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ALTRUISMUS – KULT DER NEUROTIKER? (I)

Verfasst von: krisenfrei - 23/08/2013

von Susanne Kablitz

Man schreibt viel und gerne über die Freiheit und Freiheiten. Medien, Aktivisten und Blogger beklagen soziale Ungerechtigkeit, politische Skandale, Verfolgungen und Inhaftierungen von Regime-Gegnern oder Diskriminierung. Der liberale Westen pocht auf die Omnipotenz seiner demokratischen ideale. Die Demokratie sei zwar nicht perfekt, aber “besser als alles andere”. Das reicht schon um das “alles andere” zu verurteilen und zu maßregeln – bis hin zur militärischen Unterstützung der vermeintlich moralisch Gerechten in ihren souveränen Nationen.

Beispielsweise werden nach Russland vulgäre Feindseligkeiten an Präsident Putin adressiert, weil seine Regierung in der Öffentlichkeit keinen obszönen Exhibitionismus duldet. (Hat der russische Botschafter zu Berlin beim Kanzleramt Beschwerde eingereicht, wegen Verletzung der Menschenrechte im Falle Gustl Mollath?)

China ist Rezipient ständiger moralistischer Einmischungen, weil der 1,3 Milliarden-Staat ein paar renitente mittelmäßige „Künstler“ unter Hausarrest stellt und sein Riesenreich (in unser aller Interesse) vor dem Zerfall bewahren muss. (Hat sich der chinesische Botschafter darüber mokiert, wie die Frankfurter Polizei mit den Occupy Demonstranten umging?) Myanmar war bislang eine geächtete Nation, hauptsächlich weil sie einer ehrgeizigen Dame mit Oxford-Akzent, die sich auf eine kleine Schar Yangooner Intellektuelle stützt, Regierungsbeteiligung verweigert hat. Viele würden gerne die islamischen Länder mit „Victoria’s Secrets“, Gleichberechtigung, Alkohol und Drohnen ins 21. Jahrhundert hinein-zivilisieren.

Das sind alles souveräne Nationen, die von uns ermahnt, belehrt und genötigt werden. Verhalten sich Deutsche nach diesem Muster, weil sie selbst keine Souveränität besitzen – weil wir selbst unsere Kultur, Politik und Gesinnung aus dem Ausland diktiert bekommen? Woher beziehen wir diese arrogante Selbstsicherheit, die wir seltsamerweise gegenüber anderen westlichen Demokratien nicht zeigen, die aber umso stärker hervortritt im Umgang mit anderen gesellschaftlichen Systemen?

Carl Schmitt schrieb 1932 („Begriff des Politischen“): Zur absoluten Feindschaft komme es paradoxerweise etwa dann, wenn sich eine Partei den Kampf für den Humanismus auf ihre Fahne geschrieben habe. Denn wer zum Wohle oder gar zur Rettung der gesamten Menschheit kämpfe, müsse seinen Gegner als „Feind der gesamten Menschheit“ betrachten. In Abwandlung von Pierre-Joseph Proudhons*  Wort “Wer Gott sagt, will betrügen“, heißt es bei Schmitt: „Wer Menschheit sagt, will betrügen“. Die Verallgemeinerung dieser These vollzog Schmitt 1960 in dem Privatdruck „Die Tyrannei der Werte“, in der er den ganzen Wertediskurs ablehnt: „Wer Wert sagt, will geltend machen und durch-setzen. Tugenden übt man aus; Normen wendet man an; Befehle werden vollzogen; aber Werte werden gesetzt und durchgesetzt. Wer ihre Geltung behauptet, muss sie geltend machen. Wer sagt, dass sie gelten, ohne dass ein Mensch sie geltend macht, will betrügen.“ *(1809 – 1865, französischer Politiker, Philosoph und Sozialist)

Wer sind diese Propheten der Gerechtigkeit, diese Monopolisten der vermeintlichen globalen Werte?

Zunächst sind es machthungrige Politiker, die sich im Einklang mit dem Zeitgeist zu befinden glauben. Urteilslos übernehmen sie die politisch-korrekten Vorgaben der Amerikanischen Progressiven und der Medien um dann, mit antrainiertem populistischem Instinkt, die neuen gesellschaftlichen Normen des guten Europäers zu schreiben – ungeachtet deutscher Kultur und Traditionen. Ihre Anhängerschaft sind Scharen von Hobbysoziologen, profilsüchtigen Sozial-Aktivisten und selbstgefälligen Gutmenschen. Sie alle sind sich einig, dass Konservatismus, Kapitalismus, Privateigentum, Vermögen, Rationalität und Vernunft „böse“ Dinge sind. Dagegen gelten Armutsbekämpfung, Einwanderung, LGBT-Themen, Feminismus, Einstellungsquoten, Mindestlöhne und Umverteilung, sowie Bio,- Öko- Umwelt-Aktivismus, sogenannte „erneuerbaren“ Energien, aber auch Demut, Spendenfreudigkeit und grenzenlose Toleranz „zweifelsfrei“ als coole, gute Sachen.

