königreich geringer verschuldet als die anderen großen Industrieländer. Nach dem Bauboom und der geplatzten Spekulationsblase am Immobilienmarkt belastet die private Verschuldung aber die Wirtschaft – die spanischen Unternehmen mehr noch als die Haushalte. Im Zuge der Systematik der Rettungspakete kann genau nach vollzogen werden, wie die Schulden der Sektoren Unternehmen, Banken, priv. HH. zum Sektor Staat hin verschoben wurden. Wollen Sie auch nicht wissen, warum?

    Was, Herr Lindhoff, hindert Sie daran die Verschuldung der volkswirtschaftlichen Sektoren Unternehmen, Banken, priv. HH, in den Fokus zu nehmen? Warum lassen Sie die Sprüche von Mises, Friedman nur ggü. dem Staat zu, aber wollen sie nicht für die Sektoren Unternehmen, Finanzindustrie, priv. HH. nicht gelten lassen?
    Fazit: Ihnen ginge, wenn Sie nicht Fakten unterschlagen würden, uminterpretieren würden, ganz einfach der Feind verloren. Vielleicht müssten Sie sogar Ihr einfach gestricktes Weltbild über die „Guten“ und die „Bösen“ flöten gehen lassen. Es würde wohl offensichtlich werden, dass die „Guten“ die eigentlichen Plünderer sind, die sich zudem noch vom verhassten Staat haben retten lassen müssen! Passt doch so gar nicht zur Ideologie über die „Guten“!

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