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Hurra, die Zahl ist weg!

Verfasst von: krisenfrei - 01/08/2013

Tageskommentar 31. 07. 2013: fortunato,
Hurra, die Zahl ist weg!

von fortunato (fortunanetz)

Kenneth Rogoff stellte sich die Frage: Ist Staatsverschuldung gefährlich? Daraus entstand seine Hypothese, dass ein Staat, dessen Staatsschuldenquote höher als 90 Prozent ist, sein Wirtschaftswachstum gefährdet.

Später wurde bei näheren Untersuchungen seiner Berechnungen festgestellt, dass das verwendete Excel-Sheet fehlerhaft war. Daraus entwickelte sich eine heftige öffentliche Debatte. Zuletzt brachte ‚DIE ZEIT‘ dazu einen Artikel, allerdings Monate nachdem die Debatte in der amerikanischen Öffentlichkeit stattfand.

Die Argumentationslinie die der Artikel dem Leser unterschiebt ist folgende: Rogoff hat mit seiner Staatsquote von 90 Prozent den Staaten eine falsche Vorgabe gemacht, denn die Zahl stimmt nicht. Damit hat Rogoff eine Sparpolitik zu vertreten, die wissenschaftlich nicht haltbar ist. Implizit wird damit behauptet: ‚Alles gar nicht so schlimm. Wir können ruhig mehr Schulden machen, weil der Herr Professor sich verrechnet hat.‘

Das Tolle an Rogoffs Excel-Tabelle ist dabei, dass nach der Fehlerkorrektur die Zahl ’90 Prozent‘ verschwindet, und sich keine neue Zahl errechnen lässt. Hurra, die Zahl ist weg! Die Staatsschuldenquote ist nicht ersatzweise bei 80 oder 100 Prozent kritisch, sondern es gibt da gar keinen kritischen Punkt…. Na dann ist doch alles gut! Nur weil es keine Kennzahl mehr gibt kann ich machen was ich will. Gehe ich zum Arzt und er sagt: Tut mir Leid, mein Blutdruckmessgerät funktioniert gerade nicht und schon habe ich keinen hohen Blutdruck mehr. Also ab jetzt, weil die Messmethode nicht stimmt, nur noch fressen, saufen, faulenzen, TV gucken und vor allem: kein Sport und immer spät ins Bett gehen. Es ist sooo einfach: Keine Messzahl, kein Problem… und basta!

Auf diesem Niveau agieren die Verfechter einer Politik des verstärkten Schuldenmachens. Dabei müsste doch gerade die Information, dass keine neue Zahl erscheint, wenn man die Tabelle korrigiert und von den Fehlern befreit, hellhörig machen. Besagt sie doch nichts anderes als dass exakt dieses Modell wie Rogoff es entwickelte, bei korrekter Anwendung kein Ergebnis bringt, also vermutlich falsch aufgebaut wurde. Das kann aber an vielem liegen: Die Rechenmethode war nicht richtig, das Datenmaterial gibt kein gutes Ergebnis her, die Hypothesen stimmen nicht, etc. Aus dem traurigen Desaster von Rogoffs Theorie kann man lediglich entnehmen, dass falsch gerechnet wurde. Mehr Erkenntnisgewinn ist wirklich nicht drin.

