Das Schicksal des Euro entscheidet sich am Arbeitsmarkt
Von Norbert Berthold am 23. April 2012
„Letztlich wird die Währungsunion nicht durch Hilfspakete, sondern nur durch Reformen in den Peripherieländern gerettet“ (Jörg Krämer)
Zuerst die gute Nachricht: Seit März schaut die EWU nicht mehr direkt in den finanziellen Abgrund. Die EZB flutete im Februar 2012 zum zweiten Mal nach Dezember 2011 die Geldmärkte. Für viele hat das finanzielle Doping das Schlimmste verhindert. Nun die schlechte Nachricht: Die EZB monetisiert Staatsschulden und betreibt „monetäre Industriepolitik“. Damit schürt sie Inflation und nährt Zombie-Banken. Die Ruhe an der Finanzfront ist trügerisch. Nur wenn die Politik die Zeit nutzt, die realen Probleme zu lösen, bleibt die finanzielle Tragödie aus. Gelingt das nicht, fliegt uns der Euro eher über kurz als lang um die Ohren. Der Weg aus dem fiskalischen Schlamassel führt nur über mehr Beschäftigung und Wachstum. Von dieser Front kommen aber keine guten Nachrichten. Die Lage auf den europäischen Arbeitsmärkten ist schlecht. Im Februar lag die Arbeitslosenquote im Euroraum bei 10,8 %, nach 9,5 % vor einem Jahr. Besonders schlimm ist es in den PIGS. In Griechenland und Spanien ist jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Das Schicksal des Euro entscheidet sich auf den Arbeitsmärkten.
Arbeitslosigkeit in der EWU
Die Erfahrungen der Problemländer in der EWU zeigen, wie schwierig es für sie ist, adäquat auf Schocks zu reagieren. Vor allem bei asymmetrischen Schocks fehlt der Wechselkurs als Stoßdämpfer hinten und vorne. Aber auch der Weg über mobile Arbeit ist in Europa nur sehr schwer gangbar. Arbeit ist relativ immobil. Das gilt räumlich und beruflich. Die Anpassung an neue wirtschaftliche Gegebenheiten ist damit nur über (produktivitätsbereinigte) flexible Löhne möglich. In den PIGS kann man sehen, wie schwer es fällt, diesen Weg über interne Abwertungen zu gehen. Der eingeschlagene Weg, die Anpassungslasten über finanzielle Transfers der Anderen zu finanzieren, kuriert nur an Symptomen. Bestenfalls verschafft er den Ländern eine finanzielle Atempause, die sie nutzen, um sich an das Unvermeidbare anzupassen. Schlimmstenfalls produziert er lohnpolitisches „moral hazard“. Wie man es auch dreht und wendet, eine Währungsunion wie die Europäische überlebt nur, wenn die Anpassungslasten über flexible Arbeitsmärkte von den Arbeitsmarktakteuren getragen werden.
Japan ist nicht nur bei vielen Technologien Vorreiter, auch hinsichtlich der Erfahrung mit Krisen und Krisentherapien. Das Land der aufgehenden Sonne hat nicht nur 15 Jahre vor Europa einen großen Boom-und-Krisen-Zyklus erlebt, sondern auch wichtige Erfahrungen mit monetärer Lockerung, expansiver Finanzpolitik und der Rekapitalisierung von Finanzinstituten als Krisentherapien gemacht. Obwohl die (Nahe-)Nullzinsgrenze schon eine Dekade früher als in Europa erreicht wurde und die Staatsverschuldung auf Weltrekordniveau geklettert ist, stagniert das Wachstum. Können Japans Erfahrungen Europa helfen, ein ähnliches Schicksal zu umschiffen? Zur Beantwortung dieser Frage werden Krisenursachen, Krisenverlauf, Krisentherapien und (mögliche) Folgen der Krisentherapien verglichen.
Krisenursachen:
Die Übertreibungen auf den japanischen Vermögensmärkten wurden Mitte der 80er Jahre durch eine expansive Geldpolitik der Bank of Japan ausgelöst. Die Zinssenkungen sollten die durch das Plaza-Abkommen (Sept. 1985) angestoßene drastische Aufwertung des japanischen Yen ausbremsen. Der durch das billige Geld befeuerte Spekulationsboom auf den Aktien- und Immobilienmärkten (siehe Abb.) wurde nach dem Louvre-Akkord (Feb. 1987) durch eine expansive Finanzpolitik – die ebenso wie die gezielte Yenaufwertung Japans Handelsüberschuss zu reduzieren suchte – verstärkt.
Auch in der Europäischen Währungsunion sind die Wurzeln der europäischen Schuldenkrise in einer Kombination aus expansiver Geld- und Finanzpolitik in Teilen der Europäischen Währungsunion zu sehen. Nach dem Eintritt in die Eurozone lockerten einige Länder an der Peripherie der Währungsunion ihre Finanzpolitik, während Deutschland in Reaktion auf die hohen Kosten des Wiedervereinigungsbooms nach Konsolidierung des Staatshaushaltes strebte. Die Kombination aus restriktiver Finanzpolitik in Deutschland und expansiver Finanzpolitik in den Peripherieländern begünstigte Kapitalzuflüsse in die Peripherie.
Die Kapitalzuflüsse wurden durch die starken Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank in Reaktion auf das Platzen der Dotdom-Blase weiter angeheizt. Die Zinssenkungen komprimierten auch die Risikoprämien für die internationale Kreditvergabe. Die Folge waren Blasen bei den Staatsausgaben (insbesondere Griechenland), auf lokalen Immobilienmärkten (Irland, Spanien), beim Konsumverhalten (Griechenland, Portugal), bei Leistungsbilanzsalden (GIIPS-Länder, Deutschland) und in Finanzsektoren (Irland, Österreich, Luxemburg).
Griechenland wurde gerettet! Wirklich? Der ominöse Schuldenschnitt des griechischen Staates, verhandelt zwischen der EU und der griechischen Regierung hat stattgefunden, der angeblich nun dazu führt, dass Griechenland eine “Chance” hätte seinen Haushalt zu sanieren und weiterhin ein fröhliches Mitglied des Euroraums zu bleiben.
Nur leider spricht die Realität eine andere Sprache.
Fakt 1: Griechenlands Gesamtverschuldung liegt wohl bei ca. 1 Billion Euro. Der Schuldenschnitt bezieht sich aber auf derzeit gerade einmal 100 Mrd. Euro Staatsschulden. Es ist zu vermuten, dass demnächst weitere Schnittchen, oder auch größere Schnitten unterwegs sein werden. Siehe Artikel in der Telebörse zu der Möglichkeit eines unkontrollierten Staatsbankrotts: http://www.teleboerse.de/nachrichten/Schuldenschnitt-droht-zu-scheitern-article5685481.html
Fakt 2: Durch die beschlossenen Kürzungspakete tritt nun der von uns immer wieder befürchtete Effekt ein, den auch Deutschland unter Reichskanzler Brüning mit seiner Kürzungspolitik erreichte. Vergleichbar mit der brüning’schen Politik kürzt Griechenland bei Löhnen, Gehältern, Zahlungen an Beamte, sowie bei den Renten und der sozialen Unterstützung durch den griechischen Staat. Hierzu findet sich viel Information in einem Artikel der NZZ zu diesem Thema:
Natürlich sind die Effekte aus dieser Politik typisch: Kürzungen haben weniger Konsum, Firmeninsolvenzen, Arbeitslosigkeit und Steuerausfälle zur Folge, was die Lage nicht verbessert, sondern verschlimmert.
Fakt 3: Im Endeffekt bedeutet dies große Not für die griechische Bevölkerung wie man den Ausführungen dieses Blogs entnehmen kann:
Nur leider sind diese Informationen keine Nachrichten in den Mainstream Medien wert, würde es doch zeigen, dass Griechenland nicht gerettet wurde, sondern ausgeplündert… Was nun auch unter dem Deckmantel des Schweigens fröhlich weiter geht.
Ein, wie ich finde, interessanter Artikel zur europäischen Staatsschuldenkrise, den unsere unfähigen Politiker, insbesondere der Wirtschaftsminister Rösler, unbedingt lesen sollten. Allerdings vermute ich, dass die meisten Politiker gar nicht verstehen, was der Autor mit seinem Artikel zum Ausdruck bringen will.
