Christian, oh Christian…
Verfasst von: krisenfrei - 08/12/2013
von Susanne Kablitz (cafeliberte)
… wie die “Süddeutsche” am vergangenen Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe berichtete, sind Sie mit dem Erscheinungsbild der FDP “scharf ins Gericht” gegangen. Kaltherzig und abstoßend – das sei die Wahrnehmung der Wähler von der FDP in der Zeit vor der letzten Bundestagswahl gewesen! Nun, ich fürchte, dass “unsensible” Äußerungen, die Sie für das noch viel zu gute Ergebnis verantwortlich machen, wohl Ihrer sehr eingeschränkten Wahrnehmung geschuldet sind. Es entspricht dann doch sehr viel mehr der unerfreulichen Realität, dass viele Fürsprecher einer liberalen Politik zum einen die massenhaft nicht eingehaltenen Versprechen, die unerträgliche Duckmäuserei vor der “Chefin” und den vollständigen Verrat an einer freiheitlichen Grundhaltung abgestraft haben.
Auch wenn man es in der Politik nicht für möglich hält – vor allem, wenn man selbst ein Rückgrat wie eine Qualle hat – Menschen wissen Geradlinigkeit und Konsequenz durchaus zu schätzen! Und sie erinnern sich! Sie erinnern sich unter anderem daran, dass die FDP nahezu geschlossen dem größten und schamlosesten Enteignungsinstumentarium namens ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) zugestimmt haben! Ja, lieber Christian, Sie auch! Sie erinnern sich?
Aber Sie sagen noch viel mehr Dinge, denen wir hier aufgrund der entspannten Erheiterung, die den Leser ergreifen muss, wenn er ihren „warmen“ Worten gebannt lauscht, den gebührenden Rahmen geben.
Sie räumen ein, dass der Eindruck entstanden sei, die FDP kümmere sich nur um einzelne Gruppen oder Interessen. Lieber Christian, das ist nicht so schlimm, das machen alle etablierten Parteien, da ist die FDP gar nichts Besonderes. Sie haben das nur nicht so gut verpackt; Sie haben halt die Hoteliers besonders lieb gehabt. Aber wie gesagt, das muss Sie gar nicht so groß irritieren. Bei den anderen sind es eben mal die Mütter, dann die Rentner, überaus häufig die Banken, oft die Versicherungen, absolut immer die Empfänger von Subventionen – halt gerade so, wie es am besten passt, um wieder mal ein paar Wählerstimmen abzugreifen.
Viel interessanter ist Ihre Aussage: „Wir sind keine Kapitalisten.“ Nun, das ist ein Jammer, denn mit was finanzieren Sie denn Ihre vielen Wahlversprechen? Mit was finanzieren Sie die überaus üppige Ausstattung des ESM? „Der Kapitalist liebt nicht den Markt und nicht den Wettbewerb. Er will das Monopol, um die größtmöglichen Gewinne zu erzielen.“ Wissen Sie, lieber Christian, es gibt dumme und es gibt dämliche Aussagen. Ihre entspricht keiner der beiden Kategorien, so haarsträubend idiotisch kommt sie ganz lässig daher.
„Der Marktwirtschaftler dagegen kämpfe für den Wettbewerb, weil er die Macht Einzelner über Viele begrenzt.“ Ja, genau… das ist das Gemisch, mit dem Menschenhirne verrückt gemacht werden. Auch wenn Sie es nicht begreifen wollen – Kapitalismus IST Marktwirtschaft, beide Begriffe sind absolut synonym. Der eine wird mehr im angelsächsischen Raum benutzt, der andere ist hier gebräuchlicher. Fertig – so schwer ist das doch gar nicht. Und zur Klarstellung – die einzigen, die unter Zwangsausübung für Monopole sorgen, um größtmögliche Gewinne zu erzielen, sind Politiker, die sich mit Großkonzernen und der hilfreichen Unterstützung des Bankenkartells bis zur Schulter die Hände reichen. Aber es ist halt anscheinend ungemein hip, ein vom Staatsglauben getragener Anhänger von Ordnungspolitik zu sein; selbst als „Liberaler“ hat man da wohl die größten Chancen, wieder an den Futtertrog zu gelangen.
Ist es eigentlich eine Grundvoraussetzung, um als Politiker Karriere zu machen, für das eigene Versagen immer andere verantwortlich zu machen? Ist es eine Grundvoraussetzung, so wenig vom „Markt“ und vom Geld zu verstehen wie Sie eindrucksvoll im Interview und in der Videoaufzeichnung mit den „Sons of Libertas“ demonstrieren?
