krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Zinsknechtschaft

Posted by krisenfrei - 12/09/2012

Sehr geehrter Herr Michael Winkler, mit Ihrem 398. Pranger haben Sie wirklich einen Volltreffer gelandet. In der Tat, sehr viele Menschen befinden sich in einer Zinsknechtschaft. Eigentlich sind es fast alle Staatenbürger, die dank ihrer Schulden-Politiker in eine Zinsknechtschaft getrieben werden.

Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Menschen Ihren 398. Pranger lesen und auch nachvollziehen können. Großbanken und deren Marionetten (Politiker) verkörpern das Übel unseres Geld- und Gesellschaftssystems.

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Zinsknechtschaft 

von Michael Winkler (der 398. Pranger)

Lassen Sie sich bitte einladen, einmal auf die andere Seite des Tisches zu kommen. Dorthin, wo jene Herrschaften sitzen, die schon als Kleinkinder in ihrer Männlichkeit verstümmelt wurden und seitdem Haß auf die ganze Welt hegen. Jene Herren rächen sich an wehrlosen Säuglingen, indem sie diese ebenfalls verstümmeln, unter dem Hinweis, daß das Gottes Wille sei. Wer seinen eigenen Kindern solche Dinge antut, der wird gegenüber Fremden noch weitaus hartherziger sein.

Gehen wir so etwa 5.000 Jahre zurück. Gold und Silber sind zwar schon erfunden, doch noch basiert die Wirtschaft auf Tauschhandel. Nun kommt Ihr Nachbar zu Ihnen und bittet Sie um 50 Scheffel Weizen. Dabei ist es unerheblich, ob dessen Vorräte durch Trockenheit, Mäusefraß oder einen überraschenden Besuch der Schwiegermutter aufgebraucht worden sind. Bis zur nächsten Ernte sind es noch vier Monate und Sie sind in der glücklichen Lage, die 50 Scheffel ohne jegliche Einschränkung zu entbehren.

Sie haben jetzt grundsätzlich drei Möglichkeiten, das Geschäft abzuschließen. Nach dem Modell Volksgemeinschaft verschenken Sie den Weizen, da Sie ihn nicht brauchen, demnächst eine neue Ernte hereinkommt, sich Getreide nicht unbegrenzt lagern läßt und Sie hoffen, daß Ihnen die gleiche Wohltat erwiesen wird, wenn Ihre Schwiegermutter einfallen sollte. Die zweite Möglichkeit ist die buchhalterische, der Nachbar muß von seiner Ernte die 50 Scheffel zurückzahlen, wobei das auch 40 sein können, denn sein Getreide ist frisch, Ihres schon abgelagert, oder auch 60, denn sein Getreide ist feucht und aufgequollen, Ihres hingegen trocken und etwas eingeschrumpelt. Die dritte Möglichkeit ist die Zinsknechtschaft, die Ausbeutermethode. Was wollen Sie vom Nachbarn? Dessen älteste Tochter? Drei Scheffel für einen, da Sie ohne diesen bedürftigen Nachbarn Ihren Weizen ja aussäen könnten und er diesen Ertrag abwürfe? Den Nachbarn als Untertan, der die Leihgabe bei Ihnen abarbeiten muß?

Sie sehen, schon die einfache Wirtschaft der frühen Menschheit eröffnete wunderbare Wege, seine Mitmenschen auszubeuten. Besonders effektiv war die Ausleihe gegen Pfand. Das konnten Leib und Leben des Schuldners und seiner Familie sein, oder auch dessen Land und sonstiger Besitz. Zuerst nehmen Sie ihm als Gläubiger seine Ernte, dann sein Land und schließlich ihn selbst als Sklaven. Sie hatten schließlich eine ganze Schar von Zinsknechten angesammelt, die nun für sie jene Ländereien beackerten, die einstmals ihr ererbtes Land gewesen waren. Als Gläubiger brauchten Sie nicht mehr zu arbeiten, Sie begnügten sich mit Buchführung, Tempelbesuchen und der allfälligen Bewunderung des Gottkönigs, dessen gerechte Gesetze Ihnen ein so angenehmes Leben ermöglichten.

