krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Investigativer Journalismus politisch nicht gewollt ?

Posted by krisenfrei - 17/10/2012

Wir brauchen mehr investigativen Journalismus!

Die Aufgabe der Presse als „vierte Gewalt“ im Staat ist die Kontrolle der Politik und die Informationspflicht gegenüber den Bürgern. Doch die journalistische Qualität erodiert zunehmend. Der wachsende wirtschaftliche Druck führt zu Rationalisierungen in Redaktionen. Büros werden geschlossen, Mitarbeiter in prekären Arbeitsverhältnissen angestellt oder entlassen. Der Zeit- und Leistungsdruck auf Journalisten nimmt zu. Immer weniger Journalisten müssen immer mehr Themen bearbeiten. So sank die Anzahl der internationalen Korrespondenten in Brüssel zwischen 2005 und 2010 von 1.300 auf 752. Dass, obwohl die politische Bedeutung der Europäischen Union durch den Vertrag von Lissabon und die Finanzkrise im gleichen Zeitraum deutlich zugenommen hat.

„Bemerkenswert abwesend“

Bei dieser Tendenz verwundert es nicht, wenn eine heute präsentierte Studie (.pdf) zu dem Schluss gelangt, dass die Brüssler EU-Journalisten bei der investigativen Berichterstattung „bemerkenswert abwesend“ sind. Auch in den Mitgliedstaaten ist die Anzahl der investigativen Beiträge über Betrug mit EU-Mitteln „relativ klein, und ungleichmäßig über die Mitgliedsstaaten verteilt (wobei von Großbritannien alleine mehr als 30% der Artikel stammen), eindimensional (nahezu ausschließlich auf Ausgaben und kaum auf Einnahmen bezogen), persönlich (fokussiert auf einzelne Menschen oder Unternehmen), und zufällig (betont ‚banale‘ Projekte anstelle von Strukturen, die Betrug ermöglichen).“

Die Studie wurde im Herbst 2011 vom Haushaltskontrollausschuss des EU-Parlaments in Auftrag gegeben. Ziel war es, ein Bild über die Rolle des investigativen Journalismus bei der Abschreckung von Betrug mit EU-Mitteln zu bekommen. Mehr als 80 Journalisten und Dutzende Beamte wurden dafür befragt. Lediglich 233 investigative Berichte konnten in diesem Themenbereich in den 27 EU-Mitgliedstaaten innerhalb von fünf Jahren ausfindig gemacht werden.

Auch die politischen Interessen der Journalisten spielen eine Rolle

Laut der Studie ist lediglich ein kleiner Kreis von EU-Journalisten gewillt Scoops und Skandale zu finden. So stammten 90 Prozent der untersuchten Beiträge von EU-Journalisten über EU-Fördergeldmissbrauch von Mitarbeitern der The Times/Sunday Times. Natürlich spielen Ressourcen eine bedeutende Rolle, investigativer Journalismus ist aufwendig. Das Center for Independent Media Assistance (CIMA) schätz den finanziellen Zuschuss der EU-Kommission und den anderen EU-Institutionen für die Unabhängigkeit von Medien auf rund 80 Millionen US-Dollar. Wobei nicht mehr als zwei Prozent davon in investigativen Journalismus fließen.

Doch „Geld ist nicht der entscheidend Faktor,“ so Margo Smit, die Journalistin und Studienautorin, die heute das Ergebnis im Haushaltskontrollausschuss präsentierte. Es ist der Wille. Und dabei spielen oftmals die sehr engen politischen Interessen der Journalisten und Medien eine Rolle. Der konservative EU-Abgeordnete Ryszard Czarnecki meinte etwa, dass die nationalen polnischen Journalisten das eigene Land für ihren Umgang mit EU-Fördermitteln nicht kritisieren, weil sie das polnische Image, wonach das Land einen sehr sorgsamen Umgang mit EU-Geldern pflegt, bewahren wollen. Auf der anderen Seite versuchen britische Medien durch aggressive Berichterstattung das Image der Europäischen Union zu schädigen, so der britische Sozialdemokrat Derek Vaughan. Hinzu kommt, dass ein Großteil der EU-Journalisten sogenannte „institutionelle Journalisten“ sind, also Personen, die eine pro-EU Einstellung verfolgen und einen geringeren Schwerpunkt auf die Prüfung von politischen Vorgängen setzen.

Summa summarum, fehlender Wille aufgrund von fehlender Unabhängigkeit der Medien, gepaart mit ökonomischem Druck, sind die zentralen Gründe für fehlenden investigativen Journalismus. Daher „zeigt sich eine Verlagerung in Richtung der Veröffentlichung von investigativen Berichten betreffend EU in investigativen Zentren und/oder neuen Medien, unter Verwendung der vielen Möglichkeiten, die das Internet bietet, um Daten und Dokumente, Hintergrund, Kontext und Methodologie hinzuzufügen,“ heißt es in der Studie.

