krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

«Wir müssen lernen, wieder sparsam zu werden»

Posted by krisenfrei - 26/09/2012

von Prof. Dr. Eberhard Hamer

In den letzten 30 Jahren haben sich die Grundsätze und Verhaltensweisen unserer Gesellschaft fundamental verändert. Nach angelsächsischem Vorbild sind wir eine unzufriedene Gesellschaft, süchtig nach oberflächlichem Lebensspass (Spassgesellschaft) und gierig nach mehr Wohlstand (Wohlstandsgesellschaft) geworden.
–    Gewerkschaften und Werbung predigen uns täglich, dass wir mehr verdienen ­müss­ten, und
–    Konzerne und Arbeitgeberverbände fordern uns auf, immer mehr zu arbeiten,
–    damit wir auf Druck der Massenwerbung immer mehr Güter anschaffen.
Unsere Ansprüche wurden immer höher geschraubt. Nicht nur in der normalen Lebenshaltung, sondern auch im Urlaub, in den Anforderungen an den Gesundheitsdienst und in der Sicherung unserer Lebensgrundlagen einschliesslich unserer Mindestsozialbezüge. Diese höheren Ansprüche waren nur durch immer höhere Ausbeutung der Menschen selbst sowie der Ressourcen unserer Welt und der Umwelt überhaupt zu erreichen.
Vor allem die Politik hat immer höhere Anforderungen an uns gestellt. Die ständig wachsenden Steuern und Sozialabgaben verschlingen mehr als zwei Drittel unserer Bruttobezüge und lassen uns netto immer weniger (weniger als ein Drittel) zur ­Verfügung.
Zwei Drittel aller öffentlichen Finanzen werden nicht mehr für sinnvolle staatliche Aufgaben, sondern für die Umverteilung unter den Bevölkerungsgruppen, für ­Europa, für Konzerne und in der ganzen Welt in Anspruch genommen. Obendrein wird auch noch nicht nur die grösste inländische Verschuldung riskiert, sondern eine vielfache, hemmungslose europäische Schuldenhaftung, als ob mit der Geldflut kein Ende wäre.

Die Grenzen des Wachstums

Inzwischen merken wir nicht nur an den Ressourcen die Grenzen unseres Wachstums – der Ölpreis steigt ständig, auch die Mineral- und Metallpreise haben sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt. Immer mehr Menschen merken auch, dass ihre individuelle Leistungsfähigkeit die wachsenden Anforderungen in Arbeit und Leben nicht mehr trägt. Der Zusammenbruch durch Burnout ist inzwischen eine Volkskrankheit und zeigt uns, dass wir nicht mehr immer mehr arbeiten und dadurch nicht mehr immer mehr verdienen und mehr anschaffen können. Unsere Ansprüche werden sinken müssen.


Die Finanzkrise wird zunehmend auch zur Wirtschafts-, zur Arbeitsmarkt- und zur Konsumkrise und zeigt uns, dass offenbar in der Vergangenheit Blasen entstanden sind, für die wir büssen müssen.
Das gilt auch für den Moloch Staat und die durch Umverteilung über alle Einnahmen hinausgewachsenen Ausgaben, die sich in einer wachsenden Verschuldung der Staaten niedergeschlagen haben. Die ersten Staaten stossen bereits an ihre finanziellen Grenzen. Diese Erscheinung wird reihum gehen und in jeder Hinsicht die Grenzen der öffentlichen Üppigkeiten aufzeigen.