Damit erfahren Sie bereits die angenehmen Seiten der Zinsknechtschaft: Ihre Mitmenschen müssen für Sie arbeiten und Sie können das Leben genießen. Wobei, Zahnschmerzen und die kleinen Zipperlein, die ein Arzt heute mit zwei Aspirin kuriert, waren damals eine echte Plage. In der vorbiblischen Zeit war die Zinsknechtschaft nur eine Form der Sklaverei, deutlich umfangreicher waren die Kriegsgefangenen, die vor der Genfer Konvention und nach dem zweiten Weltkrieg zu Sklavenarbeiten herangezogen worden sind.

Die vielen siegreichen Kriege Israels im Alten Testament sind vor allem frei erfunden. Daß Gott Jahwe dabei immer den Völkermord an den Unterlegenen angeordnet hat, könnte man wohl auf den Phallusneid der Beschnittenen zurückführen, aber da sind jüdische Psychoanalytiker ein wenig betriebsblind. Jedenfalls bleiben nach vollzogener ethnischer Säuberung keine Kriegsgefangenen mehr übrig, um als Sklaven für die Sieger zu arbeiten. Dafür scheint die Zinsknechtschaft im alten Palästina eine echte Plage gewesen zu sein, deshalb hat man in den dem Moses angedichteten Gesetzen festgelegt, daß alle Jubeljahre die Zinsknechte freigelassen werden sollen, zumindest die jüdischen.

Bei den Römern gab es eine spezielle Form der Zinsknechtschaft: die Unterworfenen hatten Tribut zu leisten. Wenn sie es nicht konnten, haben reiche Römer schon mal irgendwelchen Städten das Geld geliehen, zu bescheidenen 48% Zinsen pro Jahr. Weitere nette Zeitgenossen nannten sich Steuerpächter. Diese boten der Republik eine gewisse Summe an Steuern, die sie in einer Provinz eintreiben wollten. Die staatlichen Stellen ließen sich darauf bereitwillig ein, denn der Steuerpächter garantierte mit seinem privaten Vermögen für die gebotene Summe. Für den Steuerpächter selbst lohnte sich das Geschäft natürlich ebenfalls, bürdete er der Provinz nicht nur die dem Senat geschuldete Steuer, sondern noch einen Risikoaufschlag, den nötigen Unternehmergewinn und einen Beitrag für die Altersversorgung der Pächterfamilie auf.

Rom hatte als Bauernrepublik angefangen, mit vielen kleinen Landbesitzern, die von den Erträgen ihrer Felder gelebt haben und hin und wieder in den Krieg gezogen sind. Damals wurde so ein Krieg ganz ökonomisch geführt. Rom schickte Gesandte zu seinen Nachbarn, die diesen eröffneten, daß Rom nun Krieg gegen sie führen wolle. Die Gesandten handelten auch noch Ort und Zeitpunkt der Schlacht aus. Ja, ich weiß, das ist völlig unamerikanisch, weil weder ein Massaker unter der Zivilbevölkerung noch eine großflächige Verwüstung des Feindeslands durchgeführt werden, aber die Römer hatten eben keine Ahnung von moderner Grausamkeit. Jedenfalls trafen sich so die beiden Heere und die Römer haben ihre Gegner mit einem einzigen Schlag vernichtet. Der römische Bauernsoldat trat am Montag dem Heer bei, marschierte am Dienstag, kämpfte am Mittwoch, marschierte am Donnerstag zurück und wurde am Freitag demobilisiert. Die Woche drauf arbeitete er wieder auf seinem eigenen Feld.

Natürlich gab es damals schon Adlige, die jene Heere anführten und größere Anteile der Beute erhielten. Solange die Kriege in der römischen Nachbarschaft stattfanden, arbeiteten die Nichtadligen weiterhin auf ihren Feldern und die Adligen vergrößerten ihren Besitz, ohne größere Reibereien. Nach dem Besuch des Brennus änderte sich das, Rom hatte, genau wie die USA, gelernt, daß man Kriege am besten weit weg von der Heimat austrägt. Das hieß für die römischen Bauernsoldaten, daß sie ihre Felder im Stich lassen mußten, weil die Feldzüge nun Monate dauerten. Die reichen Römer – Sie zählen dazu, Sie erinnern sich? – übernahmen mit ihren großen, Latifundien genannten Güter die Nahrungsversorgung. Dort arbeiteten Scharen von Sklaven, und wenn die Bauernsoldaten siegreich nach Hause zurückgekehrt sind, mußten sie ihre Familien mit den Erzeugnissen der Großgrundbesitzer durchfüttern.