Von Mathias Erlei
Warum die Wirtschaftswissenschaft den Niedergang der Eurozone nicht bremsen kann
1. Die festgefahrene Diskussion
Die Ermüdungserscheinungen sind unübersehbar. Die Diskussionen um die Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise haben die Aufnahmebereitschaft der Zuhörer über Gebühr in Anspruch genommen. Alle Argumente sind längst vorgetragen worden, mindestens hundertmal. Das Interesse der Fernsehzuschauer und Zeitungsleser wendet sich folgerichtig anderen Themen zu. Gleichzeitig ist die Schuldenkrise viel zu wichtig, um tatenlos zuzusehen. Deshalb ist es vielleicht an der Zeit für eine kurze Bestandsaufnahme: Wo stehen wir? Was kennzeichnete die vergangene Diskussion über die Bewältigung der Staatsschuldenkrise? Was folgt daraus?
Die internationale Stimmungslage ist durch eine Mehrheitsposition gekennzeichnet: Der Sparwille der hochverschuldeten Länder sei durch ihre – nicht immer umgesetzten – Zugeständnisse doch vorhanden, nur wirke die Sparpolitik nicht hinreichend oder sie wirke zu langsam. Ein Festhalten an der die Staatsausgaben begrenzenden Austeritätspolitik wird nicht selten als dumme Sturheit gebrandmarkt. Folglich brauche man stimulierende Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik, also im Wesentlichen das Gegenteil einer Sparpolitik, um die Schuldenkrise zu überwinden. Wie man mit höheren Neuverschuldungen den Schuldenstand abbauen und wie man mit konjunkturpolitischen Instrumenten strukturelle Missstände beseitigen kann, bleibt allerdings nebulös.
EZB-Milliarden kontra zerstörerische Erbsenzählerei, darum geht es in diesen Tagen. Mein Gott, ich bin so wütend! Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das in den Medien so genüsslich breitgetretene, angebliche Ende der Welt gegen Ende dieses Jahres tatsächlich stattfindet .. aber nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch eine Eskalation menschlicher Dummheit ausgelöst wird. Dieser Irrsinn muss jetzt schnell enden!
An den Börsen ringen die ab Ende Februar kräftig verstärkten Milliarden der EZB, in
beliebiger Verfügung europäischer Banken, gegen die langsam doch (endlich!) um sich
greifende Erkenntnis, dass die Erbsenzähler in den Chefpositionen der EU dieses mit so viel
Optimismus, Engagement (und Blauäugigkeit) begonnene Projekt durch ihre Engstirnigkeit,
Profilierungssucht und durch den permanenten Seitenblick auf die meist unqualifizierte
Meinung des Wahlvolks in Windeseile vernichten … und den Rest der Weltwirtschaft gleich
mit in den Abgrund reißen.
Ich hatte schon im Frühjahr 2010, als der ganze Mist losging, gefordert: Entweder, ihr lasst
die Griechen sofort aus der Zwangsjacke der EU heraus oder ihr zahlt gefälligst alle
zusammen, was zu zahlen ist! So wäre es gegangen. Jetzt geht gar nichts mehr.
Noch am Donnerstagmittag verkündete EZB-Präsident Draghi, dass sich die griechischen
Parteien auf die Annahme der Sparvorgaben der Troika aus EU, IWF und EZB geeinigt
hätten. Keine 24 Stunden später verkündete der Chef der rechtsgerichteten LAOS-Partei in
Griechenland, dass er dieses Sparpaket doch nicht mittragen werde. Und ich bin versucht
auszurufen: Bravo! Denn irgendwo ist mal Schluss. Überlegen Sie doch mal: Davon
abgesehen, dass die Griechen jetzt die schwärzeste Seite einer Solidargemeinschaft zu
spüren bekommen, nämlich dass diese „Solidarität“ im Falle einer Krise zu einem Diktat in
Bereichen ureigenster, nationaler Souveränität führt, zerstören diese Vorgaben jede Chance
auf eine Stabilisierung der im freien Fall befindlichen griechischen Wirtschaft.
Wenngleich jetzt – wenn auch viel zu spät – immer mehr Stimmen zu hören sind, die fordern,
dass die irrwitzigen, kontraproduktiven Sparvorgaben sofort von konkreten Maßnahmen zur
Stimulierung des Wachstums der griechischen Wirtschaft abzulösen sind, so wird doch
niemand ernsthaft reagieren. Denn das würde noch mehr Geld kosten (völlig logisch) und
erst in mehreren Jahren Erfolge zeitigen, während man sich jetzt mit der lächerlichen,
kurzfristigen Erfolgsperspektive eines reduzierten Haushaltsdefizits brüsten kann. Der
kurzfristige Erfolg steht meilenweit über Gesundung eines EU-Mitgliedslandes.