Das Ende des Wohlstandes

Unsere Politik hat zu Lasten unserer Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten verhängnisvolle Zersetzungserscheinungen produziert bzw. geduldet.
•    Durch hemmungslose Immigration wurde Deutschland vorsätzlich nivelliert in Religion, in Bildung und in Kultur. Die Mehrzahl der Immigranten ist nicht zur Arbeit nach Deutschland gekommen, sondern um vom üppigen Sozialsystem mitzuleben (Sozialimmigration). Jeder auf dem Markt Arbeitende muss deshalb bereits zwei Personen (einschliesslich seiner Angehörigen) miternähren. Wer mehr verdient, entsprechend mehr.
•    Gleichzeitig hat uns unsere Politik dem internationalen Wettbewerb mit Billigländern ausgesetzt, die keine Sozial­abgaben kennen, keinen Patent- und Rechtsschutz, deren Löhne nur ein Viertel oder ein Fünftel unserer betragen und die vor allem nicht die hohen Lohnnebenkosten mitschleppen müssen, die wir an Steuern und Sozialabgaben weltweit am höchsten erarbeiten müssen. Die deutsche Wettbewerbfähigkeit lässt ständig nach. In der nächsten Generation werden wir vielen heutigen Entwicklungsländern gegenüber nicht mehr wettbewerbsfähig sein, weil wir ihnen unsere Technik und unser Know-how gebracht haben, diese aber dann die gleichen Produkte zu einem Bruchteil unserer Kosten zurückliefern können. Das Beispiel der Airbus-Produktion in China steht warnend für viele.
•    Zugleich hat unsere Politik durch Zentralisierung in Europa immer mehr an Demokratie abgebaut und immer mehr nationale Normen, Eigenheiten und Dienstleistungen europazentral nivelliert. Unsere führenden Parteien bejubeln den Weg aus dem ehemals wirtschaftlich gesunden Nationalstaat Deutschland in das wirtschaftlich kranke, finanziell taumelnde und degenerierte Gesamteuropa. Schon zeigt sich im Finanzcrash, dass die übertriebene Gier der internationalen Banken und die hemmungslose Transferfinanzierung des Wohlstandsstaates taumeln. Die Party geht zu Ende, und die Rechnung kommt nun. Niemand will sie zahlen. Die Zocker-Täter hinterlassen uns Bürgern die Zeche.
•    Zusätzlich deutet sich ein Sozialkollaps an. Die Politik gibt auf breiter Front zu, dass die Renten mit dem heutigen System nicht mehr sicher sind, dass die künftigen Rentner um ihre Existenz fürchten müssen, dass man offenbar ein ungerechtes Umverteilungssystem der Renten zu kurzsichtig und zu üppig konstruiert hat. Gleiches gilt für das Gesundheitssystem. Die Politik hat uns durch Wahlbestechungen soziale Üppigkeit gewährt, die sie nicht hätte gewähren dürfen, die unbezahlbar sind und die nun aufbrechen.

Die verarmende Gesellschaft

Der jetzige Finanzcrash ist noch nicht beendet. Er wird sich voraussichtlich in einer Wirtschafts-, Gesellschafts- und Staatskrise fortsetzen. Dann werden die für Europa übernommenen Schulden zu einer dramatischen Inflation führen und viele Verlierer nach sich ziehen.
Wer verliert?
–    Hauptverlierer in jeder Inflation sind die Sparer, welche einen Nominalanspruch haben, der aber bei wachsender Inflation sich immer mehr im Wert verflüchtigt.
–    Verlierer sind auch die Rentner, welche eine der Inflation entsprechende Renten­erhöhung nicht erwarten können. Selbst bei gleicher Rentenhöhe wird also der Realwert der Rente immer weniger und viele Rentner verarmen.
–    Verarmen wird auch das Sozialklientel. Die Hartz-IV-Bezieher und sonstigen Sozialbezieher werden mit heutigen Sozialleistungen nicht mehr rechnen können. Zumindest wertmässig nicht mehr. Sie werden sich also nicht mehr darauf verlassen können, dass der Staat sie voll unterhält. Sie müssen sich künftig auch selbst um Unterhalt mitbemühen.
–    Wenn die Sozialklientel verarmt, werden auch die Sozialfunktionäre ihre heute üppigen Gehälter nicht mehr erwarten können, werden die Gelder nicht da sein, um so viele Sozialbetreuer und so hohe Gehälter dieser Funktionäre zu bezahlen. Dies gilt auch für unseren üppigen Gesundheitsdienst, der zahlen- und einkommensmässig zurückgefahren werden muss, wenn die Sozialabgaben nicht mehr ausreichend zur Verfügungen stehen, von denen sie leben.
–    In jeder verarmenden Gesellschaft bleiben auch die öffentlichen Diener nicht ausgeschlossen. Wir haben die höchsten öffentlichen Gehälter der deutschen Geschichte. Dies kann nicht so bleiben. Wie Griechenland zeigt, muss der öffentliche Dienst mit drastischen Reduzierungen rechnen.
–    Aber auch der Mittelstand wird leiden und schrumpfen. Viele leitende und führende Angestellte werden ihr hohes Gehalt verlieren. Auch viele der heute 4 Millionen Selbständigen werden die Wirtschaftskrise nicht überstehen. Der heute etwa 40% der Bevölkerung ausmachende Mittelstand wird – wie die Krisengeschichte zeigt – voraussichtlich auf die Hälfte zurückfallen, das heisst viele mittelständische Familien werden in die Unterschicht abrutschen und verarmen.
–    Bleibt noch die Arbeiterschaft, die nicht nur durch Lohnkürzungen, sondern auch durch Entlassungen verarmen und vielfältig in Not geraten wird.
Man braucht nur die Geschichte der Krisen in den verschiedenen Ländern nachzulesen. Immer waren es die gleichen vorgenannten Erscheinungen, welche ehemals reiche Länder durch Gier und Üppigkeit verarmen liessen, was immer zu Lasten der breiten Bevölkerung ging, aber die Oberschicht meistens aussparte.