Der Mechanismus mit der Zinsknechtschaft funktionierte in Rom so gut wie 3.000 Jahre zuvor, er mußte nur ein wenig angepaßt werden. Ihre Zinsknechte heißen nun Klienten und Sie sind deren Patronus. Die Klienten liegen Ihnen auf der Tasche, da jedoch Rom noch immer eine Republik ist, haben die Klienten bei den Wahlen so abzustimmen, wie Sie, der Patron, das wollen. Sie können also die Stimmen Ihrer Klienten meistbietend verschachern. Offiziell sind die Klienten freie Römer, ohne Brandzeichen und Sklavenhalsketten, doch viel mehr als die Sklaven in Rom gelten sie nicht.

Immerhin, in einer Beziehung stellen sich die Klienten besser als die heutigen Billiglohnempfänger: Der Patron mußte für sie sorgen, unterließ er dies, durften die Klienten sich einen neuen Patron suchen und ihr vorheriger Herr verlor beträchtlich an Ansehen. Für den Klienten war sein Patron Arbeitgeber, Sozial-, Kranken- und Altersversicherung, für den Patron die Klienten die Quelle seiner politischen Macht und seines Ansehens.

Die römischen Wehrbauern gab es nicht mehr, jedoch wurde das System von der Berufsarmee nachempfunden: Wer seine zwanzig Jahre abgedient hatte, erhielt einen Bauernhof in einer Provinz des Reiches. Damit hielt man die erfahrenen Veteranen von der Hauptstadt fern, entzog sie folglich dem Einfluß von Revoluzzern, die den Staat gerne neu geordnet hätten. Außerdem schuf das Reich kleine Inseln des Römertums, denn zwanzig Jahre Armeedienst formten ungeschlachte germanische Söldner zu Menschen, welche die römische Lebensart schätzten. Wer zudem ein wenig von seinem Sold gespart hatte, konnte sich zudem ein paar Sklaven leisten und gehörte somit der staatstragenden wohlhabenden Mittelschicht an.

Für Sie als schwerreichen Finanzmagnaten war das Leben unter den Kaisern nicht immer angenehm. Vor allem, wenn Nero Ihrer gedacht hatte. Da wurden Sie freundlich aufgefordert, den Kaiser als Universalerben einzusetzen und, bitteschön, ihn nicht allzu lange auf das Erbe warten zu lassen. 150 Jahre früher hatten Sie gute Chancen, auf die Todeslisten eines Sulla zu geraten, nach Nero – und erst recht nach Marc Aurel – taten Sie gut daran, Ihren Ehrgeiz zu zügeln und sich aus der Politik fernzuhalten. Im Westteil des Reiches konnten Sie trotzdem mindestens 300 Jahre ungestört Ihren Reichtum ausleben, wenn Sie sich aus allem Unschönen herausgehalten haben.

Ich möchte Sie nun in die Gegenwart holen und Ihnen als Erster zur Beförderung zum Bankdirektor gratulieren. Ja, ja, hier macht man Karriere! Allerdings ist Ihre Bank noch nicht Goldman Sucks, sondern ein kleineres Institut irgendwo in Deutschland, sagen wir, in Nordoosterstedt. Wir sind auch noch nicht ganz in der Gegenwart, sondern stecken noch in den frühen 1950ern. Der Kunde, der vor Ihnen sitzt, möchte sich ein Haus bauen und dafür eine Hypothek aufnehmen. Er macht einen guten Eindruck auf Sie, er hat Dreher gelernt und arbeitet jetzt bei Borgward am Fließband. Sein Lohnzettel sieht gut aus und da Sie die Qualität der Borgward-Automobile kennen, erachten Sie das für einen guten, krisensicheren Arbeitsplatz. Sie sind einverstanden.

Der junge Mann erfüllt alle in ihn gesetzten Erwartungen. Er zahlt seine Hypothek pünktlich, sein Arbeitslohn steigt und er ist Vater von drei Kindern geworden. Wie gesagt, Sie sind nicht Goldman Sucks, sondern gehören zu den Guten. Sie verhalten sich ruhig, als Borgward in die Insolvenz geht und Ihr Hypothekenkunde eine Rate von seinem Sparbuch bezahlen muß. Er hat Arbeit auf einer Werft gefunden, erfahren sie, wo er zum Schweißer fortgebildet wurde. Später erfahren Sie noch mehr: Ihr Hypothekenschuldner wäre liebend gerne nach Wolfsburg gewechselt, wo VW Arbeiter sucht. Allerdings hatte er sich das nicht getraut, denn sein Haus und seine Hypothek haben ihn veranlaßt, in Nordoosterstedt zu bleiben.