Ein überaus positiver Bericht zum US-Arbeitsmarkt am Freitag, daraufhin ein Hüpfer der Aktienkurse in den USA und in Europa nach oben, aber die Preise von Gold und Silber reagieren erst einmal negativ. Wie reimt sich das zusammen? Die Antwort ergibt sich aus dem komplexen Zusammenhang von wachsenden Schuldenbergen, Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur hüben wie drüben, anhaltenden Versuchen zur Euro-Rettung (nach wie vor mit Griechenland im Fokus) und Investoren, die all das auf ihre Weise mit wechselnder Vorliebe mal für die eine, mal für die andere Anlageklasse quittieren.
Hand aufs Herz, haben Sie sich in letzter Zeit nicht schon häufiger gefragt, warum ausgerechnet das kleine Griechenland immer wieder aufs Neue die Schlagzeilen der Wirtschaftsmedien bestimmt? In meiner Kolumne bei wiwo.de vom vergangenen Donnerstag habe ich eine ausführliche Antwort zu geben versucht. Falls Sie den entscheidenden Satz daraus haben wollen, bitteschön: „Schuldet jemand eine Million Euro, hat er ein Problem; schuldet er dagegen hundert Millionen, hat die Bank ein Problem – im Fall Griechenland mit dem Unterschied, dass hier nicht Millionen im Spiel sind, sondern ein Betrag irgendwo zwischen 350 und 400 Milliarden Euro.“
Die Problemlösung wird dadurch erschwert, dass es viele Griechenland-Gläubiger mit divergierenden Interessen gibt, dass außer den Ratingagenturen auch der Internationale Währungsfonds ständig dazwischenfunkt und dass Griechenland indirekt andere Euro-Länder infizieren kann; Portugal ist diesbezüglich ja auch schon in den Schlagzeilen. All die Gläubiger werden sich nie und nimmer einig, also wird weiter gewurstelt, und der griechische Finanzminister verlangt sogar den Forderungsverzicht der Gläubiger – siehe oben: Die Banken, in diesem Fall also nicht nur eine, haben ein Problem.
Vorträge über unser Geldsystem, die sich JEDER ansehen sollte. Diese gut 4 Stunden sind aufschlussreicher als 1.000 Stunden “Ich glotz TV”. Peter Boehringer, Prof. Dr. Hankel, Prof. Dr. Sinn und Roland Baader reden Klartext. Nach Ansicht dieser Videos wird JEDER einsehen, wie uns unsere Lügen-Politiker verarschen und ruinieren.
Video 1: (Peter Boehringer, wie wir ihn kennen, in Höchstform)
Peter erklärt u.a. für jeden leicht verständlich das TARGET2-System und was uns in nächster Zeit erwartet. Steuererhöhungen … usw. “Dieses System wird sich selbst zerlegen – noch in diesem Jahrzehnt.”
Ja, es kann sich noch einige Zeit hinziehen. Wann dieses Fiat-Geld-System explodiert, ist ungewiss. Eines Tages aber wird es uns um die Ohren fliegen und wie ein Tsunami verheerendes anrichten. Wie wenige Menschen sich mit diesem Problem bewusst auseinander setzen, zeigt, dass dieses Video bei YouTube gerademal 7.000 mal angeklickt wurde. Einfach nur traurig!
“Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.”(Henry Ford)
Video 2: (Zwei Std. pure Aufklärung – Danke Herr Prof. Sinn!)
Herr Prof. Sinn erklärt in allen Einzelheiten, was Target 2 Forderungen sind, und warum die deutsche Bundesbank auf völlig unbesicherten Forderungen in Höhe von 465 Mrd. sitzt – an allen Parlamenten vorbei!!
