Die drohende Bankenkatastrophe
Verfasst von: krisenfrei - 25/10/2013
von Dr. h.c. Michael Grandt (krisenvorsorge)
So oder so: Das Vertrauen in den europäischen Bankensektor wäre dahin
Geplant ist, dass die EZB ab November 2014 für die Aufsicht der europäischen Großbanken zuständig ist. Damit die EZB keine Altlasten übernehmen muss, ist eine strenge Überprüfung der 130 größten Banken geplant. Doch das Vorhaben ist zweischneidig:
Findet die EZB keine Löcher in den Bankbilanzen, könnte der Verdacht entstehen, dass etwas vertuscht werden soll. Diese Sorge ist nicht unbegründet, denn bei den bisherigen Stresstests haben die nationalen Kontrolleure häufig weggesehen oder die Probleme einfach kleingerechnet.
Findet die EZB allerdings Verwerfungen in den Bankbilanzen, könnte das schnell Turbulenzen auf den Finanzmärkten hervorrufen. So oder so wäre wohl das Vertrauen in den EU-Bankensektor nachhaltig gestört.
Gigantischer Finanzierungsbedarf von Banken „solider“ Staaten
Eine neue Studie der Pariser IESEG School of Management belegt einen alarmierend hohen Rekapitalisierungsbedarf der Bankenbranche, sollte sich die Finanzkrise wiederholen. Dann nämlich würden nicht nur die Banken der EU-Krisenstaaten zusammenbrechen, sondern auch jene bisher „solider“ europäischen Länder.
Der Finanzbedarf für die Rekapitalisierung europäischer Banken bei einem solchen Szenario wäre gigantisch. Hier die Aufstellung der IESEG in Prozent des Bruttoinlandsprodukts und in Milliarden Euro:
Frankreich: 11,7 % 239,9 Mrd. €
Zypern: 11,0 % 1,8
Griechenland: 8,4 % 15,3
Großbritannien: 7,9 % 146,5
Niederlande: 7,7 % 46,2
Schweiz: 7,1 % 35,9
Schweden: 6,1 % 26,4
Dänemark: 5,7 % 14,3
Spanien: 5,6 % 58,8
Italien: 5,0 % 78,3
Deutschland: 4,5 % 121,3
Belgien: 4,5 % 17,2
Portugal: 4,2 % 6,8
Österreich: 3,7 % 11,7
Finnland: 0,1 % 0,1
Gesamt: 820,5 Mrd. €
Eine erneute Finanzkrise wäre das „Aus“
Sie sehen daran, dass der Rekapitalisierungsbedarf europäischer Banken bei einer erneuten Finanzkrise über 820 Milliarden Euro betragen würde. Alleine den deutschen Steuerzahler würde das für die deutschen Banken 121 Milliarden Euro kosten. Und noch etwas können Sie aus der Studie der IESEG erkennen: Nicht Griechenland, Spanien oder Portugal hätten das größte Bankenrefinanzierungsproblem, sondern Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Diese drei Länder zusammen weisen über 507 Milliarden Euro an Kapitalbedarf aus. Das sind knapp 62 Prozent des europäischen Gesamterfordernisses.
Dieses Problem im Ernstfall wiederum mit immer mehr Geld drucken zu lösen würde die schon bestehende Kredit- und Schuldenblase platzen lassen. Eine erneute Finanzkrise wäre demnach wohl das „Aus“ für das Finanzsystem wie wir es kennen.

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