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Stehen wir vor einem Krieg im Mittleren Osten?

Posted by krisenfrei - 17/09/2012

Eric Margolis

 Die Briten pflegten es den „Preis für das Weltreich“ zu nennen: gelegentliche Angriffe auf Soldaten und Botschaften Ihrer Majestät durch wütende schwert- und speerschwingende Eingeborene. 

Eilends wurden Soldaten des Imperiums entsandt und schlugen schnell die Aufstände nieder. In den 1920er Jahren autorisierte Winston Churchill den Einsatz von Giftgas gegen „renitente“ Stammesleute in Irak und Afghanistan. 

Aber jetzt schnell zu den Erben des britischen Weltreichs. Die Angriffe in dieser Woche auf Botschaften der Vereinigten Staaten von Amerika in der arabischen Welt waren ein zutiefst beunruhigendes Anzeichen für die gewalttätige antiamerikanische Wut, die in der ganzen muslimischen Welt kocht.

Auslöser des letzten Gewaltausbruchs war die tragische Ermordung von Christopher Stevens, des neuen Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika in Libyen, eines arabisch sprechenden Karrierediplomaten. Er war einer von den gebildeten, erfahrenen Diplomaten, die Amerika so dringend braucht. Nachdem ich selbst vor vielen Jahren beinahe dem Außendienst der Vereinigten Staaten von Amerika beigetreten wäre, tat er mir besonders leid.

Wir wissen noch nicht, wer Stevens getötet hat, aber zwei Gruppen von Verdächtigen fallen einem sofort ein: antiwestliche Jihadisten der al-Qaida im Mahgreb oder Gaddafi-Anhänger, die Rache suchen für die Tötung ihres Anführers mit Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika, dessen Konvoi von einer Drohne der Vereinigten Staaten von Amerika in die Luft gejagt wurde.

Was immer daraus wird, eine Zunahme der Gewalt scheint wahrscheinlich zu sein. Der widerwärtige antimuslimische Film aus Kalifornien, der die Proteste in Ägypten, Jemen und Nordafrika anfachte, ist in Irak, Iran, Afghanistan und Pakistan noch kaum bekannt. 

Ich sah ungefähr 15 Minuten dieses geschmacklosen Stückes Amateurpropaganda. Es verleumdete den Propheten des Islam und seinen Glauben in widerwärtigster Weise. Die wirklichen Produzenten dieses gemeinen Machwerks sind noch immer nicht genau bekannt: ein koptischer Ägypter, der wegen Bankbetrugs verurteilt worden ist, eine Gruppe proisraelischer amerikanischer Geschäftsleute, ein fanatischer christlich-faschistischer Hetzer und Waffenfanatiker. 

Moslems allerorts gaben der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Schuld an dem Film. In Wirklichkeit scheint Washington in keiner Verbindung zu dem Film zu stehen und hätte diesen laut den Gesetzen der Vereinigten Staaten von Amerika auch gar nicht verhindern können.

Der republikanische Kandidat Mitt Romney jedoch verlor keine Zeit, um Präsident Obama in absurder Weise wegen „Sympathie” für den Angriff in Bengasi zu denunzieren. Der stolpernnde Romney lieferte wieder einmal ein Beispiel dafür, dass er wohl noch nicht bereit ist für das Präsidentenamt.

Die große Frage ist, wer diesen Feuersturm gestartet hat. Wären wir in den guten alten Zeiten des Kalten Kriegs, dann würde ich sagen, dass der Film von der Spezialabteilung des KGB für Verwirrung des Gegners gemacht wurde, um die muslimische Welt gegen die Vereinigten Staaten von Amerika aufzubringen.

Heute sind die wahrscheinlichsten Täter weit rechts stehende christliche Fundamentalisten, die den Islam mit religiöser Inbrunst hassen, sowie eine Gruppe von neokonservativen Geschäftsleuten, die versuchen, Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der muslimischen Welt – nämlich dem Iran – in die Wege zu leiten. Ein Netzwerk von evangelikalen Sendestationen, Publizisten und Schulen produziert am laufenden Band einen ständigen Strom von antiislamischen Hetztiraden

Die jüngsten Aufstände im Mittleren Osten gegen die Vereinigten Staaten von Amerika überzeugten viele Amerikaner, dass alle Moslems gewalttätige Extremisten sind. Der Hetzfilm bestärkte die falsche Meinung vieler Moslems, dass die Vereinigten Staaten von Amerika darauf aus sind, ihre Religion auszurotten.

Alles das passt gut zusammen mit den Bemühungen rechtsstehender Ideologen, die Vereinigten Staaten von Amerika in einen Kreig gegen den Iran zu stoßen. Präsident Obama weigerte sich bis jetzt hartnäckig, der Kriegshetzerei nachzugeben, kein leichtes Unterfangen in einem Wahljahr, in dem er in einem Kopf an Kopf-Rennen mit Romney steht. 

Diese Woche verlangte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, Obama solle die Bedingungen offenlegen, unter denen die Vereinigten Staaten von Amerika den Iran angreifen würden. Netanyahus amerikanische Helfershelfer beschuldigen Obama, „Israel unter einen Bus zu werfen.“ Zeitweise sieht es so aus, als gebe es drei Kandidaten für das Weiße Haus in Washington: Obama, Romney und Netanyahu. 

Netanyahu schimpfte und tadelte Obama, weil er nicht amerikanische Soldaten geschickt und kein amerikanisches Geld ausgegeben habe, um den Iran anzugreifen, wo dieser doch ein potentieller Rivale oder eine Bedrohung für Israel sei. Netanyahu unterstützt jetzt offen Romney im Präsidentschaftswahlkampf. Im Jiddischen wird ein solches Verhalten als „Chuzpe“ bezeichnet, eine Mischung aus dreister Frechheit und empörender Überheblichkeit.

Wenn wir das alles zusammenzählen, dann kommen wir zu den üblen Bildern von Hysterie und militärischen Aufplustern im August 1914, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, einem völlig unnötigen Konflikt, der außer Kontrolle geriet und Europa in Schutt legte.

Die öffentliche Meinung in der muslimischen Welt, in Amerika und Kanada wird von denen manipuliert, die den Krieg suchen. Ein paar Tote mehr, ein Zusammenstoß im überfüllten Golf, eine Bombe im Westen, und ein größerer Krieg im Mittleren Osten könnte ausbrechen.

Ein Krieg, in dem Premierminister Netanyahu denkt, er werde der Sieger sein. Leider könnte er sogar recht haben.

Quelle: antikrieg

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