krisenfrei

Wer Gold und Silber hat, hat immer Geld!

Keynes’ Bancor-Plan

Posted by krisenfrei - 12/01/2011

Vorbemerkung des Herausgebers

Auf der berühmten Konferenz von Bretton Woods (1944) stellte John Maynard Keynes als Leiter der britischen Delegation seinen von ihm selbst entwickelten Plan zur Schaffung einer „International Clearing Union“ (ICU) vor. Dieser Plan sah vor, dass die Mitgliedsländer der ICU ihre Handelsbeziehungen mit Hilfe einer supranationalen Verrechnungseinheit „Bancor“ gegenseitig verrechnen, wobei alle Mitgliedsländer – nicht nur Schuldner-, sondern auch Gläubigerländer – einem gleichen Druck ausgesetzt sein sollten, ihre Bilanzen ins Gleichgewicht zu bringen. (Collected Writings Vol. 25 – Activities 1940 – 1944, Cambridge 1980, S. 168 – 195)

Anstelle von Keynes’ Bancor-Plan wurde auf der Konferenz von Bretton Woods der US-amerikanische White-Plan angenommen, demzufolge der US-Dollar zur internationalen Leitwährung wurde. Das Institutionengefüge aus IWF, Weltbank und GATT/WTO wurde zum Symbol der ökonomischen Überlegenheit des industrialisierten Nordens gegenüber dem sog. ‚unterentwickelten’ Süden.

Keynes’ Bancor-Plan geriet für längere Zeit in Vergessenheit. Um ihn wieder in die Diskussion zu bringen, veröffentlichte Prof. Jan Kregel eine von ihm angefertigte deutsche Übersetzung des Bancor-Plans in der Zeitschrift „Lettre international“ (Nr. 2/1988, S. 39 – 49). Ein Jahr später übersetzte Werner Liedke die englische Originalversion nochmals in Deutsche und veröffentlichte diese Übersetzung in dem von Stefan Leber herausgegebenen Buch „Wesen und Funktion des Geldes“ (Stuttgart 1989, S. 325 – 349).

In der Zeitschrift „Intervention – Zeitschrift für Ökonomie“ erinnerte Dr. Elke Muchlinski vor wenigen Jahren an die Grundgedanken von Keynes’ Bancor-Plan: „Erstens war es ein zentrales Anliegen von Keynes, bilaterale Lösungen des Zahlungsbilanzausgleichs zu vermeiden, da er hierin einen Grund für weitere Kriege sah. Zweitens wollte er die Gläubiger- und Schuldnerländer symmetrisch durch eine Anreizstruktur zum Abbau der Überschuss- bzw. Defizitpositionen ihrer außenwirtschaftlichen Bilanzen bewegen. Drittens lag Keynes daran, die internationalen Finanztransaktionen von der Verwendung einer nationalen Währung und damit von der nationalen Geldpolitik unabhängig zu gestalten. … In all diesen drei Punkten vertrat die amerikanische Seite eine gänzlich andere Position – dies war der Grund des Scheiterns des Plans von Keynes auf der Konferenz in Bretton Woods 1944. In der Herausarbeitung der ökonomischen Wechselwirkungen zwischen Schuldner- und Gläubigerländern liegt eine Chance für eine Änderung des bisherigen Verständnisses. Eine Chance, die Keynes in den 1940er Jahren deutlich heraus gearbeitet hat und die bei aktuellen Vorschlägen zur Umgestaltung des IMF Beachtung finden sollten.“ (Dr. Elke Muchlinski: Kontroversen in der internationalen Währungspolitik –Retrospektive zu Keynes-White-Boughton und IMF, in: Intervention – Zeitschrift für Ökonomie Nr. 1 / 2005, S. 58 und 71 – 72)

Mit der freundlichen Erlaubnis von Werner Liedke wird hier nachfolgend seine deutsche Übersetzung von Keynes’ „Proposals for an International Clearing Union“ wiedergegeben. (Werner Onken)

