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Koch-Mehrin will nicht mehr für EU-Parlament kandidieren

Posted by krisenfrei - 21/10/2012

von Gert Flegelskamp

Silvana Koch-Mehrin will nicht mehr für die Wahl zum EU-Parlament 2014 kandidieren, teilt sie der Presse mit. Nun könnte man ja auch leicht auf die Idee kommen, dass dieser Entschluss mehr aus der Erkenntnis kommt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die FDP sie erneut als Kandidatin bei der EU-Parlamentswahl aufstellt, auch relativ gering ist, denn ihre Reputation hat in mehrerer Hinsicht erheblich gelitten. Da sind die Vorwürfe, dass sie sich offenbar für den Politbetrieb in der EU nicht sonderlich stark eingesetzt hat, dass man ihr vorgeworfen hat, Sitzungsgelder in Anspruch genommen zu haben, ohne an den Sitzungen teilgenommen zu haben und nicht zuletzt der bewiesene Vorwurf, ihren Doktor-Titel wie einst der Graf von und zu Guttenberg plagiatorisch erschlichen zu haben.

Wenn ich den Focus für diese Aussagen verlinkt habe, sind der Grund dafür die Leserkommentare. Da gibt es etliche Leserkommentare, die ihr Recht geben, wenn sie sich dazu versteigt, den so genannten Plagiatsjägern eine “Blockwart-Mentalität” zu unterstellen. Ganz schön mutig für eine Politikerin einer Partei, zu deren Gründungsmitgliedern zahlreiche Nazis und darunter wohl auch etliche Blockwarte gehörten. Oder hat sie etwa die eigene Partei im Verdacht?

Na ja, so mutig nun auch wieder nicht, denn die Nazikeule schwingen ja auch CDU- und CSU-Politiker ganz gerne, obwohl auch in ihren Reihen bei Gründung der BRD etliche EX-Nazis trotz ihrer schmutzigen Vergangenheit zu politischen Ehren gelangten.

Die gute Silvana kritisiert nun lt. Focus scharf, dass anonyme Plagiatsjäger im Internet im Schutz der Anonymität Beschuldigungen erhoben haben und damit den Rechtsstaat unterminieren. Doch so ganz richtig ist das wohl nicht, denn zwar haben diese Plagiatsjäger die Beschuldigungen erhoben, aber aberkannt wurde ihr der Titel von der Universität, die den Titel vergeben und die Vorwürfe vor der Aberkennung untersucht und für begründet empfunden hat. Das aber beweist, dass die gegen sie erhobenen Vorwürfe gerechtfertigt waren und somit, im Gegensatz zu ihren Vorwürfen gegen die Plagiatsjäger, sie selbst den Rechtsbruch begangen hat. An die Umkehr der Beweislast hat man sich ja inzwischen fast gewöhnt, aber die Umkehr der Schuld ganz öffentlich zu propagieren, finde ich schon recht dreist, denn obwohl Koch-Mehrin in diesem Fall auf die Plagiatsvorwürfe gegen die Ministerin Schavan anspielt, unterstelle ich, dass sie doch die eigene Aberkennung des Titels ein wenig stärker wurmt, als das derzeitige Verfahren gegen die Schavan.

Es wundert mich auch nicht sonderlich, dass in den Leserkommentaren so häufig angeführt wird, dass solche Doktorarbeiten schließlich keine sonderliche Relevanz hätten, denn aus meiner Sicht ist der Focus ein eher rechtslastiges Magazin, das vor allem für seine Zensur bekannt ist, wenn eine geäußerte Meinung nicht dem politischen Stil des Blattes folgt. Das kann ich sagen, weil ich schon recht oft zensiert wurde, obwohl es nicht meine Art ist, gegen die üblichen Netiquette-Regeln zu verstoßen.

Die Leser, die das plagiieren für nicht so schlimm halten, haben aber offenbar den Sinn einer Dissertation nicht verstanden. Ein Dr.-Titel eröffnet denen, die ihn haben, erheblich bessere Zukunftsperspektiven, als Leuten ohne diesen Titel. Um den Titel zu erhalten, können sie ein Thema aufgreifen und darüber eine Abhandlung schreiben. Das ist dann die Dissertation. Dabei können sie nicht nur, sondern sollen auch Gedankengänge anderer zu diesem Thema aufgreifen, dabei aber diese aufgegriffenen Gedanken anderer als Zitate kenntlich machen und in ihrer Dissertation entweder neues Gedankengut oder zumindest eine Erweiterung der bisher zum Thema geäußerten Vorstellungen einbringen. Das ist der eigentliche Sinn, einfach gesagt, eine geistige “Evolution” einer bereits bestehenden Abhandlung. Die Universität soll dann diese Erweiterung oder “Evolution” begutachten, ob sie wirklich neue Aspekte enthält und diese ausreichen, dem Bewerber den ersehnten Doktortitel zu verleihen. Beurteilt wird dabei vor allem, ob die erweiterte Sicht oder auch eine divergierende Sicht nachvollziehbar ist und eine wertvolle Ergänzung zu den bisherigen Sichtweisen darstellt.