Nun zeigt sich in der Praxis, dass auf eine Kennzahl zur Staatsschuldenquote keine Rücksicht genommen wird, wenn es darum geht, einem Staat eine Empfehlung dafür auszusprechen, ob er Einsparungen vornehmen soll oder nicht. Aktuell sieht man das an den gänzlich unterschiedlichen Empfehlungen des IWF für Griechenland und die USA. Derzeit gibt der IWF Gelder für Griechenland frei, weil das Land angeblich damit begonnen hat, seinen Beamtenapparat zu verschlanken. Das bedeutet harte Maßnahmen und die sind ein weiteres Signal dafür, dass die Einsparungen fortgeführt werden sollen. Im Fall Griechenland besteht der IWF auf den beschlossenen Einsparungen. Zur selben Zeit frohlockt der IWF, die US-Wirtschaft könnte im Jahr 2014 wieder Fahrt aufnehmen. Wie der IWF zu dieser Einschätzung kommt, ist in dem Artikel nicht begründet. Es steht zu befürchten, dass das alles genau so Kaffeesatz-Leserei ist wie Merkels ‚Der Aufschwung kommt an.‘ aus den Jahren nach 2008, mitten in der schwersten Wirtschaftskrise. Interessant ist aber, dass ausgerechnet bei den USA der IWF davor warnt, das Land könnte durch zu viele Einsparungen den Aufschwung gefährden. Diese Empfehlung gab der IWF übrigens schon einmal im Jahr 2011. Da warnte er auch vor dem Sparwahn!

Da schaut man doch verdutzt! Beide Länder, Griechenland und die USA sind hoch verschuldet! Griechenland liegt derzeit bei einer Staatsschuldenquote von 182 Prozent und die USA bei 112 Prozent. Beide Länder liegen über der falschen kritischen Marke von 90 Prozent, ja sie gehören sogar zu den 15 am meisten verschuldeten Ländern der gesamten Erde! Und dennoch verlangt der IWF im gleichen Atemzug von dem einen Land harte Sparmaßnahmen und das andere Land warnt er davor, zu viel zu sparen…. Offensichtlich macht eine Kennzahl wie die von Rogoff errechnete in der Praxis keinen Sinn.

In der Realität sind die Maßnahmen, die bei einer Überschuldung einzuleiten sind, stark abhängig von der Bonität des Schuldners, denn diese entscheidet meistens darüber, wie hoch der Preis einer Sanierung ist und wie sie durchgeführt werden kann. Auch kleinste Schuldenbeträge sind weg, wenn der Schuldner eine schlechte Bonität hat. Große Schuldenbeträge können bei guter Bonität zurück gezahlt werden, auch wenn es manchmal länger dauert. Diese Erkenntnis dämmert jedem, der ein wenig praktisch denkt.


Bezogen auf Staaten gibt es für deren Einschätzung sogenannte Ratingagenturen. Die wichtigsten Agenturen haben ihren Sitz in den USA. Deren Tätigkeit ist darauf gestützt, dass es ein US-Gesetz gibt, das jeden Staat oder jedes Unternehmen das am amerikanischen Kapitalmarkt Geld leihen will, verpflichtet, sich einem Rating zu stellen. Da der amerikanische Kapitalmarkt der größte der Erde ist, bleibt praktisch keinem Staat oder Unternehmen eine andere Wahl als sich einem solchen Rating zu unterziehen. (Und da hilft dann so eine tolle Idee wie vor 2 Jahren von deutschen Politikern vorgetragen, eine europäische Ratingagentur zu schaffen, herzlich wenig. Sie hilft nur dabei, die Bonität von Staaten und Unternehmen festzustellen, die auf einem europäischen Kapitalmarkt Geld erhalten wollen.)

Dass Ratingagenturen eigene Maßstäbe haben um ein Land oder ein Unternehmen einzuschätzen ist bekannt. Dass jede Ratingagentur jeweils andere Maßstäbe hat und zu anderen Ergebnissen kommt, ist ebenfalls bekannt. Dabei werden nicht nur ‚harte‘ Kriterien angelegt, sondern auch politische, wie z. B. ob das Land eine demokratische Verfassung hat, die Menschenrechte respektiert, ein Rechtsstaat ist, etc. Und so kommt die USA als ‚Rechtsstaat‘ trotz Guantanamo und trotz NSA Spitzeleien und als ‚Demokratie‘ mit gerade einmal 2 sich ähnelnden Parteien und mit der ‚Wahrung der Menschenrechte‘ durch willkürliche Erschießungen von Personen im Ausland per Drohnen in den Genuss eines höchstmöglichen Ratings, und Griechenland auf maximal CCC (substantielle Risiken, gerade mal über einem Zahlungsausfall angesiedelt).

