von Gert Flegelskamp (flegel-g)
Ist jetzt Syrien an der Reihe? Es sieht so aus, denn es soll angeblich einen Giftgasangriff gegeben haben und Assad soll dafür verantwortlich sein. Nun hat Assad sich nach anfänglicher Ablehnung bereit erklärt, die UNO-Kontrolleure ins Land zu lassen. Lt. der Leute, die einen Militärschlag befürworten, also Frankreich, Großbritannien und den USA zu spät, denn inzwischen könnten alle Beweise beseitigt worden sein. So zumindest entnehme ich die offiziellen Verlautbarungen der Presse, FAZ und Spiegel.
Ich habe keine Ahnung von Syrien, weiß über die Menschen dort lediglich, dass ihre Mentalität nicht mit der des Westens vergleichbar ist. Soweit ich der Presse in den letzten Monaten entnehmen konnte, sind in der Rebellenarmee vor allem Söldner aktiv.
Eigentlich sollte ich also den Mund halten und keine Stellung zu den Vorfällen beziehen. Wenn ich es dennoch tue, dann deshalb, weil wir höchstwahrscheinlich dank unserer USA-hörigen Regierung in die Sache verwickelt werden könnten, so wie in Afghanistan und ein wenig auch im Irak. Außerdem denke ich, dass hier ein ähnliches Spielchen abläuft, wie seinerzeit im Irak.
Ich möchte mit dem Foto im Spiegel beginnen. Der abgebildete Soldat trägt einen Mundschutz. So schützt man sich vor allem in Japan gegen Keime und gegen den Dreck in der Luft. Ein Stofflappen vor dem Mund gegen Giftgas ist billigste Polemik, weil er etwas verdeutlichen soll, wovor ein solches Tuch keinerlei Schutzwirkung haben würde.
U. Gellermann berichtet in einem Beitrag der Rationalgalerie zu dem Thema über die Funde von Sarin bei den Rebellen, worüber man aber lediglich in der türkischen und nicht der deutschen Presse lesen konnte. Bereits vor Monaten hatte Obama eine imaginäre rote Linie gezogen, dass die USA militärisch eingreifen würden, wenn Giftgas zur Anwendung käme. Sollte Assad also wirklich Giftgas eingesetzt haben, wäre das an Dummheit kaum zu überbieten, denn es käme einer Einladung gleich, die USA und ihre Vasallen möchten doch bitte Bombenteppiche legen und das Land mit Raketen verwüsten. Den Rest würden dann schon die so genannten Rebellen besorgen, die bei einem Sieg ähnlich wie in Libyen jeden massakrieren würden, der auch nur ansatzweise als Assad-Anhänger in Verdacht gerät und nicht nur ihn oder sie, sondern gleich die ganze Familie. Nun also ist man in Regierungskreisen in den USA, in Frankreich und in Großbritannien sicher, dass Assad so blöd war. Ich glaube eher, dass man darauf spekuliert, dass wir alle so blöd sind, das zu glauben. Wer sollte auch an dem Weltpolizist und Friedensnobelpreisträger Obama irgendwelche Zweifel haben?
Das Assad die Beweise beiseiteschaffen könnte, ist mehr als unwahrscheinlich, denn er kontrolliert dieses Gebiet nicht. Außerdem wäre der Einsatz von Giftgas auch nach Jahrzehnten noch nachweisbar. Wenn also Beweise verschwunden sind, kann man eher vermuten, dass die Rebellen sie beiseite geschafft haben oder vielleicht sogar „Reinigungskommandos der westlichen Geheimdienste“, die für so etwas echte Spezialisten haben.
Irgendwie klingt das alles wie vor einigen Jahren beim Irak. Nur eines wird man als sicher annehmen können. Man wird was finden, was Assad belastet, denn schließlich hat man aus dem Irak-Krieg gelernt. Dass Assad den Kontrolleuren zunächst die Einreise verweigerte, ist nachvollziehbar, denn ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Beobachter Agenten aus den USA, Frankreich und Großbritannien sind, die weniger als Beobachter dort aufkreuzen, sondern lieber Beweise legen, statt sie zu suchen.
Bleibt eine Frage offen: „Warum das Ganze? Welchen Nutzen hat das alles? Öl? Bodenschätze?“ Ich bin überzeugt, dass die Gründe bereits vor 100 Jahren beschrieben wurden. Schon oft habe ich Nahum Goldmann und seine Worte aus der Flugschrift „Der Geist des Militarismus“ zitiert.
Nochmals ein Auszug:
„Man kann den Sinn und die historische Mission unserer Zeit in einem zusammenfassen: Ihre Aufgabe ist es, die Kulturmenschheit neu zu ordnen, an die Stelle des bisher herrschenden gesellschaftlichen Systems ein neues zu setzen. Alle Um- und Neuordnung besteht nun in zweierlei: In der Zerstörung der alten Ordnung und im Neuaufbau der neuen.
Zunächst einmal müssen alle Grenzpfähle, Ordnungsschranken und Etikettierungen des bisherigen Systems beseitigt und alle Elemente des Systems, die neu geordnet werden sollen, als solche, gleichwertig untereinander auseinander gelegt werden. Sodann erst kann das zweite, die Neuordnung dieser Elemente, begonnen werden. Sodann besteht denn die erste Aufgabe unserer Zeit in der Zerstörung: Alle sozialen Schichtungen und gesellschaftlichen Formungen, die das alte System geschaffen hat, müssen vernichtet, die einzelnen Menschen müssen aus ihren angestammten Milieus herausgerissen werden; keine Tradition darf mehr heilig gelten; das Alter gilt nur als Zeichen der Krankheit; die Parole heißt; was war, muss weg.
Die Kräfte, die diese negative Aufgabe unserer Zeit ausführen, sind auf wirtschaftlich-sozialen Gebiet der Kapitalismus, auf dem politisch-geistigen die Demokratie. Wie viel sie bereits geleistet haben, wissen wir alle; aber wir wissen auch, dass ihr Werk noch nicht ganz vollbracht ist. Noch kämpft der Kapitalismus gegen die Formen der alten, traditionellen Wirtschaft, noch führt die Demokratie einen heißen Kampf gegen alle Kräfte der Reaktion.“ Sein Uniformierungsprinzip wird die negative Aufgabe der Zeit restlos durchführen: Wenn erst alle Glieder unseres Kulturkreises als Soldaten unseres Kultursystems uniformiert sind, ist diese Aufgabe gelöst.
Dann aber erhebt sich die andere, die größere und schwierigere Aufgabe: Der Aufbau der neuen Ordnung. Die Glieder. Die nun aus ihren alten Verwurzelungen und Schichtungen herausgerissen sind und ungeordnet, anarchisch herumliegen, müssen zu neuen Formungen und Kategorien geschlossen werden. Ein neues, pyramidales, hierarchisches System muss errichtet werden.
Googelt man nach Nahum (auch Nachum) Goldmann, liest man nur Gutes über ihn. Er war einer der wichtigsten Männer des 20. Jahrhunderts, war Gründer des „Zionismus“, Berater von Präsident Roosevelt und hat sehr am Aufbau von Israel mitgewirkt.
