von Susanne Kablitz
„Die Meere der Welt werden von einer Kreatur beherrscht, die Jahrmillionen der Evolution ohne Veränderungen überlebt hat. Eine gefühllose Bestie ohne Verstand. Sie lebt um zu töten. Eine hirnlose, alles verschlingende Maschine. Sie greift jeden und jedes an und verschlingt alles, was sich bewegt. Es ist, als hätte Gott den Teufel in dieser Gestalt erschaffen und ihm einen Rachen gegeben.“
Dies ist der Text aus dem deutschen Trailer zu „Der weiße Hai“ aus dem Jahr 1975. Ein Schocker damals und mit Sicherheit einer der Gründe, warum der eine oder andere es überhaupt nicht witzig findet , wenn ihm beim Schwimmen im Meer jemand in die Füße zwickt. Man munkelt, dass dieser Scherz der einen oder anderen Partnerschaft den Garaus gemacht haben soll.
Nun, inzwischen haben wir wohl lernen dürfen, dass dem Tierchen da gewaltiges Unrecht getan wird und die Wahrscheinlichkeit als Frühstück im Schlund eines Hais zu landen, eher gering ist. Trotzdem halten sich manche Legenden hartnäckig, da hilft auch die Realität nicht weiter. Haie sind Menschenfresser. Punkt! Was kümmern mich Fakten, wenn ich eine Meinung habe?
Als ich mich mit dem gesprochenen Text allerdings näher beschäftigte, fiel mir auf, dass die Beschreibung zwar nichts mit der Gattung der Haie zu tun hat, allerdings eine erstaunliche Ähnlichkeit mit unserem Geldsystem aufweist. Sie finden das übertrieben? – Nun sehen wir uns das genauer an.
In der Tat gibt es unser derzeit bestehendes Geldsystem noch nicht so sehr lang – bis zum Jahr 1971 war unser Papiergeldsystem zumindest noch teilweise durch gewisse Werte gedeckt. Die Werte waren zwar seit „Bretton Woods“ eher zweifelhaft, aber im Vergleich zu dem, was seit 1971 in der Welt los ist, war dies zumindest die ansatzweise Wahrung gewisser Werte. Das inzwischen vollkommen ungedeckte Papiergeldsystem, mit dem die Menschheit seit den Tagen der Installierung von Zentralbanken mit freundlicher Unterstützung der jeweiligen Regierungen, drangsaliert und enteignet wird, ist in der Tat eine gefühllose Bestie ohne Verstand.
Diese Bestie lebt, um zu töten… auch dies in der Tat, nur geschieht es höchst subtil. Hier rennt nicht jemand als Kettensägenmörder durch die Gegend und massakriert Menschen sondern diese Bestie des ungedeckten Papiergeldes mordet leise und langsam. Sie mordet hinterlistig – und das ist das Erhebende daran – sogar mit Einverständnis der Opfer. Das ist so, als wenn Sie sich dem Hai ins Maul legen würden und bitten: „ Beiß´ zu – ich steh auf Schmerz!“
Die Bestie des ungedeckten Papiergeldsystems nimmt den „normalen“ Menschen alles weg, wofür sie ihr ganzes Leben lang arbeiten, es verteilt das gesparte Vermögen auf höchst faszinierende Weise an die um, die sich auf Kosten derer bereichern, die an die Weisheit glauben, dass man nur das ausgeben kann, was man vorher gespart hat. Diejenigen, die aber etwas gespart und auf Konsum verzichtet haben, diejenigen, die nicht daran glauben, dass Wohlstand durch Schulden entsteht, müssen sich leider wie schon oft in der Vergangenheit als spießig und langweilig degradieren lassen.
„Wenn wir jetzt keine Schulden machen, dann geht die Welt unter! „ oder „Wenn wir weiter „sparen“, geht alles den Bach runter!“ Das sind übrigens Lieblingsfloskeln derjenigen, die permanent über ihre Verhältnisse gelebt haben und nun das süße Leben aus faktisch nicht vorhandenem Geld weiter fortführen wollen.
„Was kümmert uns die Staatsverschuldung? –Schafft die Zinsen am besten ganz ab, dann ist die gar nicht so schlimm!“
John Maynard Keynes, der zum Gottvater der Wirtschaft erhoben wurde, fand passende Worte dafür, dass – falls sein Rezept statt zur zuckersüßen Marzipantorte eher zum versalzenen Trockenkuchen führen würde – klare Worte: „ In the long run, we are all dead!“