Politik muss Vorraussetzungen schaffen

Guter investigativer Journalismus beginnt jedoch bei der Politik selbst. Die Voraussetzung dafür ist Transparenz. Sprich, eine verpflichtende, zentrale Veröffentlichung von allen Informationen und Daten in für Computer leicht lesbarer Form und verschiedenen Formaten, einschließlich Sanktionen bei Nichteinhaltung. Darüber hinaus sollte die EU eine wichtigere Rolle bei der Ermöglichung, Überwachung und Durchsetzung eines „Medienpluralismus, dem Schutz von Quellen und Whistleblowing-Regeln sowie Pressefreiheit im Allgemeinen” einnehmen, so die Ratschläge der Studie. Dem kann man nur zustimmen. Denn Fakt ist: Das Niveau der journalistischen Professionalität muss angehoben werden. Derzeit ist die „vierte Gewalt“ nicht mehr in der Lage seine Aufgaben ausreichend wahrzunehmen.

Quelle: Ehrenhauser

——————————————————
Wer aber interessiert sich schon für investigativen Journalismus? Heute werden sich die Massen-Medien und die, die sich diese zu Gemüte führen über das 4:4 der Deutschen Fussballnationalmannschaft gegen Schweden die Mäuler zerreißen. Bessere Ereignisse für die Politik gibt es gar nicht, um von deren bürgerfeindlichen Machenschaften abzulenken.
Wenn eines nach Jahrtausenden immer noch bestens funktioniert, dann sind es “Brot und Spiele”.
About these ads

4 Antworten to “Investigativer Journalismus politisch nicht gewollt ?”

  1. Kwame said

    Hallo,mein name ist kwame aliu,ich bin 32 jahre alt,arbeitssuchend aus fulda.Ich bin deutsch-afrikaner und lebe seit 1990 in deutschland. Ich schreibe ihnen weil ich den verdacht habe,dass ich überwacht werde obwohl ich weder politisch oder religiös extremistisch (verfassungsschutz) oder straftrechtich schwerwiegend(polizeilich) in erscheinung getreten bin und ich bin geistig gesund. Spezifisch heisst das, dass jeden tag immer ein dasselbe auto vorbeifährt mit meinen initialen sprich KA und ich dass gefühl in meiner wohnung könnte eine mini kamera eingebaut sein. Das heisst bei bestimmten handlungen wie z.b. wenn ich mir eine zigarette anzünde öfters eine hupe oder sirenen zu hören sind. Ich wende mich an sie weil die psychische belastung mittlerweile meinen alltag erheblich einschränkt, durch kompesation in form von alkoholkonsum und eventuelle herabstufung meiner arbeitsfähigkeit. Ich weiss mir in dieser situation nicht weiter zu helfen und erhoffe mir von ihnen in dieser sache HILFE. Ich würde gerne von ihnen wissen ob sie schon ähnliche berichte gehört haben oder was sie generell über überwachungen von privatpersonen für erfahrungen gemacht haben oder ob sie organitionen,vereine kennen an die sie mich weiterleiten könnten.MfGKwame Aliu

  2. uhupardo said

    Das Thema generell anzusprechen, ist richtig, wichtig und nicht erst seit gestern. Das sollten aber vielleicht Leute tun, die das Thema von innen und sehr gut kennen.

    Dann würden Sätze wie diese unterbleiben:

    “Laut der Studie ist lediglich ein kleiner Kreis von EU-Journalisten gewillt Scoops und Skandale zu finden.”

    “Es ist der Wille. Und dabei spielen oftmals die sehr engen politischen Interessen der Journalisten und Medien eine Rolle.”

    Wenn man hier zwei Wörter abzieht (“und Medien”), wird der Eindruck suggeriert, das nur wenige Journalisten – aus welchen Gründen auch immer – investigativen Journalismus betreiben wollen. Das stellt die Situation völlig auf den Kopf!

    Viele, sehr viele Journalisten würden liebend gern investigativ arbeiten, Korruptionsskandale aufdecken, den Mächtigen intensiv auf die Finger schauen. Doch 98 Prozent wären morgen früh ihren Job los, wenn sie es täten. Ich kann mir diese Freiheit zufällig erlauben, aber es sind sehr, sehr, sehr wenige, die das von sich sagen können.

    Nicht “Journalisten” bestimmen, worüber berichtet wird sondern Verlage (Unternehmen), private TV-Sender (Unternehmen) oder die öffentlich-rechtlichen Anstalten (= die Politik). Es ergibt also überhaupt keinen Sinn, wenn man irgendeine Verbesserung erreichen will, auf die Journalisten einzudreschen, wenn die Medienlandschaft eine komplett andere Struktur braucht, um ihrer Kontrollfunktion gerecht werden zu können.

    siehe auch: http://uhupardo.wordpress.com/2012/08/06/wie-unabhangig-sind-die-medien-wirklich/

    • krisenfrei said

      “Doch 98 Prozent wären morgen früh ihren Job los, wenn sie es täten.”

      Sie sagen es!
      Genau das ist das Problem.

      John Swinton bringt es auf den Punkt:
      “Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung bei der ich angestellt bin, herauszuhalten. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Beschäftigung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammons zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr täglich Brot. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden, und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben sind das Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.” (John Swinton, 1829-1901, Chefredakteur der “New York Times”, im Jahre 1880 bei seiner Verabschiedung)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 426 Followern an

%d Bloggern gefällt das: