krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Archive for 6. März 2013

Renten

Posted by krisenfrei - 06/03/2013

von Gert Flegelskamp (flegel)

Rente ist ein immerwährendes aktuelles Thema. Zwar habe ich in vielen Beiträgen schon versucht, die Zusammenhänge zu erklären, aber eine ständige Wiederholung halte ich dennoch für angebracht, vor allem weil ich im Stern eine Animation zum Thema gefunden habe, die Arbeitnehmer in die Riesterfalle locken soll. Die Riester-Rente ist aus meiner Sicht eine Falle, warum, das erläutere ich später. Nun versuche ich, anhand der verwendeten Begriffe und oft falschen Aussagen dazu meine Sicht zu erläutern. Es wird ein ziemlich langer Bericht werden, aber wer ein ganzes Arbeitsleben lang Beiträge in die Rentenversicherung zahlt und später dafür eine Rente erhalten will, sollte sich die Zeit nehmen, den Beitrag aufmerksam zu lesen, denn er soll vor allem mit den vielen Unwahrheiten seitens Arbeitgeberverbänden, für Versicherungskonzerne arbeitenden „Rentenexperten wie Meinhard Miegel, Bert Rürup, Bernd Raffelhüschen usw.“ und so genannten Think Tanks wie das IZA-Institut, das HWWI oder die INSM aufräumen. Zunächst mal die verschiedenen Rentensysteme.

Rentenarten

Das ist ein für jedermann bekannter Begriff. Allerdings wissen viele Menschen eben nicht, dass es sich nicht um ein einheitliches System handelt. Es sind unterschiedliche Systeme, die allerdings oft missbräuchlich angewendet werden. Was für Systeme gibt es?

Die GRV

Die gesetzliche Rentenversicherung, kurz GRV. Jeder abhängig Beschäftigte, kurz Arbeitnehmer genannt, zahlt von seinem Arbeitslohn einen bestimmten Prozentsatz in die GRV zur Alterssicherung ein. Der Arbeitgeber zahlt für ihn den gleichen Prozentsatz ein. Diese Rentenversicherung ist eine Pflichtversicherung, der sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht verweigern können. Die Beitragszahlungen sind gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Für Einkommen oberhalb der BBG werden keine Beiträge mehr erhoben und bleiben auch ohne Einfluss auf die Rentenzahlungen. Die BBG geht dabei von den monatlichen Zahlbeträgen aus. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer, der an sich mit seinem ganzen Lohn versicherungspflichtig ist, bei gezahlten Sonderzahlungen wie z. B. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Sonderprämien in dem Monat, in welchem die Zahlungen erfolgen, mit seinem Einkommen über der BBG liegen kann und damit nur im betreffenden Monat bis zur BBG Pflichtbeiträge zahlt. Folglich stimmt das steuerpflichtige Einkommen nicht unbedingt mit dem sozialversicherungspflichtigen Einkommen überein.

Die im Laufe eines Jahres erhobenen Beträge werden im Verhältnis zu einem vom Staat definierten Durchschnittseinkommen zu Entgeltpunkten. Dabei wird das kumulierte Beitragsaufkommen des Jahres durch den Durchschnittsverdienst geteilt und das Ergebnis mit 4 Stellen nach dem Komma als erreichte Entgeltpunkte dem Rentenkonto des Arbeitnehmers gutgeschrieben. Zum Zeitpunkt des Renteneintritts werden alle im Laufe des Arbeitslebens erreichten Entgeltpunkte addiert und mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert, vorausgesetzt, der Arbeitnehmer hat mindestens 5 Beitragsjahre eingezahlt.

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Was ist wertloser ?

Posted by krisenfrei - 06/03/2013

Marktkommentar – Februar 2013

 von Mack&Weise

„Es gibt keinen Währungskrieg!“ Auch wenn der OECD-Generalsekretär Gurría dieses der Welt als ein Ergebnis des im Februar in Moskau veranstalteten G20-Gipfeltreffens versicherte, ist es doch bemerkenswert, dass sich die Staatengemeinschaft mit den (gewollten oder ungewollten) Nebenwirkungen des unbegrenzten Gelddruckens inzwischen auch offiziell auseinandersetzen muss. Selbst aber wenn die G20-Protagonisten nun erklärterweise ihre „Wechselkurse nicht zu Wettbewerbszwecken vorherbestimmen“ wollen, wird es der internationalen Staatengemeinschaft aufgrund nationaler Zwänge nur schwer gelingen aus der Logik der Abwertungswettläufe auszusteigen. Da sich damit im globalen Geldsystem, wie auch von Mexikos Zentralbankchef Carstens befürchtet, dann der „perfekte Sturm“ zusammen braut, wird es zunehmend wahrscheinlicher, dass es, ausgehend von den aufstrebenden Schwellenländern, die, so der Deutsche-Bank-Ex-Chefökonom Mayer „ihren Wohlstand nicht länger vom westlichen Schuldgeldsystem abhängig machen wollen“, zu einer Neuordnung des Weltwährungssystems kommen wird.

