krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Die Eurokrise ist eine …

Posted by krisenfrei - 19/04/2012

… fundamentale Demokratie- und Ideologiekrise.

Viel wurde schon über die Eurokrise geschrieben: Sie sei eine Bankenkrise, eine Griechenlandkrise, eine Irlandkrise, eine Staatsschuldenkrise, eine Zahlungsbilanzkrise und noch manch anderes mehr.

Tatsächlich ist die Eurokrise unserer Meinung nach Zeichen einer fundamentalen Demokratie- und Staatskrise. Die diversen Krisenerscheinungen sind auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen: Das Scheitern einer Ideologie an der Wirklichkeit.

Wie kommen wir zu dieser Aussage?

1. Alle oben genannten Krisenerscheinungen sind von Menschen gemachte Krisen. Sie haben keine natürliche Ursache wie ein Erdbeben oder einen Kometeneinschlag. Sie sind direkte Folge der sozialen Gestaltung der Gesellschaft. Die Krise war keine Notwendigkeit, sondern Ergebnis der von Menschen gemachten Entscheidungen der Vergangenheit. Wenn die Banken anders reguliert gewesen wären, wenn es keinen Euro gegeben hätte usw. dann gäbe es die heutige große Krise nicht. Vielleicht gäbe es andere Krisen, aber es gäbe jedenfalls nicht diese große Krise.

2. Wenn die Ursache der Krise die von Menschen gemachten Entscheidungen sind, so muss man fragen, was diese ausmacht, wodurch sie sich kennzeichnen. Hier nun sehen wir, dass alle Entscheidungen im deutschen, europäischen und westlichen System der Staatsorganisation NICHT direkt vom Volk getroffen werden. Die Abkoppelung vom unmittelbaren Willen des Volkes ist gemeinsames Merkmal aller westlichen Staaten. Diese Abkoppelung vom unmittelbaren Willen des Volkes ist in verschiedenen Staaten unterschiedlich stark ausgeprägt. In Deutschland ist sie zum Beispiel besonders stark, da weder Kanzler, noch Minister, noch Bundespräsident, noch Bundestagspräsident, noch Verfassungsrichter direkt vom Volk gewählt , gescheige denn wichtige Gesetze oder selbst das Grundgesetz vom Volk selbst beschlossen werden. Noch stärker gilt dies auf Ebene der EU und der Eurozone, die notwendig gar keine echten Demokratien sein können, die sich zum Teil sogar explizit zur Gänze über Recht und Gesetz stellen.

3. Letztlich basiert das westliche Modell auf Expertenentscheidungen. Der unmittelbare Wille des Volkes ist nur eine Randbedingung, die nicht ganz verloren gehen darf. Entscheidend im realen Geschäft ist aber der Diskurs unter “Experten”, seien es Minister in Brüssel, Parlamentarier in Berlin, Banker und Lobbyisten überall, Fachgremien hier und da. Die Expertengremien entscheiden über die Menschen. Und zwar ohne dass diese selbst die Entscheidung in die Hand nehmen könnten, ohne Möglichkeit, einen unmittelbaren Entscheid der Bürger zu erzwingen.

4. Dieses Grundproblem wird in Deutschland noch deutlich verstärkt durch die gnadenlose EU-Heilslehre, der sich niemand in den Weg stellen darf. Die “Experten” in Staat, Wirtschaft und Justiz haben beschlossen, dass wir, das Volk, in der EU aufgehen sollen, aufgehen müssen. Und die Begründungen dafür sind so wortreich und vielfältig, wie sie eben nur von hochbezahlten Experten formuliert werden können. Man kann die herrschende Meinung in Deutschland nur noch mit einem quasi-religiösen Glaubensbekenntnis vergleichen. Wer den rechten Glauben nicht bekennt, ist Feind, ist Häretiker, ist kein Experte mehr und wird gnadenlos ausgeschlossen.

5. Entwicklungen wie die EU, der Euro usw., aber auch unsere innerstaatlichen Probleme (und diese sind zahlreich!) sind nur verständlich als Ausdruck der Loslösung sozialer Entscheidungen vom Wollen der Menschen. Und genau hierin liegt der gemeinsame Nenner aller Probleme: Jedes Expertengremium trifft seine Entscheidungen – und wundert sich dann, dass im Ganzen Alles scheitert.

Die Eliten haben den Geist der Demokratie verloren. Sie glauben im Kern nicht an die Menschen als bestes Entscheidungskriterium. Sie glauben im Kern, dass Experten entscheiden sollen und die Menschen gehorchen.

Und sie sind überrascht, dass dieses Modell scheitert.

