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Altruismus – Kult der Neurotiker? Der Abschluss

Verfasst von: krisenfrei - 03/09/2013

von Susanne Kablitz

KAPITALISMUS – ALPTRAUM DES ALTRUISMUS

“Eine furchtbar erschreckend kalte Welt“ haben wir, eine Welt in sich seit Anbeginn der „Finanzkrise“ sogar Menschen umbringen müssen, wenn sie ihren Job verlieren oder das Eigentum der Bank verkaufen müssen.

Sie denken, das ist zynisch? Jawohl, das ist es. Es ist sogar zutiefst zynisch, vor allem mit der Frage im Kopf, wo denn die sorgenvollen Zeitgenossen mit ihrem Betroffenheitsgesicht sind, wenn Menschen nicht medienwirksam und öffentlich in Szene gesetzt keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen und diesem ein Ende setzen? Wenn nicht eine verachtenswerte Menschenkaste wie die „Kapitalisten“ dafür verantwortlich gemacht werden kann? Wenn nicht schmierige Banker, habgierige Unternehmer und noch nicht einmal fiese Vermieter, die auch noch nach der sechsten offenen Monatsmiete Geduld zeigt (zeigen muss!) verantwortlich gemacht werden können?

Nun, dann wird man als Menschenfreund schon etwas finden, irgendetwas, dass in keinem Fall mit dem Scheitern am Leben des Einzelnen zu tun haben darf, sondern definitiv im Außen gesucht werden muss. Und dieses „Außen“, das sind halt immer die Anderen, besonders gern die, die aufgrund ihrer finanziellen Potenz „Macht über andere“ ausüben.

” Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären versucht, stets ihr Opfer.” (Gustave Le Bon, 1895)

Nun werden die Verfechter des Altruismus einwenden, dass es unsere Pflicht als Mensch sei, anderen in Not zu helfen, schließlich könne so eine missliche Lage jedem zustoßen. Daran besteht kein Zweifel, aber es besteht ein erheblicher Zweifel daran, ob es tatsächlich unsere Pflicht ist zu helfen, vor allem dann, wenn über das Geld andere Leute verfügt werden soll oder sogar dann, wenn wir uns selbst benachteiligen! Sind die, die besonders laut nach Hilfe für andere schreien nur dann so laut, wenn es möglichst viele hören? Oder dann, wenn die „Reichen“ zahlen? Und werden diese „Opfer der Umstände“ nun automatisch zu „besseren Menschen“, die selbstlose Hilfe unter allen Umständen einfordern dürfen und die das auch dann noch zu schätzen wissen, wenn sie aus ihrer Not entkommen sind und nun andere Hilfe brauchen?

Einer der großen europäischen Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts – Iwan Turgenjew – sah dies eben genau nicht. Er sei hier erwähnt, weil er zur etwa gleichen Zeit wie Karl Marx publizierte und sich hier enorme Diskrepanzen im jeweiligen Menschenbild offenbaren. Turgenjew sah den einzelnen Menschen, das Individuum. Er verfasste 1852 die Geschichte „Mumu“, die so zart und anrührend ist, dass es einem den Atem verschlägt. „Mumu“, das in Moskau zur Zeit der Leibeigenschaft spielt, suggeriert eben nicht, dass Grausamkeit ein Alleinstellungsmerkmal von Feudalherren ist und die Opfer von Macht allein durch ihre missliche Lage noble Menschen seien. Auch in missliche Lage geratene Menschen können grausam, unanständig und hinterhältig sein.

Es ist fast unumgänglich, hier die Zeiten des sogenannten „Manchesterkapitalismus“ nicht zu erwähnen. Ein kurzer Abriss: Im Jahre 1836 durchzog eine enorme Teuerungswelle England. Arbeitslosigkeit breitete sich aus, gewalttätige Ausschreitungen folgten, 1841 begann die schlimmste Handelskrise seit über 100 Jahren – eine vollumfängliche Depression. 1845 steigerte sich in Irland die Krise zu einer Hungersnot, die allein im Winter 1847 über 250.000 Opfer forderte. Einige schlechte Ernten wurden als Ursache angeführt, doch der wahre Grund war politischer Natur. Verantwortlich dafür waren die protektionistischen „Corn Laws“, die auf ausländisches Getreide hohe Zölle erhoben und obendrein noch den Export inländischen Getreides subventionierten. Die Gesetze hatten ihren Ursprung im Zeitalter des Merkantilismus.