Der gute Herr Hayek würde sich wohl tränenüberströmt und von unfassbarer Peinlichkeit berührt auf die Knie fallen lassen, wenn er Ihren Worten noch folgen könnte – manchmal hat der Tod etwas durchaus Gnadenvolles. Als Mitglied der Hayek-Gesellschaft hat es schon einen ganz besonderen Charme, die Ideen eben dieses weitsichtigen Mannes (Ideen, die viele Jahrhunderte hindurch wesentlich besser funktioniert haben, als dies heute der Fall ist), als „Theoriediskussionen“ zu bezeichnen, alles Ernstes zu behaupten, „wir hätten gegenwärtig andere Sorgen“, ein Wettbewerb unterschiedlicher Zahlungsmittel sei „für die Realität kein Konzept“ und mit „Lektürezirkeln sei kein Wähler zu gewinnen.“
Ja, lieber Christian, wir haben Sorgen! Wir haben Sorgen, weil Sie mit aller Gewalt an einem System festhalten, dass nur Ihresgleichen in höchst unmoralischer Form bereichert und alle anderen Menschen enteignet. Ja, wir haben Sorgen, weil Sie unter dem Deckmäntelchen einer liberalen Partei die Freiheit der Menschen verkaufen und wir haben Sorgen, weil Sie und Ihresgleichen in beeindruckender Weise beweisen, dass uns Ihre „Praktikumsdiskussionen“ auf dem direkten Weg in die Hölle schicken.
Alles, was Ihrerseits als gut und richtig bezeichnet wird, scheitert kläglich und auf ganzer Linie. Es ist eine Schande, wie Sie und weite Teile der FDP die so wertvolle Freiheit für Ihre Machtgier verkaufen. Kein Stolz, keine Ehre, keine Grundsätze. Nichts, was einen wahrhaftig liberalen Wähler davon überzeugen könnte, Ihnen in nahezu vier Jahren eine weitere, unverdiente Chance zu geben.
“Mit nur einem Zentimeter in Richtung der Eurohasser würden wir unsere Seele verlieren.” Lieber Christian, das hat die FDP schon vor langer Zeit getan. Dazu braucht es keine „Eurohasser“, wie Sie sich als frisch gebackener FDP-Vorsitzender heute so überaus „warmherzig“ geäußert haben.
Also Christian – ohne einen Mann vom Format eines Frank Schäfflers an der Spitze ist die FDP absolut überflüssig – Sie werden sich an meine Worte erinnern!
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Christian Lindner ist nichts anderes als ein Schmierenkomödiant und ein Anhängsel der Genscher-Fraktion. Genscher ist ein Befürworter des Euro und der EU-Diktatur und genau auf dieser Welle bewegt sich auch der Schmierenkomödiant. Vor der NRW-Landtagswahl 2012 sagte er folgendes:
„Mir wird zu viel über Personen, Umfragen und Konstellationen gesprochen. Das Wichtigste ist doch: Wir müssen den Staat aus der Abhängigkeit der Finanzmärkte befreien. Deshalb muss die Entschuldung Priorität haben, noch vor an sich wünschenswerten Entlastungsschritten und vor neuen Aufgaben für den Staat. Das ist ein neues Denken für Nordrhein-Westfalen. Und eine Selbstkorrektur der FDP-NRW“.
„Ich rate davon ab, den NRW-Wahlkampf nach Berlin zu tragen. Das hilft keinem. Die Bürger erwarten von Union und FDP professionelles Regieren. Es gibt genügend Themen, wo die Koalitionspartner an einem Strang ziehen und alle davon profitieren können. Beispiel Haushalt: Es ist möglich, bereits 2014 im Bund eine schwarze Null zu schreiben. Das wäre ein gemeinsamer Erfolg – und ein deutlicher Kontrast zur Minderheitsregierung in NRW, die immer mehr Schulden macht.“ (Quelle).
Aber dem ESM zustimmen! Gibt es noch eindeutigere Aussagen, um einen Lügner zu entlarven? Frank Schäffler kann ich inzwischen nur noch bedauern. Erstens ist er in der falschen Partei und zweitens wird er in der FDP total verheizt. Solange Genscher noch großen Einfluss auf die FDP hat, wird Frank Schäffler niemals Parteivorsitzender. Nur mit ihm als Parteivorsitzender gäbe es einen echten Neustart der FDP. Dagegen aber wird sich die Finanz-, Pharma- und Autolobby bzw. das FDP-Klientel vehement wehren.

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