Für uns, das ADD, ist klar: Freiheit, Wohlergehen und soziales Miteinander gehen Hand in Hand. Wer den Glauben an die Menschen verloren hat, der wird Wohlergehen vernichten, soziale Spaltung erzeugen und letztlich (auch das wird noch kommen, wenn die Dinge so weiterlaufen) Menschenleben opfern.

Vertrauen in die Menschen, das ist worum es wirklich geht.

Es ist nie moralisch richtig, wenn Andere für einen Menschen Entscheidungen treffen, obwohl dieser sie selbst treffen könnte! Es ist nie moralisch richtig, wenn Experten für ein Volk oder die Menschheit Entscheidungen treffen, obwohl das Volk selbst diese Entscheidung treffen könnte. Denn der Mensch selbst, das Volk selbst, die Menschheit selbst, muss die Last der Entscheidung tragen – im Guten, wie im Bösen – und soll deshalb selbst die Entscheidung treffen.

Die repräsentative Demokratie ist entstanden aus den Bedingungen des 17. Jahrhunderts. Sie war die damals mögliche Umsetzung der Idee der Demokratie, der Idee, das Wollen der Menschen zum Maß von Entscheidungen zu machen. An ihr heute noch festzuhalten, ist so, als ob man mit einem Pferd auf der Autobahn reitet. Die Idee der Demokratie bedeutet heute, im Zeitalter von Internet und grenzenloser Kommunikation, direkte Demokratie. Die direkte Demokratie entspricht der sozialen Realität und der zeitlosen Idee, dass soziale Entscheidungen durch die betroffenen Menschen selbst getroffen werden sollen.

Die Staats- und Demokratiekrise, die wir heute erleben, ist die Aufforderung der Geschichte an die Menschen diesen nächsten Schritt der politischen und sozialen Selbstverwirklichung zu gehen. Wenn wir diesen Schritt nicht mutig und offenen Herzens gehen, werden wir, als Individuen und als Gesellschaft scheitern. Und das ist richtig so. Die Eurokrise ist nur ein Schritt oder vielleicht der Abschluss in diesem Prozess des moralischen und ideologischen Scheiterns. Die Gefahr für uns liegt eben nicht in den Diktaturen des Ostens oder des Südens. Die Gefahr für uns liegt in uns selbst. In unserer Feigheit, das offensichtlich Richtige nicht sehen zu wollen, nicht danach zu handeln.

Haben wir Vertrauen in die Menschen. Nicht als Platitüde für Sonntagsreden, sondern als echter Maßstab der gesellschaftlichen Organisation des Staates. Dann werden Wohlergehen und soziales Miteinander folgen.

In diesem Sinne: Auf zur Demonstration in Stuttgart, am Samstag, den 5. Mai, ab 11.55 h, Großer Schloßplatz!

Quelle: eurodemostuttgart

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4 Antworten to “Die Eurokrise ist eine …”

  1. Erik Cavallo said

    Hallo ,Stefan mit dem Zitat von Jesus von Nazareth hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich finde mich und hoffentlich auch andere zu 100% darin wider! Danke

    „Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden. Und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.“

  2. Johannes said

    Hupps, da sind ein paar Zitate „verschluckt worden“. Hier nochmal der Anfang ohne die bösen Klammern…

    Dass die ganzen jetzigen und kommenden Krisen grundsätzlich auf der fehlerhaften Gestaltung unserer Gesellschaft basieren, da stimme ich Dir zu. Nur daraus abzuleiten, daß eine „direkte Demokratie“ (was immer das genau sein mag) einerseits den „unmittelbaren Volkswillen“ abbilden könnte und andererseits diese Defizite heilen würde, ist eine – nach meinem Dafürhalten – völlig aus der Luft gegriffene Annahme, die in Deinem Text durch nichts vernünftig untermauert wird. Behauptungen á la „es ist nie moralisch richtig“ haben mehr oberlehrerhaften Character als Inhaltsschwere.