Woher kommt also diese Legende vom „Manchesterkapitalismus?“ Richtig ist, dass die Armut in Europa im Mittelalter weit verbreitet war und durch den enormen Anstieg der Bevölkerungszahlen in eine „Hölle der Armut“ (Roland Baader, Geldsozialismus) ausartete. Die Menschen, die nun vom Land in die Städte strömten, flohen buchstäblich vor dem sicheren Hungertod. Dass dort nun zu Beginn nicht alles so ablief, wie wir uns das mit unserer heutigen Moralarroganz am reich gedeckten Frühstückstisch so vorstellen, scheint grundsätzlich nachvollziehbar, ist es aber für viele eingefleischte Gutmenschen mit Heiligenschein eben nicht.

„Die Kapitalisten haben die Situation der armen Menschen ausgenutzt!“ – so schallt es auch den Ecken der selbsternannten Heiligen. Natürlich gab es auch damals Menschen, die andere ausgebeutet haben, genauso wie es diese heute gibt. Dafür gab es aber auch keinen heutigen Staat, der der arbeitenden Bevölkerung bis zu 70 Prozent ihres Einkommens durch Steuern und Abgaben abpresst. Komischerweise regt sich von den Weltverbesserern darüber niemand auf, wird es ja schließlich an „die Bedürftigen“ verteilt! Ein echter Treppenwitz, wenn es nicht so bitter wäre.

Ja, die Zeit damals war wohl für viele Menschen alles andere als ein täglicher Ausflug ins Schlaraffenland, aber man muss eben berücksichtigen, dass rund 60 Millionen Menschen auf einem Standard lebten, das der Hälfte des Jahres 1450 entsprach. Das Elend hatte seinen Ursprung weit vor der Industrialisierung und wurde durch den gelebten Kapitalismus Stück für Stück erträglicher.

Auch darf in keinem Fall das angebliche Genie Karl Marx fehlen. Der heute populäre Marx ist in weiten Teilen ein Mythos – dies wird jeder bestätigen, der sich vor allem mit den Niederschriften seiner ausführlichen Briefwechsel mit seinem Durchfütterer Friedrich Engels beschäftigt. Die von Eduard Bernstein und August Bebel herausgegebene erste Marx-Engels-Briefedition (1913) wurde dann auch um die „schlimmsten Briefe beseitigt, die anderen stark gemildert“, so August Bebel. Der fundierte Kenner des guten Marx, der Politikwissenschaftler Konrad Löw, hat mit seinen Büchern dem interessierten Leser eine umfangreiche Sammlung zur Einschätzung und näherer Betrachtung des sagenumwobenen Marx zur Verfügung gestellt, die dem Bild, das der Öffentlichkeit präsentiert wird, gewaltige Risse zufügt.

Karl Marx 1853: „Die Klassen und die Rassen, die zu schwach sind, die neuen Lebenskonditionen zu meistern, müssen den Weg frei machen. Sie müssen in einem revolutionären Weltsturm untergehen.“ Reizend, wirklich!

Noch eine Kostprobe? – 1857!: „ Es ist möglich, dass ich mich blamiere. Indes ist dann immer mit einiger Dialektik zu helfen. Ich habe natürlich meine  Aufstellungen so gehalten, dass ich im umgekehrten Fall auch recht habe.”

Das ist kein neues Phänomen, es ist eher typisch für den Menschenschlag, der die Keule der „sozialen Gerechtigkeit“ schwingt. In ihrem naiven Glauben, irgendeinem Menschen einen wirklichen Gefallen zu tun, befriedigen sie nur das eigene Ego und sind so die größten Egoisten, die der Erdball bereithält. Sie meinen, der hinausposaunte  Altruismus ist eine moralische Meisterleistung, dabei entbindet er sie nur von echter Verantwortung. Die Verantwortung legt er in die Hände der Allgemeinheit und ist nun frei davon, frei von der Verantwortung auch und vor allem für sich selbst. Denn das, was er anderen „angedeien“ lässt, fordert er natürlich auch für sich selbst ein.

