Alarmlampe blinkt (mal wieder …)
Verfasst von: krisenfrei - 25/06/2013
von Gerhard Spannbauer (krisenvorsorge)
Möglicherweise wird in einem Jahr irgendjemand aus den oberen Weltführungsetagen ganz nebenbei zugeben, dass wir im Juni 2013 wieder einmal ganz kurz vor dem endgültigen Kollaps standen. Und selbst das werden, wie schon einige Male vorher, 95% der Menschen gar nicht wahrnehmen. Man wiegt sich in Sicherheit und gewöhnt sich an das Leben einen Zentimeter neben der Klippe.
Seit Freitag letzter Woche zeichnet sich der unvermeidliche Bondcrash ab. Die Staatsanleihen sind eine der größten Blasen, die jemals auf dem Finanzmarkt aufgepumpt worden sind. Die bankrotten Staaten müssen alle ständig neue Schulden aufnehmen, um alte Schulden überzurollen und die (bisher absurd niedrigen) Zinsen zu zahlen. Der freie Finanzmarkt weiß natürlich, dass die Staaten in Wirklichkeit umso zahlungsunfähiger sind, je überschuldeter sie werden. Also verlangen die „echten Investoren“ hohe Zinsen, damit sich das Risiko auch lohnt. Diese können die Staaten nicht tragen und daher haben die Zentralbanken wie Fed und EZB schon lange mit riesigen Ankäufen von Staatsschulden (Bonds) die Länder indirekt finanziert.
Trotz aller Gelddruckerei der Zentralbanken steigen seit einigen Wochen die Zinsen auf US-Staatsanleihen an, obwohl die Fed bereits der Hauptaufkäufer ist. Schon im Februar machte man sich in der privaten US-Notenbank Gedanken, wie man den Risiken (Inflation) der künstlichen Niedrigzinspolitik begegnen könne. Dann deutete Fed-Chef Ben Bernanke am letzten Freitag an, die Politik der Geldschwemme möglicherweise Ende des Jahres beenden zu wollen. Das reichte schon – und sorgte auf der Stelle für Angst im Finanzmarkt.
Die Börsen stürzten ab, der Abverkauf der Aktien begann. Am Montag ging die Talfahrt weiter fort; alle Anlageklassen fielen, einschließlich die der Edelmetalle. Aber ganz besonders erwischte es die US-Staatsanleihen. Innerhalb kurzer Zeit stiegen die Renditen vom April 2013 von 1,6% auf nun 2,4%. Noch ist es keine regelrechte Panik, doch weltweit kennen die Aktienmärkte und Fonds nur noch eine Richtung: Nach unten.
Starinvestor Marc Faber sieht nicht, dass die Fed diesen Kurs tatsächlich halten kann: „Wenn Sie glauben, dass (Bernanke) meint, was er sagt, dann glauben Sie an den Weihnachtsmann“, sagte Faber im Interview mit Bloomberg. Der Fed-Chef schränkte seine Aussage nämlich gleichzeitig ein. Wenn sich die US-Wirtschaft nicht innerhalb eines Jahres gut entwickle, dann werde man „zusätzliche Maßnahmen“ prüfen, die nichts anderes als QE (Quantitative Easing) Nummer 4, 5, oder sechs sein können. Marc Faber selbst gehört dennoch weiterhin zu den Goldkäufern, gerade jetzt, bei fallenden Preisen.
Ein Alarmsignal dafür, dass die Situation mehr als kritisch ist, dürfte die plötzliche Kehrtwende Jens Weidmanns, des Chefs der Deutschen Bundesbank sein. Ausgerechnet der größte und beharrlichste Kritiker der Offenen-Geldschleusen-Strategie der EZB springt Draghi nun zur Seite. Zwar halte er die Staatsanleihenaufkäufe der EZB weiterhin für „grundsätzlich problematisch“, aber die Europäische Zentralbank wolle ja immerhin „nicht unbegrenzt“ Bonds kaufen. Das neue Programm sehe ja durchaus Beschränkungen bei dieser Vorgehensweise vor. Andererseits sieht dasselbe Programm aber auch vor, dass diese Einschränkungen wieder gestrichen werden können. Das OMT-Programm, von dem Weidmann spricht, wurde bisher – aus naheliegenden Gründen – noch nicht veröffentlicht, was auch weiterhin nicht geplant ist.