Die Einschätzung, ob ein Land sparen muss oder eher sogar nicht sparen soll, hängt daher von vielen Faktoren ab und ist letztlich eine hochpolitische Entscheidung. Eine Kennzahl wie die von Rogoff genannten 90 Prozent macht womöglich gar keinen Sinn.

Daraus können wir folgendes lernen:

a) Die Wirtschaftswissenschaften können nicht alles berechnen und festlegen.

b) Ob ein Land sparen muss oder Schulden machen darf wird nicht von einem Wirtschaftswissenschaftler entschieden, sondern von den USA und zwar hinter den Kulissen.

Ob Frau Merkel da Geld verschenken möchte oder nicht, spielt letztlich für den Entscheidungsprozess, wie man jetzt auch bei den Empfehlungen an die USA und Griechenland sieht, keine Rolle,

meint
fortunato

————————————————————–

Lieber fortunato,

schön, dass Sie dieses Thema erneut ansprechen.
Unsere System-Medien und unsere Polit-Vollpfosten wollen uns täglich einreden, dass alles im grünen Bereich ist und wir uns keine Sorgen machen müssen. Die Polit-Dilettanten haben alles im Griff. Man muss nur genug Papiergeld in Umlauf bringen und alles wird gut. Dabei verschweigen sie, dass die ganze Welt im Schuldensumpf versinkt.

Die Einzigen, die von diesen Staatsschulden profitieren, sind die Superreichen. Die Umverteilung von unten nach oben verläuft vorzüglich. Die gesamte Politkaste weiß ganz genau, dass das Schuldgeldsystem früher oder später implodieren wird. Eine Währungsreform, ein Schuldenschnitt oder was auch immer wird kommen und deshalb werden sich die Lügenbarone bis zum Tag X die Taschen randvoll füllen, um einigermaßen unbeschadet davonzukommen. Die Verlierer werden wie immer die kleinen Leute sein.

Das alles wird dann als notwendige Maßnahme verkauft, um die Bürger … zu schützen. Die Griechen, Spanier, Portugiesen …  können bereits ein Lied davon singen. Alles nur noch eine Frage der Zeit. Volksaufstände werden dann mit Waffen brutal niedergeschlagen. Einige hunderttausende Tote werden dann als Kollateralschaden, um das System aufrechtzuerhalten, in Kauf genommen.

 

5 Antworten to “Hurra, die Zahl ist weg!”

  1. Avatar von harry

    harry said

    Hallo fortunato!Super Beitrag!Danke!

  2. Avatar von SiSo

    SiSo said

    Lieber Fortunato,

    welchen Grund gibt es für Sie und für Rogoff sich nur um die Schulden des Staates zu kümmern und die restlichen drei Sektoren einer Volkswirtschaft, Unternehmen, Finanzindustrie, private Haushalte einfach unter den Tisch fallen zu lassen?

    Gängige Praxis ist es für den Staat die Grenze bei 90 % zu ziehen. Für jeden der restlichen Sektoren ist die Grenze bei je 160 % gezogen. Welchen wissenschaftlichen Beweis gibt es für diese willkürlich gesetzte Grenze? Nach dieser Regel ist es für eine Volkswirtschaft völlig unschädlich, wenn sich die anderen Sektoren im Produkt bis zu 480 % des BIP verschulden können. Kennen Sie jemanden, der sich um die anderen drei Sektoren jemals gekümmert hat?

    Fakt ist doch, dass die Staatsschulden in den Ländern immer nur ein Drittel der gesamten Verschuldung der jeweiligen Volkswirtschaft aus machen. Beispielhaft:
    Spanien
    Gesamtverschuldung: 457 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, darunter: Unternehmen: 192 Prozent, Banken: 111 Prozent, private Haushalte: 87 Prozent, Staat: 67 Prozent. Fakt ist doch auch, Irland war, wie auch Spanien, vor der Krise ein besonders sparsamer Staat. Auslöser war hier der Bauboom mit der passenden Verschuldung von Unternehmen, Finanzindustrie, privaten Haushalte.