“Weißt Du noch, was ich für Dich getan habe?“ – dürfte wohl einer der häufigsten Sätze der Weltverbesserer sein. Die Spendenbereitschaft ist dann am größten, wenn der Name des edlen Geistes in der „Hitliste der Gutmenschen“ auftaucht. Genauso ist es mit dem „Kapitalismus“. Ihn in seinen letzten kargen Auswirkungen zu leben und davon zu profitieren, stört die meisten Menschen nicht, kaum jemand ist bereit, von seinem Lebensstandard abzurücken, was man schön an den Debatten zu möglichen Kürzungen von Sozialleistungen sehen kann.

Nun muss aber jeder einzelne Cent grundsätzlich erarbeitet werden, der da so großzügig verteilt werden soll, sonst funktioniert die heile Welt des „Wohlstands für alle“ nicht. Das ist aber in dem Gutmenschen-Kosmos nicht vorgesehen, da geht es eben nur um die „gerechte“ Verteilung, nie um die Erfordernisse der Erwirtschaftung. Die Kapitalisten, die dem „erbärmlichen Luxus frönen“ sollen mal bitte hübsch weiterhin den Wohlstand erarbeiten, sonst gibt es ja nichts zu verteilen. Man verurteilt sie zwar moralisch als „Kapitalistenschweine“, weil sie sich geistig minderwertige Vergnügungen wie schnelle Autos, große Häuser und ausgedehnte Luxusurlaube gönnen und zudem noch jeden Arbeiter ausbeuten; deren Geld auszugeben sind die Erretter der Menschheit sich aber nicht zu schade.

Kaum einer der Verfechter der Umverteilungsorgien und Altruismus-Jünger kommt auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, durch Schaffung von Arbeitsplätzen den Wohlstand auszulösen, den er leidenschaftlich einfordert. Kaum einer von ihnen kommt auf die Idee, sich mit einer Bereinigung unseres unsozialen Geldsystems auseinanderzusetzen. Kaum einer von ihnen kommt auf die Idee selber Risiken einzugehen und mit der Gefahr des Scheiterns konfrontiert zu sein, mit der Möglichkeit des Totalverlusts. Dies von anderen zu verlangen und einzufordern, damit hat der Umverteilungsjunkie allerdings überhaupt kein Problem.

Es ist also nicht mehr als eine Beleidigung unseres Mensch-Seins, wenn wir aus falsch verstandener politischer Korrektheit uns kaum noch trauen, den Mund aufzumachen aus lauter Angst einem „Krieger der Gutmenschen“ zu begegnen und sich dann mit dummen Phrasen ins Bockshorn jagen zu lassen.

Es ist also durchaus ratsam, den Heiligenschein abzulegen und wieder Mensch zu sein. Mit Fehlern und Schwächen, mit Vorteilen und Talenten. Dies bedeutet nicht, auf anderen Menschen „herumzutrampeln“ und ihnen bewusst zu schaden. Es bedeutet aber auch nicht, dass wir uns so klein machen müssen, dass jeder andere Mensch über uns steht und es nur noch um die Bedürfnisbefriedigung „eines anderen“ geht. Wenn wir alle nur noch Zwerge sind, wem ist damit geholfen?

Dies ist der Abschlussteil der vierteiligen Serie in Zusammenarbeit mit “alphachamber”.

2 Antworten to “Altruismus – Kult der Neurotiker? Der Abschluss”

  1. Avatar von Hans Speck

    Hans Speck said

    Endloses Bla-bla – „-ismen“ und „-kratien“ zuhauf – aber nirgends wird gesagt, wer dieses ganze Chaos veranstaltet:
    das internationale Finanzkapital – wer das genau ist, kann jeder selbst ergockeln – ich sage nur Rothschild, Rockefeller, Warburg und Co. sind da ganz vorn dabei.

    Wer Macht benutzt, weist damit gleichzeitig nach, daß er nicht in der Lage war, die Menschen mit guten Argumenten für seine Ziele zu begeistern – entweder weil diese Ziele nicht die Ziele der Menschen sind, oder weil er nicht fähig ist, mit Menschen umzugehen – egal: Machtmenschen sind Kleingeister, unfähig zu menschliche wertvollem Umgang.