Hier nun einige elementare Auszüge aus Keynes’ Bancor-Plan

Über die Hauptziele eines verbesserten Systems einer internationalen Währung gibt es heute ein hohes Maß an Übereinstimmung:

(a) Wir brauchen ein Instrument für eine internationale Währung, das von den Nationen allgemein anerkannt wird, so dass Sparguthaben und bilaterale Verrechnungen überflüssig werden. Mit anderen Worten, ein Währungs-Instrument, das von jeder Nation bei ihren Geschäften mit anderen Nationen benutzt wird und das sich auf die Zusammenarbeit mit irgendeinem Organ, wie Finanzverwaltung oder Zentralbank, stützt, ist dringend erforderlich. Privatpersonen, Unternehmen und andere Banken als die Zentralbank würden dabei weiterhin ihre eigene nationale Währung wie bisher verwenden.

(b) Wir brauchen eine sachgemäße und anerkannte Methode zur Bestimmung der relativen Wechselkurse der nationalen Währungseinheiten, so dass einseitige Aktionen und konkurrierende Abwertungen verhindert werden.

(c) Wir brauchen ein Quantum an internationaler Währung, das weder durch unvorhersehbare und unsachgemäße Einflüsse bestimmt wird, zum Beispiel durch den technischen Fortschritt in der Goldindustrie, noch in Abhängigkeit von der Goldreserven-Politik der einzelnen Länder größeren Schwankungen unterliegt, sondern das sich nach dem tatsächlichen laufenden Bedarf des Welthandels richtet und das auch ausgeweitet oder eingeschränkt werden kann, um deflationäre und inflationäre Tendenzen in der wirksamen Weltnachfrage auszugleichen.

(d) Wir brauchen ein System, das über einen inneren Stabilisierungsmechanismus ver- fügt, durch den auf jedes Land Druck ausgeübt wird, dessen Zahlungsbilanz gegenüber der übrigen Welt in irgendeiner Richtung aus dem Gleichgewicht kommt, um Verschiebungen zu vermeiden, die bei den Nachbarländern eine gleich hohe, aber entgegen gesetzte Fehlbilanz zur Folge haben müsste.

Der Vorschlag besteht darin, eine Währungs-Union zu gründen, hier als International Clearing Union (Union für den internationalen Zahlungsverkehr) bezeichnet, die auf internationalem Bankgeld beruht, nennen wir es Bancor, das in Goldeinheiten festgelegt (aber nicht unveränderlich ist) und durch das Britische Commonwealth, die Vereinigten Staaten der Union als Goldäquivalent anerkannt wird, zu dem Zweck, einen internationalen Zahlungsausgleich zu ermöglichen. Die Zentralbanken aller Mitgliedsstaaten (und auch der Nichtmitglieder) würden bei der International Clearing Union Konten haben, die ihnen das Recht geben würden, ihre Devisenbilanzen untereinander zu ihrem Nennwert, definiert in Bancor-Einheiten, auszugleichen. Länder, die gegenüber dem Rest der Welt als Ganzes eine positive Zahlungsbilanz aufweisen, würden bei der Clearing Union ein Guthaben besitzen, während diejenigen, die eine negative Zahlungsbilanz aufweisen, Schulden hätten. Es werden Maßnahmen notwendig sein (siehe weiter unten), um der unbegrenzten Anhäufung von Guthaben und Schulden vorzubeugen, und das System würde auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt sein, wenn es nicht über ausreichende selbstregulierende Gleichgewichtskräfte verfügen würde, um das zu verhindern.

Die Idee, die einer solchen Union zugrunde liegt, ist einfach, nämlich: das eigentliche Bankprinzip, wie es innerhalb eines jeden geschlossenen Systems gehandhabt wird, zu verallgemeinern.

