Finanzkrise: Slowenien vor dem Bankrott
Verfasst von: krisenfrei - 16/09/2013
von Dr. h.c. Michael Grandt (krisenvorsorge)
Verheerende Bilanz
Eine schnell wachsende Verschuldung, ein maroder Bankensektor, ein rückläufiges Wirtschaftswachstum und eine sinkende Binnennachfrage haben dazu geführt, dass der slowenische Staat vor dem Abgrund steht. Denn die Wirtschaftsdaten sehen verheerend aus:
Die Arbeitslosigkeit stieg von 5,9 Prozent (2008) auf 13 Prozent. Das Haushaltsdefizit beträgt minus 4,4 Prozent und das Wirtschaftswachstum minus 2,2 Prozent. Staatsnahe Banken halten faule Kredite Höhe von sieben Milliarden Euro, das entspricht einem Fünftel der Wirtschaftsleistung. Insgesamt sind 14,2 Prozent aller ausstehenden Kredite notleidend. Die Ratingangentur Moody’s senkte die Bonitätsnote des Landes Ende April 2013 deshalb auch auf „Ramschniveau“.
Wie immer: Banken sind schuld
Der Bankensektor ist – wie in den anderen Krisenländern auch – das Hauptproblem. Erst Ende letzter Woche wurden zwei Privatbanken geschlossen. Der Staat stellte eine Bürgschaft von rund einer Milliarde Euro aus. Ich prognostiziere: Das ist nur die Spitze des Eisberges.
Denn die rasant ansteigenden notleidenden Kredite zehren das Eigenkapital der Bankhäuser immer schneller auf. Schon im dritten Jahr in Folge schreiben sie hohe Verluste. Die meisten von ihnen brauchen dringend frisches Eigenkapital und zwar schnell. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) sind im Rahmen ihrer Hilfsprogramme bereits zu Beginn des Jahres „still und heimlich“ rund zwei Milliarden Euro an die maroden slowenischen Banken geflossen.
Vor ein paar Monaten hat Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Eurogruppe, die slowenische Regierung deshalb zu drastischen Sparmaßnahmen aufgefordert. Dadurch sollte ein weiterer Anstieg der Staatsschulden vermieden werden. Es könnte sonst ein Schicksal wie in Griechenland drohen.
Die Wahrheit kommt erst nach der Wahl
Ein IWF-EU-Staatsbankrott-Verhinderungs-Rettungspaket wird also immer wahrscheinlicher. In Kreisen der EU munkelt man daher schon hinter vorgehaltener Hand, dass es Slowenien nicht ohne fremde Gelder schaffen werde. Auch die EZB hält Hilfen aus dem ESM nicht mehr für unmöglich.
Allerdings wird die EU-Kommission, wohl aus Rücksicht auf die bevorstehenden Bundestagswahlen, nicht über ein Rettungspaket für Slowenien spekulieren. Genauso wenig, wie das dritte Hilfspaket oder der zweite Schuldenschnitt für Griechenland erst nach dem 22. September 2013 verabschiedet werden wird.

hdh said
Wohltuend, wenn mal nicht der Staat als Verursacher, sondern als Geschädigter fest gestellt wird. Ihre Ansicht lässt sich durch drei Zahlen, veröffentlicht von der BIZ, untermauern:
reales Volumen der Wirtschaft: $ 70 Trillion
Volumen liz. Banken: $ 60 Trillion
Volumen OTC Bereich: $ 850 Trillion
Wozu braucht die Realwirtschaft ein Finanzindustrievolumen von $ 910 Trillion?