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Archive for 6. Juli 2012

Mit Aktien und Edelmetallen gegen die schleichende Enteignung

Posted by krisenfrei - 06/07/2012

Manfred Gburek, 6. Juli 2012

Die Leitzinssenkung vom vergangenen Donnerstag birgt viel Sprengstoff. Sie wurde von so manchem Medium als historisch bezeichnet, weil Banken sich jetzt zum ersten Mal seit Bestehen der Europäischen Währungsunion Geld bei der Europäischen Zentralbank zu einem Zinssatz unter 1 Prozent leihen können, nämlich zu 0,75 Prozent. Damit ist unter anderem Ländern wie Spanien und Italien Tribut gezollt, während deutsche Sparer, aber auch Kreditnehmer in die Röhre gucken: Die einen, weil sie auf ihren Spar-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten demnächst noch weniger Zinsen gutgeschrieben bekommen, die anderen, weil Banken und Sparkassen den ihnen gewährten Zinsvorteil nur in Ausnahmefällen – bei besonders guter Bonität der Kunden – diesen über günstigere Kreditkonditionen weiterreichen.

Noch mehr als die Leitzinssenkung hat indes eine ihrer gravierenden Folgen das Attribut historisch verdient, und die steht schon seit Monaten fest: Enteignung. Denn die Inflationsrate, sprich Geldentwertung, mag noch so niedrig sein, höher als die Zinsprozente der Sparer bleibt sie allemal. Das heißt, die Realzinsen sind negativ. Nun könnte man meinen, dass die niedrigen Zinsen wenigstens den Kreditnehmern zum Vorteil gereichen. Doch abgesehen davon, dass Banken und Sparkassen hohe Aufschläge kassieren, wenn die Bonität eines Kunden ihnen nicht geheuer erscheint, scheuen sie sich in vielen Fällen, überhaupt Kreditverhandlungen zu führen.

Am vergangenen Donnerstag geschah noch etwas Erklärungsbedürftiges: Sofort nach der Zinsentscheidung fielen Aktienkurse, Edelmetallpreise und der Euro. Das kann man in Bezug auf Aktien und Edelmetalle zweifach interpretieren: Entweder reagierten Anleger enttäuscht, die vorher mit einer Zinssenkung auf 0,5 statt auf 0,75 Prozent gerechnet hatten, oder sie hielten die Zinssenkung für ein Signal, dass eine Rezession drohe, die über niedrigere Zinsen abzufedern sei.

Für die zweite Version spricht zwar mehr, aber das bedeutet nicht, dass die Anleger, die sich hektisch von ihren Aktien und Edelmetallen trennten, richtig handelten. Denn zum einen werden Aktien im Vergleich zu Anleihen umso interessanter, je niedriger sich Anleihen verzinsen, zum anderen lassen niedrigere Nominalzinsen die Realzinsen noch mehr ins Minus rutschen, was neben den Aktien erfahrungsgemäß auch den Edelmetallen zugute kommt.

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Die wirtschaftliche Lage Deutschlands ist deutlich schlechter als die Stimmung

Posted by krisenfrei - 06/07/2012

Die wirtschaftliche Lage Deutschlands Mitte des Jahres 2012

Von Mathias Erlei am 5. Juli 2012

Verfolgt man die Medienberichte über die Wirtschafts- und Staatsschuldenkrisen, so könnte man dem Eindruck erliegen, die deutsche Wirtschaft gleiche einem überragend starken Mann, dem es prinzipiell möglich sei, seine ganze Nachbarschaft vor selbstverschuldetem Unheil zu bewahren. Die Arbeitslosigkeit ist so gering wie lange nicht mehr, die Erwerbstätigenzahlen erreichten wiederholt neue Spitzenwerte und selbst die Inflation war in den vergangenen Monaten rückläufig. Darüber hinaus sei Deutschland der Stabilitätsanker in einer zumindest teilweise überschuldeten Währungsunion. Die Statistiken scheinen hier eindeutig zu sein, doch soll im Folgenden gezeigt werden, dass der vermeintlich solide Zustand der deutschen Wirtschaft auf tönernen Füßen steht. Dies gilt sowohl für die konjunkturelle Lage als auch für die Staatsschuldenproblematik. Das Unheil, das mit dem Brüsseler Gipfel über die deutsche Volkswirtschaft hereinbrechen könnte, bestärkt diese Einschätzung auf höchst unerfreuliche Weise.

Um zu verstehen, warum der scheinbar so solide Zustand höchst fragil sein könnte, bedarf es eines Rückblicks auf die Entstehung der aktuellen Lage. In Verbindung mit einer marktprozesstheoretischen Interpretation dieser Entwicklung wird argumentiert, dass ein kritischer Zustand erreicht ist, der bei einer Fortführung der praktizierten Politik zu ökonomischen Verwerfungen führen kann.

1. Der Weg zum Hier und Heute

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase haben die wichtigsten Zentralbanken der westlichen Industrienationen zum wiederholten Mal eine gezielt expansive Geldpolitik vorgenommen, um die Wirtschaft aus dem konjunkturellen Tal herauszuziehen. Nach keynesianischer und monetaristischer Lehre ist dies die angemessene Handlung, um ein vorhandenes Nachfragedefizit durch vermehrte Investitionen zu füllen. Im Gegensatz dazu behauptet die Österreichische Konjunkturtheorie[1] – die Basis der hier folgenden Argumentation ist –, dass eine solche Politik neben den unbestrittenen konjunkturellen Impulsen auch einen negativen Einfluss auf die Struktur der Wirtschaft aufweist. Die künstliche Absenkung der Zinssätze führt nämlich nicht nur zu einer Ausdehnung der Investitionen, sondern auch zu anderen Investitionen. Niedrigere Zinssätze liefern Anreize, Projekte durchzuführen, deren Einnahmeüberschüsse – und damit auch die Produktion der darauf basierenden Konsumgüter – erst in einer ferneren Zukunft liegen. Diese Investitionen, die sich später als Fehlinvestitionen erweisen werden, rechnen sich betriebswirtschaftlich nur dadurch, dass sich der Zinssatz auf dem künstlich niedrigen Niveau befindet. In einem ökonomisch nachhaltigen Gleichgewicht wären sie nie getätigt worden.

Gleichzeitig verringern die niedrigeren Zinsen die Anreize zum Sparen, aus dem letztlich alle Investitionen gespeist werden. Als Folge sinkt das angestrebte volkswirtschaftliche Sparvolumen, die Konsumnachfrage steigt hingegen. Kurzfristig lässt sich die damit verbundene Investitions- und Konsumnachfrage dadurch verwirklichen, dass Lagerbestände an Konsumgütern abgebaut werden, die Sucharbeitslosigkeit durch steigende Arbeitsnachfrage über ihr normales Niveau hinaus verringert werden kann und vorhandene Anlagen intensiver genutzt werden. Letzteres verursacht eine stärkere Abnutzung der Anlagen und stellt faktisch eine Art ungeplanten Kapitalabbau dar, mit dem die nun höhere Nachfrage nach neuen Investitionsgütern zunächst befriedigt werden kann. Langfristig ist eine solche Politik jedoch zum Scheitern verurteilt, die Diskrepanz zwischen gesunkener Bereitschaft zum Sparen und höherer Investitionsnachfrage wird letztlich zu Zinserhöhungen oder einer immer stärker expansiven Geldpolitik – also langfristig Inflation – führen müssen.

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