Dieses Prinzip besteht im notwendigen Ausgleich von Guthaben und Schulden. Wenn keine Guthaben aus dem Verrechnungssystem herausgezogen, sondern nur innerhalb des Systems übertragen werden können, kann die Union niemals in irgendwelche Schwierigkeiten kommen, was die Einlösung von Schecks anbelangt, die ihr vorgelegt werden. Sie kann jedem ihrer Mitglieder nach ihrem Ermessen Vorschuss gewähren in der Gewissheit, dass der Gegenwert nur auf das Verrechnungskonto eines anderen Mitglieds übertragen werden kann. Ihre einzige Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass ihre Mitglieder sich an die Regeln halten und dass die Vorschüsse, die jedem einzelnen von ihnen gegeben werden, klug und ratsam für die Union als Ganzes sind.

Durchführung

Die Gründerstaaten werden untereinander selbst den Anfangswert ihrer eigenen Währungen in Bancor-Einheiten verabreden, wie auch den Bancor-Wert in Goldeinheiten, der nachträglich nicht mehr verändert wird, es sei denn mit Zustimmung der Gründerstaaten. Die Anfangswerte der Währungen anderer Mitglieder werden bei ihrem Eintritt in das System mit ihnen abgestimmt.

Eine Gebühr von 1 Prozent pro Jahr soll an den Reserve-Fond der Clearing Union gezahlt werden, und zwar von dem Betrag des Durchschnitts-Saldos eines Mitgliedsstaates, der ein Viertel der Quote des betreffenden Landes übersteigt, gleichgültig, ob es sich um ein Haben- oder Schuldensaldo handelt, und weitere 1 Prozent von dem die Hälfte der Quote übersteigenden Betrag. Daraus ergibt sich, dass nur ein Land, das sich im Jahresdurchschnitt so nahe wie möglich im Zustand einer ausgeglichenen internationalen Zahlungsbilanz hält, dieser Gebühr entgegen kann. Diese Gebühren sind zwar nicht absolut lebenswichtig für das System.

Aber wenn sie akzeptiert werden, wären sie ein wertvoller und bedeutsamer Anreiz, um eine ausgeglichene Zahlungsbilanz zu erreichen und auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass das System auf überhöhte Guthabenkonten ebenso kritisch blickt, wie auf überhöhte Schulden, die ja tatsächlich beide unvermeidlich miteinander verbunden sind. Jeder Mitgliedsstaat, der Schulden hat, kann aber auf der Grundlage von Konditionen, die gegenseitig vereinbart werden können, aus den Guthaben anderer Mitgliedsstaaten Anleihen aufnehmen, wodurch beide die Gebühren vermeiden könnten.

Jeder Mitgliedsstaat soll berechtigt sein, einen Bancor-Kredit zu erhalten, indem er zugunsten seines Verrechnungskontos Gold an die Clearing Union zahlt. Aber niemand kann von der Union Gold gegen ein Bancor-Guthaben verlangen, weil solche Guthaben nur für den Transfer auf ein anderes Verrechnungskonto vorgesehen sind. Der Vorstand der Union sollte jedoch die Entscheidungsfreiheit haben, Gold, das sich im Besitz der Union befindet, an diejenigen Mitglieder zu verteilen, die Guthaben besitzen, und zwar proportional zu diesem Guthaben, deren Höhe sich dadurch verringern wird.

Die Rolle des Goldes

Gold besitzt noch immer einen großen psychologischen Wert, der durch die gegenwärtigen Ereignisse nicht geschmälert wird; und der Wunsch, für unvorhergesehene Ereignisse eine Goldreserve zu besitzen, wird vermutliche bestehen bleiben. Gold hat auch den Vorzug, durch seine Erscheinungsform (worauf das auch immer beruhen mag) einen unumstrittenen Wertstandard für internationale Zwecke darzustellen, für den es jetzt noch nicht einfach wäre, einen brauchbaren Ersatz zu finden. Darüber hinaus können die gegenwärtige Goldproduktion der Welt und die restlichen Goldreserven, die sich außerhalb der Vereinigten Staaten befinden, immer noch eine nützliche Rolle spielen, in dem sie automatisch den Ausgleich zumindest eines Teils der Haben-Salden der Gläubigerländer sorgen. Es ist auch nicht angebracht, von den Vereinigten Staaten zu verlangen, den Goldbestand, der die Grundlage ihrer unerschütterlichen Liquidität ist, aus dem Verkehr zu ziehen. Was die Welt auf lange Sicht mit ihrem Gold zu tun gedenkt, ist eine andere Sache. Der Zweck der Clearing Union ist, das Gold als beherrschenden Faktor zu verdrängen, aber nicht auf es zu verzichten.