Dabei wird dem Rest der schweigenden Mehrheit (wenn es denn diese überhaupt noch gibt) keinerlei Wahl über differenzierende Ansichten belassen. Wir dürfen uns dem „Guten“ gegenüber weder gleichgültig noch ablehnend verhalten. Nein, wer Umverteilung und Mindestlohn nicht voll unterstützt, ist ein kapitalistisches Urgestein; wer meint, Windräder sind hässlich und Solarstrom zu teuer und seinen Müll nicht trennt, ist ein Umweltfeind; Sie sind entweder homophil oder ein Schwulenhasser. „Nicht mögen“ gilt nicht – nur ein liebevolles Umarmen von liberalen Programmen, Minderheiten und Randgruppen rettet Sie vor dem Etikett eines asozialen Egomanen.

Die selbstherrliche Arroganz dieser warmherzigen Kreuzritter des modernen Humanismus ist unverschämt und grenzenlos. Nach außen hin sind sie glühende Anhänger der Demokratie und Meinungsfreiheit. Ihre angebliche Toleranz (die sie für ihre eignen Konzepte beanspruchen) ist allerdings nur eine Einbahnstraße; sie reagieren mit hysterischer Aggressivität und verbaler Gewalt gegen jeden, der sich die Freiheit nimmt etwas abzulehnen oder Abneigung zeigt gegen etwas, das auf ihrer Liste der guten Dinge steht. Obwohl Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit eher zu den europäischen Traditionen zählen, kam aus dem Land der Coca-Cola, Hamburger und schnell-rostenden Autos auch ein planvoll strukturierter Altruismus.

Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Diskriminierung sind die unversöhnlichen Erzfeinde der Angepassten und Schuldbewussten. Jede öffentliche Äußerung, jede Geste unterliegt ihrer strengen Kontrolle. „Keinen Millimeter dem Faschismus!“ heißt ihre Devise – auch wenn man dabei selbst zu faschistischen Instrumenten greift. Die Blockwarte der politischen Korrektheit und ihre Denunzianten lauern überall. Ist unserer eigenen Selbstkontrolle doch etwas entwischt – keine Sorge! Dem jeweiligen Schattenkabinett der deutschen Regierung, den Zentralräten der Juden, der Muslime und der Roma und Sinti und andern Gesinnungs-Kontrolleuren entgeht nichts. Unsere zwanghaften Empörungs-Reaktionen auf die NSA-Affäre wirken umso unsinniger, wenn wir unsere Gedanken schon im Vorfeld der Selbstzensur unterwerfen aber uns dann mokieren, wenn sie jemand nochmals korrekturliest.

Es ist zunächst ein Kampf um die Sprache. Als wichtigste kulturelle Institution ist sie auch die wirksamste Waffe gegen Nonkonformisten und selbstständig denkende Bürger. Begriffe werden besetzt, gesegnet und als verbale Keulen bereitgestellt. Frauen, Minderheiten und andere Gruppen unter gesellschaftlichem Naturschutz werden „sprachlich sichtbar“ gemacht (als Eingeständnis, dass sie sonst unsichtbar sind?), Gender werden vermischt und Fremdes auf-Teufel-komm-raus integriert.

Die Literatur, Kunst und Namen von Gebrauchsgüter werden auf potenziell anstößige Begriffe durchsucht und ungeachtet  ihrer Geschichte und Traditionen bereinigt (Achtung: säubern und gleichschalten tun nur Faschisten!). Aus Mohren wurden Südseekönige und im Kongo darf es keine Lügner mehr geben (Pippi Langstrumpf). Nigger und Krüppel verschwanden aus literarischen Klassikern oder wurden zu Sklaven und Behinderten. Negerküsse und jetzt auch Zigeuner Soßen (Knorr) verschwanden aus den Verkaufs-Regalen. In der Österreichischen Metropole organisieren sich einem Gerücht zufolge Kleingeister gegen eine Assoziierung mit „Wiener Würstchen“. Nur die Piraten Partei konnte sich noch nicht auf ihre neuen Namen einigen: „Partei der Nautischen Umverteiler“.

Die christlichen Religionen haben schon lange ihren gesellschaftlichen Einfluss dem Altruismus überlassen. Dessen Stärke liegt darin, dass er seinen irrationalen Mystizismus hinter einer modernen und progressiven Fassade verbergen kann. Seine Stätten der Andacht sind öffentliche Proteste und Kundgebungen, Asylantenheime, Arbeits- und Sozialämter und Mahnmale des Nationalsozialismus. Der Altruismus ist die einzige Religion, die auch Atheisten ein warmes Zuhause bietet – solange sie sich nicht durch rationale Vernunft beirren zu lassen. Ihre Ikonen sind die Opfer sozialer Ungerechtigkeit und des Kapitalismus, Unterprivilegierte jeglicher Art und Gegner nicht-demokratischer Regime.

Dies ist der erste Teil einer vierteiligen Reihe in Zusammenarbeit mit “alphachamber” !

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