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Was Helmut Creutz zum Thema „Zins“ meint

Posted by krisenfrei - 05/09/2011

Der „Zins“ wurde in letzter Zeit heiß diskutiert und unterschiedlich kritisiert. Viele Meinungen wurden dazu abgegeben. Befürworter und Gegner des „Zinses“ kamen zu Wort. Ist der „Zins“ für eine gesunde Volkswirtschaft zwingend notwendig, oder kann Wachstum auch ohne „Zinsen“ stattfinden?  Lesen Sie, was Helmut Creutz bereits 1994 dazu geschrieben hat:

Helmut Creutz: Die Schatten des Zinses sind nicht nur unmoralisch

Von Helmut Creutz

Einige Ergänzungen und weiterführende Gedanken zu dem Aufsatz von Otmar Issing in der FAZ vom 20. November 1993

Zins, Preis des Kredits?

Von Preisen redet man, wenn man eine Sache erwirbt, nicht aber wenn man sie für einen befristeten Zeitraum ausleiht. Der Zins ist darum sowenig ‚Preis des Kredits‘ wie die Leihgebühr in einer Bibliothek ‚Preis des Buches‘. Allenfalls könnte man beim Zins vom ‚Mietpreis des Geldes‘ reden. Aber auch das wäre nicht zutreffend, da Mietpreise vor allem die anteiligen Abschreibungskosten bzw. Wertminderungsverluste einer auf Zeit ausgeliehenen Sache abgelten. Wer jedoch Geld übrig hat und verleihen kann, hat weder Kosten für dessen Produktion aufbringen müssen, noch muß er – zumindest bei stabilem Geld – eine Wertminderung in Kauf nehmen.

Vergleichen kann man also zeitlich begrenzte Geldüberlassungen nur mit jenen Gütern, die man in gleichem Zustand, gleicher Menge und gleicher Wertigkeit zurückerhält. Das ist z. B. der Fall, wenn ein Bauer einem anderen überschüssiges Saatgut überläßt. In solchen Fällen ist jedoch weder ein Mietpreis noch eine Verleihgebühr üblich, da beide Seiten davon einen Vorteil haben: Der Leiher kann über ein Gut verfügen, auf das er sonst hätte verzichten müssen. Der Verleiher erhält nach Ablauf der vereinbarten Zeit sein im Augenblick überschüssiges Gut in gleicher Menge, Qualität und Frische zurück. Ohne den Verleihvorgang wäre ihm das überschüssige Saatgut möglicherweise verdorben oder durch andere Einflüsse reduziert worden. Zumindest aber hat der Verleiher, durch die Überlassung des Gutes an einen anderen, die sonst angefallenen Lager- und Wartungskosten eingespart.

Gilt Gegenseitigkeit auch für das Verleihen von Geld?

Sieht man vom Schutz gegen Feuer und Diebstahl ab, sind die Lagerkosten für Geld unerheblich. Trotzdem leisten sich auch beim Geldverleihen die Beteiligten gegenseitig einen Dienst: Der Kreditnehmer hat den Vorteil, vorzeitig über Kaufkraft und damit Marktansprüche zu verfügen. Der Kreditgeber erhält die Garantie, daß seine eingebrachte Überleistung, aus der das überschüssige Einkommen normalerweise resultiert, auf dem Markt nachgefragt werden und er somit auch weiterhin Überleistungen einbringen und Marktansprüche ansparen kann. Außerdem sorgen Kreditnehmer und -geber gemeinsam dafür, daß der Geldkreislauf geschlossen und damit das Wirtschaftsgeschehen stabil bleibt. Das aber ist gerade für den Geldverleiher von großem Nutzen, wenn er, nach dem Rückerhalt des Ausgeliehenen, die ersparte Kaufkraft für sich selber einsetzen will.

Allenfalls bei einer Knappheit von Kapital ist eine Belohnung für das Verleihen von Geld zu akzeptieren. Die Einstufung des Zinses als eine gerechte Dauerbelohnung ist darum genauso fragwürdig, wie seine Verdammung.

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