Ende der 70er schließt die Werft und Ihr Kunde ist sechs Monate lang arbeitslos. Es reicht für Ihn gerade so zum Leben und für die Hypothek, bis er bei einer Spedition anfängt. Jetzt hat bekommt er spärliche 200 Mark mehr bezahlt als vorher als Arbeitsloser – Sie sehen das an seinen Kontoauszügen – aber er bezahlt seine Hypothek gewissenhaft ab. Der jüngere Sohn kann sogar studieren. Endlich, Mitte der 80er, ist die Hypothek abgetragen. Der junge, kraftstrotzende, optimistische Mann ist alt geworden, die Jahre haben sein Gesicht gezeichnet. Es sind Sorgenfalten, denn das Wirtschaftswunder ist längst vorbei. Wie lange er noch über Land fahren kann, weiß er nicht, vielleicht ist ja eine Frührente für ihn möglich.

1990 deckt ein Wintersturm das Haus ab, und Ihr Kunde benötigt wieder ein Darlehen. Ja, er ist in Frührente, doch er hat einen Hausmeisterposten in einer Schule angenommen, verdient dazu, er wird die Hypothek bedienen können. Erst 1996 ist er wieder schuldenfrei, doch bald darauf wird er krank, er erlebt die Jahrtausendwende nicht mehr. Er hat sein Leben in Schuldknechtschaft verbracht, obwohl Sie ihm ein guter Zinsherr gewesen waren. Es hatte mehrere Gelegenheiten gegeben, das Darlehen fällig zu stellen und so das Haus für die Bank zu vereinnahmen, doch Sie haben Ihrem Kunden vertraut und Recht behalten. Sie selbst dürfen nun ebenfalls in den Ruhestand gehen, und da Sie kaum körperlich gearbeitet und nie Existenzsorgen gehabt haben, dürften Ihnen noch 20 bis 30 ruhige Jahre bevorstehen. Auch das ist eine Belohnung dafür, auf der richtigen Seite des Tisches zu sitzen.

Der Mann in diesem Beispiel hat es zu einem eigenen Haus gebracht, er hat eine Familie ernährt und drei Kinder großgezogen. Er hat ein paar Schicksalsschläge hinnehmen müssen, sich jedoch immer wieder aufgerappelt. Wir wissen nicht, ob er seinen Wellensittich verprügelt hat, nach allem, was uns bekannt ist, war er ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft. Und doch war er ein Zinsknecht, jemand, der seine Seele einer kleinen Bank in Nordoosterstedt verkauft hat.

Bleiben wir noch eine Weile in Nordoosterstedt, für eine Lektion im Grundkurs Bankwesen. Der ideale Bankkunde ist der Sohn von Oma Tüttelbek. Der bekommt von seiner Mutter 10.000 Euro geschenkt und legt sie bei der Bank zu 2½% als Festgeld an. Ein paar Monate später braucht er 10.000 Euro für ein neues Auto und leiht sich diese für 7½%, sein Festgeld tastet er nicht an. Sie als Bankdirektor freuen sich darüber, bekommen Sie doch für Geld, das dem Kunden gehört, von diesem dreimal so viele Zinsen, wie Sie ihm im Gegenzug bezahlen müssen. Und Sie gehören sogar noch zu den Guten, denn Goldman Sucks würde dem Kunden ein Prozent zahlen und zwölf Prozent abverlangen.

Der beste Kunde für Sie wäre jemand, der es noch einen Tick geschickter anstellt als Herr Tüttelbek. Der ideale Kunde eröffnet bei Ihnen ein Schließfach, in das er 250 Gramm Gold legt, die er Ihnen für einen endfälligen Kredit in Höhe von 10.000 Euro verpfändet. Sie als Bank tragen absolut kein Risiko, der Kunde bezahlt Zinsen und Depotgebühren. Unter diesen Bedingungen wären Sie bereit, den Kredit auf 25 Jahre laufen zu lassen, aber auch gerne auf 50 oder 250 Jahre. Je länger, desto lieber!