    Lassen wir sie miteinander spielen – aber nicht mit uns.
    Entziehen wir uns ihrem Wirken so gut es eben geht – letztlich funktioniert „das System“ nur (noch), weil wir alle weiterhin mitmachen – jeden Tag wieder.
    Haben wir doch endlich den Mut auszusteigen – lassen wir die geisteskranken machtgeilen Trottel doch links liegen und gehen wir menschlich miteinander um.

    Damit kann jeder jetzt gleich beginnen.

    Jeder Tag, der vergeht, ohne daß wir diese Chance nutzen, ist ein verlorener Tag.

  2. Avatar von Murksel

    Murksel said

    Zitat:
    Dafür gab es aber auch keinen heutigen Staat, der der arbeitenden Bevölkerung bis zu 70 Prozent ihres Einkommens durch Steuern und Abgaben abpresst. Komischerweise regt sich von den Weltverbesserern darüber niemand auf, wird es ja schließlich an „die Bedürftigen“ verteilt! Ein echter Treppenwitz, wenn es nicht so bitter wäre.
    Zitat ende

    Sorry, aber mir erschließt sich wirklich nicht wo in der sogenannten Euro-Rettungspolitik den Bedürftigen geholfen wird.

    Von den Hunderten von Rettungsmilliarden in der EU kommt z.B. nur ein einstelliger Milliardenbetrag in Griechenland bei den wirklich Bedürftigen an.

    Sie und ich, wir Steuerzahler in D werden von der Politik gezwungen eine Transferleistung an die Plutokratie zu leisten. Über die Südeuropa-Staaten-Schiene weiter an die Banken und dann an die Finanzoligarchie werden wir in Haftung genommen um die Verluste der Hyperreichen zu übernehmen.

    Zugegeben die Plutokratie hat dies ganz gut eingefädelt, indem sie die Staaten und Banken dazwischen geschaltet hat. Außerdem wird über die Medien, — auch fest in Händen von Oligarchen und/oder Politik (Ö-Rechtlichen), — kräftig und immer wieder „Bashing“ gegeneinander inszeniert um möglichst von den Fakten abzulenken.
    Aber inzwischen haben wohl trotzdem die Meisten erkannt was dort tatsächlich abläuft. Eine Umverteilung von fleißig und arm zu leistungslos reich über die Staaten und Banken in Form von milliardenschweren Rettungsschirmen!
    Die Plutokratie halte ich nun wirklich nicht für bedürftig!

    Zitat:
    Es ist also durchaus ratsam, den Heiligenschein abzulegen und wieder Mensch zu sein. Mit Fehlern und Schwächen, mit Vorteilen und Talenten. Dies bedeutet nicht, auf anderen Menschen „herumzutrampeln“ und ihnen bewusst zu schaden.
    Zitat ende
    Meiner Meinung nach ist es der Plutokratie klar, dass sie der Allgemeinheit schadet. Aber es interessiert sie nicht!
    Im Gegenteil scheint der Abbau von Sozialleistungen aller Art europaweit geplant zu sein. Obwohl man gezwungen wird in dieses System wie z.B. BFA/GKV usw. ( Die Gelder aus den Rentenkassen werden von der Politik immer wieder auch noch zur Stopfung finanzieller Locher zweckentfremdet) jahrzehntelang einzuzahlen, erhält man unter Umständen am Ende nichts. Das scheint regelrecht in den Sozialdarwinismus auszuarten. Geplant?

    Zitat:
    Kaum einer von ihnen kommt auf die Idee, sich mit einer Bereinigung unseres unsozialen Geldsystems auseinanderzusetzen.
    Zitat ende
    Da bin ich voll bei Ihnen. Dieses Geldsystem begünstigt durch den Zins und Zinseszins die völlig leistungslosen Einkommen überproportional. Da müsste ein anderes System her.
    Aber Überlegungen zu diesem Thema gibt es wohl (Vollgeld,Umlaufgeld) allerdings nicht in der Politik. Und die Plutokratie ist natürlich nicht daran interessiert dies leistungslose Einkommen zu verlieren.
    Schließlich ist es nicht genug wenn der europäische Steuerzahler und Sparer ihnen ihre Derivat- und sonstigen Verluste über die Rettungspakete ersetzt.

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