Könnte es sein, dass die vorsichtige Andeutungen Bernankes, die sofort zum Absturz der Börsenkurse führte, den Europäern eine Warnung war? Heißt die Devise gerade „Maul halten, lächeln und weiter drucken“?
Die plötzlich in China aufflammende Krise trägt auch nicht gerade zur Beruhigung und Stabilisierung der Finanzmärkte bei. Die Lage ist dort ähnlich wie im Westen 2008. Die chinesische Regierung dementiert entschieden die Meldungen über die Zahlungsunfähigkeit des Riesen „Bank of China“. Der Interbankenmarkt ist dort fast zum Erliegen gekommen. Das große Misstrauen untereinander drückt sich in Zinssätzen von bis zu 25 % aus. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Banken im großen, selbstbewussten Reich der Mitte genauso pleite sind, wie die in Europa und den USA. In den USA war es die Hypothekenkrise, in Südeuropa sind es die Konsumkredite und in China sind es die außer Kontrolle geratenen Infrastrukturprojekte – insbesondere die wild in die Steppe gebauten Geisterstädte. Nun tun die Chinesen genau das, was die westlichen Notenbanken auch gemacht haben: Sie verteilen massiv Geldspritzen. Wie so etwas weitergeht, wissen wir.
Am gestrigen Montag fielen darauf die Aktien an den asiatischen Börsen noch einmal steil um 5,3 % in die Tiefe und somit unter die 2000-Punkte-Marke des Shanghaier Aktienindex. Das ist der niedrigste Stand seit Januar 2009.
Auch im Westen ist der Interbankenmarkt fast zum Erliegen gekommen. Die Geldhäuser verweigern sich gegenseitig Kredite. Fachleute warnen, dass nur noch die Einlagen der Sparer die Situation halbwegs stabil halten.
Das ratlos-panische Agieren der globalen Notenbanken hat nun erstmals zu einer scharfen Rüge der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) geführt. Diese könnte man als die Weltzentralbank bezeichnen. Sie gab in ihrem „Annual Report 2012/2013“ vom 23. Juni 2013 in der Einleitung einen denkwürdigen Rat an die Notenbanken (übersetzt aus dem Englischen):
„… Seit 2007 haben die Aktionen der Zentralbanken den Finanzkollaps verhindert. Weitere Versorgung und Darlehen verschaffen Zeit, damit andere handeln können. Doch diese Zeit muss weise genutzt werden. …“
Liebe Leser, ist es nicht interessant, dass die BIZ hier selbst sagt, die Zentralbanken kämpfen seit 2007 gegen den Finanzkollaps? In demselben Jahresbericht fordert die BIZ, die Zentralbanken müssen einen Ausstieg aus ihren falschen Strategien finden. Im Kapitel 4 „Geldpolitik am Kreuzweg“ steht zu lesen:
„Nur monetäre Anreize allein können keine Antwort sein, denn die Wurzel der Probleme ist nicht monetär. Die Zentralbanken müssen es schaffen, zurückzukehren zu einer stabilisierend wirkenden Rolle. Sie müssen ermöglichen, dass der harte, aber notwendigen Prozess der Anpassung durchlaufen wird.“
Ein solcher „harter Anpassungsprozess“ steht uns also möglicherweise jetzt bevor. Was das bedeuten würde, werden wir dann bald erfahren. Sind Sie vorbereitet?
Quelle: krisenvorsorge

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