Jetzt ziehen Sie sich bitte um. Dreiteiler, Nadelstreifen, nach Maß, ebenso Ihre Schuhe – es geht in die Chefetage einer internationalen Großbank. Wenn Sie wollen, gerne auch Goldman Sucks, da haben Sie obendrein den Vorteil, Gottes Werke zu tun. Ganz wie damals im Alten Testament, als selbiger Gott die Auslöschung ganzer Völkerscharen angeordnet hatte.

Ihre Schuldner heißen jetzt nicht mehr Malte Tüttelbek, sondern tragen so langweilige Namen wie USA, Griechenland, Spanien, BRD oder Frankreich. Es geht auch nicht mehr um ein paar läppische Euros, sondern um zwei-, drei- und vierstellige Milliardenbeträge. Aber nur, weil das Rad ein bißchen größer und das Umfeld ein bißchen feiner ist als zuvor, gilt selbst für jüdische Großbanken das, was bei der Provinzbank von Nordoosterstedt über den idealen Kunden gelehrt worden ist.

Und selbst jemand, der Gottes Werke tut, ist nicht gefeit vor Aberglauben. Zu diesem Aberglauben gehört der Lehrsatz, daß Staaten nicht Bankrott gehen. Ja, schön, Simbabwe vielleicht oder Argentinien, aber doch niemals Frankreich. Und da die Staaten selbst an diesen Mythos glauben, pflegen sie diesen sorgfältig. Auch wenn es ein lästiges Relikt aus der Vergangenheit sein mag, geben die Staaten immer noch den Banken die Regeln vor. So muß eine Bank, die Malte Tüttelbek Geld leiht, diesen Kredit mit einer, wenn auch geringen, Menge Eigenkapital unterlegen. Staaten hingegen dürfen die Banken ohne dieses Eigenkapital Geld leihen.

Der ideale Kunde hinterlegt Sicherheiten, die den Kredit abdecken, und leiht sich das Geld über Generationen – so ungefähr sieht ein Staat aus Bankenperspektive aus. Die Regierung Adenauer leihe sich 1950 fünf Milliarden Mark für fünf Jahre. Die Bank betrachtet die ganze BRD als Sicherheit und gewährt den Kredit. Nun scheinen fünf Jahre nicht besonders viel zu sein, doch Regierungen zahlen einen Kredit nicht wirklich zurück. 1955 leiht sich die Regierung – immer noch Adenauer – fünf Milliarden, um damit den Kredit von 1950 zu tilgen. Gleiches geschieht 1960, ’65, ’70… und ja, es passierte 2010 und es wird 2015 wieder geschehen. So sind aus fünf Jahren mittlerweile 65 Jahre geworden.

Für Sie als Bank ist das natürlich sehr angenehm. Sie leben schließlich nicht davon, daß Kunden vorbeikommen und säckeweise Geldscheine abliefern, sondern von den Zinsen, die jene bezahlen müssen, die sich von Ihnen Geld leihen. Einlagen sind schön und gut, doch von Ihrer Warte aus gesehen sind das Verbindlichkeiten, Geld, das SIE einem Dritten schulden. Ausleihen hingegen sind Forderungen, Geld, das ein Dritter IHNEN schuldet, Geld, das diesen Dritten zum Zinsknecht werden läßt.

Die guten alten Zeiten, in denen Sie eine Peitsche schwingend ihre Zinssklaven auf die Felder gejagt haben, sind vorbei. Die Peitsche zu schwingen und die Kerle überwachen artet schließlich in Arbeit aus, und Arbeit ist Ihre Sache nicht. Zinsen sind nun mal leistungsloses Einkommen, dabei wollen wir es belassen.

Gottes Werke tun heißt, die Welt beherrschen. Sie sind kein Bankenbaron, dieser Titel wäre viel zu gering. Auch Bankenfürst trifft es noch lange nicht. Anders als Ihre Vorgänger brauchen Sie keinem Kunden mehr nachzulaufen, denn die ganze Welt ist bei Ihnen verschuldet. Sie sind ein Parasit, ein Blutsauger, der von der ganzen Welt Zinsen einkassiert, ABER – und das unterscheidet Sie von den Parasiten aus dem Tierreich! – Sie wissen, daß Sie Ihre Wirtstiere pfleglich behandeln müssen.