Wer aber Zitate verwendet, ohne sie als solche kenntlich zu machen, schmückt sich mit anderer Leute Federn. Das wäre ungefähr so, als wenn Schüler in der Schule von anderen abschreiben und eine 1 bekommen, obwohl sie für diese 1 keine Voraussetzungen mitbrachten. In der Schule mag man das noch als nicht so wichtig ansehen, weil es wohl keinem Schüler gelingen wird, dauerhaft abzuschreiben, aber eine Dissertation ist ein einmaliger Vorgang und hat man erst den Titel, hat man auch eine dauerhafte Reputation, das man für wissenschaftliches Arbeiten geeignet ist. Wenn ein Fälscher Bilder von alten Meistern fälscht und man ihn erwischt, muss er in den Bau, obwohl er u. U. handwerklich sogar besser als der alte Meister ist, weil er für die Fälschung nicht nur das Bild zusätzlich auf alt trimmen muss, sondern auch die Farben analysieren und evtl. neu “erfinden” muss, weil diese damals verwendeten Farben heute nicht mehr zu kaufen sind. Selbst wenn seine Kopie des Bildes absolut dem Original gleicht, bleibt es eine in strafbarer Absicht erstellte Kopie und ist im Verhältnis zum Original nichts wert. Warum soll das bei einer Dissertation anders sein?

Aber wenn die arme Silvana Koch Mehrin nun 2014 ihr politisches Amt aufgibt, was soll sie dann nur machen? Was, wenn sie für Hartz IV gewesen ist und nun selbst zum Amt muss, haben sich sicherlich einige Focus-Leser gefragt. Nun, diese Leser kann ich beruhigen, nachdem ich mal kontrolliert habe, welche Vergütungen denn EU-Abgeordnete bekommen.

Die Arme hat für ihre 10-jährige Tätigkeit als EU-Abgeordnete bereits einen Pensionsanspruch von 2.784,90 € erreicht, sofern nicht weitere Ansprüche aus ihrer Nominierung als Vize-Präsidentin des EU-Parlaments hinzukommen.

Wenn Sie aussteigt, wird sie weitere 10 Monate ihre Bezüge erhalten, ohne Leistung dafür erbringen zu müssen (Übergangsgeld). Das sind 79.568,70 (Stand 2011) und die Abzüge davon für Steuer und Unfallversicherung betragen lediglich 23%. Aber mit Leistung hatte sie es ohnehin nicht so besonders.

Wenn nun die Ärmste noch 20 Jahre kräftig riestert, wird sie wohl bei Renteneintritt nicht unter die 850,00-Regelung von Frau von der Leyen fallen, es sei denn, von der Leyen fallen noch ein paar Sonderregelungen für “gefallene Politische Rauschgoldengel” ein, um denen noch ein wenig Abstand von der Armut zu sichern. Ein wenig Pension wird ihr ja sicherlich auch noch aus ihrer Tätigkeit im Bundestag zustehen.

Auch denke ich, dass der guten Silvana als Fördermitglied der INSM künftig in Presse und TV (öffentlich rechtlich) genügend Präsenz geboten wird, um für Unternehmen mit ausgeprägtem Lobbyismus interessant zu sein.

Lassen wir mal ihre Äußerungen unbeachtet und konzentrieren uns auf die Universitäten, die offenbar in der Vergangenheit auch so einige “Gefälligkeits-Titel” vergeben haben. So war der Doktorvater der Koch-Mehrin ein ehemaliger Rektor der den Titel vergebenden Uni Heidelberg, was sicherlich mit ein Grund für die lasche Prüfung der Dissertation gewesen ist. In Zukunft werden die Unis wohl mehr Augenmerk darauf legen, dass eine Dissertation auch den dafür aufgestellten Regeln entspricht und alle eingefügten Zitate aus anderen Arbeiten auch kenntlich gemacht werden, womit dann auch die Universitäten das Internet-Zeitalter erreicht haben dürften. Denn aus meiner Sicht sind die Prüfungskommissionen der Unis in gleichem Maße schuldig. Dort sitzen Wissenschaftler und wissenschaftliche Assistenten, für die die Prüfung von Plagiaten ein Standard sein sollte. Wenn die dann früher mal in einen Sekundenschlaf verfallen sind, wenn ein Plagiat auftauchte, weil der Proband mit den Zusätzen “katholisch und/oder Eltern politisch, streng an parteilichen Dogmen ausgerichtet” (meine subjektive Empfindung) vergessen hat, eine abgeschriebene Stelle zu zitieren, wird dieser Sekundenschlaf wohl künftig seltener bis gar nicht mehr auftreten. Denn auch für die Unis ist ein solcher Fall mehr als peinlich.

Quelle: flegel 

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Dazu passend:

Wer betrügt, wird befördert

 

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Eine Antwort to “Koch-Mehrin will nicht mehr für EU-Parlament kandidieren”

  1. Pleitegeier said

    Was solls.
    Dirk Niebel findet bestimmt noch ein Pöstchen für sie im Entwicklungsministerium.
    Er hat ja schon mehrere Parteikollegen dort hingeschoben und versorgt.

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