Das internationale Bankgeld, das wir Bancor genannt haben, ist in Gewichtseinheiten von Gold definiert. Da den nationalen Währungen der Mitgliedsstaaten ein bestimmter Kurswert in Bancor-Einheiten zu erkannt wird, folgt daraus, dass jede von ihnen einen bestimmten Goldgegenwert hätte, der ihrem offiziellen Kaufpreis für Gold entsprechen würde und der nicht überschritten werden dürfte. Die Tatsache, dass ein Mitgliedsstaat berechtigt ist, einen Kredit in Bancor zu erhalten, indem er Gold zugunsten seines Verrechnungskontos einzahlt, sichert eine ständige und feste Abnahme für die Produktion der Gold erzeugenden Länder, wie auch für Länder, die große Goldreserven besitzen. So bleibt also die Position von Golderzeugern und Goldbesitzern im Wesentlichen unangetastet.

Kommentar:
Man mag sich nun fragen, warum auf der Bretton-Woods-Konferenz der US-amerikanische White-Plan angenommen wurde. Des weiteren stellt sich die Frage, ob wir mit dem Bancor-Plan auch so ein kaputtes Geldsystem wie heute hätten. Sicherlich nicht in dieser Form, denn unser heutiges Geldsystem ist durch NICHTS gedeckt und ist nichts anderes als ein Schuldgeld- und Betrugssystem.
Wie sagte einst John Connally, Finanzminister unter Richard Nixon: “Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.” Ja, in der Tat, die USA hat die Welt mit Dollars überflutet, und das spüren wir heute mehr denn je! Staatsschulden, die NIEMALS zurück gezahlt werden können. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, überlasse ich Ihrer Fantasie …

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2 Antworten to “Keynes’ Bancor-Plan”

  1. Sanora said

    This really answered my problem, thanks!

  2. Kaum auszumalen, wie sich die Welt entwickelt hätte, wenn sich 1944 eine Weltwirtschaftsordnung nach den Vorschlägen Großbritanniens durchgesetzt hätte! Denn der Vorschlag von Keynes war großartig, visionär und von den Zielen einer gerechten, ausgeglichenen und nachhaltigen Welt geprägt.

    Jedoch wurde der Plan von Keynes – entgegen der häufig anzutreffenden Formulierung – auf der Konferenz von Bretton Woods weder vorgestellt noch sonst in irgendeiner Weise behandelt. Grundlage der Konferenz war vielmehr das in zwei Jahren bilateraler Verhandlungen erarbeitete anglo-amerikanische “Statement of Principles”.

    Die USA setzten ihre Interessen schließlich durch, indem sie – und das ist bis heute kaum bekannt – auf der Währungskonferenz von Bretton Woods nachts die Dokumente umgeschrieben. Als die aus 44 Nationen stammenden Konferenzteilnehmer den Vertrag schließlich unterzeichneten, ahnten sie nicht, dass die USA in dem Dokument das Wort “Gold” jeweils um dem Zusatz “oder US-Dollar” erweitert hatten.

    Eine ausführlichere Erläuterung des Vorschlags von Keynes sowie eine Beschreibung der Vorgänge der Konferenz von Bretton Woods mit den entsprechenden Quellenangaben (etwa den Tagebucheinträgen von Morgenthau und anderer historischer Dokumente) findet sich in meinem kürzlich erschienen Buch “WELT MACHT GELD” , das auch Online veröffentlicht ist: http://www.weltmachtgeld.de

    Mit besten Grüßen, Georg Zoche

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