Nehmen wir Frankreich, die fünfte Republik. Allein diese Ordnungszahl zeigt, daß sich die Franzosen gerne staatlich neu orientieren. Die erste und zweite Republik endeten als Kaiserreich, die dritte im zweiten Weltkrieg. Das alles war harmlos, bevor sich der jüdisch-amerikanische Finanzkomplex zur vollen Weltherrschaft entfaltet hatte. Die vierte Republik haben die Franzosen jedoch ohne gravierenden äußeren Anlaß überarbeitet. Das ist gefährlich, denn wenn jemand seinen Staat runderneuert, könnte er auf die unschöne Idee kommen, erst mal den alten Staat für Bankrott zu erklären. Das bedeutet, daß Sie als Bank Geld verlieren… Und dann die US-Marines schicken müssen, um die Ordnung in Ihren Kontenbüchern wiederherzustellen.

Aber die fünfte Republik hat ihre Lektion gelernt. Die Franzosen haben sich ordentlich verschuldet, sie zahlen brav ihre Zinsen und sie haben, dank des Euros, ein viel größeres Gebiet der Zinsknechtschaft geschaffen, in dem Hunderte Millionen Europäer für die Staatsschulden geradestehen. Dank Ihnen, dank Goldman Sucks, sind sogar die Griechen dabei, die besonders viel Geld von der Bank geholt haben.

Zurück zu den Parasiten, der dafür sorgt, daß die Herde nicht besonders viel, sondern besonders lange blutet. Juden früherer Zeiten haben sich einen schlechten Ruf erworben, weil sie als Wucherer betrachtet worden sind, die möglichst viel aus ihren Opfern heraussaugen wollen. Dieses Geschäftsmodell hat nie besonders lange funktioniert, weil allenthalben spontane Ausbrüche einer frühen Demokratie stattgefunden haben, bei denen den Juden das Geld und, so sie nicht schnell genug geflohen sind, auch das Leben abgenommen wurde.

Inzwischen hat sich die Demokratie weiterentwickelt. Statt Spontaneität entscheiden bezahlte Politiker darüber, was geschieht. Politiker, die aus weniger reichen Gesellschaftsschichten stammen und für kleine Gefälligkeiten empfänglich sind. Eine harmlose Nebentätigkeit, ein Beraterjob, ein Aktientip, ein wenig Kulanz, wenn es um die Finanzierung des Eigenheims geht… Freundschaften erleichtern nun mal das Leben und sorgen dafür, daß staatliche Kredite immer verlängert und nie zurückgezahlt werden, selbst wenn die Wirtschaft sich überschlägt und die Steuereinnahmen in den Himmel wachsen. Neben dem alten System der Zinsknechte wird heute das Verhältnis von Patron zum Klienten gepflegt, wobei der Patron auf die Nützlichkeit seiner Klienten achtet. Und jeder Klient weiß, was er seinem Patron schuldet, wenn er nicht wieder zum einfachen Zinsknecht degradiert werden will.

Sie müssen als internationaler Großbankier ein bißchen denken wie ein Bauchladenbesitzer während eines Boxkampfes. Wenn dieser verdammte Klitschko seinen drittklassigen Gegner in der ersten Runde umhaut, ist das schlecht fürs Geschäft. Also bitten Sie den Herrn Boxweltmeister, das Gemetzel bis kurz vor das Ende der zwölften Runde hinauszuzögern. Sie als König der Bankenkönige müssen nicht betteln, Sie bestimmen. Ihre Vorgänger haben 1980 übertrieben, als sie die Anleihezinsen auf 15% hochgejagt haben. 1980 war noch die Aussaatphase, da waren die Staaten noch nicht genügend verschuldet gewesen, um brave Zinsknechte zu sein. Sie als Parasit müssen heute Ihre Wirtstiere am Leben erhalten, deshalb sorgen Sie dafür, daß die Leitzinsen weltweit ganz, ganz niedrig sind. Rekordverdächtig niedrig! Es geht schließlich um Frankreich… Bei zehn Prozent wäre Frankreich binnen dreier Jahre am Ende, es würde den Staatsbankrott erklären und die sechste Republik eröffnen. Bei drei, vier Prozent Zinsen hält Frankreich durch, die Franzosen bezahlen Zinsen, wieder und immer wieder, als brave Zinsknechte.