    Was bedeutet es für Sie, wenn klar ist, dass die Finanz- und Bankenkrise nicht durch den Staat ausgelöst worden ist, sondern auf die Verschuldung und damit auf den Ausfall im Privatsektor zurück zu führen ist, den Staat als alleinigen Auslöser zu betrachten. Lehman ua. gingen nicht an der Staatsverschuldung zu Grunde, sondern am Ausfall von Forderungen aus Derivategeschäften. Das Volumen von 850 Trillion $ im OTC Bereich ist abgeleitet von der lächerlichen Deckung der weltweiten, realwirtschaftlichen in Höhe von $ 70 Trillion. Wieso stellt dieses Volumen für Sie überhaupt keine Gefahr dar. Nehmen Sie nur die normale Ausfallquote=Ausfallrisiko bei Insolvenzen von 10 %, dann ist die weltweite Leistung mit einem Male futsch!

    Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass die Achse

    Finanzkrise => Wirtschaftskrise => Staatsschuldenkrise

    nicht stimmt! In Spanien und anderswo hat der Staat die Schulden der anderen Sektoren übernommen. In den USA kauft die FED jede Art von Anleihen, auch der anderen drei Sektoren, auf. Die EZB kauft ebenfalls jede Art von Anleihen, auch die aus den drei anderen Sektoren im Wege einer Umschuldung auf. Von der gesamten Summe machen die sog. Staatsschulden wieder nur ein Drittel aus.

    Was wollen Sie, Rogoff und die von WiWis vertretene Behauptung, der Staat sei der Bösewicht, erreichen, wenn sie alle den Einfluß der anderen drei Sektoren einer Volkswirtschaft einfach ignorieren? Dahinter steht wohl die Albernheit, dass nur der „Private“ fähig ist!

    Was hat dann aber Ihr, und anderer, Fazit damit zu tun, dass die „Reichen“, sie sind doch „privat“, die Abzocker zu Lasten der Allgemeinheit seien, wenn sie doch nur, wie beschrieben, ihre Verluste aus schiefgegangenen Geschäften bei an diesen Geschäften unbeteiligten Dritten eintreiben? Sie verhalten sich doch nur wie es die Beschreibung des „hommo oec.“ verlangt: Nach mir die Sintflut! Für das Konzept des „Neolib“ sein, aber seine Konsequenzen nicht akzeptieren zu wollen, funktioniert nicht!

    Lieber Fortunato und andere,

    gibt es für die drei anderen Sektoren der Volkswirtschaft eine Arbeit, wie die von Rogoff, mit der selben Fragestellung, ab wann deren Verschuldung schädlich sei?

    • Avatar von fortunato

      fortunato said

      Lieber SiSo,

      bei mir rennen Sie mit ihren Fragen offene Türen ein. Ich bitte Sie aber auch zur Kenntnis zu nehmen, dass ich auf einem täglichen Blog nur beschreiben kann, was in einzelnen Teilen vorhanden und zu sehen ist. Nicht immer ist es möglich, das große Ganze zu thematisieren. Es sind derzeit so viele Baustellen unterwegs, dass es nicht mehr möglich ist, alles zu erfassen. Die ganze Krisenentwicklung läuft in einem geradezu rasenden Tempo ab. Ich vertrete die Meinung, dass die Leute „Aufwecker“ bekommen sollen und zwar so oft wie möglich. Denken müssen sie aber schon selbst. Ich greife daher immer einzelne Events auf und beschreibe diese, in der Hoffnung dass der Eine oder Andere auf die Idee kommt näher nachzuhaken….. mehr ist bei einer fast täglichen Berichterstattung nicht drin und überfordert die Leser auch. Im übrigen mache ich das derzeit fast alleine und aus Idealismus.