Überlebensregeln

Wer glaubt, dass die Krise zur Verarmung der Bevölkerung führe und sich selbst ebenfalls gefährdet sieht, sollte etwas dagegen tun. Meine Generation der Nachkriegszeit hat erlebt, womit man aus dem Nichts überleben und wieder aufsteigen konnte:
–    Die wichtigste Vorsorge für jede Krise ist die eigene Maximalbildung. Wer mehr Bildung und Kenntnisse und Fähigkeiten als andere in der Gesellschaft hat, wird immer gesucht sein und deshalb bessere Existenzchancen als andere haben. Nicht umsonst haben frühere Bildungspolitiker gerade den unteren Bevölkerungsschichten Bildung als wichtigste Überlebens- und Aufstiegschance empfohlen.
–    Die auf uns zukommende Überschuldung und Geldentwertung (Inflation) schadet vor allem denjenigen, die monetäre Werte besitzen. Wer dagegen Sachwerte besitzt, wird von der Inflation weniger betroffen. Sachwerte erhöhen relativ ihren Wert. Also gilt als Vorsorgeregel: Vom Geldwert in Sachwerte umsteigen. Rechtzeitig versuchen, alle Geldanlagen durch Sachwerte abzusichern.
–    Zu den wichtigsten Sachanlagen gehören die eigenen vier Wände. Wer in eigenen vier Wänden wohnt, spart auch in der Krise eine Miete, steht also mit gleichem verfügbaren Einkommen erheblich besser da als andere, die von diesem Nettoeinkommen noch Miete zahlen müssen.
–    Gefährlich sind auch Schulden. Wer in Krisenzeiten Schulden bedienen muss, hat weniger verfügbares Einkommen als derjenige, der schuldenfrei ist. Er hat also auch einen niedrigeren Lebensstandard. Eine der wichtigsten Regeln ist also, in der Krise schuldenfrei zu sein.
–    Ist der Wohlstand vorbei, werden wir alle lernen müssen, wieder sparsam zu werden und zu bleiben. Sparsamkeit wird wieder eine Tugend werden, die überlebensnotwendig ist und über den Lebensstandard entscheidet. Viele Leute werden dies neu lernen müssen. Wer sich zuerst darauf einstellt, hat die grössten Überlebenschancen.
Aus der Wohlstandsphase und der Lebens- bzw. Wohlstandsgier, in der wir nie genung hatten, werden wir schon bald in die Phase der Bescheidenheit kommen, in der viele Menschen nicht mehr genug zum Leben haben werden. Es hilft dazu nicht, die treulosen Politiker, Banker und Manager zu verfluchen, welche uns in diese Situation gebracht haben; die Täter tragen nicht die Folgen, sondern jeder Einzelne von uns. Darum: Wer sich zuerst darauf einstellt und seine Einstellung, seinen Lebensstil und seine Vermögensdisposition darauf hin orientiert, wird die auf uns zukommenden mageren Jahre am besten überstehen.

Quelle: zeit-fragen

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Eine Antwort to “«Wir müssen lernen, wieder sparsam zu werden»”

  1. Heiner Hannappel said

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Eberhard Hamer
    Ihre hervorragende Analyse ist eine der wenigen hinter die ich mich ohne weitere Einlassungen stellen kann!!!
    Dankeschön und weiter so.
    Heiner Hannappel
    Koblenz

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