Auch wenn der Vorsitzende des Brüsseler Zentralkomitees Barroso die Eurokrise bereits für beendet erklärt hatte, muss man davon ausgehen, dass die Krise in Wirklichkeit gerade erst zu eskalieren droht. Dabei richtet sich der Blick weniger auf Griechenland, das schon wieder den nächsten Schuldenschnitt fordert und auch nicht auf den gerade für systemrelevant (!) erklärten Zwerg-Staat Zypern, der für seine maroden Banken einen Betrag von „nur“ 17 Mrd. Euro, also 100% der Jahreswirtschaftsleistung, verlangt, sondern auf die desolate Lage in Spanien, Italien und Frankreich. In Spanien erreichte die den sozialen Frieden immer stärker gefährdende Arbeitslosigkeit inzwischen ein Rekordniveau von unfassbaren 26,2% (Jugendarbeitslosigkeit 55,5%), während das Land im „Jahr des Sparens“ 2012 gleichzeitig ein neues Rekorddefizit von 146 Mrd. Euro (!) zu verzeichnen hatte.

Der „falsche“ Wahlausgang in Italien, wo die Euro-Politiker Monti und Bersani sich nicht durchsetzen konnten, und der Politclown Berlusconi und der einstige politische Kabarettist Grillo triumphierten, dürfte die Euro-Politiker jäh aus ihren „Die Krise ist beendet“-Träumen gerissen haben. Sowohl Grillo als auch Berlusconi fordern eine Neuverhandlung der untragbaren italienischen Schuldenlast und drohten sogar schon mit der Wiedereinführung der Lira!

Dem nicht genug lassen aber vor allem auch die immensen wirtschaftlichen Probleme Frankreichs mehr als nur Zweifel am Erfolg der bisherigen Euro-Rettungspolitik aufkommen. „Die sind gerade dabei, grandios abzustürzen“, befand jüngst Rainer Brüderle, und auch die Deutsche Bank befürchtet beim wichtigsten Handelspartner Deutschlands ein „Grand désastre“, während der französische Arbeitsminister Sapin seine sozialistische Grande Nation sogar bereits als „vollkommen pleite“ bezeichnete! Insgesamt 4,97 Millionen Arbeitslose und Unterbeschäftigte sowie 26,9% Jugendarbeitslosigkeit dokumentieren die stetig sinkende Wettbewerbsfähigkeit des Landes eindrucksvoll, während sich die ausgabenfokussierte französische Politik (Sozialausgaben: 24% vom BIP, 56% Staatsquote!) angesichts einer stets „auf Krawall gebürsteten“ Bevölkerung scheut, endlich die längst überfälligen Reformprozesse in Gang zu setzen.

Spätestens aber, wenn auch noch die Immobilienpreisblase in Frankreich platzt, werden die mit 7,9 Billionen Euro verschuldeten französischen Banken (398% vom 2012er BIP) das Eurosystem vor Probleme stellen, die nicht einmal die vom EU-Schattenkanzler Draghi gesteuerte EZB per Druckerpresse lösen könnte – jedenfalls nicht, ohne einen totalen Vertrauensverlust in die Esperanto-Währung zu riskieren! EU-Parlamentspräsident Schulz ahnt also wahrscheinlich nicht zu Unrecht: „Ich glaube, dass die EU tödlich bedroht ist.”

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Die Aktienmärkte zeigten sich im Februar zwar volatil, aber dennoch blieb die Stimmung der Investoren unverändert sehr bullish. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass die Aktienkurse mit dem Argument der Alternativlosigkeit und in Erwartung noch umfangreicher  Gelddruckaktionen in noch luftigere Höhen getrieben werden, doch wie lange noch werden die Investoren die sich häufenden Negativnachrichten von der Konjunkturfront und die jetzt offen zu Tage tretenden Risiken im Weltwährungssystem ausblenden? Noch prognostizieren die daueroptimistischen Analysten unverdrossen zweistellige Zuwachsraten bei den Unternehmensgewinnen, aber angesichts der fragilen Wirtschaftslage in Europa, in den USA (Sequester, Schuldenobergrenze) als auch in China mahnt PIMCO-Manager Gross unseres Erachtens zu Recht: „Die aktuellen Prognosen, dass die Gewinne [der US-Konzerne] in den nächsten beiden Jahren um bis zu 13% zulegen, ist nicht extrem, sondern absurd.“

Die Geduld der Edelmetallinvestoren wurde auch im Februar einmal mehr auf eine harte Probe gestellt, zumal die Edelmetallmärkte auffällig häufig und dann meist auch noch binnen kürzester Zeit von massiven Verkaufswellen an der Terminbörse Comex erfasst wurden. So wurden allein am 15.02. 200 Mio. Unzen (Papier-)Silber – 26% (!) der Jahressilberproduktion 2012 – gehandelt, in nur … 60 Sekunden!

US-Dollar und Gold - Was wird wertloser?

Da die „massive Manipulation“ (F. Hellmeyer, Bremer Landesbank) die Preisentwicklung der Edelmetalle jedoch nur temporär beeinflussen kann, und diese schlussendlich immer der Spur der Druckerpresse folgen (siehe Chart) haben wir die „rabattierten“ Preise zu Nachkäufen sowohl von Gold als auch von ausgewählten Edelmetallminenaktien genutzt. Diese notieren inzwischen 45% unter ihren Höchstständen auf den Vorkrisenniveaus von 2006/2007, und das bei durchschnittlich fast doppelt so hohen Gewinnen. Insbesondere nach der zuletzt positiven Berichtssaison des Sektors sehen wir die Werte als extrem unterbewertet an.

M & W Marktkommentar M & W Marktkommentar 2013-02

Quelle: Mack&Weise

 

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Geldsystem – Insider – Prof.Dr. Hankel im Gespräch

Posted by krisenfrei - 06/03/2013

Hankel ist der Ansicht, dass die Gemeinschaftswährung für Europa und Deutschland der falsche Weg sei, um zur erstrebten politischen Union zu gelangen. Sie belaste Deutschland einseitig als Wachstumslokomotive und mache sie zum Schlusslicht im innereuropäischen Expansionsprozess. Mit dem Verzicht auf die DM habe Europa seinen Stabilitätsanker verloren, während die deutsche Volkswirtschaft ihre Chance verspielt, ihr hohes Lohnniveau und ihren für die übrigen EU-Staaten beispielhaften Sozialstandard über niedrige Realzinsen und hohe Aufwertungsgewinne auszugleichen.

Aus Hankels Sicht verliert Deutschland den Doppelvorteil seiner hohen Sparquote sowie seiner Export- und Leistungsbilanzüberschüsse, der zweithöchsten der Welt. Die in Deutschland spätestens seit der Einführung der Agenda 2010 immer wieder bemühte demographische Entwicklung sieht Hankel nicht als Problem: Ob die beruflich aktive Generation für eine wachsende ältere Generation durch Rentenbeiträge oder durch Mieten, Pachten und Zinsen zur Kasse gebeten wird, maßgeblich als Verteilungsmasse der Gesamtbevölkerung steht immer nur die durch die beruflich aktive Generation erzeugte Menge an Waren und Dienstleistungen zur Verfügung. Rentenbeiträge wie Miet- und Zinseinnahmen sind nur unterschiedliche Verteilungswege. „We owe it to ourselves“ (engl. für ‚Wir schulden es uns selbst‘) war bereits in den 1980er Jahren die Erkenntnis in der damaligen Verschuldungsdebatte. Er verweist auf die Kontroverse zwischen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard bezüglich kapital- oder umlagefinanzierter Rente. Als Erhard begriff, dass bei einer angenommen vollständig kapitalgedeckten Rentenversicherung auch der Kapitalmarkt praktisch vollständig in deren Hand sei, habe er sich schnell für das noch heute aktuelle Umlageverfahren entschieden.

Deshalb hatte Hankel mit den Professoren Wilhelm Nölling, Joachim Starbatty und Karl Albrecht Schachtschneider 1997 Klage beim Bundesverfassungsgericht gegen den Vertrag von Amsterdam zur Einführung des Euro eingereicht, die jedoch nicht erfolgreich war.

Im April 2010 empfiehlt Hankel Griechenland wie anderen gefährdeten Mitgliedern der Eurozone, am besten zur eigenen Währung zurückzukehren.[3] Am 7. Mai 2010 reichten Joachim Starbatty, zusammen mit Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider sowie Dieter Spethmann, gegen den Milliardenkredit für die Griechenland-Hilfe vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Klage ein. Nach deren Meinung verstößt der Milliardentransfer gegen EU-Recht, Artikel 125,“….Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen, der regionalen oder lokalen Gebietskörperschaften oder anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, sonstiger Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentlicher Unternehmen eines anderen Mitgliedstaats und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein; dies gilt unbeschadet der gegenseitigen finanziellen Garantien für die gemeinsame Durchführung eines bestimmten Vorhabens.“ und das deutsche Grundgesetz. Das Bundesverfassungsgericht hat die Klage mittlerweile angenommen und den Beteiligten (Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat) seit einem Jahr zur Stellungnahme vorgelegt.

 

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Volldemokraten

Posted by krisenfrei - 06/03/2013

von Michael Winkler (der 423. Pranger)

Wir lernen alle in den Schulen, daß die Demokratie die beste Regierungsform aller Zeiten ist. Das haben Schulen so an sich, zumindest, wenn sie dank staatlicher Finanzierung und mit staatlichen Lehrplänen arbeiten. Die Schulen der DDR sagten das Gleiche über den Sozialismus, jene in Nordkorea verherrlichen den Lieben Führer und hier in Merkeldeutschland wird eben links-grün indoktriniert.

In der papierenen Theorie sind natürlich alle Regierungssysteme gut, sogar der tyrannische Despotismus eines Besatzerregimes. Allerdings erfordern diese Theorien an den entscheidenden Stellen selbstlose Halbgötter, die klar über allen menschlichen Charakterschwächen stehen. Ohne diese Lichtgestalten verkommt praktisch jedes Regierungssystem zu einem Sumpf an menschlichen Schwächen.

Mir wurde einmal eine Utopie vorgestellt, in der Demokratie funktioniert. Eine Gemeinde aus 500 Menschen sei demnach die Grenze, bei der jeder jeden kennt und auch einzuschätzen vermag. Die wenigen Ämter in dieser Gemeinde wären in Teilzeit und ehrenamtlich zu erfüllen, höchstens ein Gemeindeschreiber oder eine Gemeindesekretärin wären als Angestellte nötig. Die Gemeinde sei groß genug, um alle notwendigen Berufe vorzuhalten, und gleichzeitig klein genug, um ihre Probleme auf einer Ratsversammlung zu lösen.

Ich gebe zu, die 500-Seelen-Gemeinde hat ihren Reiz, sie hat aber auch ihre Beschränkungen. Sie wäre fähig, mittels Köhlern, Rasenerz und Rennofen ein paar Rohstoffe zu gewinnen. Das hat vor 2.000 Jahren bei den Germanen funktioniert. Sobald aber Bergbau ins Spiel kommt, wird die Gemeinde gesprengt. Immerhin, es wären Bergbaudörfer denkbar, die gegen ihr Roheisen bei anderen Dörfern eintauschen, was sie nicht selbst herstellen können.

Wirklich kritisch wird es bei den Schulen. Gehen wir von einer vernünftigen Altersstruktur aus, haben wir 150 bis 200 Kinder und Jugendliche, davon etwa 100 im schulpflichtigen Alter. Die 500-Seelen-Gemeinde kann diesen Kindern eine Zwergschule bieten, eine Volksschule, wie es sie früher gegeben hatte, mit mindestens zwei Klassen in einem Schulsaal, mit einem Lehrer. Ein Gymnasium kann die Gemeinde nicht unterhalten, schon gar keine Universität. Das Gymnasium müßte ein Mittelzentrum bieten, die Universität ein Oberzentrum, und beide wären größer als die 500-Einwohner-Grenze erlaubt.

Gehen wir einen Schritt weiter. Eine 500-Seelen-Gemeinde kann keine Automobile bauen, sie kann kein Krankenhaus unterhalten. Es ist ein schöner Gedanke, aber leider eine Utopie. Die direkte Demokratie, bei der jeder jeden kennt und einschätzen kann, mag in Dörfern und Stämmen zur Germanenzeit funktioniert haben, heute ist sie nicht mehr praktikabel.

Aus der Germanenzeit stammt ein weiteres Konzept: die Fürsten. Der Stammesführer der Germanen war ihr Herzog, also derjenige, der vor den Anderen her zog, sie also in die Schlacht führte. Der germanische Fürst war jemand, der auf seinen Feldern bessere Erträge erwirtschaftete, der bei Händlern bessere Geschäfte abschloß und der sich im Kampf als besserer Krieger bewährte. Dieser Fürst war echter Verdienst-Adel, er hatte seine Stellung auf Grund persönlicher Verdienste erworben. Die Söhne eines solchen Adligen hatten einen gewissen Vorteil in ihrem Leben, doch wenn sie die damit verbundenen Erwartungen nicht erfüllten, nützte ihnen die Stellung des Vaters nichts.