      Zu ihren Einwänden:

      Zitat: „Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass die Achse
      Finanzkrise => Wirtschaftskrise => Staatsschuldenkrise
      nicht stimmt!“

      Diese Achse existiert in der Tat, doch muss man dazu die Entstehungsgeschichte ansehen, damit man sieht wo der Hund begraben liegt. Hierzu einige Ausführungen meinerseits….

      Fakt ist, dass im produzierenden Bereich (Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobilindustrie, etc.) kein Unternehmen bekannt ist, das hoffnungslos überschuldet ist und nach „Staatsknete“ schreit. Nicht ein Einziges und schon gar nicht in der BRD. Überschuldete Unternehmen gibt es in Aufschwungphasen, weil dann die Unternehmen für den Ausbau ihres Geschäftes oft enorme Kredite aufnehmen (müssen). Wir sind aber entgegen den Behauptungen von Frau Merkel nicht in einer Aufschwungphase, sondern wir stehen am anderen Ende des Aufschwungs.

      Fakt ist, es gibt eine totale Überschuldung im Finanzsektor, der ja nichts produziert, sondern nur „investiert“. Das ist ein Dienstleistungssektor. Wie kam es zu dieser Situation? Prof. Starbatty hat einmal in einem Vortrag an der Uni Tübingen darauf hingewiesen, dass eine Politik des billigen Geldes, wie sie von Alan Greenspan betrieben wurde, diese Überschuldung des Finanzsektors ausgelöst hat. Man kann es auch ganz leicht nachvollziehen, wenn man etwas bei klarem Verstand ist: Banken und Versicherungen leben davon, dass sie Kredite in unterschiedlichster Form vergeben. Daran verdienen sie. Ist das Geld billig, wächst der Druck, das Geld in „irgendwelche“ Geschäfte zu stecken, auch wenn diese mit hohen Risiken behaftet sind. Keine Bank, kein Fonds und keine Versicherung sagt ihren Kunden: Ihr könnt uns euer Geld geben, aber wir haben nichts wo wir es rein investieren können und wir haben auch keinen Zins anzubieten, weil das Geld auf der Bank „herumliegen wird“. Tja, so macht man eben keine Geschäfte: „Sie können mir gerne ihr Geld geben, ich stopfe es mal unter mein Kopfkissen….“ Niemand macht das. Und so bekam die Welt eine ganze Reihe von Blasen – und damit meine ich nicht Herpes, sondern Scheininvestments.

      Die erste Blase kündigte sich um das Jahr 1988 an, als es zu einem scharfen Einbruch am Aktienmarkt kam. Damals amtierte Herr Greenspan noch. Greenspan reagierte darauf mit weiteren Zinssenkungen. Der Aktienmarkt erholte sich, weil man mit der wunderbaren Erfindung der „Globalisierung“ den großen Investoren weitere „Geschäfte“ anbieten konnte. 1995 war dieser Traum dann auch zu Ende. Hier sei erinnert an den guten alten Nick Leeson, der ja Derivatehändler war und die Baringsbank in den Bankrott trieb. Der damalige Einschnitt war in den asiatischen Märkten sehr stark. Anschließend erfand man eine weitere Blase, nämlich die dotcom Blase. Das Geld wurde fröhlich in nichts produzierende Internet Unternehmen gesteckt die keine Gewinne erwirtschafteten. Dieser Traum endete dann 2001, aber danach hatte man ja die Immobilienblase, ebenfalls eine Folge der Politik des billigen Geldes, in die man sein Geld stecken und dann verlieren konnte. Am Ende der Immobilienblase kam es zum Ausbruch der sogenannten Finanzkrise.