  3. Johannes said

    Dass die ganzen jetzigen und kommenden Krisen grundsätzlich auf der fehlerhaften Gestaltung unserer Gesellschaft basieren, da stimme ich Dir zu. Nur daraus abzuleiten, daß eine (was immer das genau sein mag) einerseits den abbilden könnte und andererseits diese Defizite heilen würde, ist eine – nach meinem Dafürhalten – völlig aus der Luft gegriffene Annahme, die in Deinem Text durch nichts vernünftig untermauert wird. Behauptungen á la „es ist nie moralisch richtig“ haben mehr oberlehrerhaften Character als Inhaltsschwere.
    Wenn ich einmal unterstelle, daß jeder Mensch einen eigenen und dann noch möglichst freien Willen besitzt (wobei man hier schon kräftig streiten könnte) und dann noch unterstelle, daß sich seine Meinung zu einem bestimmten Thema auch mit diesem Willen deckt (nächster Streitpunkt), dann könnte ich mir vorstellen, daß die Schnittmenge all dieser Willensbekundungen z.B. über alle Personen, die dem „deutschen Volk“ zugehörig sind (oder sich als dazugehörig empfinden?) als „Volkswille“ besser „Volksmeinung“ bezeichnet werden könnte. Wird oder kann es jemals solch einen klaren und eindeutigen Volkswillen geben?
    In einer idealen (utopischen) Welt vielleicht. Alle Menschen wachsen völlig frei auf (es gibt u.a. keine meinungsbildenden Massenmedien), werden nach bestem Wissen und Gewissen (der für ihre Aufzucht verantwortlichen Mitmenschen) in all ihren Veranlagungen gefördert und geachtet. Das Primat des ständigen Verteilungskampfes (Kampf um alle Ressourcen gegen alle anderen) ist in der Gesellschaft nicht vorhanden, Emphatie ist vorherrschend. Alle achten und handeln für das Gemeinwohl und haben das Gefühl einer sinnvollen und erfüllten Existenz. Unter diesen Umständen könnte ich mir vorstellen, daß Menschen Verbindung zu ihrem wahren Willen bekommen und ihn auch artikulieren können. Ob eine Zusammenfassung über willkürliche Gruppengrenzen (Deutschland, Europa) hinweg sinnvoll ist oder nicht, hängt wohl vom Einzelfall ab und sei einmal dahingestellt. Ja, ein dergestalt gebildeter „Volkswille“ könnte wahr und echt sein. Ob sinnvoll vermag ich nicht zu sagen.
    Vielleicht entschlössen sich die Menschen einer solchen idealen Gesellschaft ja aber auch dazu, auf die Demokratie (jeder will bei allem mitentscheiden) zu pfeifen und statt permanent höchstmögliche Transparenz zu fordern, sich wieder gegenseitig zu vertrauen (wie Du ja selbst schreibst) und sich einzugestehen, daß es integere Mitmenschen gibt, die Zusammenhänge besser durchschauen als sie, während sie z.B. super nähen, bügeln, tanzen oder malen können? Dann würden sie einen Teil ihrer Verantwortung an diese Menschen delegieren…
    Im Prinzip geht es doch – wie immer – nur um Macht. Egal ob in Form von Geld, Ressourcen oder Demagogie. Solange Menschen nur ihren eigenen Vorteil suchen und dabei in Kauf nehmen, daß sie andere dadurch unterdrücken, ist es doch egal, welche Farbe die Demokratie hat. Solange gibt es den von Dir proklamierten „nächsten Schritt der politischen und sozialen Selbstverwirklichung“ nicht. Solange drehen wir uns immer schneller im Kreis und am Rand fliegen immer mehr Menschen raus.
    Ich sehe nicht, wie uns eine „direkte Demokratie“ da auch nur einen mm weiterbringen kann. Und für die Eurokrise ist das sicherlich nicht die Ursache.
    Wie heißt es so schön: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht…

  4. Matrix

    „Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden. Und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.“

    Jesus von Nazareth (NHC II,2,56)

    Wer die „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“, vom Cargo-Kult des Katholizismus uminterpretiert zum „Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab“, noch nicht hinter sich hat, bleibt, wie intelligent er ansonsten auch immer sein mag, in der Regel unfähig, die systemische Ungerechtigkeit, in der wir seit jeher existieren, überhaupt zu erkennen oder gar herauszufinden, was Gerechtigkeit ist (Erleuchtung).

    Die Ungerechtigkeit unterteilt die Menschheit in Nutznießer und Nutzgenossene, und wer zu ersteren gehört, kann sich kaum mehr vorstellen, dass die Gerechtigkeit auch ihm Vorteile verschafft, von denen er nie zu träumen wagte. Denn was ist schon der ganze Besitz eines Königs früherer Zeiten, wenn wir diesen dekadenten Schnickschnack mit dem ganz normalen Lebensstandard eines mittelständischen Unternehmers der Gegenwart vergleichen? Und wie unendlich langweilig ist wiederum das Leben eines Nutznießers der Gegenwart, der sich auch nur die Trivialitäten leisten kann, die es schon gibt, verglichen mit dem wahren Leben in absoluter Gerechtigkeit, in der so etwas wie „Alltag“ nicht mehr existiert?

    Neo: „Ich kann nicht mehr zurück, oder?“
    Morpheus: „Nein. Wenn Du könntest – würdest Du es wollen?“

    Für den auferstandenen und erleuchteten Menschen ist das, was der normale Konsumtrottel als „Alltag“ bezeichnet, die größtmögliche Bestrafung für sein überlegenes Wissen. Deshalb bleibt der „Normalbürger“ lieber im Sumpf der religiösen Verblendung, um sich der Matrix seiner sinnfreien Existenz nicht bewusst zu werden.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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