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Archive for 15. Juli 2011

Die Schuldenkrise bleibt Preistreiber für Gold und Silber

Posted by krisenfrei - 15/07/2011

Von Manfred Gburek, 15. Juli 2011

Die Schuldenkrise bleibt Preistreiber für Gold und Silber

Am Freitag fragte mich eine alte Bekannte, von der ich weiß, dass sie ihr Geld gut gestreut hat, was mit dem Euro los sei. Ich bat sie, ihre Frage zu präzisieren. Doch sie musste passen und bemerkte nur, dass die Berichterstattung der Medien zu diesem Thema sie ganz nervös mache. Also sagte ich ihr, eigentlich gebe es zum Euro – außer dass Politiker und Notenbanker sich medienwirksam, aber ohne Ergebnis von Tag zu Tag mit den Schuldenproblemen einzelner Euro-Länder auseinandersetzen – kaum Neues zu berichten. Das sei ja am seit Wochen fast unveränderten Verhältnis zum Dollar abzulesen.

Allerdings hätten Euro und Dollar im Verhältnis zum Goldpreis inzwischen neue Tiefststände erreicht. Nur sei das den meisten Menschen nicht so recht bewusst, weil sie – wenn überhaupt – eher auf die Rekordpreise des Goldes in Euro und Dollar starren als auf die durch den Höhenflug des Goldes manifestierte allmähliche Wertvernichtung der beiden Währungen. Immerhin werden sie in Werbespots der DAB Bank und nun auch wieder in Focus Money mit der Nase auf das Edelmetall gestoßen.

Meine Bekannte wirkte ein wenig irritiert – was ich gut verstehen konnte, denn meine Erklärungsversuche waren offenbar wieder einmal zu kompliziert. Also von vorn, jetzt ganz einfach: Die meisten Euro-Länder sind überschuldet, die USA erst recht. Alle suchen nach einer Lösung für ihre Schuldenprobleme, finden sie aber nicht. Das lässt die Anleger zur ultimativen Währung greifen, zum Gold.

Zugegeben, diese Interpretation wird der Komplexität des Themas nicht ganz gerecht, aber sie trifft den Kern: Währungen sind, symbolisch ausgedrückt, Papier. Oder besser gesagt, nicht einmal das, sondern Billionen-Buchungen jenseits jeglicher Vorstellungskraft nicht nur der normalen Anleger, sondern auch der verantwortlichen Politiker und Notenbanker. Das heißt, denen ist die Fiskal- bzw. Geldpolitik längst entglitten.

Damit kommt eine massenpsychologische Komponente ins Spiel, die Gustave Le Bon in seinem bereits vor genau hundert Jahren erschienenen Bestseller „Psychologie der Massen“ wie folgt beschrieben hat: „Die Entscheidungen von allgemeinem Interesse, die von einer Versammlung hervorragender, aber verschiedenartiger Leute getroffen werden, sind jenen, welche eine Versammlung von Dummköpfen treffen würde, nicht merklich überlegen.“

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Der Zins und sein moralischer Schatten

Posted by krisenfrei - 15/07/2011

Bis heute ist der Preis des Kredits mit dem Stigma des Anstößigen behaftet

Zur Rolle des Zinses in der modernen Wirtschaft

Von Otmar Issing (Der Autor war damals Chefvolkswirt und Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank)

In der Frankfurter Chronik zur Judenverfolgung im Mittelalter heißt es: “Propter usuras vexabantur” – Wegen des Wuchers wurden sie gequält. Wucher, das war das Synonym für die Geldleihe gegen Zins, ein Geschäft, das den Christen nach dem kanonischen Zinsverbot untersagt war.

Verbietet die Obrigkeit eine wirtschaftliche Aktivität, für die es in einer Gesellschaft jedoch Bedarf gibt und ohne die, wie beim Kredit, nur eine beschränkte Existenz und kaum Spielraum zur Entwicklung gegeben ist, dann werden die Menschen Mittel und Wege finden, das Verbot zu umgehen. Eine naheliegende Möglichkeit besteht darin, dieses Geschäft Außenseitern zu überlassen. Genau dies geschah im Mittelalter. So wurde der “Geldhandel” ab etwa der Mitte des zwölften Jahrhunderts der Hauptberuf der Juden, zumal man sie im Laufe der Zeit immer mehr aus anderen Gewerben herausgedrängt hatte.

Damit war eine Minderheit wirtschaftlich ausgegrenzt und auf eine Tätigkeit verwiesen, die durch weitere politische Eingriffe, wie extreme Steuern und Schuldenerlasse, belastet wurde. Das dadurch erhöhte Risiko der Kreditvergabe spiegelte sich in teilweise horrenden Zinsen wider, ein Ergebnis, das den Gläubiger speziell bei den Schuldnern, aber auch in der Bevölkerung ganz allgemein nicht gerade beliebter machte. Wenngleich hier sicher nicht die einzige Ursache liegt, so muß man doch dem Haß auf die “Wucherer” eine wesentliche Rolle bei der Auslösung der schrecklichen Pogrome dieser Zeit beimessen.

Das Zinsnehmen stand lange Zeit auf einer Stufe mit den Kapitalverbrechen, der Wucherer wurde in die Gesellschaft von Brandstiftern, Räubern, Blutschändern und Huren eingereiht. Hinter dieser moralischen Verdammung steht zum einen die damalige Haltung der Kirche zum Zins und Zinsnehmen. Diese Aversion blieb aber keineswegs auf das Christentum beschränkt. So enthält etwa die Thora ein ausdrückliches Verbot des Darlehnszinses, freilich nur für Darlehen unter den Israeliten, und die Schwierigkeiten der Akzeptanz des Phänomens Zins im Islam reichen bekanntlich bis in unsere Zeit.

Die Sehnsucht noch der zinslosen Wirtschaft

In der Scholastik diente zum anderen neben der Bibel die Autorität des Aristoteles für die Stigmatisierung des Zinses. Nach der Lehre “des” Philosophen in seiner “Politik” war das Gewerbe des “Wucherers mit vollstem Recht eigentlich verhaßt, weil es aus dem Gelde selbst Gewinn zieht und nicht aus dem, wofür das Geld doch allein erfunden ist”. Der Zins stammt “als Geld vom Gelde. Daher widerstreitet auch diese Erwerbsweise unter allen am meisten dem Naturrecht”. Nach Edgar Salin sind von da an die Geldleihe und der Geldhandel überhaupt mit dem schwersten Fluch belegt, den die Philosophie und später auch die Theologie zu schleudern vermögen. Sie sind wider die Natur.

Das aristotelische Verdikt wird heute schwerlich noch jemanden beeindrucken, und mit einer Doktrin aus dem gemeinhin als “finster” apostrophierten Mittelalter wird sich ansonsten kaum ein Bürger unserer so aufgeklärten Zeit identifizieren. Ob aber nun die Meinungen der Vergangenheit das Bewußtsein der heute Lebenden stärker beeinflussen, als dies für möglich gehalten wird, oder ob dies nicht zutrifft, so bleiben doch berechtigte Zweifel, ob der Zins – um mit dem bekannten österreichischen Kapitaltheoretiker Eugen von Böhm-Bawerk zu sprechen – jemals seinen “moralischen Schatten” vollständig losgeworden ist. In der innerlichen Ablehnung, der die moralische Ächtung leicht folgt, liegt wohl auch die Wurzel dafür, daß die Sehnsucht nach der zinslosen Wirtschaft zum Beispiel am Rande von Kirchentagen immer wieder ihre Anhänger versammelt.

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