      Prof. Hankel rennt schon 20 Jahre herum und weist darauf hin, dass der Aktienmarkt eine Blase ist – und er hat Recht damit. Übrigens interessiert das in den Mainstream Medien keine Sau! Hankel wies übrigens ebenfalls in einem Vortrag darauf hin, dass es die Politik war, die den Interbankenmarkt (Banken leihen sich untereinander an den Zentralbanken vorbei Geld aus) zugelassen hat und die es zugelassen hat, dass ein nicht durchschaubares Schattenbankensystem entstand. Es war auch die Politik, die es zulässt, dass Banken durch die Reihe mit Rücklagen von oft weniger als 7 Prozent vom Gesamtvolumen Geschäfte tätigen kann. Die Rücklagen der Deutschen Bank liegen meines Wissens aktuell bei gerade einmal 7 Prozent und sie ist damit schon gut dabei, andere Banken haben weniger Sicherheiten für Ausfälle. Kurzum: Es war politisch gewollt, den Finanzsektor durch billiges Geld in solche „Blasengeschäfte“ zu treiben und es war politisch gewollt, das alles nicht zu regulieren. Es handelt sich um eine „Ehe von Politik und Finanzmarkt“, die diese ganze Situation geschaffen hat. Und so ist es insbesondere politisches Handeln, das zu der beschriebenen Lage geführt hat.

      Natürlich geschah dies auch zum Nutzen und Frommen der westlichen Staaten. Banken haben billiges Geld bekommen und kaufen damit Staatsanleihen und finanzieren damit die laufend steigende Verschuldung der Staaten, die damit Wahlgeschenke und Wohltaten für ihre Klientel bereit halten um damit eine wunderschöne, lang währende Party zu feiern. Zwar sind es Politiker-Vollpfosten, die das alles machen, aber solange die Party weiter läuft fühlen sich auch Vollpfosten wirklich wohl! Es ist ja nicht so, dass die von Banken geliehenen Gelder der Staaten zu nichts nutze gewesen wären… Also merke: Billiges Geld, von Staats wegen verordnet, finanziert die Staatsverschuldung via Ausgabe von Staatsanleihen. SO wurde diese Ehe von Finanzwirtschaft und Staat weiter geführt – letztlich zum Schaden von uns allen.
      Nun sind wir im Zuge der Finanzkrise eben bei der Staatsschuldenkrise angekommen, weil Staaten diese ganze Entwicklung zugelassen haben. Am Anfang steht das Staatsversagen und das schon seit langer Zeit. Und nun läuft es eben so, dass Staaten via Troika oder in den USA via FED versuchen, die Ausfälle durch Steuergelder zu finanzieren. „Die Griechen“ bekommen kein Geld, sondern die Investoren die die Ausfälle haben weil sie marode Staatsanleihen gekauft haben, die bestimmte Staaten nicht mehr bedienen konnten. Und so ist die Kumpanei perfekt. Der Staat animierte den Finanzsektor, billiges Geld in Scheingeschäfte und faule Staatspapiere zu stecken und weil diese Spielchen nun nicht mehr aufgehen, haut er es dem Steuerzahler auf die Birne.

      Sie haben Recht damit, dass wir auf einem riesigen Scheinsystem sitzen. Anhand des Artikels über Rogoffs 90 Prozent Posse kann man aber sehen, dass in der Praxis derzeit bestimmte Kreise in den USA bestimmen wer den Gürtel enger schnallen „darf“ und wer weiter Party machen darf. Die USA haben weiter Party und die Griechen dürfen den Gürtel enger schnallen. So wird das im Moment gehandhabt. Und der NSA – Skandal gibt Indizien dafür, wo die Reise hingehen soll….
      Ich hoffe ich habe einige Anregungen für die Position gegeben, dass Staatsversagen die Ursache der ganzen Malaise ist. Ich gehe dabei von dem aus, was mir an Fakten vorliegt. Halten sie dagegen? Ich lerne gerne dazu.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ihr

      fortunato

      • Avatar von SiSo

        SiSo said

        SgH. Fortunato,

        “ … die damit Wahlgeschenke und Wohltaten für ihre Klientel bereit halten um damit eine wunderschöne, lang währende Party zu feiern.“ Ich weiss noch nicht, was Sie unter Party verstehen, aber 5 € mehr im Monat dürfte wohl für eine Party kaum ausreichen. Wer feiert welche Parties? Wen meinen Sie mit diesem Vorwurf und um welche Summen geht es bei welcher Party? Parties haben doch nur die Eigentümer von S&K gefeiert.