Wo Sie sich als Bürger über die niedrige Verzinsung wundern, ja, sich vielleicht sogar ärgern, weil Ihre Lebensversicherung nichts mehr abwirft, da sehen Sie als großmächtiger Bankganove die ausschlaggebende Strategie, um die Herde Ihrer Wirtstiere am Leben zu halten. Niedrige Zinsen verhindern den Staatsbankrott und sorgen dafür, daß das Spiel noch eine Weile weiterläuft. Anders als vor 5.000 Jahren ist das Geld heute bedrucktes Papier ohne inneren Wert, oder gleich Zahlen in Computern, die nicht einmal mehr Brennwert besitzen. Für den Zinsknecht sind 100.000 noch eine beträchtliche Summe, für die er ein Leben lang fronen muß, für Angehörige der Hochfinanz sind selbst Milliarden nur Spielsteine auf dem Brett.

Wenn eine Notenbank verkündet, daß sie ab sofort unbegrenzt Geld drucken will, ist das für Sie als Bank solange eine gute Nachricht, wie der größte Teil dieses frischen Geldes auf Ihre Konten fließt. Wenn sich die Geldmenge verdoppelt, besitzt der “kleine Mann” statt 100.000 nun 150.000, Sie als Bank statt 100 Milliarden nun 250 Milliarden. Da haben Sie doch keinerlei Einwände, oder? Wie das funktioniert? Ganz einfach! Griechenland schulde Ihnen 100 Milliarden und kann nicht zahlen. Jetzt nimmt Merkeldeutschland bei Ihnen 100 Milliarden auf und bezahlt für Griechenland. Allerdings braucht Griechenland weiterhin Geld und leiht sich wieder 100 Milliarden. Nun zahlen Merkeldeutschland und Griechenland für diese 200 Milliarden, mit ein paar kleinen Gebühren sind die 250 Milliarden erreicht. In der Realität läuft es ein wenig komplizierter ab, doch hier geht es nur um das zugrunde liegende Prinzip.

Als Zinsherr müssen Sie nur zwei Dinge fürchten: Eines davon ist die Mathematik. 900 x 1 gleich 9.000 x 0,1 gleich 90.000 x 0,01 – das alles funktioniert wunderbar bei ständiger Entwertung der Währung. Allerdings erscheint irgendwann einmal die Null, und dann ist es egal, wie viele Nullen Sie besitzen, das Spiel ist vorüber. Auch das andere hat mit Zahlen zu tun, und es ist seit 5.000 Jahren gleich geblieben. Als Zinsherr sind Sie immer in der Minderheit. Damals haben die Truppen des Gottkönigs verhindert, daß Ihre Zinsknechte einfach über Sie hergefallen sind und Sie erschlagen haben. Dieses Zahlenverhältnis hat sich zu Ihren Ungunsten verschlechtert. Die Zinsknechte zählen heute nach Milliarden – führende Banker gibt es nur wenige. In den USA gibt es eine noch recht harmlose Bewegung, die von sich sagt, sie seien die 99%, die von dem einen Prozent ausgebeutet würden. Am Ende der DDR behauptete eine ähnliche Bewegung: “Wir sind das Volk!”

Die Banken haben sich auf eine sehr hohe Klippe begeben. Im Verein mit den ihnen hörigen Politikern haben sie alle Völker der Welt in die Zinsknechtschaft getrieben. Die Umverteilung ist sehr weit gediehen. In der BRD besitzt das reichste Zehntel der Bevölkerung sechs Zehntel aller Vermögenswerte. Den nächsten zwei Zehntel gehören drei Zehntel der Vermögen, die nächsten zwei Zehntel teilen sich das letzte Zehntel des Vermögens. Fünf Zehntel, die Hälfte der deutschen Bevölkerung, besitzt nichts, höchstens Schulden. Das beschreibt ein Land, das als “reich” bezeichnet wird, so reich, daß Flüchtlinge aller Herren Länder hier einfallen und die Hand aufhalten.