Der Vortrag zeigt, dass die Situation viel schlimmer ist, als die Allgemeinheit es wahrnimmt. Die öffentlich diskutierten Rettungsschirme sind eigentlich nur ein Ablenkungsmanöver, denn die Rettung der Olivenzone ist schon längst erfolgt – über die “verliehene Druckerpresse”. Herr Sinn erklärt dies leicht verständlich in allen Einzelheiten
Video 3: (Prof. Dr. Hankel zeigt Auswege aus der Euro-Krise auf)
Hier ein Kommentar zum Video:
“Prof. Hankel hat verdammt recht mit allem, was er sagt, nur bin ich nicht so optimistisch wie er. Ich fürchte, die Leute, die hier jetzt mit negativ bewertet haben, die werden sich noch gewaltig wundern, wenn sie sich in ein paar Jahren in einer totalitären EU-Diktatur wiederfinden werden, die den Bürgern jegliche Rechte geraubt haben wird und den Mittelstand ausbluten läßt. Wehret den Anfängen!” (von TheLadyMorgaine)
Video 4: (Roland Baader: “Schlußendlich werden sie alle fallen, weil das gesamte System marode ist”)
krisenfrei.de
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Wilhelm Hankel,
laut wikipedia waren Sie von 1972-1973 Präsident der Hessischen Landesbank (Helaba). Ihnen wurde vorgeworfen, den Verwaltungsrat nicht rechtzeitig über die Milliardenverluste informiert zu haben. Daraufhin traten Sie am 17. Dezember 1973 von Ihrem Amt zurück.
Möchten Sie heute, nach fast 40 Jahren, dazu kurz Stellung nehmen?
Prof. Dr. Hankel
Man hat mir damals die Verluste vorgeworfen, die mein Vorgänger im Einvernehmen mit der damaligen Hessischen Landesregierung zu verantworten hatte. Ich bin nach gerichtlicher Richtigstellung entlastet worden. Da war ich längst Professor an der Harvard University in den USA.
krisenfrei.de
Sie waren ein vertrauter Mitarbeiter von Karl Schiller, der von 1966 bis 1972 Bundesminister für Wirtschaft und zusätzlich von 1971 bis 1972 Bundesminister der Finanzen war. Ohne Zweifel, er war einer der besten in diesen Ämtern, die die Bundesrepublik Deutschland je hatte.
Was meinen Sie, hätte Karl Schiller auch die Umstellung von der D-Mark zum Euro, wie seinerzeit Theo Waigel, mitgemacht? Und was würde er heute dazu sagen?
Prof. Dr. Hankel
Karl Schiller hat wenige Monate vor seinemTod in einem SPIEGEL- Artikel (m.E. 1994) die deutsche Politik und seine Parteigenossen beschworen, die Finger vom Euro zulassen. Deutschland würde sich daran verheben und Europa auch.
krisenfrei.de
Angenommen, Herr Dr. Philipp Rösler (Wirtschaftsminister), der überhaupt keine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung hat, oder Herr Wolfgang Schäuble (Finanzminister) würden zu Ihnen kommen, um Ihren Rat einzuholen.
Was würden Sie diesen Bundesministern raten?
Prof. Dr. Hankel
Die Politiker sollten nicht immer von “Schuldentragfähigkeit” sprechen. Europa ist kein Konstrukt für Ingenieure. Es geht um das, was den Menschen zugemutet werden kann – bei Rettern wie den zu Rettenden. Das ist in beiden Fällen zu viel. Wem nützt es, wenn die Ertrinkenden ihre Retter in die Tiefe reißen? Bei Austritt aus der Euro-Zone können sich die überschuldeten Euro-Länder selber helfen, siehe Fälle wie Argentinien, Mexico, Russland, Ukraine oder die meisten EU-Länder, die nicht im Euro sind (Schweden, Polen u.a.)
Ein, wie ich finde, interessanter und lesenswerter Aufsatz von Ferdinand Wenzlaff zur Staatsverschuldung, sowie ein Lösungsansatz zur Rückführung der Staatsverschuldung. Vorab zur Information einige Auszüge aus dem Aufsatz, die dem Leser einen kurzen Einblick vermitteln.
“Bezugnehmend auf einen Meilenstein-Aufsatz von Evsay Domar von 1944 hält Helmedag die Staatsschuld für unbedenklich, wenn wir eine Wachstumsrate über der Zinsrate erzeugen können, was er sich über eine Steigerung der effektiven Nachfrage durch Umverteilung und Beibehaltung (oder auch Ausdehnung) der Staatsverschuldung erhofft.
Das Paradigma der Freiwirtschaft fußt zu großen Teilen noch auf dem tauschtheoretischen Fundament des Mainstreams (eingehender vgl. Wenzlaff, 2010a). Doch hat sie die bahnbrechende Idee der Besteuerung liquider Vermögen zur Schließung des Kreislaufs. Mit einer Geldhaltesteuer könnte der Ertrag von Staatstiteln sinken.