        Meine provozierende Frage: Sie kennen sicher das „Klientel“. Welches Szenario stellen Sie sich vor, wenn Sie das „Klientel“ an sprechen?

        Ihr Fazit ist, dass das Dilemma eindeutig seinen Ausgang in der Finanzwirtschaft genommen hat. Es danach zur Wirtschaftskrise gekommen ist, die letztlich mit der Übernahme der marode gewordenen Forderungen durch die Staaten zu einer Staatsschuldenkrise geworden ist.

        Großbritannien
        Gesamtverschuldung: 847 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, darunter: Banken: 547 Prozent, Unternehmen: 118 Prozent, private Haushalte: 101 Prozent, Staat: 81 Prozent.

        Irland
        Gesamtverschuldung: 1166 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, darunter: Banken: 689 Prozent, Unternehmen: 245 Prozent, private Haushalte: 123 Prozent, Staat: 109 Prozent.

        Belgien
        Gesamtverschuldung: 435 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, darunter: Unternehmen: 175 Prozent, Banken: 112 Prozent, Staat: 95 Prozent, private Haushalte: 53 Prozent

        „Unternehmen rufen nicht nach Staatsknete“. Wozu auch, sie gehen einfach in die Insolvenz und schaffen für die Gesellschaft über diesen Weg jede Menge an gesellschaftlichen „Transaktionskosten“. Wieso glauben manche Ökonomen, dass man diese traditionellen gesellschaftlichen Kosten durch genau definierte Eigentumsrechte in den Griff bekommen kann. Wieso glauben die meisten Ökonomen, dass man die Wirtschaft durch genau definierte Eigentumsrechte in den Griff bekommen kann. Andere denken, eine wohlwollende Regierung werde diese Kosten im Interesse der Gesellschaft schon irgendwie kontrollieren. Ebenso blind sind Ökonomen für die sozialen Kosten von Deregulierung. Die anhaltende Finanzkrise, zu deren Linderung öffentliche Gelder in massivstem Umfang in „systemrelevante Banken, die zu groß sind, um pleitegehen zu dürfen“ gepumpt werden, ruft immense gesellschaftliche Kosten hervor. Erinnern Sie noch an die Jubelmeldungen all Überall, als der Glass-Stegall-Act in den USA gekippt wurde, in D, unter Beratung von Ackermann, damit Deutschland nicht ins Hintertreffen zu London, New York gerate, es Wachstum gebe en masse. Politikern heute alleine die Schuld geben zu wollen trifft die Sache nicht. Ohne „wissenschaftliche, ideologische“ Beratung durch Ökonomen hätten die Politiker die „Deutschland AG“ bei behalten.

        Wahrscheinlich ist meine Frage untergegangenen. Gibt es eine Arbeit, wie die von Rogoff, die die Frage auf wirft, wann eine Volkswirtschaft als überschuldet zu gelten hat. Gibt es eine Arbeit, die die Frage beantwortet, warum die Sektoren Unternehmen, Finanzindustrie und private Haushalte erst bei eigener Verschuldung von je 160 % des BIP, in derSumme 480 % des BIP, zu einer Gefahr für die Volkswirtschaft wird. Was hindert die EU, die WiWis daran für diese Sektoren ebenfalls die Grenze bei 90 % an zu setzen. Welche Grenze setzen Sie für einzelnen Sektoren einer Volkswirtschaft an?

  3. Avatar von kissy&lucky-Das Mutmacherblog für alle,die "ganz unten" sind und nicht mehr weiter wissen

    neuesdeutschesreich said

    Reblogged this on neuesdeutschesreich.

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