Jene zwei Zehntel der Bevölkerung, die heute noch ein Zehntel der Vermögenssumme besitzen, bluten gerade finanziell aus. Wir leiden noch immer unter einer Kanzlerin, die frech genug war, sich hinzustellen und mit dem unsäglichen Finanzminister Steinbrück zu verkünden, daß alle Spareinlagen sicher seien. Da gab es schon einmal einen, der immer von der Rente gesagt hatte, sie sei sicher. Wohlan, die Rente ist tatsächlich sicher, doch für immer mehr Menschen der sichere Weg in die Altersarmut. Die Spareinlagen waren auch in den Inflations- und Währungsreformzeiten sicher. Kein Mensch hat einem DDR-Bürger seine Ersparnisse abgenommen, sie wurden nur umgewertet, aus 30.000 Mark Ost wurden im günstigsten Fall 18.000 Mark West.

Das Geldsystem ist an seine Grenzen gelangt, und Sie? Ziehen Sie schnell den Anzug aus, lassen Sie die Welt der Hochfinanz hinter sich, kommen Sie wieder auf diese Seite des Tisches. Bleiben Sie für ein paar Monate weiterhin Zinsknecht, das ist für Ihre Gesundheit zuträglicher. Als Zinsknecht können Sie von Laternenpfählen und Kälberstricken sprechen, ohne dabei ängstlich an die Zukunft zu denken.

Auch wenn ich vom Alten Testament wenig halte, das Konzept des Jubeljahres, in dem alle Zinsknechte ihre Freiheit erlangen, gefällt mir. Es wird ein echtes Jubeljahr, allerdings nicht für die Herrschaften auf der falschen Seite des Tisches. Die Truppen des Gottkönigs sind allesamt selbst Zinsknechte. Wenn sie sich dazu hergeben, das Volk zu unterdrücken, morden sie dafür, selbst weiterhin in Ketten zu leben. In Merkeldeutschland lassen die Klienten der Hochfinanz zu, unsere ach so demokratischen Politiker, daß Polizisten sich von Zuwanderern beleidigen, verprügeln, mit Messern und Schußwaffen verletzen lassen müssen. Diese Klienten schicken deutsche Soldaten an den Hindukusch, damit in Afghanistan der Opiumanbau zum Wohle der CIA fortgesetzt wird. Diese Klienten verschleudern deutsche Vermögenswerte und unterstützen ihre Patrone in den großen Banken. Dazu pressen sie Geld aus allen Völkern, nach allen Regeln jener Zinsknechtschaft, die es schon vor 5.000 Jahren gegeben hatte.

Es sind nicht unsere eigenen Leute, die uns verraten, es sind deren Leute, die sich haben kaufen lassen. Die Käufer werden bald herausfinden, daß sie für Ihre Gefallen merkelhafte Ware bekommen haben. Und sie werden herausfinden, daß göttlicher Schutz nicht gekauft werden kann, ob man nun dem Baal Mammon die Vorhäute von Säuglingen oder dem Baal Moloch die ganzen Kinder opfert.

Zum Jubeljahr wird das Jahr der Freiheit jedoch erst für spätere Generationen. Für die befreiten Zinsknechte geht die Arbeit weiter, jetzt ohne Peitsche und auf eigene Rechnung. Sie müssen ihre Arbeit, ihre Vorratshaltung und den Verkauf ihrer Produkte organisieren lernen. Selbst in einem Jubeljahr muß die Freiheit erkauft und bezahlt werden. Und doch, alle Mühen um die eigene Freiheit lohnen sich, denn warum sonst hätten die Herren auf der anderen Seite des Tisches alles unternommen, um uns für ewig in Zinsknechtschaft zu halten?

©Michael Winkler

Quelle: michaelwinkler

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Eine Antwort to “Zinsknechtschaft”

  1. dieandereperspektive said

    So ist es, wenn es Eigentum ohne Grenzen gibt. Aber auch beim Monopoly-Spielen kann man das schon lernen. Zuviel ist genauso schädlich wie zuwenig. In den Lehrbüchern zur Volkswirtschaft ist da auch noch was drüber zu lesen, wenn es um das Thema Wettbewerbsbeschränkungen wie Monopolbildung, Oligopol, Kartellbildung, Fusion und Kooperationen geht. Hilfreiche Themen sind dazu die Preisbildung beim Angebotsmonopol (Wasser, Energiewirtschaft), Preisstopp und Preiskontrolle,
    Die Gesetzesleichen: allgemeines Kartellverbot und Fusionskontrolle, europäische Sozialcharta, Artikel 20,1 GG.
    Alles Opfer der Globalisierung.

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