Der traditionelle fiskalische Keynesianismus (Konjunkturbelebung durch Staatsverschuldung) ist nicht nur daher bedenklich, weil riesige Staatsdefizite aufgetürmt werden, sondern in seiner Wirkung überhaupt fragwürdig. Wir wissen aus der japanischen Erfahrung, dass so nur liquide Geldvermögen aufgebaut werden, diese aber keinen Grund zur weiteren kreislaufwirksam Verwendung haben.
Niemals wird der Staat konsolidieren oder gar tilgen können, solange die Zinsrate über der Wachstumsrate liegt.”
Volkswirtschaftliche Fragestellungen können nicht betriebswirtschaftlich gelöst werden!
Von Ferdinand Wenzlaff
Zu bedauern ist, dass sich in der Politik oft keine rationalen Debatten führen lassen und Einzelinteressen einen korrupten Weg der Durchsetzung zum Schaden des Gemeinwesens finden. Der noch größere Skandal besteht darin, dass sich die Wirtschaftswissenschaft in den Dienst privater Interessen stellen lässt und Ideologien statt volkswirtschaftlichen Theorien den Diskurs dominieren, die zur Grundlage einer verfehlten Wirtschafts- und Sozialpolitik werden. Die Debatte um die Staatsschulden zeigt ganz besonders, wie unzureichend ein volkswirtschaftlicher Gegenstand betrachtet werden kann. Wenn Volkswirte den kreislaufwirksamen Impuls einer Kürzung der Staatsausgaben mit dem Ziel des Budgetausgleichs (keine neuen Schulden) oder gar Konsolidierung (Schuldentilgung) wegdenken, wird der Anspruch eines eigenen Gegenstandes der Volkswirtschaftslehre negiert und Staatsverschuldung als betriebswirtschaftlich zu lösendes Problem aufgefasst.
Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag geschah etwas, wofür bis zum Ende der Woche kaum jemand eine plausible Erklärung gefunden hat: Innerhalb weniger Minuten fielen wie vom Blitz getroffen die Aktienkurse in Europa und in den USA, der Euro gegen den Dollar und die Edelmetallpreise in allen Währungen. Dieser am Freitag schlagartig wieder beendete Spuk war zum einen auf die zwischen den Festtagen traditionell engen Märkte zurückzuführen, was sich einige Börsenspieler zunutze machten, indem sie für kurze Zeit à la baisse spekulierten. Zum anderen handelte es sich gewissermaßen um einen Vorgeschmack auf das Jahr 2012 – aber keine Sorge: nicht bezüglich des Absturzes, sondern im Hinblick auf die seit Monaten grassierende und im neuen Jahr wohl anhaltende Volatilität, wie man Schwankungen an der Börse nennt.
Ein Teil der Anleger bekommt angesichts solcher Ereignisse kalte Füße, der andere Teil sieht darin eine Chance zum Kaufen oder Nachkaufen. Sorgen Sie dafür, dass Sie diesem anderen Teil angehören, denn 2012 verspricht das Jahr des richtigen Timings zu werden, ganz nach dem Motto: Im preiswerten Einkauf liegt der Gewinn. Das gilt unabhängig davon, ob beispielsweise einzelne Aktien schon nach oben abgehoben haben, wie etwa in den USA Amazon und IBM, ob sie nach steilem Anstieg etwas nach unten gekommen sind, wie die Silberaktien Silver Wheaton und First Majestic, oder ob sie angeschlagen sind und erst noch einen Boden suchen, wie in Deutschland RWE und IVG. Wobei Sie sich bei den Bodensuchern mit Käufen am längsten Zeit lassen sollten.
Der Kursverlauf vieler Aktien aus Dax, MDax, Dow Jones & Co. ähnelt seit einigen Monaten verdächtig der Preisentwicklung von Gold und Silber, zum Teil auch den Ausschlägen der Rohstoffindizes. Dieses Phänomen deutet darauf hin, dass Großanleger wie Fonds, Pensionskassen, Family Offices und Vermögensverwalter keinen großen Unterschied mehr zwischen diesen Sachwertekategorien machen. Daran dürfte sich im kommenden Jahr zwar grundsätzlich nicht viel ändern, aber der zuletzt leicht nach unten gerichtete Trend wird nach oben umkehren, sobald das Gespenst der Depression aus den Köpfen der großen Geldverwalter verschwindet.