Kehren wir nach diesem Ausflug zur besten aller Staatsformen zurück, der Demokratie. Wie viele andere auch, ist sie die Beste aller Staatsformen für eine kleine Minderheit, die von ihr in hohem Maße profitiert. Werfen wir einen Blick auf die frühen Republiken in Griechenland und Rom, so sehen wir, daß dort neben der Machtübertragung auch eine Machtkontrolle existierte. Athen und später Rom waren als Gemeinwesen zu groß geworden, als daß es eine Volksversammlung regieren konnte. Deshalb wurden dort Vollzeit-Magistrate eingeführt, mit herrschergleichen Rechten. Den attischen Archonten drohte immer das Scherbengericht und damit die Verbannung, das Amt wurde zunächst auf Lebenszeit vergeben, später auf zehn Jahre und schließlich auf ein Jahr begrenzt. Und es gab immer mehrere Archonten, die sich gegenseitig überwachten. Bei den Römern wurden die Amtszeiten ebenfalls begrenzt, außerdem wurden die Ämter doppelt vergeben, es gab also immer zwei Männer an der Spitze, die Konsuln. Nur in Zeiten höchster Gefahr wurde alle Macht auf einen Einzelnen, den Diktator konzentriert.

Das Prinzip der Delegierung der Macht wird nötig, sobald die Zahl der Beherrschten zu groß wird. Selbst in vordemokratischer, kurfürstlich-bairischer Zeit, sind nicht alle 238 Männer aus Mittelmietraching nach München gewandert, um dort eine Eingabe beim Landesherrn vorzutragen, sondern sie haben ein paar aus ihrer Mitte ausgewählt und vielleicht drei Leute ausgeschickt, von denen sie angenommen haben, daß diese ihrer Sache das nötige Gehör verschaffen würden.

Heute ist es ähnlich, und doch grundlegend anders. Bleiben wir in Mittelmietraching, und sagen wir, dort gäbe es 5.000 Wahlberechtigte. Ich benutze runde Zahlen, 2.500 davon wählen tatsächlich noch CSU, 1250 die SPD, je 250 die Grüninnen, die FDP und die Freien Wähler. 500 Mittelmietrachinger enthalten sich, wählen ungültig, die NPD oder die Bayern Partei. Der Gemeinderat besteht aus 18 Mitgliedern, zehn von der CSU, fünf von der SPD, eine Grünin, einer von der FDP und einer von den Freien Wählern.

Und nun wird es interessant. Vertritt die eine Grünin die Interessen der 18 Atomkraftgegner, die aus Protest gar nicht zur Wahl gegangen sind? Vertritt die Wirtschaftspartei FDP die Interessen des Maximilian Bräuhuber, seines Zeichens Brauereibesitzer, Gastwirt, reichster Mann im Dorf und Ortsbürgermeister, eingetragenes CSU-Mitglied? Sind die Christen der CSU für die evangelische Kirchengemeinde zuständig, deren schlechter bezahlte Mitglieder SPD, und deren Besserverdiener Grün wählen?

Die Antwort aus dem Lehrbuch lautet, daß jeder Volksvertreter das ganze Volk vertritt, ob es ihn nun gewählt hat oder nicht. Die Antwort aus dem Leben lautet, daß die Damen und Herren Volksvertreter vor allem die Interessen ihrer Partei vertreten. Warum? Weil nicht das Volk sie aufstellt, sondern die Partei. Und nicht das Volk versorgt sie mit der Macht, sondern die Partei.

Laut Lehrbuch vertritt eine Partei das Wohl des gesamten Volkes, und wenn ihre Funktionäre Regierungsämter übernehmen, leisten sie darauf sogar einen Eid. Und – ebenfalls nach Lehrbuch – kann jeder Bürger in eine Partei eintreten und dort an der politischen Willensbildung mitwirken. Beides ist natürlich völlig praxisfern.

Der ideale Bürger einer Demokratie ist, nach Lehrbuch, ein fleißiger Arbeiter, erfolgreich im Beruf, ein guter Steuerzahler, der sich nebenbei für Politik und das Gemeinwesen interessiert und dort ehrenamtlich mitwirkt. Der reale Bürger der deutschen Demokratie hat neben dem Beruf kaum Zeit für Nachrichten, er nimmt alles für wahr, was ihm die Propagandasender vorsetzen. Das ideale Mitglied einer Partei ist ein nicht ausgelasteter Beamter, der während seiner Dienstzeiten genug Freiraum hat, um für die Partei zu arbeiten. In der Partei kommt nicht der beruflich Erfolgreiche nach oben, sondern der Berufsversager, der die Parteiarbeit übernimmt.

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